Rituale

"Faszinierend in welch kurzer Zeit, den beiden das gelungen ist!", Ation hatte die drei Gefäße vorsichtig auf Finns Schreibtisch abgestellt. Lillet betrachtete das Treiben gespannt aus ihrer gläsernen Zelle, während Church gelangweilt an der Wand lehnte und Did nervös auf und ab lief.
"Was ist Alte?", Church funkelte Did böse an, "Hast du ein Problem mit deinem Enkel? Du bist ihm ja bis jetzt erfolgreich aus dem Weg gegangen!"
Did erschrak und blieb stehen: "Was redest du den da?"
Lillet verdrehte die Augen: "Sie fühlt sich nicht wohl mit dem Ganzen und meidet den Jungen deswegen, das ist doch offensichtlich!"
Church lächelte spöttisch: "Wenn man ein wandelnder Lügendetektor ist schon!"
Ation fuhr wütend herum: "Haltet alle die Klappe! Ich versuche hier ein heikles Ritual durchzuführen, ich muss schnell denken. Vielleicht sogar improvisieren! Also entweder ihr streitet oben weiter oder ihr schweigt!"
Church verdrehte die Augen und legte den Kopf in den Nacken. Did ging weiter nervös auf und ab. Ation konzentrierte sich auf das Ritual, er nahm das erste Gefäß. Church überlegte, ob die schwarze Vase auch für Blumen tauglich war. Also wenn man den Deckel abnahm in nicht gerade die Seele eines Dämons darin war. Der Gedanke amüsierte ihn, er beschloss sobald Ation fertig war danach zu fragen. Schwarzer Rauch stieg aus dem Gefäß, gleißendes Licht kam aus Ations Händen und formten den Rauch. Ein schwarzer Mantel wurde darauß, unheimlich glänzend. Dann öffnete er das zweite Gefäß und wiederholte die Prozedur. Diesmal wurden es lange, schwarze Handschuhe. Aus dem Dritten Dämon wurden ein Paar schwarze Stiefel. Ations Stirn war voller Schweißperlen, er lies sich auf den Drehstuhl vor dem Schreibtisch fallen.
Ein Kichern von Church ließ ihn seufzen: "Was ist dein Problem?"
Church lachte weiter: "Du machst Kleidung aus Dämonenseelen? Warum sperrten wir je welche weg, sie sind recycelbar!"
Ation verdrehte nun völlig genervt die Augen: "Jeder, außer einer Untoten, würde sterben beim Versuch etwas davon zu tragen! Außerdem bin ich noch nicht fertig!"
Church versuchte sich zusammen zu reisen. In diesem Moment vermisste er Finn sehr, sie hätten beide darüber lachen können. Ation schien bei seiner Arbeit allerdings keinen Spaß zu verstehen.
"Öffnet den Glaskasten!", befahl er harsch und wedelte wie ein General mit seiner Hand herum.
"Sicher?", fragte Did, "Ich meine sie ist immer noch toxisch!"
Church riss die Sicherheitsschleuse auf: "Ja, für eine Topfpflanze vielleicht, wir waren ihr schon länger ausgesetzt und haben es alle überlebt!"
Did funkelte ihn böse an, seine Unverschämtheit ging ihr gewaltig gegen den Strich.
"Ich werde nach oben gehen und sehen wo diese beiden Helden bleiben bevor Ladira uns noch den Kopf abreist!", verkündete die alte Frau und verschwand.
"Ich werde noch einen Tag benötigen, dann sollte es perfekt sein!", Ation deutete Church zu gehen, "Du musst nicht hier unten bleiben!"
Church machte keine Anstalten sich nach oben zu bewegen, er begann sinnlos ein paar Ordner zu schlichten.
"Er möchte nicht mit den anderen zusammen sein!", Lillet lächelte freundlich, was Church die Augen verdrehen ließ.
"Keiner mag Klugscheißer! Auch wenn sie die Wahrheit sagen!", informierte er sie dann, "Und nein, ich lege keinen gesteigerten Wert darauf meiner Exschwiegermutter zu erklären, dass ich Shanora schon wieder erlaubt habe alleine zu reisen. Was komplett normal ist, sie ist erwachsen und bricht aus! Weil man sie all die Jahre klein gehalten hat, ich verstehe sie!"
