Prolog

Ufral staunte, als er die riesigen Bauten der uralten Ruine erblickte. Er und seine Gefährten befanden sich mehrere Meilen unter der Erde, in einer antiken elfischen Stadt, welche, für ihr Alter, noch erstaunlich intakt war.

„Ja, die Urelfen hatten eine großartige Kultur“, sagte Ufrals Gefährte Etiro, als dieser seinen staunenden Blick bemerkte. „Sie haben schon Gebäude errichtet, da wart ihr Menschen noch Jäger und Sammler.“ Auch er war offensichtlich erstaunt und beobachtete alles mit seinen pechschwarzen Augen. Etiro war vom Volk der Tamia, welche Ufral gerne als „Hörnchen-Menschen“ bezeichnete, da dieses Volk eine Mischung aus Mensch und Burunduk war. Etiro war ein typischer Vertreter seines Volkes, er hatte einen menschlichen Körperbau, jedoch besaß er am ganzen Körper Fell und sein Kopf war der eines Streifenhörnchens.

„Ich habe es geschafft, das Teil ist offen!“ sagte Owaa, die Anführerin des Trios, welche die Tür zu einem alten Tempel geöffnet hat. Sie war eine Magierin und beherrschte mächtige Zauber aller Art.

„Gut, jetzt müssen wir nur noch die Maske finden und dann können wir das Ritual beginnen“, entgegnete Ufral. „Etiro, hast du den Rest dabei, den wir brauchen?“

Etiro nickte und gab Ufral seinen Rucksack. Ufral schaute noch einmal hinein um zu gucken ob alles da war. Im Rucksack waren: ein blauer Edelstein, ein Sack voll Münzen, das Herz eines Goblins und eine Flasche gefüllt mit Blut – alles da. Owaa beäugte die Flasche misstrauisch.

„Hoffentlich funktioniert dein ‚Urelfenblut‘ auch“, sagte sie und schaute zu Etiro.

„Sicher!“, antwortete Etiro. „Ich habe den besten Alchemisten den ich kenne damit beauftragt, Blutproben der heutigen drei Elfenrassen so zu vermischen, dass das Blut von Urelfen entsteht. Es gab keine bessere Möglichkeit an das Blut einer ausgestorbenen Rasse aus Urzeiten zu kommen.“

„Wenn du meinst…“, entgegnete Owaa und ging in den Tempel mit gezückter Waffe. Ufral packte alles wieder ein und setzte den Rucksack auf, er betrat den Tempel gefolgt von Etiro.

Im inneren des Tempels war ein langer roter Teppich, welcher an einen Altar in der Mitte des Tempels führte. An der Seite des Teppichs standen Säulen, von denen schon welche umgefallen waren oder es ein Stück fehlte. Auf dem Altar in der Mitte stand eine Art Vitrine, in welche Owaa mit großen Augen hineinschaute.

„Da ist sie“, sagte sie ehrfürchtig. „Da ist die Maske, jetzt können wir das Ritual beginnen.“

Owaa öffnete mit einem Zauber die Vitrine und nahm die Maske heraus. Die Maske war aus purem Gold und hatte einen leblosen Gesichtsausdruck. In den Augen dieses Gesichtes waren Löcher, welche das gucken beim aufsetzen ermöglichen. Auf der Stirn des Gesichtes war ein goldenes Stück Metall angebracht, wodurch es so aussah, als hätte es eine Krone auf. Um das Gesicht herum waren Sonnenstrahlen, welche vom Gesicht abstanden. Die hohle Innenseite des Gesichtes war sehr klein, dass Owaa sie nicht aufsetzen könnte.

Ufral nahm das Blut und zeichnete eine Silhouette auf den Boden des Tempels. Die Silhouette war recht klein, würde man sie aufstellen wäre sie vielleicht 1,60 Schritt groß. Danach nahm er den Münzbeutel und legte mit den Münzen einen Kreis um die Silhouette. Ufral zählte dabei mit - das waren 150 Kronen! – das ist mehr als er in einem halben Jahr verdienen würde. Als er mit dem Kreis fertig war legte er das Goblinherz in die Silhouette. Er platzierte das Herz auf der Höhe der linken Brust. Nun nahm er den blauen Edelstein und platzierte ihn vor der Silhouette, so dass er vor den „Füßen“ lag. Eigentlich war es ein wertvoller Edelstein. Man könnte ihn für viele Kronen verkaufen oder ihn zu einem Elfenschmied bringen und dieser formt aus dem Stein ein Elementarschwert. Elementarschwerter sind mächtige Waffen, welche nur von mächtigen Kämpfern geführt werden können und dabei reicht nicht die normale Ausbildung zum Schwertkampf. Selbst ein Schwertmeister, welcher eine Jahrzehnte lange Ausbildung in der Schwertkunst genoss, schafft es nicht ein Elementarschwert zu führen, wenn er es das erste Mal in der Hand hat.

