Safe Forever

Für den Rest des Tages bekam ich die erste Lektion nicht mehr aus meinen Kopf. Die einfachste Berührung, kann manchmal die effektivste sein? Nun, vielleicht wenn man Hände wie er hatte, aber ich konnte mir nicht vorstellen, wie ich Jungs mit einem einfachen Händeschütteln ein Kribbeln im Bauch bescherte. Kribbelte es bei Jungs überhaupt?

Wie auch immer, alles, was ich sagen kann, ist, dass Jack ein großes Talent hat. Der Rest der weiblichen Bevölkerung rund um den Campus wird wütend sein, wenn sie heraus finden, dass er sich für eine Weile nicht verabreden wird. Entschuldigt mich kurz, während ich glückliche und besitzergreifende Gedanken hege….

…...........

…...........

Dankbar dafür das der Donnerstag vorbei war, kam ich Abends von der Arbeit nach Hause, da ich freitags nur einen Kurs habe und keine Arbeit, war im Grunde genommen schon Wochenende für mich. Ich hatte Brad den ganzen Tag über nicht gesehen, hatte aber eine Vorlesung mit Allison zusammen gehabt, was ein wenig unangenehm war.

Jedenfalls hatte ich mich darauf gefreut, ein wenig in meinen Pyjama zu faulenzen und vielleicht sogar eine weitere 'Lektion', von Jack zu bekommen, wenn ich nach Hause käme. Unglücklicherweise hatte ich nicht mehr an, die Jungs, gedacht.

Ich weiß, technisch gesehen sind es nur fünf, aber wenn sie alle zusammen in einem Pulk waren, schien es, als wären es Millionen von den Kerlen. Es ist immer einer auf dem Klo, ein anderer durchwühlt den Kühlschrank, zwei haben eine lächerliche Auseinandersetzung, weitere drei oder so fordern einander zu einem Trink-Wettbewerb heraus und mindestens zehn andere tun etwas, was sie nicht sollten. Ja, ich weiß das es nicht unbedingt möglich ist, aber es scheint verdammt noch mal so.

Als ich die Wohnung betrat, sahen alle vom Fernseher auf und ein Chor von Grunzlauten hallte mir entgegen, welche in Boy-Land als Begrüßung galten. Ich winkte lustlos zurück und ging in die Küche um mir einen Apfel zu holen. Jemand hat mir einmal gesagt, das ein Apfel effektiver als Kaffee wäre, um einen munter zu machen und da ich Kaffee sowieso nicht mag, habe ich beschlossen ihnen zu glauben. Gerade als ich einen Bissen von der herrlich kalten, frischen Frucht (bewahrt Äpfel stets im Kühlschrank auf, egal was die Leute euch sagen) nehmen wollte, klingelte das Telefon.

„Telefon klingelt.“, rief Matt hilfsbereit von der Couch. Das war seine so ungemein subtile Art zu sagen, das er nicht derjenige war, der dran gehen würde. Ich schnitt ihn eine Grimasse und nahm den Hörer ab.

„Hallo?“ grüßte ich und beäugte meinen Apfel neidisch. Ich konnte förmlich sehen wie seine wundervolle Kälte heraus sickerte.

„Schatz, wusstest du, dass das Gehirn vom Neandertaler größer als das der modernen Menschen war?“

Ich biss in meinen Apfel, schließlich würde ich die Nährstoffe brauchen.

Es war meine Mutter.

„Was du nicht sagst.“, murmelte ich mit vollem Mund. „Und wo hast du dieses pikante Stück Getratsche gehört?“

„In meiner Volkshochschulklasse. Ich hab dir ja gesagt das ich da derart interessante Dinge lernen werde, nicht wahr? Nun, es ist wahr und Professor Clarence sagt, das meine Ansichten sorgfältig und aufschlussreich seien. Er ist ziemlich gutaussehend, weißt du. Vielleicht nicht so gutaussehend wie dein Vater, aber wenn ich nicht verheiratet wäre oder wenn ich eine unglückliche Ehe hätte, würde ich auf der Stelle was mit ihm anfangen. Ich wette, das ist es auch, wo er die meisten seiner Freundinnen her bekommt. Oh das klingt gemein, nicht wahr? Ich wollte damit nicht sagen, das er so erbärmlich ist das er….“

Und so ging es weiter.

