PUMA in der Zeltstadt

 Der Morgen war kühl. Alex hatte in dieser Nacht nur wenig geschlafen. Er hatte das Material vorbereitet, damit es nun einsatzbereit war. Nach einem heißen und unglaublich leckerem Kakao und einem Brötchen mit Wurst, ging er aus dem Essenszelt, wo die Feldküche von den Maltesern betrieben wurde. Auf dem Weg zu dem Wagen, in dem er gekommen war, wurde er von einer Person in Zivil angesprochen. Es war ein Herr in mittlerem Alter.
„Entschuldigen Sie mein Herr, was machen Sie hier?“, fragte dieser.
„Hochwasserbekämpfung.“, antwortete Alex wahrheitsgemäß.
„Ja aber da brauchen Sie doch nicht mitten in der Nacht mit Martinshorn und Blaulicht hier auf der Wiese herumzufahren. Und das sogar schon die zweite Nacht.“, beschwerte er sich.
„Doch das müssen wir. Das ist ein Einsatz und da haben wir Sonderrechte, die wir auch in Gebrauch nehmen müssen. Dazu gehörten auch das Martinshorn und das Blaulicht. Warum fragen Sie?“
„Weil ich und meine Nachbarn dort drüben“, er zeigte auf die Häuserzeile, „Nicht schlafen können, und nirgendwo steht, was hier passiert. Das geht bestimmt nicht mit rechten Dingen zu.“
„Keine Sorge. Wir machen alles rechtsmäßig.“
„Ich habe aber nun die Polizei gerufen, damit das hier aufklärt, was das hier für ein Zirkus ist, und den Bevölkerungsschutz hinzu.“
„Das ist schön. Dann können Sie sich ja an diese wenden. Wenn Sie mich bitte entschuldigen.“, meinte Alex beschwichtigen.
„Nein, Sie, mein Herr, bleiben schön hier. Wer sind Sie eigentlich?“
„Rettungsschwimmer.“
„Dann geh doch an die Küste, aber nerv hier nicht die Anwohner in der Nacht.“
„Ich wurde hierher kommandiert. Bitte entschuldigen Sie kurz.“, meinte Alex und dann in sein Funkgerät, was er immer bei sich trug: „DLRG, OG HILDEN 7 an PUMA, kommen.“
„PUMA hört.“
„Brauche einen Pressesprecher und einen von der Leitung am Tor 1. Kommen.“
„Es kommt jetzt gleich einer, der wird Ihnen sicher weiterhelfen.“
„Das hoffe ich für Sie, sonst, werden Sie hier nicht weg kommen.“
„Hier PUMA für OG HILDEN 7, kommen.“
„OG HILDEN 7, hört.“
„PIZ schickt Abgesannten vom BMVg mit EL im ELW3. Kommen.“
„Habe verstanden. Ende.“
„Gut. Wenn Sie unbedingt wollen, müssen wir jetzt ein paar Minuten warten. Bis Sie weitere Informationen bekommen.“, meinte Alex, nach dem Funkgespräch zu dem Mann. Es war ein zweiter gekommen. Zwei Polizisten waren auch von außen gekommen.
„Guten Tag, Karsten Grunert, mein Kollege Kröse. Sie haben mich gerufen?“, fragte der Polizist Alex und gab ihm die Hand über das Absperrband hinweg.
„Ich nicht, aber dieser Herr hier.“, gab Alex Auskunft.
„Und was gibt’s?“, fragte der zweite Polizist, während er einen Notizblock zückte.
„Ich möchte mich hier mal beschweren. Bitte nehmen Sie all diese Menschen fest wegen Ruhestörung.“
„Ok. Ich brauche erst mal von allen die Ausweise.“
Alle kramten ihre Ausweise hervor.
„Entschuldigen Sie, ich müsste meinen nachreichen, da ich meinen noch im Wagen habe, wenn überhaupt hier.“, meinte Alex.
„Aha, der kann sich sogar gar nicht ausweisen. Du bist mir aber einer.“, polterte der Herr, mit dem Alex zuvor geredet hatte und wollte ihn am Revers packen, doch Alex wich aus.