Ation seufzte, er hatte nie viel von Church gehalten. Aber seit er mehr Zeit mit ihm verbrachte wurde ihm mehr und mehr bewusst warum Finn ihn schätzte.
"Warum hasst Ladira dich? Ich meine du warst mal mit einer ihrer Töchter zusammen, aber Beziehungen gehen leider manchmal kaputt?", fragte er, in dem wohl nettesten Ton mit dem er Church je angesprochen hatte. Man durfte nicht vergessen, dass die wohl einzige Person, der sich Church immer anvertrauen konnte im Koma lag.
"Ich habe sie belogen und versucht ihre Schwester zu töten. Ich hätte fast ihre Nichte getötet und wie ich jetzt dank Lillet weiß bin ich eigentlich noch gefährlicher!", Church rümpfte die Nase, "Aber was interessiert dich hell erleuchteten Ritter des Guten das, Ation?"
Lillet schaute traurig zwischen den beiden hin und her, dann wendete sie sich an Church: "Du hast wahnsinnige Angst vor deinen Kräften, nicht wahr? Du hast Angst sie nicht kontrollieren zu können!"
Ation, der vor Lillets Aussage, und dem bedrückten Blick, den sie bei Church hinterließ, schon etwas Fieses sagen wollte, schwieg jetzt. Ihm war nicht bewusst gewesen, dass der förmlich unbesiegbare Dämon Church so etwas empfand.
"Ich habe eine Scheißangst davor das jemals eines dieser Siegel bricht!", Church zog sein Shirt aus und drehte sich um.
Vier Siegel, alte Runen der vier Elemente, Feuer, Wasser, Luft und Erde, erstreckten sich entlang seiner Wirbelsäule. Ation schluckte, er wusste, dass man diese mächtigen Runen nur gebrauchte, um wirklich großes Übel zu versiegeln.
"Ich bin in den Augen von Ladira und den anderen ein Monster?", Church lachte bitter, "Aber wahrscheinlich haben sie damit recht!"
Lillet schüttelte entschieden den Kopf: "Ich sehe doch wie du dich wie ein Vater um das Mädchen kümmerst obwohl du nicht wesentlich älter bist! Du bist der einzige der immer versucht auf sie einzugehen!" Church sagte nichts dazu, er wirkte nicht überzeugt.
"Ich denke ich sollte mich für meine Oberflächlichkeit entschuldigen!", diese Aussage von Ation überraschte Church sehr.
"Ich wusste nicht das..,", beschämt Blickte der Elf auf den Boden, "Das du so viel mehr bist als eine Kampfmaschine!"
Church grinste und zog sein Shirt wieder an: "Die Zeit als ich mir die Zähne spitz feilte um auf meine Feinde noch bedrohlicher zu wirken ist vorbei! Aber ich bin und bleibe der Puppenspieler!"

"Was soll das heißen Shanora ist noch nicht hier?", Ladiras Stimme eskalierte als sie mit Did sprach.Church wäre am liebsten wieder umgekehrt, zurück in den Keller, aber weiter mit Ation und dem Lügendetektor über seine Gefühle reden? Lieber nicht. Da würde er sich lieber anschreien lassen.
"Nein, die weiße Königin und der Erbe des schwarzen Throns sind noch nicht zurück gekehrt!", Did sah Ladira mit emotionsloser Miene an. Ihre Haltung war äußerst arrogant, Church fragte sich wo die verrückte alte Frau in ihr abgeblieben war.
"Was ist den hier schon wieder los?", schaltete er sich ein und entdeckte Ladiras Begleiter. Ein rotbackiger junger Mann, Leinenkleidung und blondes Haar.
"Und was ist das?", Church fixierte den Typen, "Starr nicht so mit deinem treudoofen Mondkalb Blick!"
Die blauen Augen des Jungen wanderten sofort verunsichert zu Ladira.
"Das ist Jelen, ein Freund von Shanora aus ihrer Unterrichtszeit! Er ist mitgekommen um ihr beistand zu leisten in dieser schweren Zeit!", erklärte Ladira.
"Ist das der schwarze Puppenspieler?", entkam des dem Blonden mit aufgeregter Stimme. Chruchs Mundwinkel zuckten kurz, er hatte keine Lust mehr wie ein Zootier begafft zu werden.
