Part 9

Liam fühlte sich wunderbar, das Fest war der größte Spaß seines Lebens gewesen. Er hatte selten solch unbeschwerte Stunden verbracht, sein Vater hatte ihn in höchsten Tönen gelobt. Er hatte sich mit Catt in den Thronsaal zurück gezogen um das Gespräch weiter zu vertiefen. Sie hatten über all das gesprochen was er mit Vernon nach seiner unglücklichen Ankunft in Amergyn erlebt hatte, und sie hatte ihm von ihrem Reisen durch Elensar und Amergyn selbst erzählt. Sie war eine außergewöhnliche und wunderschöne Person und schien ihm sehr zu getan. 
Gerade als sie zu einem Kuss ansetzte spürte Liam einen Stich in seinem Kopf. Plötzlich begann alles vor ihm zu verschwinden, er sah Nayda vor sich, wie sie finster grinsend ein Grab zuschaufelte, ein dunkler Schattenmann hatte seine Hand auf ihre Schulter gelegt. Aus dem Grab waren entsetzliche Schreie zu hören, Liam versuchte zu erkennen wenn die Schlangenlady lebendig begraben wollte. Erschrocken fuhr er zurück und sah nun wieder den vertrauten Thronsaal um sich. Der kurze Spuk war vorbei. "Was hast du?", fragte Catt bestürzt "ich wollte dich nicht bedrängen!" Liam rannte an ihr vorbei und stürzte zurück in den Festsaal, hielt ausschau nach Vernon. "Liam!", Nica kam ihm entgegen "was ist los?" Liam blickte gestresst um sich, er entdeckte seinen Vater, welcher den Bediensteten Anweisungen für die Aufräumungsarbeiten gab. Auch dieser schien seine Panik zu bemerken und eilte zu ihm: "Mein Sohn, was ist los?" 
"Vernon", Liam blickte weiter umher "wir müssen ihn finden bevor die Schlangenlords ihn umbringen!"

Nayda kehrte erschöpft von der langen Nacht in den frühen Morgenstunden zum Schloss zurück, sie war verwundert über die Versammlung die sich vor den Toren gebildet hatte. Die Leibgarde des Königs stand gesammelt mit dem König, anscheinend bereit sie zu empfangen.
Als sie sich vorsichtig näherte öffneten sich die Reihen der Soldaten, und Liam trat mit hasserfülltem Blick hervor, in seiner Hand das Schwert seines Vaters. Sie blieb stehen und versuchte abzuschätzen, ob man Vernons verschwinden bereits bemerkt hatte, und ob die Zois sie verdächtigen würden. Liam nahm ihr diesen Gedanken ab, er winkte zwei Wachen herbei die ihren Vater in Ketten gelegt hatten und mit sich zogen. Malwyns Augen funkelten voller Zorn, zwei weitere Wachen brachten seine Frau Larelina hinzu. "Wie du siehst", begann Liam "habe ich bereits zwei von drei Verrätern in Ketten legen lassen Nayda, ich habe damals Gnade walten lassen bei dir..." 
Liam versetzte Malwyn einen Tritt in den Bauch, sodass dieser in die Knie ging, dann blickte er wieder zu Nayda: "aber ich bin nicht wie meine Mutter, die Güte des weißen Tigers, man nennt mich die Vergeltung!" Er riss das Schwert in die Höhe und schlug dem Schlangenlord vor den Augen seiner Frau und seiner Tochter mit einem Hieb den Kopf ab. Nayda schrie auf, Larelina begann leise zu weinen und schien ihre Not begriffen zu haben.
Liam war verwundert wie leicht ihm diese Tat gefallen war, er hatte keinerlei emotionale Regung dabei gehabt. "Willst du deiner armen Mutter dieses Schicksal nicht ersparen? Oder ist dir egal wenn deine Eltern beide gerichtet werden?", Liam nahm Larelinas Ketten an sich und schleifte sie hinter sich her bis er vor Nayda stand und funkelte diese finster an. "Bitte mein Prinz...", versuchte Nayda ihn mit ruhiger Stimme zu besänftigen, er aber schlug sie mit dem Knauf seines Schwertes zu Boden. Larelina schrie vor Angst auf und begann dann wieder leise zu weinen. "Wo ist er?", schrie Liam sie an "wo ist Vernon?" Catt und Nica standen am Rand der kleinen Armee und betrachteten die Situation bestürzt. Sie hätten dem jungen Prinzen keine solche Grausamkeit zugetraut. Er war seit man Vernon nach seiner eigenartigen Vision nicht finden konnte in totaler Rage und hatte sofort die Raafes verhaften lassen. Dann hatte er befohlen vor dem Schloss auf die Rückkehr der jungen Schlangenlady zu warten.
Als Nayda still blieb machte Liam seine Drohung war, er enthauptete Larelina.
Der abgetrennte Kopf rollte bis zu Nayda, welche die Hände vor dem Mund zusammenschlug und ihn nun voller Angst anstarrte. Liam hob sein Schwert erneut, bereit Nayda ebenfalls zu töten, aber diese brach unter dem Druck zusammen: "Ich rede!" Er lies sein Schwert sinken und wartete bis sie sich erhoben hatte. Zitternd begann sie zu erzählen: "Er ist an der Nordgrenze des Grauwalds, da wo einst die Königin starb!" "Die von eurer Familie verraten wurde!", Liam setzte ihr sprichwörtlich die Pistole auf die Brust. Nayda nickte und schaute auf das Massaker, das der sonst so friedlich wirkende Prinz angerichtet hatte. "Schau mich an Schlangenlady, letzte Vertreterin deines Geschlechts!", verlangte Liam. 
Nayda schöpfte neue Hoffnung, der Prinz hatte sie schon einmal begnadigt. Ein stechender Schmerz erfüllte ihre Brust und trieb ihr die Luft aus der Lunge. Ihr Blick richtete sich entkräftet wieder nach unten, Liam hatte ihr sein Schwert in den Bach gestoßen. "Nun stirbt auch die letzte Schlange!", Liam hatte nichts als Verachtung in seinem Blick "und selbst ist dieses Geschlecht für seinen Untergang verantwortlich!" Nayda brach zuckend zusammen und starb einige Sekunden später. Liam starrte nun selbst auf das von ihm vollbrachte Blutbad, seine Hände zitterten, nie hätte er gedacht, dass er zu so etwas in der Lage war.
"War das wirklich nötig?", sein Vater legte ihm die Hand auf die Schulter und bemerkte, das seinem Sohn eine Träne über die Wange floss. "Sie hätten nie aufgehört!", keuchte Liam und begann zu weinen "nie hätten sie uns in Frieden leben lassen! Sie hätten weitere Anschläge geplant, und wer weiß ob nicht einer gelungen wäre, ohne das wir es merken!" Catt und Nica erkannten das Liam aus diesem Wissen heraus gehandelt hatte, das Leben der Schlangenlords für einen Stop des Blutvergießens, nicht nur aus Rache für den hinterlistigen Verrat an der Krone. Auch sie gesellten sich zu Alric und dem verzweifelten Prinzen um ihm beistand zu leisten.