Als Ufral den Stein platziert hat, schaute er zu Owaa und nickte ihr zu. Die junge Magierin stieg von dem Altar herunter und ging zu vorsichtig zur Silhouette und legte die Sonnenmaske auf das „Gesicht“ der Figur.

„Okay, nun brauche ich Ruhe“, sagte sie. „Ich darf von niemanden gestört werden!“

Etiro und Ufral nickten und schauten ihr gespannt zu. Owaa hockte sich nieder und berührte den blauen Edelstein. Sie schloss die Augen und fing an die magischen Worte zu flüstern. Im Tempel herrschte plötzliche Stille, nichts war zu hören, außer dem Wispern von Owaa.

Owaa war eine Magierin aus Sanem, ein kleines Dorf im Hinterland von Arcta. Sie wurde dort als Hexendoktorin ausgebildet, was erstaunlich ist, dass die Kunst der Schwarzmagie kaum noch gelehrt wird. Sie beherrscht viele Zauber und Flüche und hat schon einigen dunklen Ritualen beigewohnt.

Plötzlich verstummte das Wispern von Owaa und der Edelstein fing an zu leuchten. Sie öffnete ihre Augen und ging einige Schritte zurück und sagte: „Ich glaub, ich habe es geschafft“.

„Dann hoffen wir mal, dass du es richtig gemacht hast“, entgegnete Etiro.

Genau als er dies sagte, fing die Silhouette an zu leuchten. Die Goldmünzen schmolzen und das flüssige Metall floss in die  Silhouette und vermischte sich mit dem leuchtenden Elfenblut. Auch der Edelstein fing an leuchten und aus ihm schoss ein blauer Strahl auf die leuchtende Silhouette, als der sich der Strahl auflöste, blieb nur ein normaler Stein übrig. Ufral bemerkte als erstes das Herz, welches zu schlagen anfing und dann aufleuchtete und im Boden verschwand.

Plötzlich erhob sich eine Gestalt aus der Silhouette, sie war recht klein und dünn und am ganzen Körper mit Fell überzogen. Es war der Körper eines Goblins, jedoch war sein Fell saphirblau, anstatt der, für Goblins normalen, dreckig-grünen Farbe. Auf seinem Gesicht saß die Sonnenmaske, welche sehr fest zu auf dem Gesicht zu liegen schien.

Das Wesen begutachtete sich selber und erhob sich dann in die Luft. Ein weiteres Zeichen, dass dies kein Goblin sein konnte, da kein Goblin, die Magie beherrschten zu fliegen. Er schwebte so, dass es aussah als würde er sitzen. Er saß in der Luft, wie Adliger auf einem Liegestuhl.

Owaa fiel ehrfürchtig auf die Knie und sprach laut in einer Sprache, die Etiro und Ufral nicht verstanden. Sie schaute zu den beiden und machte eine Geste, dass Etiro und Ufral ihr gleich tun sollen – was sie auch taten.

Das Wesen schaute zu Owaa, aus den Augenhöhlen der Maske, funkelten zwei rot-leuchtende Punkte. Gelangweilt macht es eine Handbewegung und Owaa flog weit in Richtung Eingang des Tempels.

Sofort sprang Etiro auf und schoss einen Pfeil auf den Goblin. Dieser machte wieder dieselbe Handbewegung und der Pfeil entflammte sich in der Luft  und zerfiel zu Asche, bevor er das Wesen überhaupt erreichen konnte.

Ufral rannte zum Ausgang des Tempels und Etiro folgte ihm. Als der Goblin das sah, richtete er sich auf. Nun sah es so aus als würde er Meditieren. Um den Goblin herum formte sich eine Art dunkle Aura und als er mit der rechten Hand in Richtung des Tempeltores zeigte, fiel dieses zu.

Auf einmal fing an die Erde zu beben und im ganzen Tempel stürtzte alles um. Der Goblin richtete sich auf und flog in Richtung der Decke des Tempels, durch die er schließlich durchbrach. Nun waren Ufral, Owaa und Etiro allein im Tempel, welcher über ihren Köpfen in sich zusammen stürtzte.

Kommentare

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    Super hatt mir viel spaß gemacht zu lesen. ;-)

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    total spannend, freue mich auf die Fortsetzung ^^

  • Author Portrait

    Willkommen auf Belletristica :) Ich hoffe, du wirst dich wohl bei uns fühlen. Deine Geschichte beginnt ja schon mal recht vielversprechend und spannend. Ich freue mich darauf, bald mehr von dir zu lesen. 5/5

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