Reise in die Vergangenheit

Starr sah ich auf das riesige Herrenhaus, das am Ende der langen Landstraße stand. Dunkel und bedrohlich, umgeben von mannshohen Hecken, ragte es vor dem sternenklaren Nachthimmel empor an dem der Vollmond thronte.

Ich wollte mich dazu zwingen meine Beine zu bewegen. Doch ich konnte nicht. Mein Körper wollte mir nicht gehorchen. Zu viele verschiedene Gefühle breiteten sich in mir aus. Mein Herz schlug schneller, als würde es meine Brust verlassen wollen. Ich versuchte ruhig zu atmen, doch mein Brustkorb fühlte sich an als würde ich keine Luft mehr bekommen. Als würde ein Bergtroll auf meiner Brust sitzen. Mein gut durchdachter Plan den ich zusammen mit Mirco und Amy auf die Schnelle in einem Pub hier in der Nähe uns ausgedacht haben begann zu bröckeln.

Das war eine blöde Idee, ging es mir durch den Kopf. Niemals wird er freiwillig mit uns mitkommen. Dafür war einfach zu viel passiert in der Vergangenheit! Dinge die er mir einfach nicht verzeihen wird, obwohl ich sie getan habe um ihn zu schützen, denn ich wusste genau es würde die Zeit kommen in der ich ihn verlassen würde müssen.

Bei dem Gedanken an ihn zog sich unwillkürlich mein Magen zusammen. Ich zwang mich die Augen zu schließen und ein paarmal tief ein und aus zu atmen. Die Erinnerung an unser letztes Gespräch vor fünf Jahren nach der großen Schlacht von Hogwarts war schmerzhaft. Es war wie ein Messer das sich tief in mein Herz bohrt. Ich hatte in abgewiesen. Wenn unser Plan misslang war ich schuld, das wusste ich. Genauso wie ich an meinem gebrochenen Herzen selbst schuld war. Warum hatte ich ihm nicht einfach einen Grund genannt? rügte ich mich. Einen banalen Grund wie 'mein Vater ist gerade gestorben'. Ich hätte ihm ja nicht die Wahrheit sagen müssen.

Ich schob den Gedanken an ihn und sein zu tief verletztes Gesicht beiseite.

Denk nicht daran. Wenn du jetzt anfängst an ihn zu denken schaffst du es nie.

Unruhig schaute ich auf meine zitternden Hände die schweißnass waren wie mein ganzer Körper obwohl es Ende Oktober war und alles andere als heiß. Es war Halloween.

Was für ein toller Zufall: Seine Ex die ihn abgewiesen hat kommt ihn an Halloween besuchen. Was für ein blöder Plan. Das war doch meine eigene Idee! wies ich mich selbst zurecht.

Seufzend schüttelte ich nochmal meinen Kopf um mich auf meine eigentliche Aufgabe zu konzentrieren und machte zaghaft ein paar Schritte auf das Haus zu.

Links und rechts von mir, hörte ich leise Schritte auf dem Kies.

Als meine beste Freundin Amelia von meinem Plan hörte, hatte sie gleich darauf bestanden mich zu begleiten und hatte sich zusammen mit Mirco als meine Begleiter auserkoren. Der Rest wartete am Zielort auf uns. Die Villa Foscarini.

Amelia und ich lernten uns auf unserer ersten Fahrt nach Hogwarts kennen. Ich war damals erst seit drei Monaten in England und kannte noch niemanden.

Ich war auf der Suche nach einem leeren Abteil gewesen, als ich eines fand wo nur ein Mädchen drinsaß, mit braunen, leicht gewellten Haaren und mit einem großen Buch vor der Nase. Auf der Bank neben ihr putzte sich eine schneeweiße zottelige Perserkatze genüsslich ihr Fell. Sie schien nicht mal bemerkt zu haben, dass ich das Abteil betrat.