Liam hatte nicht lange gebraucht um wieder klare Gedanken fassen zu können, er wusste das keine Zeit für Selbstmitleid blieb, er musste mit seiner Entscheidung leben und umgehen. Er hatte Catt und Nica gebeten sich bereit zu machen um ihm in den Wald zu folgen um Vernon, welcher hoffentlich noch lebte, zu finden. Liam glaubte fest daran, dass eine Change bestand seinen Freund heil wieder zu finden, es war dieses Gefühl, dass das Band, von dem der weiße Tiger gesprochen hatte, nicht durchtrennt worden war. Die kurze Vision, die ihm im Kopf herum gespukt hatte, konnte nur eine Auswirkung ihrer Verbindung sein.
Beide hatten sofort zu gestimmt und so waren sie im Laufschritt durch den Grauwald Richtung Norden unterwegs. Der Stand der Sonne verriet das es bereits Mittag war als sie die erste Spur fanden. Catt hatte sich, als sich der Wald vor ihnen lichtete, neben einem Baum nieder gelassen: "Ich habe ein Ding gefunden, dass ich nicht identifizieren kann, und zerschnittene Seile!" Liam betrachtete ihren Fund genauer, er erkannte sofort worum es sich handelte. Eingehend schaute er die benutzte Spritze an, an der Spitze klebte noch getrocknetes Blut. "Oh Vernon was hast du getan?", entfuhr es ihm. "Also war er hier?", schlussfolgerte Nica "und jemand hat die Fesseln zerschnitten, damit haben wir drei Möglichkeiten!" Liam richtete seinen Blick gegen Norden, vor ihnen taten sich drei Wege auf. Er musste lächeln, als wäre diese Aufgabe für sie gemacht, er versuchte sich einzureden, dass es sich dabei um ein gutes Omen handeln musste. "Im Westen liegen die Länder der Wolfsklans, Werwölfe, sie sind zwar der Krone hörig, ich würde mich aber nicht auf ihre Kooperation verlassen!", erklärte Catt "im Norden liegen die flüsternden Berge, ein unheimlicher Ort, Mönche und Magier gehen dort hin um zu meditieren, seltsame Wesen bewohnen ihn! Und im Osten liegt das Gebiet der Hexendoktoren, dunkle Magier über die man sagt das sie ihre Toten wieder auferstehen lassen, auch sie dienten einst Liana Zoi, haben aber Alric nie einen Eid geschworen!" Catt blickte auf den mittleren Weg: "Meine Herkunft könnte bei mystischen Wesen von Vorteil sein, Elfen sind mit der Natur sehr eng verbunden!" Nica schlug den östlichen Weg ein: "Ich arbeite selbst mit dunkler Magie, ich werde die Hexer aufsuchen!" 
Für Liam blieb so nur der Weg zu den Wolfklans, er würde den westlichen Weg nehmen. "Wie können wir einander erreichen?", fragte Catt. Liam lächelte: "Wir werden einen Weg finden und treffen uns einfach in der Mitte bei Catt! Passt auf euch auf, wir sehen und wenn wir Vernon gerettet haben!"

