Rückkehr nach London

Frische Nachtluft schlug mir entgegen als ich flimmernd aus dem nichts in einer dunklen Gasse auftauchte. Hupende Autos, lachende Menschen und laute Musik drang an mein Ohr. Ein Lächeln stahl sich auf mein Gesicht: Das Londoner Nachtleben hatte mich wieder.

Unbeirrt ging ich ein paar Schritte weiter als auch schon die Luft hinter mir flirrte und Nero aus dem nichts auftauchte.

„Du kannst doch nicht einfach abhauen?“ maulte er verärgert.

„Wie du siehst kann ich es,“ antwortete ich ihm schnippisch als ich aus der Seitengasse in der wir appariert waren in die Bedford Avenue.

„Das ist wieder mal typisch,“ knurrte er während er hinter mir hereilte. Ich ignorierte den Seitenhieb und bog nach dem ich mich umgesehen hatte verstohlen in eine Sackgasse in dem rechts eine heruntergekommene Wäscherei war.

Nero folgte mir auf den Fersen. Nachdem wir uns vergewissert hatten das uns niemand beobachtet oder gefolgt war. Traten wir näher an das verdreckte Schaufenster der Wäscherei, an dem in vergilbten Lettern die Worte ‚Laundry‘ standen. Mit der Zeit waren die Buchstaben ‚n‘ und ‚d‘ in Mitleidenschaft gezogen worden und so las man nur noch ‚Laury‘. Im Schaufenster selber stand eine veraltete Waschmaschine mit abgeblättertem Steuerfeld das nun vollkommen unlesbar war. Die Tür stand offen und die Trommel im inneren war vollkommen verrostet. Nero und ich bückten uns bis wir auf der Höhe der Tür waren. Für Passanten sah es wahrscheinlich aus als würden wir auf dem verdreckten und vermüllten Boden etwas suchen. Ich lehnte mich näher an das Fenster bis ich die Kälte des Glases an meiner linken Wange spürte.

„Nos rogare aditus,“ flüsterte ich kaum hörbar.

Kurz leuchtete ein Licht in der Trommel der Waschmaschine auf, dann spürte ich wie das Glas neben mir nachgab und ich in das Schaufenster kippte. Ein Gefühl wie von kaltem Wasser das über meinen Körper floss erfühlte mich. Dann war es vorbei und wir knieten Schulter an Schulter im Dreck einer Seitengasse. Nero stieß einen Schwall Italienischer Flüche aus und sprang schnell auf die Beine.

„Jedes Mal dasselbe: kaum bin ich in London schon lande ich im Dreck,“ maulte er neben mir während ich mich erhob und mir den Schmutz von den Jeans klopfte.

Es war die selbe Sackgasse in der wir vorher waren, doch nun stand an Stelle der heruntergekommenen Wäscherei eine Art Lagerhalle hinter deren Fassade sich ein Club verbarg dessen Türsteher uns neugierig beobachtete während er den Zauberstab eines Besuchers kontrollierte. Es war ein Berg von Mann mit Oberarmen so breit wie anderer Leute Oberschenkel und kurzgeschorenen schwarzen Haaren. Seine Augen funkelten verärgert und ich ahnte schon das dies keine gute Idee gewesen ist.

Ich stieß Nero mit dem Ellenbogen in die Seite. „Hör auf damit. Der Hüter sieht uns schon seltsam an.“

Nero lachte, hörte aber auf seine Kleider abzuputzen. „Der ist nur eifersüchtig, weil ich besser aussehe als er.“ Mit erhobenem Haupte stolzierte er an dem Hüter vorbei zur schwarzen Flügeltür.

Genervt rollte ich mit den Augen und folgte ihm.

„Wo gedenkst du hinzugehen?“ fragte ihn der Hüter mit scharfem Unterton und stellte sich ihm in den Weg bevor er die schwere Tür aufschieben konnte.

„In das Innere dieses Gebäude? Das ist doch der Sinn einer Tür oder? Das man in das Innere eines Gebäudes gelangt,“ antwortete Nero dem Türsteher belustigt.

„Manchmal bleibt die Tür aber verschlossen und man muss draußen bleiben, weil man ein neumalkluges Arschloch ist das sich besser verduftet vor ich ihm in den Hintern trete,“ konterte der ihm mit einer Stimme so scharf wie eine Rasierklinge.

Nero trat näher an den Mann. „Willst du mir etwa drohen Fleischklotz?“

Meine Alarmglocken schellten. Schnell sprang ich zwischen die Zwei.

„Hey Louis,“ begrüßte ich den Mann mit meinem schönsten Lächeln. „Wie geht es dir den so? Lange nicht mehr gesehen.“

„Isabella. Schön dich wiederzusehen. Würdest du mir nun aus dem Weg gehen. Ich muss deinem dummen Begleiter mal Manieren beibringen,“ antwortete der Türsteher strahlend während er sich die Ärmel hochkrempelte um seine Drohung wahr werden zu lassen.

„Ja weißt du Louis, das geht eben nicht. Wir haben eine dringende Angelegenheit zu erledigen und da würde es überhaupt nicht gut aussehen, wenn er mit gebrochener Nase da reinginge. Du verstehst oder?“ stammelte ich und setzte das überzeugendste Lächeln auf das ich zu Stande bekam.