„Die Geschichte von Hogwarts." las ich laut vor. „Ein wirklich gutes Buch."

Neugierig hob das Mädchen den Blick. „Ja, es ist wirklich sehr spannend." antwortete sie zaghaft. Nachdenklich beäugte sie mich und schien nicht zu wissen was sie von mir halten sollte.

Schmunzelnd streckte ich ihr den Arm hin. „Ich heiße Isabella. Isabella Maria Foscarini. Bist du auch Neu hier?" fragte ich.

„Amelia Hunter. Ich bin auch Erstklässlerin," bejahte sie und mit einem Blick neben sich fügte sie hinzu: „Und das ist mein Kater Boss." Schmunzelnd sah sie auf den Katzenkorb den ich in meiner linken Hand hielt. „Wie heißt deine?"

„Das ist mein Kater Tomaso. Ich habe ihn von meinem Vater zum Geburtstag bekommen," antwortete ich stolz während ich den Korb öffnete und Tomaso geschmeidig raus in die Freiheit kletterte. Boss schien das nicht zu kümmern. Er putzte unbeeindruckt weiter sein Fell.

„Ein Hübscher Kater." lachte Amelia und sah zu wie mein schwarz, braun und weiß gestreifter Kater seinen neuen schneeweißen Kumpanen kritisch beäugt. Nach einer Weile schien Tomaso der Meinung zu sein das von diesem Fremden Kater keine Gefahr ausginge, und fing ebenfalls an sein langes Haar zu putzen.

Seit diesem Tag waren Amelia, die lieber Amy genannt wurde, und ich die besten Freundinnen obwohl wir nicht ins gleiche Haus kamen. Ich kam nach Slytherin, sie nach Ravenclaw.

Von meiner rechten Seite hörte ich ein leises Kichern und von links ein tieferes räuspern.

Ich verdrehte die Augen: Amy und Mirco haben leicht lachen: Sie sind unsichtbar! Ich stand ihm gleich gegenüber. Beim Gedanken daran, dass ich ihn gleich Sehen würde, machte mein Herz einen dreifachen Salto und ich blieb ruckartig stehen. Ich hörte den Kies knirschen als meine Unsichtbaren Begleiter auch verdutzt stehen blieben und spürte ihre neugierigen Blicke auf mir. Sie hatten Angst. Angst davor das unsere Mission scheitern würde. Doch ich lies mich von ihnen nicht aus dem Konzept bringen. Zu viele Erinnerungen verband ich mit diesem Mann. Und diese strömten nun auf mich ein.

Meine Gedanken streiften wieder zurück in die Vergangenheit und ich ließ es zu:

Amelia und ich hatten inzwischen eine gemeinsame Leidenschaft entdeckt: Bücher. Wir unterhielten uns gerade über unser Lieblingsbuch als die Abteiltür aufgerissen wurde und drei Jungen sich großspurig vor uns aufbauten. Vorne weg stand ein hellblonder, dünner und schlaksiger Junge. Er schien der Anführer zu sein. Er sah hochnäsig auf uns herab als währen ich und Amy Schnecken oder sonst ein Getier. Er hatte sein hellblondes Haar streng zurückgelegt und ein Arrogantes Grinsen auf dem Gesicht. Doch das erste was mir in seinem Gesicht auffiel waren seine Sturmgrauen Augen. Den die sahen uns weder Hämisch noch arrogant an. In ihnen konnte ich Neugierde erkennen. Hinter ihm standen zwei ziemlich dümmlich Grinsende Typen die ihren Anführer um über einen Kopf überragten.

„Na wem haben wir den hier?" fragte der blonde Jung uns die ihn Misstrauisch beäugten. "Zwei Erstklässlerinnen. Wie Süß. Und sie sitzen in unserem Abteil." Die zwei trollähnlichen Typen hinter ihm ließen ein grunzartiges Lachen hören.

