Sie sitzt da. Start ins Leere. Vor ihr baumeln ihre Füße von der Fensterbank. Sie bewegen sich nicht. Alles scheint still zu stehen. Sie kann die Stimme die zu ihr dringt kaum wahrnehmen. Wie durch einen Nebel hört sie ganz weit fern die Worte, wie sie versuchen zu ihr durchzudringen. Alles ist so weit weg. Sie fühlt sich schwer. Fühlt die Last der Erinnerungen die auf ihre Seele drücken. Sie klopfen an und wollen sie abholen. Abholen zu einer Seelenfahrt. Doch kann sie nicht in die Gondel steigen, um mitzufahren. Zu schwer wiegt die Angst. Zu schwer ist der Schlag der sie treffen wird, wenn sie einsteigt. Kein Gurt der sie hält. Kein Bügel der sie vor dem rausfallen in dieser Achterbahn schützen wird. Vor ihr liegt nur diese große weite Leere, die so unendlich scheint. Die Stimme spricht weiter. Ohne Unterbrechung. Ruft immer wieder ihren Namen. Doch sie kann sich nicht darauf konzentrieren. Sie sieht nicht was um sie herum passiert. Sie ist nicht mehr da. Ihre Seele ist weit an einen anderen Ort entflohen. Wie in einer Zeitschleife steckt sie fest. Immer wieder kommen die Bilder zurück. Bilder die sie nie mehr sehen wollte. Bilder die ihr Leben aus den Fugen haben geraten lassen. Alles ist wie ein nicht enden wollender Alptraum. Sie ist aufgestanden. Empor gestiegen aus der leeren Hülle, die dort auf der Fensterbank verweilt. Als sie sich umdreht sieht sie das Elend, das dort verblieben ist. Das bin nicht ich denkt sie. Das gehört nicht zu mir. Sie hört die Tropfen die stetig auf den Boden tropfen. Wie ein kleiner Fluss läuft ihr altes Leben ihren Arm hinab. Bis die Linien sich treffen und zu einem großen Bach zusammen laufen. Sie starrt hinab auf den Bach, der sich immer mehr zu einem Ozean zu erstrecken vermag. Wieder hört sie diese gedämpfte Stimme die versucht sie zu erreichen. Die Stimme die versucht den Ozean aufzuhalten, der sich dort aus ihrem Körper ergießt. Überall sind rote Linien. Überall finden sie ihren Weg. Sie finden zueinander. Vereinen sich in ihrer einzigartigen Schönheit. Die Sonne fällt durchs Fenster und lässt das Rot erstrahlen. Wie schön es glänzt und glitzert denkt sie. Plötzlich geht ein Ruck durch ihren Körper. Überall sind Hände die sie berühren. Überall Hände die Druck auf ihre leere Hülle ausüben. Sie spürt wie sie zurückkommt. Der Nebel löst sich auf und die Stimme die zu ihr spricht wird klar. Wird deutlich. Sie hebt ihren Kopf. Wendet den Blick ab von dem Ozean unter ihr. Sie ist zurück. Sie spürt die Fensterbank. Wie sie kalt und unerbittlich unter ihrem Körper liegt. Aber was mache ich hier, fragt sie sich. Wieso bin ich wieder zurück. Ich wollte doch weg. Wo ist die Gondel hin? Keine Chance mehr einzusteigen und abzustürzen. Ich bin zurück, denkt sie. Wieder einmal habe ich es nicht geschafft zu entfliehen. Aber du gibst nicht, auf sagt die Stimme in ihrem Kopf. Wir versuchen es einfach nochmal. Immer und immer wieder werden die roten Linien tanzen, bis du es schaffst in die Gondel einzusteigen und davonzufahren. Ohne Gurt, ohne Bügel, ohne Sicherung, ohne Boden unter den Füßen. Und dann, ganz plötzlich, ist es vorbei....

Kommentare

  • Author Portrait

    Puh...hart..aber so ist es...ein Leben mit den roten Linien...!

beta
Feenstaub

Navigation

Sprachen

Social Media