Louis zog nachdenklich die Augenbrauen hoch und kratzte sich an seinem mit Bartstoppeln übersäten Kinn. „Du nimmst den mit zu einem wichtigen Treffen? Bist du dir sicher das der dir keine Scherereien macht? Er scheint mir nicht gerade Intelligent zu sein,“ murmelte er mir zu.

„Ich verspreche dir: Falls er mir dieses Treffen vermasselt und ich ohne Deal nachhause gehen muss, darfst du ihn verhauen,“ murmelte ich ihm grinsend zu. Ein breites Grinsen erschien auf Louis Gesicht und er öffnete uns schwungvoll mit seinem Zauberstab die Tür.

„Hereinspaziert in den ‚Blue Raven Club‘,“ begrüßte er uns.

Vor mir erstreckte sich ein Dunkler Korridor an dessen Ende sich die Clubräume befanden. Laute Musik dröhnte aus dem Nichts. Die Wände vibrierten im Takt des Basses. Bunte Lichter flackerten und tauchten die tanzende und grölende Menge von jungen Zauberern, Hexen und anderen Wesen in ein mysteriöses Licht in dem es aussah als würden sie sich in Zeitlupe bewegen.

Langsam schoben wir uns weiter bis zu einer Gabelung wo eine schmale Treppe hoch in den abgetrennten Teil führte. Mit einem nicken gab ich Nero Bescheid das wir nach oben mussten.

Vorsichtig schob ich mich an knutschenden Pärchen und kichernden Teenies vorbei die das bunte Treiben auf der Tanzfläche beobachteten mit einem bunten Drink in der Hand.

Am Ende der Treppe sah ich schon die Sitzecken die alle von einem blauen Vorhang umgeben waren. Offiziell zur Wahrung der Privatsphäre. Inoffiziell für ein schnelles Stelldichein.

Oben angekommen steuerte ich das letzte der abgegrenzten Bereiche an, vorbei an mehreren von einem blauen Vorhang umgebenen Sitzecken aus denen Geräusche drangen die ich einfach Ignorierte.

Am Ende der Sitzreihe erwartete ich ein ebenfalls zugezogener Vorhang, doch der Vorhang war offen.

Kalte Panik erfasste mich. Hatten sie meine Bitte auf ein Gespräch ignoriert? Wollten sie über die Vorfälle und die erneute Bedrohung hinwegsehen? Oder waren sie so mit ihrem Hass auf sie beschäftigt das sie lieber weitere Squibs opferten als mit ihr zusammenzuarbeiten?

Eine Welle der Enttäuschung überfiel mich und ich lies mich auf die Kante der schwarzen Sitzbank in das weiche von Flecken übersäte Leder sinken.

Hier oben war die Musik weniger laut. Ich spürte wie sich das Sofa neben mir senkte als Nero sich setzte. Seine Augen glänzten wissend.

„Vielleicht verspäten sie sich.“

Ich lachte hohl. Die Vorstellung das sie sich verspäten würde war einfach lachhaft.

„Du kennst sie nicht: Sie ist überpünktlich. Wir waren durch dein dummes Liebesgeständnis fünf Minuten zu spät. Vielleicht war das Miss Perfect schon zu viel“ stöhnte ich und ignorierte es als Nero bei meinen Worten verletzt zusammenzuckte.

„Na dann haben sie es vielleicht nicht gefunden. Nicht jeder aus der Magischen Welt kennt den Club,“ versuchte er mich zu beruhigen.

Ich atmete tief ein. „Ich glaube das sie nicht kommen.“

„Wie kommst du darauf? Glaubst du wirklich, weil du in der Schule in Slytherin warst, kommen sie nun nicht? Das ist lächerlich Bella,“ schnaubte er.

„In Hogwarts ist das was vollkommen anderes, Nero. Slytherin bedeutet böse.“

Nero schüttelte den Kopf. „Ich kennen keinen gutmütigeren und warmherzigeren Menschen als dich.“

Wärme durchfuhr mich bei seinen Worten. Ich drehte mich zu ihm und lächelte. „Du bist ein Idiot.“

Ein Lächeln schlich sich auf sein Gesicht. „Ich habe dich auch lieb.“

Spielerisch boxte ich ihn in den Oberarm, doch er fing mich ab und begann mich zu kitzeln bis ich keine Luft mehr bekam und er von mir ab lies.

Atemlos setzte ich mich auf und strich mir die Haare aus dem Gesicht.

„Na los, gehen wir. Wie es aussieht haben sie uns versetzt.“ Ich erhob mich und drehte mich zum Gehen als vor mir drei Gestalten auftauchten. Nero stoppte abrupt hinter mir während ich erstaunt in das Gesicht von Hermine Granger starrte, die mich ernst ansah.

„Es gab einen weiteren Angriff,“ war alles was sie sagte. Das Lachen in meinem Gesicht erstarb.

„Dann las uns eine Lösung finden,“ knurrte ich und drehte mich wieder zur Sitzecke. Hermine nickte und folgte mir. Es würde eine lange Nacht werden, dachte ich bei mir als ich mich setzte.

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