Ich sackte am Küchentisch zusammen und aß meinen Apfel weiter. Als ich am Kern an kam, nagte ich an den ekelhaften Stücken herum, die die Samen umgaben und meine Mutter hatte ihren Monolog immer noch nicht beendet. Ich warf die Apfelkitsche weg und während ich das tat, fing ich Matts fragenden Blick auf.

'Mum' formte ich mit den Lippen und er nickte wissend, bevor er sich wieder zum Fernseher drehte. Ich legte meinen Kopf auf meine Arme, während ich das Telefon neben mich legte. Die Stimme meiner Mutter ist laut genug, so das ich jedes Wort das sie sagte, hören konnte, obwohl ich sie nicht in irgendeine zusammenhängende Reihenfolge in meinem Gehirn bringen konnte.

„... Aber ich denke, es wäre schön, zur Abwechslung auch mal was großes zu machen. Also, was meinst du?“

Ich riss mich aus meinen fast katalanischen Zustand, legte den Hörer wieder an mein Ohr und war mir bewusst darüber, das die Frage nicht rhetorisch war und das ich absolut keine Ahnung hatte, wovon sie da redete.

„Ich denke das ist eine großartige Idee, Mum.“, sagte ich heiter, und hoffte einfach nur, dass es die richtige Antwort war.

„Oh gut.“ ich konnte praktisch ihr strahlendes Lächeln durch den Hörer spüren. „Nun, wenn wir jetzt noch deinen Vater überreden können, könnte ich sofort mit den Vorbereitungen beginnen. Du wirst mit ihm reden, nicht wahr? Und sag ihm das du es für eine gute Idee hältst.“

„Natürlich werde ich das.“, antwortete ich mit sehr viel weniger Sicherheit in meiner Stimme. Mums Vorstellung von einem guten Plan, war oft ganz anderes als die von meinem Vater und darauf folgend Matts und meiner eigenen. Zu was hatte ich meine Zustimmung gegeben?

„Ausgezeichnet. Dann kannst du deinen Freund mitbringen, Brent war richtig?“

„Brad.“ korrigierte ich sie ohne nachzudenken. Meinen Fehler bemerkend, fügte ich schnell hinzu: „Aber wir haben uns getrennt.“

„Großartig! Es tut mir leid das zu sagen, liebes, aber ich hab ihn nie wirklich gemocht. Verschlagende Augen. Oder war das die Freundin von deinem Bruder? Ich kann da nie den Überblick behalten.“

Und da habt ihr es. Vielleicht das beste Beispiel für die Gedankenwelt meiner Mutter. Gemäß ihren eigenen Angaben, behält sie die Übersicht zwischen meinen Freunden und Matts Freundinnen nicht.

Wo wir gerade von ihm sprechen....ich sah wie mein Bruder mich aus zusammengekniffenen Augen beobachtete. Was hatte er für ein Problem? Dann erinnerte ich mich plötzlich daran, das ich ihn nichts von meiner Trennung von Brad erzählt hatte oder, was noch wichtiger war, der Grund dafür und er musste es auf geschnappt haben. Scheiße, er sieht ziemlich verärgert aus. Dennoch musste ich mir nicht lange darüber Gedanken machen, weil meine Mutter wieder begonnen hatte zu reden.

„Sind die Narzissen vor eurem Apartment schon aufgeblüht? Ich dachte sie hätten schon, aber dein Vater scheint zu denken, dass es zu früh ist.“

Bam! Ein neuer Gedankengang und entließ damit meinen Freundlosen Zustand, in einer schnellen Bewegung. Deshalb liebe ich meine Mutter so sehr. Für alle, für die sie zu übertrieben scheint, sie glaubt wirklich an drei Hauptkodexe des Lebens. Kein Theatralisches Getue über Dinge in der Vergangenheit. Das Leben ist zu kurz für Kummer. Und ihr Lieblingsspruch von allen: Lass es hinter dir.

