Vor hundert Jahren schon
führten Lügen zu Hass.
Hass der sich als Liebe tarnt,
schuf Bürger welche sich
als Helden ihrer Heimat sahen.
Doch zwischen Gas und Stacheldraht,
in Schlamm gefüllten Gräben,
starb der jugendliche Geist
in blutgetränkten Bildern.
Und plötzlich konnten sie
die Wahrheit über falsche Liebe sehen.
Und plötzlich konnten sie
den Hass zwischen den Lügen sehen.
Und die, die nicht verreckten
kehrten Heim und schreckten
die Jugend, die von Helden träumte
mit blutgetränkten Bildern.

Und die Menschen riefen:
"Niemals wieder Krieg!
Niemals wieder werden wir
von Lügen uns verführen lassen!"

Doch keine zwanzig Jahre später
führten wieder Lügen zu Hass.
Die Bürger hassten nun aus Angst,
aus Angst vor dem Verlust
von dem was noch geblieben war
nach einem langen Krieg. 
Schon wieder wurden sie verführt,
mit Lügen und Versprechen
und dem Bild vom bösen Juden.
Die Juden und Zigeuner,
Kommunisten und Behinderten
und Schwulen auf der ganzen Welt
waren nun der Feind.

Und wieder zog die Jugend
mit vom Heldentum verdrehten Köpfen
in den Kampf nach Osten und nach Westen.
Und während in der Heimat
ihre alten Freunde die nun Feinde waren,
in Lagern massenweise starben,
erblickten sie im Osten
erneut die Fratze des Krieges.
Und in schneebedeckten Massengräbern
starb der jugendliche Geist
in blutgetränkten Bildern.
Diesmal war der Krieg ein Flächenbrand
und loderte schon bald
im eignen Vaterland.
Und so starb der Traum
vom Reich der Helden
in Trümmern und Ruinen
und blutgetränkten Bildern.

Und die Menschen riefen:
"Niemals wieder Krieg,
niemals mehr Faschismus!
Niemals wieder werden wir
von Lügen uns verführen lassen!"

Und tatsächlich folgte nun
eine lange Zeit des Friedens.
Denn obwohl die Lügner und Verführer
noch immer logen und Versprechen gaben,
saß das Trauma noch zu tief
um wieder ruhig zu schlafen
und Träume von Helden zu haben.
Doch nach sechzig Jahren
hatten sie endlich einen neuen Feind;
Der ganze Westen
gegen den Terror vereint.
Den Terror hatten sie
zwar selbst erschaffen,
doch dank der Lügen griffen nun
die Helden nochmals zu den Waffen.

Im Terror fand man endlich
den perfekten Feind,
denn im Krieg gegen den Terror
liegt versteckt die Saat,
aus der neuer Terror keimt.
Und wann immer eine Bombe platzt
wird der Hass geschürt.
Und immer wenn der Hass anschwillt
startet der Westen seine Drohnen
Und wann immer dabei Zivilisten sterben
wird der Hass geschürt.
Und immer wenn der Hass anschwillt
malt eine Bombe uns
ein blutgetränktes Bild.

Und die Menschen, die rufen:
"Niemals wieder Krieg!",
Sie sind immer noch da.
Doch die Stimme der Vernunft
geht unter im Geschrei der Helden.

Ich habe geglaubt, nein ich habe gehofft,
das Land der Helden wäre aufgewacht.
Doch ich stelle nun verbittert fest:
in Deutschland herrscht noch tiefste Nacht.

Kommentare

  • Author Portrait

    Unglaublich erschreckend und doch so schön erzählt. Und wieder einmal lässt sich sagen: Hass erzeugt Gegenhass! Also, wozu hassen?

  • Author Portrait

    Hoffen wir, dass die Stimme der Vernunft es bald schaffen wird, sich Gehör zu verschaffen. Richtig gut geschrieben :)

beta
Feenstaub

Navigation

Sprachen

Social Media