Part 14

(Mia)

Nur noch einmal, dachte ich. Einmal noch seine Stimme hören.
Seit ich meine Nachrichten auf dem Handy abgehört hatte, saß ich in meinem Wagen und starrte auf das ausgeschaltete Gerät. Wie lange ich jetzt wirklich hier saß, wusste ich nicht und ich hatte auch nicht vor, das irgendwie zu ändern. Baal dachte, ich wäre bei Tyron und Tyron wiederum dachte, ich wäre bereits zu Hause.
Aber ich hatte gar keinen Grund, nach Hause zu fahren, es war niemand da, zu dem ich wollte. Was also hielt mich auf, einfach wegzufahren? Irgendwo würde ich sicher ein Telefon finden, ich könnte Andrew anrufen und zu ihm fahren.

Während ich mir das überlegte wusste ich, dass ich diesen Plan niemals in die Tat umsetzen würde. Baal und auch Tyron würden mich sowieso finden und Andrew am Ende etwas antun. Die letzen paar Monate musste ich wohl oder übel auch noch rum bekommen.
Nachdem ich noch einmal tief durchgeatmet hatte, legte ich das Handy beiseite und machte mich auf den Weg nach Hause.

Bevor ich aus meinem Wagen stieg entnahm ich noch meine SIM-Karte aus meinem Handy, diese versteckte ich in meinem BH. Andere Frauen trugen da Geld ich eben eine SIM-Karte, ich war sowieso nicht normal, warum also daran etwas ändern.
Ich wusste, dass Baal nicht zulassen würde, dass ich, auf egal was für eine Art und Weise, Kontakt zu anderen aufnehmen konnte. Dazu zählte auch, mir das Handy zu entwenden, aber die SIM-Karte nicht, das wollte ich nicht zulassen. Allerdings machte ich mir nicht zu viele Hoffnungen, dass ich damit durch kam.

Noch bevor ich den Schlüssel zur Wohnung auch nur in der Hand hielt, sprang die Tür auf und ich stand Baals verdunkelten blutroten Augen gegenüber.
„Rein mit Ihnen!“, befahl er, aber er klang beherrscht, noch riss er sich zusammen.
Ohne zu überlegen, oder zu widersprechen, betrat ich die Wohnung und ging gerade durch ins Wohnzimmer. Erst, nachdem ich noch mal tief durchgeatmet und meinen Mut zusammen gekratzt hatte, konnte ich mich umdrehen und ihn ansehen.
Sein Blick durchbohrte mich und nagelte mich an Ort und Stelle fest. Ich wusste nicht, was er sich dadurch erhoffte, aber ich fühlte mich unwohl, nicht weil ich versucht hatte mit so einem primitiven Plan durch zukommen. Seine Augen machten mich einfach nervös, ich fühlte mich regelrecht nackt unter seinem Blick. Ihm lag alles offen, was meine Gedanken anging.
„Glauben Sie wirklich, dass Sie mich so einfach hintergehen können?“, brach er das schweigen.
„Wie meinen Sie das?“, fragte ich.
„Verkaufen Sie mich nicht für dumm!“, brüllte er und machte ein Schritt auf mich zu. Ich blieb, wo ich war, noch hielt ich an meinem Vorsatz fest, nie wieder Schwäche zeigen!
„Ich habe keine Ahnung, worüber Sie reden.“ Dumm stellen könnte ja Helfen.

Baal verschränkte seine Arme vor der Brust.
„Ihr kleiner Plan wird nicht funktionieren.“
Wie von selbst wanderte meine Hand an meine rechte Hosentasche und legte sich auf das Handy.
„Richtiger Weg, das ist ein Teil.“
Meine Augen weiteten sich, das konnte nicht sein, er konnte nichts davon wissen. Ich hatte nicht einmal daran gedacht.
„Ich weiß es, entweder Sie legen beides freiwillig auf den Tisch, oder ich hol es mir!“, drohte er.
„Vergessen Sie es, das können Sie mir nicht nehmen.“, fuhr ich ihn an.
Es war mir natürlich nicht entgangen, dass mein Gegenüber ein Dämon war und auch nicht, dass er vermutlich einiges an Kräften besaß, aber ich konnte ihm die Karte einfach nicht geben.

