Prolog

Eine Welle voll Schmerz schießt durch meinen Bauch. Ich krümme mich zusammen, in Embryostellung, aber es tritt einfach keine Linderung ein, egal wie ich mich hinlege.

Tränen rinnen meine Wangen hinunter, sammeln sich im bereits feuchten Kissen. Ich kann nur mit Mühe einen Schrei unterdrücken. Ich will nicht schon wieder ins Krankenhaus, schießt es mir durch den Kopf. Die Schmerztabletten liegen neben mir. Zwei habe ich schon mit Wasser hinuntergespült. Wie viele darf ich davon eigentlich nehmen? Als ich nach der Packungsbeilage greife, merke ich, wie ich zittere. Wie soll ich das Kleingedruckte lesen, wenn ich nicht mal diesen verdammten Zettel ruhig halten kann? Egal, noch eine weitere Tablette wird nicht schaden.

Ich versuche ruhig zu atmen. Tief ein und wieder aus. Ein und aus. Mein Herzschlag rast, ich bekomme immer mehr Schüttelfrost. Mittlerweile ist mein kompletter Körper mit Schweiß überzogen.

Nach einer halben Stunde kapituliere ich. Es geht nicht. Ich muss wieder dahin. Mühselig schleife ich mich die Treppe von meinem Schlafzimmer hinunter. Jeder Schritt erschüttert meinen Bauch und schickt neue Schmerzen durch mich hindurch. Eine Hand presse ich dagegen und schleife mich gekrümmt weiter, das Handy in der anderen Hand. 3 Uhr nachts zeigt das Display an. Ich überlege, ob ich meine Eltern wecken soll. Sie sind im Urlaub und schlafen definitiv gemütlich in ihrem Wohnmobil, doch ich brauche jetzt die beruhigende Stimme meiner Mutter, auch wenn sie hunderte Kilometer von mir entfernt ist.

Nach dem vierten Klingeln geht sie ran. „Mama, ich bin‘s.“, würge ich hervor.

„Schatz, was ist denn?“, sofort ist sie alarmiert.

„Ich hab schreckliche Schmerzen. Ich halt das einfach nicht mehr aus, ich muss wieder ins Krankenhaus.“, die Tränen ersticken fast meine Stimme. Was würde ich nur dafür geben, wenn sie jetzt hier wäre.

„Hast du die Schmerztabletten genommen, die dir der Arzt gegeben hat?“, will sie wissen.

„Ja, schon drei Stück, aber sie helfen einfach nicht.“, antworte ich wütend.

„Okay mein Schatz. Fahr bitte mit dem Taxi und melde dich, sobald du da bist.“ Sie fragt erst gar nicht, ob ich den Krankenwagen rufe. Schon das letzte Mal, als ich dorthin musste, mitten in der Nacht, kam niemand. Bauchschmerzen wären nicht lebensbedrohlich, nicht wichtig genug, um dafür einen Wagen zur Verfügung zu stellen.  

Ich hasse es, mit dem Taxi zu fahren. Vor einem anderen Menschen so verletzlich zu sein.

Die Fahrt dauert ewig. Ich sitze hinten auf der Rückbank in meinem Jogginganzug und zittere wie Espenlaub. Den Anschnallgurt habe ich sofort wieder gelöst, da er mir nur noch mehr in den Bauch drückt. Der Taxifahrer ist zum Glück freundlich und zuvorkommend und doch wünschte ich, er würde einfach nur schneller fahren. Jede rote Ampel ist eine Qual. Obwohl die Fahrt nur eine viertel Stunde dauert, halte ich es fast nicht aus. Das Auto hält direkt vor dem Eingang, ich reiche dem Mann mein Geld und hieve mich aus dem Wagen.

Jetzt stehe ich genau an dem Punkt, wo ich mir geschworen hatte, nie wieder zu landen. Ein Ort voller Schmerz.

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Feenstaub

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