„Wer will das wissen?" antwortete ich ihm mit einer schnippischen Gegenfrage. "Und was heißt hier 'euer Abteil'? Wir waren vor euch hier." Langsam stand ich auf und baute mich in voller Größe vor dem Jungen auf. Ich war nicht gerade die Kleinste und so stand ich dem blonden Jungen Auge in Auge gegenüber.

„Du wagst es so mit mir zu reden? Weißt du nicht wer ich bin?" zischte der Blonde mich an und kam bedrohlich näher. Sein Gesicht war nur noch eine Handbreit von meinem entfernt. Was denkt sich dieser arrogante Schnösel wer er ist? Der König höchstpersönlich? dachte ich mir. Seine Augen glitzerten und starrten mir ungeniert in meine dunkelbraunen Augen.

„Bist du etwa der König des Hogwarts Expresses?" antwortete ich ihm ungerührt mit einer Gegenfrage und hielt den Blickkontakt stand. Ich versuchte so überheblich wie möglich zu gucken. Ein Kichern ertönte hinter mir. Amy war inzwischen auch aufgestanden und erntete einen wütenden Blick. Die zwei Hohlbirnen hinter ihm ließen nun bedrohlich ihre Fingerknöchel knacken.

"Dürften wir nun erfahren mit welchen Hoheiten wir es zu tun haben oder willst du noch länger meine Augen bewundern?" fragte ich ihn schnippisch als ich merkte das seine grauen Augen mich zu verschlucken drohten. Ich wollte so schnell wie möglich mehr Raum zwischen mich und diesem Jungen bringen.

„Malfoy. Draco Malfoy. Und das hier sind Gregory Goyle und Vincent Crabbe," stellte er sich und seine Leibgarde vor. Ich musste mir ein Lachen verkneifen den ich kannte den Namen Malfoy zu gut. Doch ein leichtes Zucken meiner Mundwinkel konnte ich mir nicht verkneifen. Zu meinem Pech bemerkte es Draco.

„Was findest du an meinem Namen so lustig," fauchte er mich an.

Mir schien es so als würde Draco sich über einen Familiennamen definieren. Wahrscheinlich hatte man ihm eingetrichtert das der Name etwas Majestätisches wäre und er darauf stolz sein sollte. Es war einfach nur lächerlich.

„Könnte es sein das ein gewisser Lucius Malfoy dein Vater ist?" rettete Amy mich aus meiner Misslichen Lage, und trat einen Schritt vor.

Draco beäugte sie Misstrauisch. „Ja. Und wer will das wissen?" fragte er sie unfreundlich.

„Amelia Hunter. Ich bin die Tochter von Lizanne Hunter." stellte sie sich mit einem frechen Grinsen auf den Lippen vor.

Draco sah sie verdutzt und sprachlos an. Er schien nicht wahr haben zu wollen was er gerade gehört hatte.

„Die Lizanne Hunter aus dem Zaubereiministerium? Die in der Abteilung Strafverfolgung arbeitet?" fragte er, als er seine Sprache wiederfand, ungläubig.

„Meines Wissens gibt es sonst keine Lizanne Hunter." antwortete Amy frech. Mit einem Blick auf mich fuhr sie fort. „Und das hier ist Isabella Marie Foscarini. Dieser Name müsste dir auch geläufig sein, denn soviel ich weiß musstest du sobald du sprechen konntest alle Reinblütigen Familiennamen Europas auswendig lernen. Und wie du dadurch weißt kommen ich und Isabella aus Reinblütigen Familien" Amy sah belustigt auf Draco dessen blasses Gesicht einen Hauch von Röte inzwischen aufwies. Ich sah zwischen den beiden hin und her, unschlüssig wer hier, wenn hasserfüllter ansah. Crabbe und Goyle schauten ähnlich unschlüssig von einer Person zur nächsten.