„Ich Fordere Sie ein letzten mal auf, und dann werde ich es mir holen. Also, legen Sie beides auf den Tisch.“, verlangte er.
Ich nahm mein Handy aus der Tasche und knallte es auf den Tisch. Jetzt verschränkte ich die Arme vor meiner Brust und durchbohrte ihn mit meinem Blick.
„Es fehlt noch was.“, erinnerte er mich.
Sie können mich mal gern haben, dachte ich und ging ins Schlafzimmer.
Ich bemerkte zu spät, dass Baal mit gefolgt war, natürlich konnte ich mir denken, dass er das tat, dennoch kam es überraschend.
Unsanft packte er mich am Arm und zerrte mich zurück. Seine Augen brannten vor Wut und mir lief ein kalter Schauer über den Rücken.
„Ich habe es Ihnen gesagt, ich hole es mir, wenn Sie es nicht freiwillig rausrücken!“, rief er mir ins Gedächtnis.
Sein Blick schweifte nach unten auf meine Brust, kurz verweilte er dort, bis er mir wieder in die Augen sah.
„Ihre letzte Chance.“
Ich wog alles ab, es war nur eine SIM-Karte, ein kleines Stück Plastik, aber wiederum das einzige, was ich von Andrew noch besaß. Das einzige Lebenszeichen von ihm.

Plötzlich und mit voller Wucht traf mich die Erinnerung. Es war nicht das einzige, es war nichts Aktuelles aber auch eine Möglichkeit, Andrew in meiner Nähe zu wissen.
Dennoch widerwillig zog ich die kleine Karte aus meinem BH und überreichte sie Baal.
„Kluge Entscheidung.“
„Verpiss dich.“, zischte ich ihn an, fast hätte ich ihn auch angespuckt, besann mich dann allerdings wieder. Wer weiß, was er dann getan hätte.
Er ließ mich los und verließ das Schlafzimmer.

Ich knallte die Tür zu und wartete noch einen Moment. Als nebenan nichts zu hören war, ging ich zu meiner Kommode und zog die letzte Schublade ganz heraus. Langsam griff ich in den Spalt und zog ein kleines schwarzes Gerät nach vorn.
Nachdem ich die Schublade zurück geschoben und mich aufs Bett gesetzt hatte, öffnete ich das Gerät und brachte so einen Bildschirm und eine kleine Tastatur zum Vorschein. Diesen Pager hatte ich damals von Andrew bekommen. Warum ich ihn ausgerechnet da versteckt hielt, wusste ich nicht, Andrew meine damals: »Für Notfälle.«
Als hätte er damals schon gewusst, dass wir irgendwann getrennt werden würden.
So schnell ich konnte, Tippte ich eine Nachricht ein und versuchte dabei, an etwas anderes zu denken, damit Baal keinen Verdacht schöpfen würde.
Die Nachricht fiel kurz und knapp aus:

Es geht mir gut, mach dir keine Sorgen.
Melde mich so schnell ich kann
Liebe dich
Deine Mia

Ich tippte auf senden, gab schnell die Nummer ein und Bestätigte.
»Bitte warten« meine Finger zitterten und ich hoffte inständig, die richtige Nummer gewählt zu haben
»Gesendet« als ich das las, fiel eine unglaubliche Last von mir.
Jetzt tat sich das nächste Problem auf, wohin mit dem Pager? Hinter der Schublade war er nicht länge sicher.
Ich ging ins Badezimmer, über der Badewanne entdeckte ich den Lüfter. Ich nahm den Deckel und den Filter ab. Perfekt, dachte ich und legte das Gerät mit etwas Hoffnung, die ich noch besaß, in den kleinen Spalt. Schließlich hing ich den Filter und den Deckel wieder zurück und ging wieder ins Schlafzimmer.