Er grinste fies und lies dann zahllose Fäden aus seinen Armen schießen, sie sich um die Hand- und Fußgelenke aller anwesenden wickelten.Dann ließ er sie tanzen.
"Church!", empörte Ladira sich, "Lass den Unsinn!"
Chruch war belustigt über die leichte Panik in ihrer Stimme, er ließ sie und die anderen fallen.
"Reicht das als Antwort?", fragte er den zitternden Jungen. Dieser nickte schnell, Schweißperlen standen ihm auf der Stirn.
"Buh!", Church stupste ihn an, sodass er wimmernd zusammenfuhr und leise zu weinen begann.
"War das nötig?", Ladira folgte ihm natürlich in die Küche.
"Was? Das du einen totalen Vollspasten anschleppst, aus Angst Shanora könnte zu viel Zeit mit einem anderen jungen Mann verbringen?"
Ladiras blieb stehen und antwortete ihm nicht. Er hatte also recht mit seiner Behauptung.
"Wirklich?", Church schüttelte den Kopf, "Das ist einfach nur traurig!"
Ladira verschränkte die Arme: "Die Frage, die wirklich zählt ist doch: Wo bleibt Shanora?"
"Hey Church, da Ation eh zwei Tage für das Ritual braucht haben wir beschlossen noch ein paar Nachforschungen anzustellen!"
"Wie du einfach frech lügst, Shanora! Wir machen 2 Tage blau Churchilein!"
"Cash, halt den Mund!"
"Was den, er wird die Wahrheit schon... Aua!"
"Church, wir kommen in zwei Tagen nach! Versprochen!"
Church lächelte bei dem Gedanken an die Nachricht, die er auf Finns Haustelefonanschluss abgehört hatte:
"Sie erledigt noch etwas Wichtiges, dann wird sie pünktlich hier erschienen!"

Kurz vor Windun in einem kleinen Fischerdorf ließ Shanora gerade ihre nackten Füße ins Meer hängen. Der Geruch des salzigen Wassers und das Kreischen der vereinzelten Möwen ließen ihre Gedanken immer wieder kurz auf angenehme Pfade wandeln. Neben ihr saß Cash, der sein Gesicht wieder verborgen hatte. Seine Augen schienen auf einen bestimmten Punkt am Horizont zu starren. Shanora war sich sicher, dass er an seinen Ziehvater dachte, den er schrecklich vermisste. Sie hatten Windun nicht ohne Grund aufgesucht, ihr kurzer Urlaub hatte den Sinn sich zu vergewissern, dass der Rabe und sein Gefährte, Norberts Leichnam nicht hatten. Außerdem war es für Shanora an der Zeit eine wichtige Entscheidung zu treffen. Sie hatte das Oculus des Nachtschatten bei einer beinahe toten benutzen können. Aber in den Geist ihres Bruders einzudringen, seine privaten Gedanken und Gefühle zu sehen... Das war etwas anderes.
"Ich denke er wird eher durchdrehen, wenn er aufwacht und seine Kreditkartenabrechnung bekommt!", erneut fragte sich Shanora ob Hannibal Cash in der Lage war ihre Gedanken zu lesen.
"Früher hat er unser Erbe verprasst, dachte ich zumindest!", ein Lächeln kam kurz über ihre Lippen, "Er hat uns alle glauben lassen, dass er ein Vollidiot ist! Hat Verachtung, Hass und Schmerzen auf sich genommen um uns zu beschützen!"
Cash legte ihr einen Arm um die Schulter: "Er hat sich dafür entschieden so zu leben. Er wollte sicher nie, dass sein Schmerz zu deinem wird! Ich denke, dass vieles nicht so lief, wie er es geplant hat! Aber dafür hast du jetzt die Chance in seine Fußstapfen zu treten! Solange bis wir einen Weg gefunden haben ihn zurückzuholen!"
Shanora seufzte, es schien, als habe sich Cash nichts anderes zur Lebensaufgabe gemacht. Natürlich war sie ihm dankbar für seine Hilfe, aber sie fürchtete, dass er dadurch nur vor dem davon rannte, was ihn belastete.
"Wir sollten uns auf den Weg machen!", verkündete sie dann, "Sonst wird Church uns ab jetzt wahrscheinlich an Marbas fesseln oder so!"
Cash lachte und half ihr auf: "Ja, also auf nach Amergyn, oder?"