Syvalios, der oberste Fürst der Hexer, selbst einst von den Toten wieder erweckt worden, stand am Fenster der schwarzen Festung, welche sich an einem schneebedeckten Hang des Nordbergs befand. Hinter den Bergen gab es nur noch Klippen und das offene Meer, also hatten sie eine automatische Rückendeckung durch das unwegsame Gelände. Vor der Festung erstreckte sich eine weite Ebene, teile davon brannten seit hunderten Jahren. Einer Legende zu Folge sollte im Berg ein Drache leben, der einst den Wald nieder gebrannt hatte, und dessen Feuer noch 1000 Jahre brennen würde, Rauch stieg auf und erschwerte die Sicht. Der schwarze Stein des Bergs hatte zum Bau der Festung gedient, die roten Banner, geziert von einem Drachenschädel, schmückten die nicht besonders prunkvollen Hallen ein wenig. Es gab nicht viele Hexer, die meisten führten nicht ihr erstes Leben und waren wieder und wieder zurück geholt worden. Syvalios erblickte nun doch etwas ungewöhnliches, in den tristen, brennenden Feldern. Eine Gestalt schien sich unweigerlich der Festung zu nähern. Er rechnete nicht mit Besuch, seit über 18 Jahren hatte ihn niemand mehr von außerhalb aufgesucht. Die letzte war Königin Liana gewesen, um mit ihm über einen dauerhaften Frieden zu verhandeln. Es hatte ihn gefreut, dass man dabei an die Hexer dachte, obwohl sie sich in das Geschehen in Amergyn so oder so nicht einmischten, und eher ihre Ruhe genossen. Das zollte ihnen einen großen Respekt und stellte sie mit jenen, die als Reinblüter bekannt waren, gleich. Hexer galten als Schwarzblüter, genau wie Werwölfe. "Sir!", Melynor, ein nur als Schemen zu erkennender Geist, unterbrach sein Schwelgen in Erinnerungen "eine Nica aus dem Hause Vidar möchte euch sprechen, sie berichtet von einer Frage höchster Dringlichkeit!" Syvalios lachte und breitete die Arme aus, alle Tore der Festung sprangen durch die schwarze Magie des Hexers, die das Gemäuer durchströmte, auf: "Dann bittet sie herein!"
Nica betrat nach kurzer Zeit den schwarzen Saal, der nur durch den Schein des draußen brennenden Feuers ein wenig erhellt wurde. "Hast du Angst?", flüsterte eine raue Stimme aus der dämmrigsten Ecke. Nica hatte Angst, so große das man sie vermutlich riechen konnte, aber sie versuchte einen gefassten Eindruck zu machen. Der Schatten erhob sich und trat in den Schein der durch das steinerne Fenster fiel. Nica starrte gebannt in die roten Augen, welche an die einer Schlange erinnerten. Das kurze weiße Haar viel dem jung aussehenden Mann mit der beinah grauen Haut ins Gesicht, viele Stellen wirkten zusammengeflickt und schienen ursprünglich nicht zu ihm zu gehören. "Wie alt seit ihr?", fragte sie schockiert.
"Ich war einst Syvalios aus dem Geschlecht der Nagris. Das Wappen meiner Familie war ein stolzer Drache. Wir kämpfen vor vielen Jahren an der Seite von Yorick, dem Begründer des Hauses Zoi, gegen die bestialischen Kreaturen die Amergyn einst heimsuchten! Als ich im sterben lag fand ich einen Weg immer wieder zurück zu kehren und lehrte es meine Gefolgsleute. Yorick selbst hat uns für dieses Verbrechen an der Natur an den Fuß des Nordbergs jenseits des Grauwalds verbannt!" Beeindruckt begann Nica ihre Furcht zu verlieren: "Ihr seit der Begründer der Schattenmagie! Bitte beantwortet mir eine Frage, habt ihr einen Gefangenen hier in eurer Festung?" "Nein, wir scheren uns nicht um die Wesen außerhalb der brennenden Ebene, niemand von uns wird sie verlassen wollen!", antwortete ihr der oberste Hexer "und wir sind nicht auf Besuch eingestellt wie ihr seht junge Lady!"

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