„Nicht anpacken!“, meinte er laut und warnend. Gleichzeitig kam auch der Einsatzleitwagen mit Blaulicht und ein Offizier in Kampfmontur stieg aus.
„Meine Herren.“, meinte er und machte den Militärischen Gruß. Alex antwortete ihn, dann gaben sie sich die Hände. Dahinter kam ein anderer Mann mit einer grünen Weste wo Pressesprecher draufstand aus. Auch er gab Alex die Hand.
„Du hast uns Gerufen?“, fragte er.
„Wenn Sie PUMA sind.“
„Ja.“
„So jetzt stopp erstmal. Sie müssen mir ihren Ausweis noch geben. Und wer sind Sie?“, schaltete sich einer der Polizisten ein.
„Offizier vom Dienst, Abschnittsleitung, Pressesprecher. Mein Kollege, Kamerad der DLRG, ebenfalls Pressesprecher. Wo liegt das Problem?“
„Wir wurden gerufen, da diese beiden Herren hier sich wegen Ruhestörung beschwert hatten.“, meinte der Polizist.
„Das mag sein, aber ich kann Sie beruhigen, hier ist unser Einsatzbefehl, Kooperation zwischen Heer, Luftwaffe, DLRG, Rot Kreuz, Malteser und Technischem Hilfswerk.“, gab der Offizier an. Und öffnete den ihm gegebenen Ordner, nahm ein in eine Plastikhülle verpacktes Schreiben raus.
„Bitteschön.“, er reichte des dem Polizist.
Dieser überflog kurz das Schreiben, ausgestellt vom BBK.
„Alles in Ordnung.“, meinte dieser kurz darauf.
„Was heißt das jetzt?“, fragte der Herr.
„Das hier alles berechtigt ist. Der Einsatzbefehl kam vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. Es wurden sieben Züge vom Verband Nordrhein der DLRG sowie drei vom Roten Kreuz in NRW angefordert. Des Weiteren wurde der Landesverband des Technischen Hilfswerkes um Unterstützung gebeten um den Einsatz technisch zu unterstützen. Der Einsatz ist eine Nachalarmierung von der Leitung des Inlandseinsatzes der Bundeswehr zum Katastrophenschutz.“
„Und dann müssen die immer in der Nacht kommen? Und mit dem Martinshorn wachklingeln, so dass wir einen Schrecken bekommen und dann Disko in unser Schlafzimmer bringen?“, fragte empört der zweite Herr. Es waren inzwischen noch mehr Schaulustige und Anwohner gekommen alle leicht verärgert.
„Es ist nun mal so, dass die Einsatzmöglichkeit immer nur begrenzt bei den Helfern ist. Am Freitagmorgen sind wir zum Einsatzausgerückt. Das Heer mit zwei Zügen und die Luftwaffe mit zwei Hubschraubern zur Aufklärung, welche bei uns immer noch stationiert sind. Mit Hilfe der Pioniertruppe wurde das Lager hier errichtet, und abgesteckt. Das Technische Hilfswerk hat Zeitgleich mit uns die Arbeit aufgenommen und das Geländegetrocknet. Gegen Abend wurde von den Maltesern die Feldküche eröffnet und während des Abendessens gab es einen Tragischen Unfall, so dass das Rotekreuz mit einem Zug Medizinischer Versorgung und einer Zug Katastrophenschutz in den späten Abendstunden nach erfolgreicher Nachalarmierung eingetroffen ist. Das dürfte sich auf die erste Ruhestörung beziehen. Am darauffolgen Morgen, gab es eine weitere Katastrophe, so dass wir die sieben in der Nacht noch in Bereitschaft versetzen Züge der Deutschen Lebensrettungs Gesellschaft dann gestern am späten Nachmittag allarmierten, so dass sie geschlossen zu uns gegen 0:12 kamen. Dies dürfte Sie endgültig auf die Palme gebracht haben. Ich entschuldige mich in Namen aller 1254 Helfer und Helferrinnen für die Unannehmlichkeiten.“, erklärte der Offizier die Lage.
„Und was ist hier passiert? Müssen wir uns Sorgen machen?“, riefen einige.
„Wo bleibt der deutsche Staat, wenn es um seine Bürge geht?“, rief ein anderer.
