Part 22

Kurz bevor meine zittrigen Finger den kühlen Gegenstand umschließen konnten, ertönte ein schrecklich hohes Kreischen, dass mir durch Mark und Bein ging. Auf eine beunruhigende Art und Weise klang es zufrieden, wenn nicht sogar höchst erfreut.
Mich erfreute es weniger. Um ehrlich zu sein hatte ich gerade eine Scheiß-Angst. Aber, wenn ich hier am Boden festfrohr, wäre das der letzte Ort, an dem ich festfrieren würde können.
Mit steifen Gliedern und unter Schmerzen rappelte ich mich deshalb so schnell wie möglich auf und rannte ins Dunkle davon. Die Kreatur schnaufte laut hinter mir und verfolgte mich mit schnellen Schritten.
Jetzt musste ich das Gerät zügig loswerden, bevor mein kleiner Vorsprung vollständig verschwunden war.
Ich holte schwungvoll aus und wollte das Handy soweit wie irgend möglich von mir weg werfen, als ich plötzlich von spitzen Krallen herumgerissen wurde. Während des Fallens dachte ich mir nur:
"Warum wird das verdammte Ding immer schneller?"
Mein Kopf schlug hart auf dem Boden auf und kleine Steinchen bohrten sich in meine Haut. Vor meinen Augen tanzten wieder bunte Lichter. Höllische Schmerzen jagten durch meinen Schädel und raubten mir kurzzeitig den Atem. Jede einzelne Faser meines Rückens schien zu schreien, ganz zu schweigen von meinem Steißbein, dem die vielen Stürze so kurz hintereinander übel zugesetzt hatten. All das reichte mehr als genug um mir Tränen in die Augen zu treiben. Scheiße hoch drei! Fürs Sterben war ich zu jung.
Mit zitternden Armen stemmte ich mich hoch und versuchte irgendwie aufzustehn. Als ich es fast geschafft hatte, kamen zwei Klauen aus dem Nichts auf mich zugeschossen und bohrten sich tief in meine beiden Schultern. Mein Hinterkopf prallte zum x-ten Mal nach unten auf den steinharten Boden. Die bunten Lichter, die schon im Begriff waren zu verblassen, kehrten in ihrer ganzen Pracht zurück und strahlten hell wie nie.
Aber so hell? Moment mal?! War das links von mir etwa das Handy?! Ein kurzer Blick genügte zur Feststellung. Ja, da lag es mit dem Display nach oben und leuchtete meinem Feind geradewegs ins Gesicht. War ich in einen schlechten Film gelandet? Ich wollte nicht, dasss das Letzte, was ich sah, das Gesicht meines Mörders war. Im Moment konnte ich nur schemenhafte Umrisse erkennen, aber das reichte mir bereits.
Es hatte sich über mich gebeugt, die Krallen noch immer tief in meinem Fleisch versenkt. Stinkender Atem bließ über mein Gesicht und brachte meine Augen zum Tränen. Während die Schemen vor meinen Augen immer schärfer wurden, tropfte mir eine kalte Flüssigkeit auf die Wangen und vermischte sich mit meinen Tränen. Wenig später stieg mir ein beißend fauliger Geruch in die Nase, der mich dem Würgereiz nahe brachte.
So wollte ich wirklich nicht sterben. Ich wusste genau, dass meine Situation auswegslos war. Sobald der Fresser einen im Griff hatte, war das Schicksal besiegelt. Ein Schwall von Erinnerungen glitt vor meine Augen und ließ mich Stimmen hören. Schreie, die ich schon lange verdrängt hatte...
"...ein lass mich los!" Gott, diese verzweifelte Stimme. Ich erinnerte mich, als wäre es gestern gewesen.
"Nein! Bitte! Annaaa! Hilf mir!"
Meine Kehle brannte. Ich hatte all das doch verdient. Ich war an Allem schuld...

Kommentare

  • Author Portrait

    (Alp)traumhaft wie du die Spannung hälst - (k)eine Geschichte für dunkle, einsame Nächte.... ;)

  • Author Portrait

    Toll geschrieben und die Spannung lässt nicht nach!

beta
Feenstaub

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