„Oh, Jack geht es gut.“, sagte ich Geistesabwesend und schaute immer noch zu Matts wütenden Ausdruck.

„Gut. Isst er denn genug?“

Ich lächelte, meine Mutter verehrte Jack und verhätschelte ihn ständig.

„Ja, ich denke schon, Mum. Frag ihn doch gleich selbst.“

„Ja, aber er weiß, was ich mir für Sorgen mache, also könnte er mich anlügen, um mich zu Berühigen.“

Der Gedanke, das Jack meine Mutter anlügen könnte war offenkundig lächerlich, aber ich wollte vor Mitternacht mit meinem Vater sprechen, also stimmte ich ihr zu und bat sie das Telefon weiter zu reichen.

„Oh, natürlich, liebes, er ist gleich hier. Ich liebe dich!“ zwitscherte sie.

„Ich Liebe dich auch, Mum.“, sagte ich mit einem Grinsen auf den Lippen.

Es entstand eine kurze Pause, während das Telefon übergeben wurde und über das raschelnde Geräusch, das dadurch entstand, konnte ich hören, wie meine Mutter meinen Vater sagte, nicht so lange zu reden, weil sie noch mit den Jungs reden wollte. Ich verdrehte meine Augen wegen ihrer herrischen Art, meine Mutter glaubte, sie hätte einen größeren Anspruch an uns als mein Vater, weil sie uns neun Monate in ihren Bauch herumgetragen hatte. Die Tatsache, das sie Jack vor seinem achten Lebensjahr überhaupt nicht kannte, schien sie nicht sonderlich zu beeindrucken.

Wie wohl über deutlich zu sehen ist, folgt unsere Familie dem uralten Stereotyp, wo die Mütter den Söhnen näher ist und die Väter den Töchtern. Sie hatten sogar eine Vereinbarung bevor entweder Matt oder ich geboren wurden, das Mum das Kind benennen würde, wenn es ein Junge wird und Dad würde es benennen, wenn es ein Mädchen werden würde. Ich wurde Weihnachten geboren und mein Vater wählte Natalia, weil es Weihnachten auf Lateinisch bedeutet. Alles schön und gut für formelle Anlässe, aber ich bevorzugte es Talia genannt zu werden, weil ich glaube, dass es besser zu meiner Persönlichkeit passt.

Schließlich hörte ich, wie mein Vater meine Mutter zum Schweigen brachte, das ist keine einfache Sache.

„Hallo liebes.“ seine Stimme klang, als hätte er lange gelitten, obwohl ich wusste, das er sie nur aufgesetzt hatte, um Mum zu ärgern.

„Hi Dad.“ ich lächelte und zog meine Beine hoch, um mich im Schneider-Sitz auf den Küchenstuhl zu setzen. „Wie geht es dir?“

„Mir würde es viel besser gehen, wenn deine Mutter die Jubiläums-Sache einfach fallen lassen würde. Ich habe ihr tausendmal gesagt, das ich keine große Party möchte, geschweige denn eine mit einem riesigen Zelt im Garten.“ wetterte mein Vater.

Ah, also das war es, wozu ich gesagt hatte das es eine gute Idee ist. Whoops.

„Wir haben über drei Jahrzehnte schrecklich viele Leute kennengelernt und die meisten von ihnen sind Schwachköpfe. Warum in aller Welt sollte ich mich mit ihnen in einem teuren Pavillon stecken lassen, der wahrscheinlich meinen Rasen aufwühlt.“ fuhr er verärgert fort.

„Weil du dann weißt, wo du den Luftangriff starten musst?“ schlug ich scherzhaft vor.

Er kicherte „Nun, das ist es, schätze ich.“ bemerkte er.

Wir plauderten ein wenig, aber nach einer Weile wurde Mutters Gejammer im Hintergrund zu beharrlich und wir verabschiedeten uns widerwillig.

„Sag Mum, das ich versucht habe, dich von den Vorzügen einer großen Garten-Party zu eurem Jubiläum zu überzeugen, in Ordnung?“ scherzte ich und er stöhnte.

