Prolog

Allerheiligen, 1755. Es war noch früh am Morgen, als Giovanni mit seinem Lehrling Venâncio die Treppen der großen Kathedrale Convento de Carmo von Lissabon hinauf stieg. Venâncio, der noch grün hinter den Ohren war und nicht sonderlich viel von der Welt gesehen hat, war stehen geblieben und bekam den Mund vor Staunen nicht mehr zu, da er so von dem imposanten Gebäude beeindruckt war. Giovanni schnaubte nur und rief dem Jungen „Bewegst du dich jetzt oder soll ich mir einen neuen Gehilfen suchen?“ zu.

Venâncio schaute erschrocken auf, stammelte dann „Nein, nein. Nein!“ vor sich hin und fiel fast über seine eigenen Füße. Giovanni verdrehte nur seine Augen und setzte seinen Weg auf das Plateau fort.
Vor der riesenhaften Eingangspforte der Kirche lungerten einige Bettler herum und viele Kaufleute versuchten, ihre Waren an den Mann zu bringen. Doch Giovanni schaute sich gar nicht erst um, sondern steuerte direkt auf einen kleinen Stand zu, an dem ein Mann, der nicht wie ein Händler aussah, zusammengesackt auf dem Tisch schlief. Doch wenige Schritte vor dem Stand deutete Giovanni seinem Lehrling zu warten.

„Hör zu Junge, ich weiß, deine Tante will, dass du etwas von mir lernst, aber das hier wird ein Gespräch unter vier Augen. Also vertreib dir die Zeit, geh in die Kirche und bete zu den Heiligen oder mach, was auch immer die Jugend heutzutage so macht.“ Mit einer unwirschen Handbewegung scheuchte Giovanni ihn fort und Venâncio machte sich daran, so schnell wie möglich zu verschwinden.
Als Venâncio wenig später die schwere Tür zur Kathedrale zuzog, empfing ihn die plötzliche Dunkelheit, da die großen Gemäuer der Convento de Carmo das Licht verbannten. Auch der Innenraum war gewaltiger als alles, was Venâncio jemals gesehen hatte. Das Kirchenschiff bot sicher Platz für Hunderte von Menschen und auch in den Seitenschiffen würden noch viele Christen einen Platz finden. Der Hochaltar war von vielen hölzernen Sitzbänken umgeben, auf denen vereinzelt Menschen aller Nationalitäten knieten. Venâncio tunkte seine Finger in Weihwasser, zeichnete sich hastig ein Kreuz auf die Stirn und trat dann beiseite, um den anderen Gottesdienstbesuchern Platz zu machen, die sich hinter ihm in die Kirche drängten.

Er setzte sich in eine der Sitzreihen und begann, ein Ave Maria zu beten, als er ein leichtes Beben unter seinen Füßen verspürte. Er wandte sich an die ältere Frau, die links von ihm kniete und raunte ihr zu: „Entschuldigen Sie, minha senhora, haben Sie das gerade auch gespürt?“ Die Frau schüttelte nur den Kopf, schaute ihn an, als hätte sie den Teufel höchstpersönlich gesehen, stand auf und eilte davon. Venâncio zweifelte schon an seiner Wahrnehmung, als er das Beben wieder spürte. Er hörte genauer hin. Da war auch noch ein Klirren, weit entfernt.
Verwirrt stand er auf und lief hinter den Säulen des Nebenschiffs in die Richtung, aus der er das Geräusch vermutete. In einer Einbuchtung in der Wand, direkt unter einem der großen Buntglasfenster, stand ein kleiner Altar, auf dem eine Pieta war. Zu den Füßen Marias lag wie zufällig eine goldene Münze, die eine strahlende Macht auf Venâncio auswirkte. Er schaute sich kurz um und vergewisserte sich, dass niemand ihn beobachte und schaute dann erneut auf das Goldstück vor ihm. Er konnte nicht widerstehen und streckte seine zitternde Hand nach der Münze aus. Venâncio sah, dass etwas darauf eingraviert war, doch er konnte es nicht erkennen, also hob er die Münze an. In dem Moment, in dem er das Metall berührte, hörte er ein lautes Knallen und das Beben, welches er vorhin bereits gespürt hatte, riss ihm nun beinahe den Boden unter den Füßen weg. Venâncio stolperte nach vorn, als er die Wände der Kathedrale auseinander brechen sah. Die Erde bebte und die Menschen in der Kirche brachen in Panik aus. Während der Dachstuhl bereits unter dem Gewicht ächzte, begann Venâncio um sein Leben zu rennen.

