Part 11

Es wurde bereits dunkel als Liam mit seinem Vater Alric gemeinsam über den Friedhof spazierte. Sie hatten Blumen an das Grab seiner Mutter gelegt und nicht viel mit einander gesprochen. Erst als sie sich in der Nähe der Portale ins Gras setzten und die Sonne dabei beobachteten wie sie nun völlig unterging begann Alric: "Du hast ein großes Talent mein Sohn, ohne die Hilfe des weißen Tigers hast du es geschafft den Halbwolf zu retten, sowohl die Werwölfe als auch die Hexer haben sich deiner Sache angeschlossen. Der oberste Hexer hat sogar seinen größten Trumpf im Kriegsfall, seinen Drachen, Preis gegeben um dich zu unterstützen!" Liam lächelte beim Gedanken an den Flug auf dem Drachen, und die überraschten Gesichter als dieser in den Schlossgärten gelandet war und dankte seinem Vater für die netten Worte. "Als ich so alt war wie du wollte ich die ganze Welt bereisen, aber als König und werdender Vater blieb mir das verwehrt!", sprach Alric weiter "aber du mein Sohn hast diese Möglichkeit noch solange ich lebe! Argenshire ist ein gefährlicher Ort seit dort vor 11 Jahren ein Artefakt aus einer anderen Welt vom Himmel fiel. Ein Junge namens Chrunch hat es in den Bergen gefunden und an sich genommen. Er regiert nun das ganze Land! Die Bewohner von Argenshire sind anders als wir, mag an der Hitze liegen!" 
Liam malte sich aus wie dieses Land aussehen würde, ob es ihn vielleicht an Amerika erinnern würde. Hitze wie im schönen Kalifornien nur mit einem verrückten Diktator an der Spitze. "Ich freue mich darauf dort hin zu reisen!", sagte er und lies sich zurück ins Gras fallen. Er betrachtete die Sterne die sich langsam zeigten, und den Mond, der in einer schmalen Sichel zu sehen war. "Wirst du außer Vernon noch jemanden bitten dich zu begleiten?", fragte ihn Alric, auch sein Blick war auf die Sterne gerichtet. "Ich denke nicht, Catt und Nica sollen an deiner Seite bleiben! Außerdem fallen wir nicht auf wenn wir weniger sind!", erklärte ihm Liam. Alric schien zu grübeln, er überlegte und überlegte. Auch seinem Sohn war das nicht entgangen, er setzte sich wieder auf und schaute seinen Vater fragend an. "Liam, du und Vernon, ihr seit... Sagen wir ihr seit besondere Freunde! Du kannst mir ruhig sagen wenn du und er, also wenn ihr ein Paar seit! Das würde mich nicht stören!", Alric kratzte sich am Kopf und merkte selbst wie unbeholfen und dümmlich seine Worte klangen. "Ach Vater, wir sind besondere Freunde! Aber ein Paar? Nein! Warum denkt jeder das wir schwul sind?", fragte Liam empört. Alric merkte das seinem Sohn das Thema mehr als unangenehm war und beschloss es vorerst nicht mehr anzusprechen.