Als mein Wecker am nächsten Morgen losging, lag ich bereits wach im Bett.
Der gestrige Tag schwirrte mir ständig im Kopf herum, es lief gestern einfach alles zu glatt, oder sollte Baal wirklich nichts mitbekommen haben?
Wirklich glauben konnte ich das nicht, aber fragen würde ich ihn sicher auch nicht. Ich streckte mich noch einmal und ging schließlich ins Badezimmer um mich fertig zu machen.

Nachdem ich in der Küche meinen Kaffee getrunken und mit von Baal einen wütenden Blick eingefangen hatte, machte ich mich auf den Weg zu meinem Auto und das große Bürogebäude wo Tyron und Arbeit bereits auf mich warteten.
Ich war nicht wirklich scharf darauf, zu erfahren, was ich heute für Tyron machen sollte, aber mich zu verspäten war genauso wenig vorteilhaft für mich.

Wie sonst auch, knallte die Tür auf, bevor ich die Klinke überhaupt berühren konnte.
„Guten Morgen.“, begrüßte mich Tyron lächelnd. Es hatte nur noch die Küsschen auf der Wange gefehlt und man hätte denken können, wir wären die besten Freunde.
„Guten Morgen.“, erwiderte ich.
Ich bemerkte sofort, dass weder Sam noch Vassago anwesend waren, vielleicht warteten beide ja bereits im nächsten Haus auf mich.
„Viele Aufgaben hast du heute nicht, vier Dämonen.“, sagte er und reichte mir die vier Zettel, mit Zeiten und Adressen.
Im Vergleich zu sonst, waren es wirklich wenige. Fast hätte ich denken können, Tyron schonte mich noch etwas, bis ich die Zeit auf dem letzten Zettel sah, ein Uhr Morgens.
Verdammt, fluchte ich innerlich.
„Viel Spaß und verschwinde nicht wieder so lange.“, sagte er lächelnd.
Leicht verkrampft erwiderte ich dieses Lächeln. Ich musste mir eingestehen, dass ich wirklich Angst hatte, dass so etwas wieder passiert.
„Du kannst gehen.“, erlaubte er mir schließlich und ich verließ das Büro.


Der Tag verging zu meiner eigenen Überraschung sehr schnell und verlief auch sonst ohne große Vorkommnisse.
Ich war froh, endlich wieder zu Hause anzukommen, aber noch bevor ich ins Schlafzimmer gegangen war, machte sich ein eigenartiges Gefühl in mir breit.
Das letzte Mal hatte ich es während meinem Aufenthalt in dem Haus, bevor Sam und Vassago hinter mir aufgetaucht waren.
Langsam drehte ich mich um und er war wirklich da. Sam. Allein.

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(Andrew)

Der Tag verlief jetzt schon schleppender als sonst und eine Verbesserung war auch nicht in Sicht.
Öfter dachte ich an den Tag zurück, als ich versucht hatte, Mia zu erreichen. Baal hatte mich geschickt abgewimmelt. Beugen musste ich mich, ob ich nun wollte, oder nicht, Mias Sicherheit hing davon ab.
Ich erschrak, als mein Pager sich meldete. Was war denn jetzt noch?
Genervt Atmete ich schwer aus und drückte auf den grünen Knopf zur Bestätigung. Die Nummer kam mir bekannt vor, aber wollte mir nicht einfallen.
Mit den Schultern zuckend las ich die Nachricht.

Es geht mir gut, mach dir keine Sorgen.
Melde mich so schnell ich kann
Liebe dich
Deine Mia

Mia, dachte ich.
Es war nicht viel, aber gab mir aber etwas mehr an Gewissheit zurück. Sie lebte und anscheinend ging es ihr soweit gut.
Oder?
Was, wenn Mia diese Nachricht nicht geschickt hatte?
Sie musste es gewesen sein. Niemand kannte das Versteck von ihr, auch Baal nicht.

Jetzt kam das schwerste für mich. Warten.

Kommentare

  • Author Portrait

    Toll geschrieben :-) Nur Andrew tut mir wirklich leid... Ich freue mich schon auf den nächsten Teil^^

beta
Feenstaub

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