Part 25

Zuerst hörte ich es nicht. Da war nur das Hecheln des Monsters über mir und mein eigener Herzschlag, der laut in meinen Ohren donnerte. Doch plötzlich nahm ich noch etwas anderes wahr. Schnelle, hastige Schritte, zu leichtfüßig für einen Menschen... und sie kamen näher! Immer lauter wurden sie. Für einen Sekundenbruchteil sah ich etwas Gewaltiges auf mich zufliegen. Mein Herz setzte vor Überraschung einen Schlag aus. Ein grelles Paar Augen brannte sich in meinen Kopf ein und bevor sich scharfe, stinkende Zähne in meinen Hals bohren konnten, wurde das begierig schnaufende Wesen über mir von meinem Körper gerissen. Dabei traf mich etwas hart in den Magen und ich schnappte vor Schmerzen gekrümmt nach Luft.
Noch immer wollte mein Verstand nicht wahr haben, was mir meine Augen gerade gezeigt hatten. Völlig verwirrt hielt ich mir den stechenden Bauch. Neben mir ertönten Kampfgeräusche wie von zwei ineinander verbissenen Katzen. Ein stetiges Knurren und Fauchen hallte durch die Dunkelheit. War das möglich?! Zwei von derselben Art griffen sich gegenseitig an? Warum nur? Schlagartig wurde mir bewusst, dass die Ursache für das unerklärlich anmutende Phänomen gerade verdreckt und verschmiert auf der kalten Erde lag. Fürs Denken hatte ich jetzt keine Zeit, schallt ich mich. Ich musste sofort weg von hier, bevor einer von beiden gewann oder die zwei sich dazu entschieden mich zu teilen! Endlich war ich befreit! Mühselig versuchte ich mich aufzurichten, Schultern und Magen brachten mich beinahe um. Geistesgegenwärtig packte ich das Handy in meine Hosentasche, vielleicht würde ich es noch brauchen. Mit zusammen gebissenen Zähnen riß ich mich am Riemen und erhob mich schließlich. Meine Beine zitterten zwar wie wild, aber ich hatte es geschafft und war stolz auf mich. Die eine Hand hatte ich mir auf den schmerzenden Bauch gelegt, die andere reckte ich nach vorne in die Dunkelheit um mein Gleichgewicht zu halten. So versuchte ich mich einigermaßen leise und schnell von den immer noch miteinander kämpfenden Kreaturen zu entfernen und hoffentlich die richtige Richtung einzuschlagen. Ich vermutete zumindest, dass ich auf dem richtigen Weg war, doch um ehrlich zu sein war mein Orientierungssinn während der Verfolgungsjagd und meines Fast-Tods vollkommen verloren gegangen. Hinter mir wurden die Geräusche immer leiser. Ich betete, dass sie meine Abwesenheit nicht gleich bemerken würden. Doch im Moment wurde jeder meiner Schritte sowieso von dem lauten Fauchen und den Schmerzensschreien der Fresser übertönt. Vielleicht würden sie sich ja gegenseitig ausschalten, sinnierte ich.
Plötzlich schoss mir ein Bild vor die Augen. Eine kleine blasse Gestalt lag hilflos und blutüberströmt auf dem Boden. Sie schien aus jedem Qadratzentimeter ihres Körpers zu bluten, die blonden Haare waren rot verklebt. Tiefe Kratzer und Bisswunden verunstalteten ihren zierlichen Körper und ließen das einst so hübsche Mädchen zerfetzt und enstellt wie sie war, wie das Opfer eines Raubtiers wirken. Tränen kämpften sich ihren Weg an die Oberfläche und liefen langsam meine Wangen hinunter. Es war Sophie. Meine Freundin..., die mir noch vor wenigen Minuten mit gierig funkelnden Augen meine Kehle zerbeißen wollte. War vielleicht doch noch etwas von ihr übrig, das gerettet werden konnte? Einerseits hoffte ich, dass es so war, andererseits... würde ich sie dann nicht ein zweites Mal sterben lassen? Zitternd blieb ich stehen. Schon wieder lief ich weg, wieder ließ ich sie im Stich... Eine irrwitzige Stimme in meinem Kopf befahl mir umzukehren, doch meine Vernunft zog mich in die andere Richtung, weg von der gefährlichen Bedrohung. Das Bild der kleinen hilflosen Gestalt verschwand vor meinen Augen und machte einem Paar mordlüsternen Augen Platz. Vor Schuld zerissen und mich innerlich verfluchend, gab ich meinem Überlebensinstinkt nach und setzte mich schwerfällig wieder in Bewegung. Auch wenn ich mich bis ans Ende meines Lebens dafür hassen und verabscheuen würde, hatte ich einen Entschluss gefasst. Neue Kraft durchfloss meinen in Mitleidenschaft gezogenen Körper und ließ mich verheult, aber entschlossen in die Schwärze vor mir sehen.
Ich würde all dem ein Ende bereiten!

Kommentare

beta
Feenstaub

Navigation

Sprachen

Social Media