Shanora nickte, ein Kloß bildete sich in ihrem Hals: "Danke das du mich begleitest!"
Cash zog eine Braue hoch: "Was hätte ich sonst zu tun? Mir ein geregeltes Leben suchen, heiraten..."
Shanora boxte ihm in den Bauch und lachte. Tatsächlich war Cash Finn in vielen Punkten ähnlich. Beide waren impulsiv, sagten, was sie sich dachten und hatten wenig Respekt vor Autoritäten. Shanora hatte das genossen, einfach in den Tag hinein leben, von Motel zu Motel ziehen während man sich von Burgern und eingetüteten Muffins ernährte und das Böse bekämpfte. Ganz überzogen ausgedrückt. So hatte sie sich Finns Leben immer vorgestellt, von einem Abenteuer ins nächste. Sie hatte in der kurzen Zeit mehr gelernt als in jeder Schule, oder in all den Büchern, die man ihr aufgezwungen hatte.
"Was kuckst du so?", Cash musterte sie, "Sind deine Gedanken wieder auf Weltreise? Wenn wir gleich apparieren bitte ich um Konzentration! Es ist schwer an Orte zu gelangen an denen man noch nie war!"
Shanora fokussierte ihre Gedanken wieder, sie wusste, dass das Verschwinden an einem Ort und das Auftauchen an einem anderen eine hohe Kunst war. Sie hatte es bis jetzt bei ihrem Training mit Cash gerade einmal ein paar Räume weit geschafft. Er hingegen schien es perfektioniert zu haben, sie waren über den gesamten Globus der Menschenwelt appariert.
"Ich denke ich bin bereit!", verkündete sie und nahm seine Hände.
"Gut, stell dir bitte genau den Raum vor in dem du landen möchtest! Diese Form der Teleportation ist selbst für mich, ohne arrogant klingen zu wollen, höchst schwierig und aufwendig!", Cash begann sich zu konzentrieren. Einen Moment später fühlte Shanora sich schwerelos, gleitend durch die wirbelnden Ströme verschiedener Welten. Sie versuchte ihr Ziel möglichst gut vor Augen zu haben, das Zimmer in dem sie Finn aufgebahrt hatten, auf dem eigenartigen Bett.
Plötzlich wurde aus dem Gleiten ein schnelles fallen, dass mit einem unsanften Aufprall endete. Shanora öffnete ihre Augen und sah einen langen Gang vor sich, das Wappen des weißen Tigers verriet ihr, dass sie zumindest richtig gelandet waren.
"Das tat weh!", maulte Cash hinter ihr und richtete sich auf. Shanora deutete ihm leise zu sprechen: "Komm schnell, es sollte uns keiner bemerkten!"
Cash nickte: "Ich schätze wir müssen da vorne links durch die bewachte Türe!"
Beeindruckt sah er sich in dem Gang um, Shanora gab ihm einen Schubs damit er sich vorwärts bewegte.
"Gut also wie geplant!", sie konzentrierte sich auf ihre Fähigkeiten, langsam begann ihr Körper sich zu verformen.Ihre Haare wurden länger und erhielten eine schwarzbraune Farbe, ihr Kinn ausgeprägter und ihre Lippen schienen sich zu verdoppeln. Ihre türkisen Augen strahlten Wasserblau und ihre Körperform glich nun einer Sanduhr.
Cash zog seine Braue hoch und musterte sie: "Diese Sassy musst du mir dringend einmal vorstellen, wow!"
Dafür bekam er sofort einen Schlag in die Magengrube: "Halt den Mund und verändere dein aussehen!"
Cash konzentrierte sich und nahm die Gestalt von Chruch an.
"Damit können wir höchstens die Wachen täuschen, wenn dein Elfenfreund uns erwischt haben wir ein Problem!", Cash sah sich noch einmal um, "Vor allem weil meine Stimme nicht nach einem narbigen Dämon klingt, und deine nicht nach einer heißen Braut die früher einmal Blut gesaugt hat!"
Shanora verzog das Gesicht: "Danke für die genaue Ausführung, kann ja nicht jeder so ein Schönling sein wie du!"
Cash lachte verlegen: "So war das nicht gemeint!" Shanora setzte sich in Bewegung: "Bringen wir es hinter uns!"

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