Prolog

Ich laufe über einen Steg. Mit jedem Schritt, den ich mache scheint es, als würde ich das Ende erreichen, doch es ist lediglich ein Wunsch. Mit jedem Schritt wird der Steg länger und ich laufe weiter durch die Nachtluft. Werde schneller und noch schneller. Plötzlich vernehme ich ein lautes Knacken und dann ein Krachen und ehe ich mich versehe, lande ich im kalten Wasser des dunklen Sees. Ich sinke hinab. Ein paar durchsichtige Fische streifen meinen Bauch und lange Algen wickeln sich um meine Fußgelenke. Kann das real sein oder ist das wieder einer dieser Albträume? Es hat fast den Anschein. Seit dem Tod meiner Schwester vor etwa einem Monat habe ich immer diese Träume. Und immer ist da dieser Junge. Dieser wundervoll Junge.

Meine Schwester. Ich sehe sie nach wie vor lebendig vor meinen Augen. Ihre wunderschönen blonden Locken und ihre hellgrünen Augen. Wir waren ein Herz und eine Seele. Wie der Tag und die Nacht. So verschieden, brauchen uns aber trotzdem.

Ich erinnere mich noch genau an den Tag, an dem sich alles erinnerte. Es war im Winter. In der Nacht hatte es geschneit und geregt, sodass die Straßen und Bürgersteige schon zu froren waren. Es roch nach Schnee, so wie jeden Winter in unserem kleinen Heimatdorf. Wir hatten uns für die Schule fertig gemacht und warteten an der Ampel, die unmittelbar an der Kirche steht. Ich fror, doch meine Schwester schien nichts davon zu spüren. Auch an diesem Tag sah sie mal wieder einfach wundervoll aus. Schade, dass es ihr letzer war. Die Ampel wurde grün und wir gingen hinüber. Etwa auf der Hälfte ging mein Schuh auf und ich kniete mich hin, um ihn wieder zu schließen. Da sah ich das Auto wie in Zeitlupe herbei rasen. Es ist im Begriff in die Straße, die wir gerade überqueren ein zu biegen. Meine Schwester schien der Fahrer gar nicht zu sehen. Ich muss ehrlich sagen, dass die meisten Leute sie zu Beginn nie wahr nehmen. Ich sah genau den Moment in dem das Auto gegen meine Schwester prallt und ihr sämtliche Knochen brach. Ich rief noch ihren Namen, doch es ist zu spät. Ich lief so schnell ich konnte zu ihr, doch es schien, als würde ich mich in Zeitlupe bewegen. Als ich bei ihr ankam und sie auf meinen Schoß zog, war es schon fast zu spät. Mit letzter Kraft drückte mir etwas in die Hand. Das war der Wintertag, an dem mein Leben eine plötzliche unerwartete Wendung nimmt.

Jemand umfasst meine Handgelenke und zieht mich auf den Steg zurück. Als ich auf dem Steg ankomme, füllen sich meine Lungen langsam wieder mit Luft. Ich spüre die Kälte jedoch nach wie vor in meine Adern pulsieren, wirke jedoch wie versteinert. Bin unfähig mich zu bewegen. "Wieso muss ich dich jede Nacht retten?", fragt eine tiefe mir nur zu vertraute Stimme. Es ist mein nächtlicher Retter. Seine rabenschwarzen Haare fallen ihm in die Augen. Seine nachtschwarzen gutmütigen Augen. Seine Lippen sind wunderschön und voll, aber auch kalt und herrisch. Ich will etwas sagen. Erwidern, dass ich nicht gerettet werden muss, dass ich auf mich selbst aufpassen kann und dass ich ihn nicht brauche, doch kein Wort kommt aus meinem Mund. Ich versuche mich krampfhaft zu bewegen, doch sein Blick scheint mich auf den nassen Brettern fest zu halten. Sein Blick, der durch Marck und Bein geht und mit dem er jeden Knochen, jeden Muskel, jede Zelle meines Körpers mustert. Ich möchte ihn bitte es zu lassen, doch es schein als würde mich eine unsichtbare Kraft davon abhalten. Er ergreift meine Hand und drückt sie sanft. Kurz spüre einen angenehmes Prickeln. Dann ist alles schwarz um mich und ich spüre...Nichts.

Kommentare

beta
Feenstaub

Navigation

Sprachen

Social Media