„Ich kann Sie alle beruhigen. Wir haben alles unter Kontrolle. Es entsteht keine Gefahr für die Bevölkerung. Abgesannte vom Bevölkerungsschutz sind auf dem Areal und schätzen die Lage positiverweise als ungefährlich ein. Die Schutzmaßnahmen greifen perfekt. Alles läuft nach Plan.“, beruhigte der Offizier, als die Funkgeräte knackten.
„Einsatzleiter Abschnitt 3 KatS für OG HILDEN 7, kommen.“
Alex entfernte sich sofort ein wenig, indem er in das Auto stieg und die Türzumachte. Per Blickkontakt hatte er sich mit Pressesprecher verständigt.
„OG HILDEN 7, hört, kommen.“
„Ich brauche dringend eine Kraft bei Abschnitt 3 KatS Steg. Bei Ausfall, bitte rechtzeitig melden! Komme.“
„Entschuldige, habe gerade Stress mit Anwohnern und darf mich laut Polizei nicht entfernen, PUMA regelt das gerade. Komme sobald es geht. Komme.“
„Beeilung. Ende.“
Dann stieg Alex wieder aus.
„Die großangelegte Katastrophenschutzübung läuft bis jetzt gut. Es wird nur der Ernstfall geprobt und dabei darauf geachtet, wie die Einzelnen Organisationen mit einander Kommunizieren und wo es Schwachstellen gibt.“, erklärte gerade der Offizier.
„Ich muss dringend los.“, meinte Alex.
„Wie alt bist du?“, fragte der Offizier.
„17, begleitetes Fahren.“, gab Alex an.
„Gut, wenn du ihn nicht zu Schrott fährst, Sonder- und Wegerecht frei. Schick uns einen der ihn zurückfährt.“, gab der Offizier knapp an und Alex setzte sich in den Wagen. Er schaltete sofort Blaulicht und Martinshorn ein, programmierte die Leuchttafel mit zwei Tasten um und fuhr los. Er entfernte sich zügig, als er mit guten 30 Km/h über die Wiese fuhr. Als er auf dem Parkplatz den Hauptweg zu den Zelten gefunden hatte, gab er gas. Die paar Fahrzeuge, die auch dahin fuhren beziehungsweise ihm entgegen kamen, machten ihm mittels Rettungsgasse Platz. So konnte er seine 50 Km/h kontinuierlich beibehalten. In der Zeltstadt musste er langsamer fahren, doch auch hier machten ihm alle sofort Platz. Als er an einem Anhänger ausweichen musste, gaben ihm mehrere Angehörige des THWs ein Zeichen, das er kurz warten möge. Mit vereinten Kräften schoben sie den kleinen Anhänger zur Seite, so dass Alex weiter fahren konnte. Er fuhr auf die Metallplanken, die von der Bundeswehr gelegt worden waren und hielt kurz daraufhin mit Quietschenden Reifen vor dem Steg, wo groß Abschnitt 3 auf einem Schild stand. Er stellte das Martinshorn ab und das Blaulicht so wie LED Anzeige erloschen. Er packte sein Funkgerät und sein Klemmbrett und stieg aus.
„So da bin ich. Entschuldige bitte, aber es gab vorhin Stress mit Anwohnern.“, entschuldigte er sich bei dem Abschnittsleiter und der Mannschaft.
„Das wird jetzt aber von PUMA geklärt?“, fragte der Abschnittsleiter.
„Ja. Wird es. Kannst du rausbekommen, wer die beiden waren? Ich muss später noch mal mit ihnen reden.“, fragte Alex.
„Mache ich. Und nun aufs Boot.“
„Ach ja. Ein Mann für ELW Shuttle zum Tor 1 vom Abschnitt 3 KatS Steg.“, rief er einer Gruppe zu, die gerade von der Deichbegehung zurück kamen.
„Ja hier. Wenn ich alle mitnehmen kann.“, rief einer der Kammeraden vom THW.
„Ok, wenn du die Fahrlizenz hast, kannst du alle mitnehmen und du hast keine Sonderrechte frei.“, meinte Alex, und der THW’ler zeigte ihm sein Zugführerausweiß und die damit verbundenen Rechte.

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