Vernon packte in der Zwischenzeit seine Sachen zusammen. Leichtes Gepäck um in der Wildnis ein paar Tage durch zu kommen. Alric hatte ihnen erklärt das es kein direktes Portal nach Argenshire gab, man hielt es zu gefährlich solange dort ein Diktator, der gewaltsam an die Macht gekommen war, regierte. Sie würden durch ein Portal nach Pesthollow gehen, dem letzten Außenposten vor dem Abstieg des Südbergs der die natürliche Grenze zu Argenshire bildete. 
Ein eiskalter Hauch lies ihn schaudern. Er wusste das kein Fenster offen stand, also drehte er sich herum. Auf seinem Bett saß ein junges Mädchen, ihre Augen waren beinah weiß und ihr Haar leuchtete in einem hellen, unnatürlichen Blau. Ihre blasse Haut schien eigenartig zu glänzen, und ihr weißes Kleid deutete auf eine königliche Abstammung hin. "Wer bist du?", fuhr er sie an "oder was bist du?" Das Mädchen lachte verächtlich: "Du fragst mich was ich bin Halbblut? Ich bin hier um dir zu helfen! Dir eine Richtung zu zeigen!" 
Ein heißer Windstoß lies ihn wieder herum fahren, an dem Rucksack den er gerade gepackt hatte stand ein perfektes Spiegelbild des Mädchens, nur waren ihre Haare und Augen Feuerrot. "Wir sind so etwas wie Götter!", frohlockte die Rothaarige und machte eine Pirouette. "Was wollt ihr von mir?", schrie Vernon, der sich nicht mehr sicher war ob das was er sah der Realität entsprang oder seiner Fantasie. "Hier Vernon!", die Blauhaarige reichte ihm ein paar Blätter vergilbtes Papier "das ist dein erster Hinweis, finde das Mädchen und rette Argenshire!" Vernon betrachtete die Seiten, die augenscheinlich aus einem gebundenen Buch gerissen waren. Die Rothaarige stand plötzlich vor ihm und tippte auf seine Brust: "Ist er nicht ein Prachtstück, Schwesterherz? Sieh mal wie muskulös er ist, wäre doch was für mich!" Beide lachten schallend, Vernon schlug ihre Hand genervt weg, er würde die eigenartigen Gören am liebsten in der Luft zerreisen. 
"Schnell meine Liebe, bevor Tee merkt das wir die Seiten aus dem Buch gerissen haben und abgehauen sind!", rief die Blauhaarige, dann wandte sie sich Vernon zu "hör zu kleiner Wolf, du solltest unser Auftauchen für dich behalten, sonst gefährdest du den Prinzen! Wenn er wenig weiß kann ihm nichts passieren! Und jetzt lies die Seiten, finde Eva!" Vernon tat was sie ihm sagte, in der Hoffnung dann aufzuwachen oder das beide einfach ihre Wege gehen würden.
Die Seiten waren Handgeschrieben, sie schienen aus einer Art Tagebuch zu stammen, gespannt überflog er die Zeilen:

Blatt 1:
Nur noch die Hälfte meines Volkes ist am Leben, einen Teil rafften Hunger und Durst dahin, den anderen das Monster. Als wir die beiden Jungen im Gebirge auf dem Weg vom Südberg hinunter nach Argenshire fanden dachte keiner von uns an die Folgen die es haben würde zwei Kinder zu adoptieren. Wir sind ein wanderndes Volk, immer für einander da, es wahr selbstverständlich Kinder die Eltern und Heimatlos waren aufzunehmen. Gweniv, die Älteste unserer Sippe, nahm die beiden auf und versorgte sie. Ihr war aufgefallen das die beiden wohl Zwillinge sein mussten, sie waren komplett identisch, einer hatte eine Narbe auf der Brust, so konnte man sie unterscheiden. Meine Tochter hat sich mit ihnen angefreundet, ich weiß nicht ob ich das gut heißen soll. Eva ist mein ganzer stolz, eine Kämpfernatur, eine Rebellin wie es ihre Mutter einst war.

Blatt 2
Je weiter wir gehen, desto mehr Leute sterben. Letzte Nacht traf es Gweniv, aber es war kein natürlicher Tod. Das Monster muss sie Nachts gefunden haben. Ich weiß nicht wie ich Eva weiter beschützen soll, niemand scheint dieses Übel kommen oder gehen zu hören. Langsam beginne ich zu glauben das einer von uns dieses Monster sein könnte. Eva spielt nicht mehr mit den fremden Jungen, sie sagt sie hat Angst vor ihnen. Sie hat mir erzählt der eine Junge habe gelächelt, und sie hat spitze Zähne gesehen. Ich weiß das Kinder eine blühende Fantasie haben, aber Eva ist sieben Jahre alt, eigentlich kann sie gut zwischen Traum und Wirklichkeit unterscheiden. Ich muss mir die Jungen genauer ansehen.