Kommentare

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    Hallo Miri! Eigentlich bin ich kein großer Geschichtsfan, aber irgendwie faszinieren mich historische Geschichten dann doch - wahrscheinlich aufgrund meines nicht vorhandenen Wissens über die Zeit... ^^' Bei deiner Gecshichte bin ich mir nich nicht einmal sicher, aber auf mich wirkt sie historisch - aber vielleicht schlägt auch im zweiten Kapitel der Fantasy Aspekt und ich ändere meine Meinung wieder. Nun, auf jeden Fall gefiel mir das erste Kapitel sehr gut. Wie die anderen schon gesgat haben: du hast die Atmosphäre sehr gut eingefangen, der portugiesische Flaire war eindeutig da und auch deine Charaktere sind sehr gut getroffen. Ein wenig war ich vom Einsturz der Kathedrale verwirrt, aber das klärt sich ja wahrscheinlich im zweiten Kapitel. Ich bin gespannt wie es weiter geht! :)

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    Ich habe diese Geschichte nach der Korrektur gelesen. Ein paar Rechtschreibfehler fand ich auch in der ersten, aber die machen wir alle. Der eine mehr, der andere weniger. Auf jeden Fall finde ich, dass diese Geschichte es wert ist, sie fortzusetzen. Ich schließe mich Luan an, was den Klick auf ein nächstes Kapitel betrifft. Mach weiter so

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    Hallöchen, ich bringe nur kurz meine Kritik! ^^ // „Hör zu Junge, ich weiß, deine Tante will, dass du etwas von dir lernst, (...)" --> hier scheint es keinen Sinn zu ergeben, dass er 'dir' sagt. Ich nehme an, dass die Tante will, dass der Junge etwas von Giovanni lernt und da dieser spricht, müsste es 'mir' heißen. // Als Venâncio in die Kathedrale geht, wird von Schiffen berichtet, das verwirrt mich etwas. Wo ist er denn jetzt genau? In einer Kathedrale oder auf einem Schiff mit einer Kathedrale? Vielleicht habe ich auch etwas übersehen, aber für mich wurde sein Aufenthaltsort nicht ganz klar. // ,,(...) zeichnete sich hastig Kreuz auf die Stirn und trat dann beiseite, (...) " --> das allein da stehende 'Kreuz' hat mich kurz zum Straucheln gebracht, ebim lesen. Eventuell würde 'ein Kreuz' besser passen, aber das ist meckern auf höhem Niveau. //Deine Geschichte spielt in Portugal. Ich finde dir Anrede 'Miss' gegenüber nicht falsch, aber vielleicht gibt es ein Wort, eventuell portugiesisch, welches man nutzen könnte, damit der Leser mehr überzeugt ist, dass man in Portugal ist. // Was mir sehr gefiel, ist dein flüssiger Schreibstil, man kommt schnell in einen Lesefluss und der Charakter von Giovanni überzeugt mich als grummeliger, alter Mann. Mit einem Cliffhanger in die Story starte, scheint auch eine gute Wahl zu sein, an Ende, hat man dann wirklich den Drang auf 'nächstes Kapitel' zu klicken. ^^ Weiter so! :-3 und ich hoffe, ich konnte helfen. (und habe selber, nicht zu viele Fehler in den Kommentar gehauen. ^^")

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