Prolog

When all the world has gone to sleep

The fairies from the forest creep
From out 'the wild wood comes the call:
»The dance is life ... the dance is all ...«

An ancient forest beckons me
To run skyclad amongst the trees
This band of pagans cannot wait
with you, tonight, to celebrate.

Cernunnos, Lord of Beasts, has spoke:
»Come join us for some pagan folk!«(1)

 

Anna hatte gerade die Dusche abgestellt und sich in ein Badetuch gewickelt, als das Telefon klingelte. Drei Töne lang überlegte sie, den Hörer gar nicht abzunehmen, aber dann tat sie es doch. Das Display zeigte die Nummer von Franz an, ihrem guten Bekannten, und den konnte sie nicht abweisen. Immerhin war der Journalist seit ihrer Scheidung vom entfernten Bekannten zum engen Vertrauten geworden.

»Hey, Franz«, rief sie hektisch ins Telefon. Und dann fröhlicher: »Warte kurz! Ich muss nur schnell meine Füße abtrocknen.«

Ein Lachen am anderen Ende ließ sich aus dem abgelegten schnurlosen Telefon vernehmen. Anna schmunzelte und schob das Handtuch gleich noch über die nassen Fußabdrücke auf ihren Badfliesen. Dann griff sie erneut zum Hörer.

»Also, Franz! Warum jagst du mich aus meiner Dusche?« Ein Kichern bestätigte, dass sie es nicht so ernst meinte und der Anrufer lachte gutmütig.

»Ich freue mich auch, dich zu hören, Anna!«, erklärte er leicht spöttisch. »Du hast dich echt rar gemacht in den letzten Tagen. Ist alles bei euch in Ordnung?«

Anna nickte, obwohl das der Mann am anderen Ende der Leitung wohl kaum sehen konnte. »Jaaa, eigentlich schon.«

Beim Überlegen runzelte sie die Stirn und betrachtete ihr Gesicht im Spiegel, während sie die letzte Woche gedanklich Revue passieren ließ. ‚In Ordnung’ war so ein dehnbarer Begriff und sie wollte Franz nicht schon wieder mit ihren Problemchen und Sorgen in den Ohren liegen.

»Jenny ist gerade im Ferienlager, weiß du …«, erklärte sie.

»Und da machst du dir ein paar gemütliche Stunden?«, mutmaßte Franz. »Oder drückst du dich schon wieder viel zu oft auf eurer Wachstation rum?«

Anna seufzte. Dass er sie aber auch schon so gut kannte. Natürlich schob sie jetzt, wo Jenny über die Osterferien an der Nordsee war, ein paar zusätzliche Dienste. Einerseits konnten sie das Geld gut gebrauchen, andererseits musste sie diese Leistung einfach erbringen. Ihr Chefarzt war sehr rücksichtsvoll gewesen, als sie nach dem Tumult der Scheidung eine Auszeit gebraucht hatte, doch nun forderte er auch entsprechende Gegenleistungen. Und eigentlich war das für Anna auch ganz okay. So hatte sie weniger Zeit zum Nachdenken.

»Ich bin gerade nach Hause gekommen«, gab sie zu. »Aber es war ganz ruhig – hatte kaum was mit Arbeit zu tun.«

Franz brummte etwas Unverständliches. »… und du musst selber am besten wissen, wie viel du dir zumuten kannst«, verstand Anna am Ende seines Satzes. Erneut nickte sie unwillkürlich.

»Das weiß ich, Franz. Es wird nicht zu viel werden. Kommendes Wochenende habe ich frei. Und da Jenny erst am Sonntag wiederkommt, werde ich mich ganz auf meine Erholung konzentrieren.«

Wieder brummte der Mann am anderen Ende. Dann kam er zu dem eigentlichen Grund seines Anrufs: »Ich weiß nicht, ob das mit der Erholung so klappen wird, Anna«, gab er zu.

»Wieso denn nicht? Willst du mit Sylvie vorbeikommen und wir machen uns einen lustigen Abend?«, witzelte sie.

»Äh, nein!« Franz räusperte sich. »Ich wollte dich eigentlich bitten, mir bei meinem neuen Buchprojekt noch einmal zu helfen.«

Als er hörte, dass Anna tief Luft holte, fuhr er schnell fort: »Das Tourbuch von den Corvidae(2) ist eingeschlagen wie eine Bombe.«

Anna unterbrach ihn mit einem Lachen. »Das glaube ich sofort! Die Jungs waren aber auch so was von toll …«

Unwillkürlich sah Anna die Musiker der Mittelalterband, deren Name so viel wie ›Rabenvögel‹ hieß, vor sich. Fünf Wochen lang hatten Franz und sie die Gruppe auf ihrer Deutschlandtour durch alle Burgen und Kneipen begleitet und ein dreißigseitiges Tourtagebuch erstellt. Franz war der Autor und sie hatte die Jungs abgelichtet. Richtig Spaß hatte das gemacht!

»Ja, und weil sie so toll waren, ist das Buch wirklich gut auf dem Markt angenommen worden«, bestätigte Franz. »Darum hat mich heute auch dieser Manager von den Pagans(3) angerufen und mich gebeten, so ein Projekt für seine Truppe zu machen. Er hat ausdrücklich den gleichen Fotografen gefordert, Anna!«




(1)Intro zu ›Tine Bealtaine‹ von Omnia, Album: ›Live On Earth‹ 2012

(2) Latein - Rabenvögel

(3) Englisch - Heiden (man kennt Musikrichtungen wie Pagan Metal oder Pagan Folk, Pagan Metal vermischt den musikalischen Stil des Metal mit mythologischen Texten, Pagan Folk bezeichnet dagegen einen Stil des Folk, der klassische Spielweise und elektronische Musik (Keyboards o.ä.) kombiniert. ›Meine‹ Pagans spielen Pagan Folk.

Kommentare

  • Author Portrait

    Oh, eine neue Geschichte! Da lese ich mich doch doch gerne ein! Zumal mich der Beginn gleich neugierig macht auf das, was kommt...

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Feenstaub

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