Blatt 3
Einer der beiden Jungen ist in der Nacht verschwunden. Habe ich ihnen etwas falsches unterstellt? Der andere Junge sagt kein Wort mehr, er sitzt nur noch stumm da. Eva sagt das es der Junge ist den sie nicht fürchtet. Auch mir fällt auf das er anders ist als wir. Seine Haut scheint fast gräulich zu sein und ist mit schwarzen Nähten überdeckt, es werden immer mehr.  Seine Augen sind so dunkel, dass man nichts darin erkennen kann. Er strahlt etwas dunkles kaltes aus, für sein Alter, ich schätze er ist etwa gleich alt wie meine Tochter, ist er sehr kräftig und trägt gleich viel die die stärksten Männer unter uns. Aber ohne das es ihm Mühe bereiten würde.

Vernon blickte auf: "Wie soll ich Eva finden?" Aber die seltsamen Mädchen waren verschwunden. Die Seiten die er in den Händen hielt begannen zu brennen, erschrocken lies er sie fallen. Es wehte nur noch ein wenig Asche durch den Raum, sonst gab es kein Anzeichen mehr für das was passiert war.
Das plötzliche knarren der Tür lies ihn zusammen zucken, Liam war eingetreten und musterte ihn kritisch. "Alles in Ordnung, können wir aufbrechen?", Liam bemerkte die eigenartige Stille die den Raum erfüllte "Du siehst aus als hättest du einen Geist gesehen!" Zwei um genau zu sein, dachte Vernon, versuchte aber sich nichts weiter anmerken zu lassen. "Nein, ich war nur kurz, also ich habe nachgedacht ob ich alles habe!", Vernon lächelte gekünstelt "Aber ich habe alles, lass uns gehen, schätze es wird ein weiter Weg vom Südberg ins Tal!"
König Alric begleitete die beiden mit Nica und Catt auf den Friedhof zu den Portalen, er wirkte stolz, konnte aber seine Trauer über den Aufbruch seines Sohnes nicht verbergen. Catt und Nica waren nicht begeistert über die geplante Reise, aber sie hatten genug zu tun während der Abwesenheit des Prinzen. Nica hatte sich vor genommen noch einmal zu den Hexern zu reisen und dort Unterricht zu nehmen und dabei die Beziehungen zwischen ihnen und der Krone zu stärken. Catt wollte nach Elensar gehen und dort mit den Weisen über ihre Meinung zu den Geschehnissen reden. Alric hatte einstweilen ein paar neue Gesetzesentwürfe im Kopf, welche die Gleichheit aller sicher stellen sollten. 
"Dann ist es jetzt so weit, ihr werdet in Pesthollow erwartet, man wird euch den Weg zeigen!", Alric schloss seinen Sohn in die Arme, dann klopfte er Vernon ermutigend auf die Schulter "das du mir gut auf Liam aufpasst!" Vernon lachte: "Ich werde versuchen uns aus Schwierigkeiten raus zu halten, so gut es geht!" Liam drehte sich zu Catt und Nica: "Passt auf meinen Vater auf Mädels!" Die beiden nickten und machten den Weg frei damit Vernon und der junge Prinz durch das Portal zur Südgrenze des Landes schreiten konnten. 
"Bin ich die einzige die dabei ein komisches Gefühl hat?", fragte Catt Nica nachdem Alric außer Hörweite war. Nica schüttelte den Kopf: "Ich habe auch große Sorge, Vernon scheint Ärger magisch anzuziehen und Liam stürzt sich jedes mal hinter ihm her und achtet nicht auf seine Sicherheit!" Catt lachte, Nica hatte absolut Recht. Schon damals im Wald vor dem Schloss der Familie Raafe, als sie Vernon schwer verletzt hatte, war Liam geblieben und hatte sich beim Versuch Vernon zu heilen fast selbst umgebracht. "Aber wir hätten die beiden nicht begleiten können!", Catt verdrehte die Augen "oder gar davon abhalten zu gehen!" Nica winkte ab: "Als ob, zwischen die beiden passt kein Blatt! Und was man ihnen lassen muss, solange der weiße Tiger sie beschützt sind sie ein gutes Team!"
Catt blickte auf die verschiedenen Portale, sie wusste das Argenshire nicht die letzte Reise des jungen Prinzen werden würde. "Ich bin gespannt welche Abenteuer die beiden erleben werden!", Catt deutete Nica ihr zu folgen "wir sollten uns auch langsam aber sicher an die Arbeit machen!"
 

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