Prolog

Die Gespräche der versammelten englischen Adligen verstummten, als Richard, der Herzog vom Hause York zur Türe hereinkam und seine beiden Fäuste mit einer stumpfen und gewaltsamen Bewegung auf den schweren Eichenholztisch fallen ließ.
Ohne eine Begrüßung platzte er mit dem wichtigsten Thema in die geheime Versammlung.
“Der König ist geschwächt. Das Königshaus musste einige schwere Niederlagen gegen die deutlich überlegenen Franzosen einstecken. Lange werden wir uns diese Zustände nicht mehr anschauen.”
Richard schaute zufrieden in die Runde. Er war sich sicher, dass alle, die er zu dieser Versammlung eingeladen hatte, ihm gegenüber loyal waren.
“Was willst du unternehmen, Richard?” fragte Graf von Warwick trocken.
Der Herzog stieß sich von der Tischplatte ab und ging ein paar Schritte in den düsteren Raum hinein. „Wie sich sicher noch alle erinnern können, hat der Großvater des Königs vor Jahrzehnten den Thron einfach besetzt, dieses Lancaster-Pack!” begann Richard aufbrausend. Alle wussten, welch einen Hass er mittlerweile gegenüber dem Haus Lancaster hegte. “Somit erhebe ich offiziell Einspruch auf den Thron. Der Anspruch ist gleichwertig.”
Die versammelten Adligen sahen ihn misstrauisch an. “Der Lancaster wird dann sicher seine Sachen zusammenpacken und Ihnen die Krone überlassen.” meinte einer spöttisch. “Bei allem Respekt, mein lieber Richard, wo möchtest du diese politische und militärische Hilfe herbekommen?”
Der Herzog schaute ihm kühl in die Augen und spannte seine Schultern an.
“Da kommen Sie ins Spiel, meine sehr verehrten Herrschaften. König Henry ist und war im Volk durch seine Politik immer schon unbeliebt. Dass seine Frau Margaret schon bald ein Kind gebären wird, begünstigt unsere Sache nicht…”
Er wurde vom Grafen von Warwick unterbrochen.
“Wer redet von einem wir?” Er schaute den Herzog herausfordernd an.
“Nun, ist es nicht im Interesse von uns allen, diese Herrschaft zu beenden?” Richard sah in die Runde.
Die Adligen schwiegen nachdenkend. “Er hat Recht.” murmelte eine Gräfin. “Wenn nicht wir ihn aufhalten, wer dann? Tausende Zivilisten werden in Frankreich zugrunde gehen. Zumal das Haus York sehr wohl einen Anspruch auf den Thron hat. Mylord, ich sichere euch meine militärische Unterstützung zu.”
“Wie viele sind es?” Der Herzog lächelte zufrieden und sah auf die kniende Frau herunter.
“Ungefähr dreihundert, die noch nicht in den Krieg geschickt worden sind, mein Herr.”
Nach und nach schworen immer mehr Männer und Frauen dem Herzog ihre Loyalität, bis auf fünf von ihnen, darunter auch der Graf von Warwick.
Ein letzter meldete sich noch zu Wort. “Mein Herzog, meine Truppen sind bereits alle im königlichen Heer vertreten, es tut mir leid, ich kann euch nicht unter…”
Doch auch er wurde unterbrochen.
“Wenn sie ihre rein politische Unterstützung zusichern, dann ist mir damit schon sehr geholfen. Liefern Sie keine Ware mehr an die Front.”

Nachdem die Grafschaften ihre Truppen mobilisiert hatten, kam es am 22. Mai 1455 zur Schlacht von St. Albans - der Beginn der Rosenkriege und der Beginn eines perfiden Machtspiels zwischen den Häusern York und Lancaster. Graf von Warwick konnte König Henry VI. gefangen nehmen und Richard erpresste ihn, sodass Henry ihn zu seinem Nachfolger und Erbe ernannte.
Doch Richard von York sollte nicht lange Kronprinz bleiben. Bereits 2 Monate später wurde er in einer Schlacht getötet.
Sein ältester Sohn, der 18-jährige Edward wurde neues Oberhaupt vom Hause York.

Kommentare

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    Wow .... ist das toll ♥ Ich mag die Thematik der Rosenkriege sehr ♥ Ich werde in den nächsten Tagen auf jeden Fall weiterlesen ♥ Weiter so! Alles Liebe, Fia ♥

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Feenstaub

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