Prolog

Finsternis. Nahezu alles in dieser Nacht ist dunkel. Der Himmel. Die Straßen. Alle Lichter sind erlöschen. Nur die Sterne werfen ihr silbriges Licht auf die Straßen von Caídos hinab. Ich sehe eine Katze, die schnell über die Straße huscht. Ihr Fell glänzt schwarz. Als sie mich aus ihren dunklen Augen anblickt, läuft mir ein Schauer über den Rücken. Ich habe Angst vor Katzen. Riesige Angst. Das ist wahrscheinlich auch der Grund weshalb ich keine Katzen im Palast dulde und stattdessen einen Hund halte. Ich werfe einen Blick auf meinen kleinen Welpen. Er hat silbrig graues Fell und eisblaue Augen. Sein Name ist Prince.

Plötzlich wird mein Zimmer hell erleuchtet und ich wende mich wieder dem dunklen Nachthimmel zu, der nun gar nicht mehr so dunkel ist. Am Himmel ist ein silberner Streifen Licht zu sehen. Der Streifen thront über dem nördlichen Polarkreis von Pagodon. Diese Nacht wirkt irgendwie magisch. Ich genieße noch den Blick auf dieses wunderschöne Spektakel. So etwas Außergewöhnliches habe ich noch nie gesehen.

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Zur selben Zeit weit weg. Im kleinen Dorf Nordon in Pagodon.

Ich liege auf einer Bahre in meinem kleinen Haus. Ich schreie einmal laut auf. Meine Freundin Theodora hält meine Hand. Die Dorfhebamme gibt mir Anweisungen:"Pressen." Ich presse feste. Vor etwa einer halben Stunde hatten meine Wehen angefangen.

Wieso kann Henry jetzt nicht hier sein? Ich weiß zwar, dass er mal wieder in seinem kleinen Boot, der "M.S. Wera", hockt und fischt, um für unsere Familie Geld zu verdienen, doch in diesem Moment hätte ich ihn echt gerne bei mir.

Tränen laufen mir über die Wangen und die Schmerzen übermannen mich in Wellen. Eine weitere Wehe kommt und ich werde erneut angewiesen zu pressen.

Theodora zieht eine Schüssel mit Wasser zu sich heran und holt ein nasses Tuch heraus. Mit dem Tuch wischt sie mir den Schweiß von der Stirn. Dann redet sie mir gut zu, während ich weiter presse.

Nach einigen weiteren Wehen lächelt die Hebamme:"Ich kann das Köpfchen schon sehen. Bitte noch einmal pressen und der erste Teil wäre geschafft." Ich lächele schwach und presse ein weiteres Mal, bevor ich für kurze Zeit Ruhe finden kann. Das Kind ist endlich draußen und die Hebamme gibt Theodora das Kind. Das Kind schreit, was ein gutes Zeichen ist.

Dann überkommt mich noch eine Wehe und ich presse auf Anweisung der Hebamme weiter. Das muss wohl mein zweites Kind sein. Ich hätte nicht gedacht, dass meine ersten Kinder Zwillinge sein werden.

Zehn Wehen später ist auch das zweite Kind auf der Welt und die Wehen lassen endlich nach. Theodora badet mein erstes Kind in einer kleinen Wanne und ich weine vor Freude. Das ist wohl der schönste Tag meines Lebens. Auch das zweite Kind wird von Theodora gebadet, bevor sie mir das Erste in die Arme legt.

Die Hebamme säubert die Bahre unter mir, doch das Blut wird man wahrscheinlich nicht mehr heraus kommen.

Jetzt habe ich also zwei Kinder. Das kleine Kind blickt mich lieb an. Es hat silberne Augen und dunklen Haarflaum auf dem Kopf. Ich sehe die Hebamme fragend an und sie beantwortet meine unausgesprochene Frage:"Es ist ein Junge." Ich nicke dankbar und gebe dem Kleinen einen Namen:"Hallo Ethan." Ich nehme seine kleine Hand und er lächelt leicht. Dann legt Theodora auch mein zweites Kind in meinen Arm. Er sieht zwar genauso aus wie mein kleiner Ethan, doch in seinem Blick liegt etwas Schelmisches. "Berry", sage ich.

Nun nehmen sie mir die Kinder wieder weg und legen sie ins Kinderbett. Ich schlafe erschöpft ein. Die Geburt hat mir echt den Rest gegeben. Ich liebe meine Kleinen jetzt schon.

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