Rien ne va plus - Nichts geht mehr

Das Mädchen legte mit einer lässigen Handbewegung die nassen Haare in den Nacken. "Ich bin sehr froh, dass sie stehen geblieben sind. Das ist nicht selbstverständlich! Danke! Dann hatte ich natürlich auch ein wenig Angst. Wie gesagt, normalerweise steige ich nicht zu fremden Männern ins Auto, aber sie haben so eine Art, sie wirken sehr vertrauenswürdig." - "Auf jeden Fall bin ich kein Verbrecher oder Vergewaltiger, also brauchen sie mich nicht zu fürchten. Übrigens heiße ich Peter, Peter Handl." - "Ich bin Ricarda Bachler. Ich habe eine haarsträubende Geschichte zu erzählen und ich fürchte immer noch, dass sie mich dann wieder im Regen stehen lassen..." - "Keine Angst, das tue ich bestimmt nicht, aber vielleicht sollten wir vorher klären, wie wir weiter vorgehen. Bei dem Regen hat es kaum Sinn, wenn ich die Haube aufmache und nachsehe. Also werden wir ihr Auto wohl abschleppen lassen." - "Sie werden lachen, ich wollte mir die Batterie ansehn und die Anschlüsse. Aber selbst meine Taschenlampe hat kein Bisschen Strom mehr! Sogar meine Quarzuhr ist stehengeblieben!" 

Peter reichte ihr eine kleine Ledlampe, die er immer in der Türverkleidung liegen hatte, neben der Parkscheibe und ein paar anderen Utensilien, die sich im Laufe der Zeit in einem Auto so ansammeln. So auch ein Knirps-Schirm, den er ihr ebenfalls reichte. Holen sie ihre Handtasche und das Wichtigste aus ihrem Auto, sie werden ohnehin mit mir weiterfahren müssen, oder aber mit dem Abschleppwagen." - "Jetzt wird die Sache schwierig!" Ricarda wand sich wie ein Wurm. "Wie erklär ich ihnen das jetzt Peter?" - "Am Besten frei Schnauze. Die Wahrheit! Und wenn schon, dann die ganze Wahrheit!" - "Ist es ok, wenn ich erst meine Handtasche hole?" - "Bitte, nur zu!" Ricarda öffnete die Tür und spannte den kleinen Knirps auf. Offenbar musste sie ein paar Zentimeter vom Sitz gleiten, Peters ML-Mercedes war relativ hoch und Ricarda war höchstens eins-sechzig, wenn überhaupt. Sie lief zu ihrem Golf vor und öffnete die Fahrertür. Und nun beobachtete Peter etwas seltsames: Sobald Ricarda mit der Taschenlampe ins Innere des Fahrzeuges gelangte, ging diese aus. Sie griff nach ihrer Handtasche und kam wieder aus dem Wagen hervor. Die Lampe leuchtete wieder auf, aber deutlich schwächer! Zwei Autos fuhren vorbei, ihre Rücklichter flackerten, als sie Ricardas Golf passierten. Sie drehte sich noch einmal um und wollte nachsehen, ob sich noch etwas im Auto befände, das sie mitnehmen sollte, doch als sie mit der Taschenlampe wieder ins Innere des Autos gelangte, ging Diese ganz aus.  Sie warf die Fahrertür zu und versperrte sie per Hand, da das ganze Fahrzeug absolut stromlos war. Dann kam sie zurück zu Peter ins Auto. "Jetzt wird es schwierig! Sie sagten, ich solle die ganze Wahrheit erzählen." - "Moment!" sagte Peter. Er vergewisserte sich, das kein Verkehr hinter ihnen war. Er legte den Retourgang ein und ließ sein Auto am Pannenstreifen langsam etwa 50 Meter vorsichtig zurückrollen. "Merken sie das, Ricarda? Mein Licht wird heller, das Gebläse lauter. Das ist total verrückt. Mein Wagen ist absolut in Ordnung! Ich warte ihn selbst. Es hat den Anschein, Als würde ihr Golf alle elektrische Energie in seiner Umgebung aufsaugen! Sowas hab ich noch nie erlebt!" - "Ich weiß nicht warum, Peter, sie haben es wahrscheinlich nicht bemerkt, aber selbst ihre Taschenlampe ging aus in meinem Wagen, ehrlich. Da geht nichts mehr, da drin... Rien ne va plus!"
       

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