Meine Mutter hatte mir von den Malfoys und ihrem Wahn vom reinen Blut erzählt. Lucius Malfoy sei ein arroganter und kaltherziger Mann und ein guter Freund des Zaubereiministers Mr. Fudge, weswegen er ihm Ministerium fasst täglich anzutreffen war, hatte meine Mutter mal erwähnt.

Es schien als würde Draco auch diesem Image nacheifern. Doch leider verrieten ihn seine Augen. So emotionslos wie er sich gab war er nicht. Draco betrachtete sie weiterhin mit kaum verhohlener Neugierde als mir klar wurde das ich ihn anstarrte. Seine graublauen Augen hatten etwas Anziehendes an sich das es mir schwer fiel mich seinem Blick zu entziehen. Mit leicht gerötetem Gesicht räusperte ich mich und lies meinen Blick sinken. Mir müssen uns eine Zeit lang angestarrt haben den Amy ließ uns nicht mehr aus den Augen.

„Wir sehen uns in Hogwarts." mit diesen Worten, einem letzten neugierigen Blick auf mich und einem kurzen Nicken ließen uns die drei alleine in unserem Abteil zurück.

„Was war das denn?" fragte mich Amy kaum das die Abteiltür ins Schloss fiel.

Ich grinste sie an. „Das Reinblüter Begrüßungskommando?" Wir prusteten los vor Lachen.

Als wir uns wieder beruhigt hatten sah sie mich erneut mit einem nachdenklichen Ausdruck im Gesicht an. „Jetzt ganz ehrlich: Warum habt ihr euch so lange angestarrt? Sag mir nicht dieser Malfoyschnössel gefehlt dir?" fragte sie mich mit strenge in der Stimme. "Ich habe Geschichten von den Malfoys gehört da würden dir die Haare zu Berge stehen."

Angesichts ihrer barschen Stimme musste ich wieder lachen. „Spinnst du? Mit so einem möchte ich nichts zu tun haben." antwortete ich und wechselte schnell das Thema auf die bevorstehende Auswahlzeremonie bevor sie meine Lüge enttarnen konnte. Doch während der ganzen Zugfahrt nach Hogwarts konnte ich an nichts Anderes als an Graublaue Augen denken die dem Ozean gefährlich nahekamen.

Von einer Bewegung an der großen schwarzen Haustür wurde ich aus meinen Gedanken gerissen. Ich musste wie in Trance weitergegangen sein, denn inzwischen stand ich nur mehr eine Armlänge vor dem riesigen Schmiedeeisernen Tor. Erschrocken wich ich einen Schritt davon zurück. Was zum Teufel mach ich hier? Ich muss inzwischen wirklich den Verstand verloren haben!

Ich schloss die Augen und versuchte durch ruhiges ein und ausatmen meinen nun rasenden Puls zu beruhigen, als etwas zaghaft am Saum meines schwarzen Shirts zupfte.

„Ähm, Miss Foscarini?" fragte eine piepsige Stimme.

Ich öffnete meine Augen und sah vor mir eine nervöse Hauselfe. „Ja?" antwortete ich mit trockenem Hals.

„Würden sie mir folgen, Miss? Er erwartet sie bereits im Salon, Miss." piepste der Hauself übereifrig und verbeugte sich so tief das seine lange Nase den Kiesweg berührte. Mein Herz fiel mir in die Hose. Er wusste das ich hier war.

„Woher weiß er das ich hier bin?" fragte ich nervös wobei meine Stimme ungewollt ein paar Oktaven nach oben rutschte. Die Hauselfe warf einen nervösen Seitenblick auf das große Herrenhaus. Ich folgte ihrem Blick.

Eine Bewegung hinter einem der Fenster im ersten Stock, wo ich den Salon vermutete, beantwortete meine Frage. Leise fluchend folgte ich der Hauselfe. Das war es mit unserem perfekten Plan. Fieberhaft überlegte ich wie wir den Plan jetzt noch retten konnten.

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