„Wenn ich da sein muss, musst du es auch, kleines Fräulein, also würde ich nicht zu übermütig werden.“, warnte er. „Pass auf dich auf.“

„Du auch.“, antwortete ich, bevor ich ausrief: „Aufgepasst Matt.“ und das Telefon zu ihm hinüber warf.

Er fing es und begann mit Dad zu reden und nahm den Lärm den seine Freunde und der Fernseher machten gar nicht wahr. Ich war kurz davor in mein Zimmer zu stapfen, als Jack hinter den Stuhl trat, auf dem ich saß und sich hinunter beugte um „Jemand ist in Schwierigkeiten.“ zu flüstern.

Ich schaute durch den Raum zu Matt, der mich immer noch verärgert anschaute, obwohl er ein ganz normales Gespräch am Telefon führte. Seufzend nickte ich. Angesicht dessen, das Matt und ich uns super nahe standen, hatte ihn wohl die Tatsache, dass ich ihm nicht erzählt hatte, das ich mit Brad Schluss gemacht hatte, ziemlich sauer gemacht.

„Jep.“, flüsterte ich zurück. „Es sieht so aus, aber ich hatte ehrlich gesagt keine Zeit ihm das zu erzählen. Nicht zu erwähnen, ich hätte dann den ganzen Tag darauf gewartet, von irgendjemanden zu hören, das mein Bruder gedroht hätte Brad zu killen und wer braucht diese Art von Stress?“

Auch wenn ich Jack nicht sehen konnte, hatte ich gespürt das sich seine Haltung plötzlich versteifte. Ich reckte meinen Hals um ihn anzusehen und er starrte zur Seite, wie, als ob er bewusst vermied mich anzusehen. „Hast du Brad heute gesehen?“, fragte er, immer noch mit gesenkter Stimme, als ob er nicht wollte, das die anderen uns hörten.

„Nein, warum?“, fragte ich und als er meinen Blick immer noch mied, seufzte ich schwer. „Jack Morgan Whitby, was hast du gemacht?“

Bevor er eine Chance hatte zu antworten, erklang die schrille Handy-Version der Titelmelodie von 'Captain Planet' irgendwo ganz in unserer Nähe. Ich fluchte leise und griff unter dem Tisch nach meiner Tasche. Ich grub mich durch die Müll-schichten, bis ich das kleine, funkelnde, blaue Handy (Ich hab es auf einer langweiligen Party mit Nagellack angemalt) fand und klappte es auf.

„Hey Simone. Ich bin gerade dabei Jack so eine Art Geständnis zu entlocken, also könntest du dich beeilen?“ fragte ich, als ich ihren Namen auf dem Display aufleuchten sah.

„Aber klar doch.“ stimmte sie auch gleich zu. Ich liebe sie so sehr, keine Fragen und kommt direkt zum Punkt. „Hast du Brad heute Nachmittag überhaupt gesehen?“

„Nein.“, antwortete ich knapp. Das war das zweite Mal innerhalb von Sekunden, dass ich das gefragt wurde. Ich schöpfte verdacht.

„Ja nun, das Überrascht mich nicht. Nach heute Morgen wird er wahrscheinlich alles daran setzen, dir aus dem Weg zu gehen.“ sagte sie und klang fast schadenfroh.

„Warum? Was war denn heute Morgen?“ Fragte ich und war mir der Tatsache bewusst, dass Jack meine Seite verlassen hatte, in sein Schlafzimmer gehuscht war und die Tür leise hinter sich geschlossen hatte. Überhaupt nicht verdächtig.

„Du hast es nicht gehört? Jeder spricht darüber! Er wurde davor gewarnt sich dir zu nähern. Offenbar erzählte er seinen Freunden heute Morgen, dass du frigide bist, aber das er trotzdem bis zum Ende des Jahres mit dir…ähm… Schlafen würde.“ Meine Vermutung war ja, das ein etwas anderes Wort als "Schlafen", in der Unterhaltung gefallen war, aber Simone es ein wenig zensierte hatte. „Jedenfalls,“ fuhr sie hastig fort. „Hörte dein Bruder ihn und warf ihn gegen eine Wand. Anscheinend hat sich Brad fast selbst in die Hose gemacht und es lag nur an seinen Freunden die Matt weg gezogen hatten, das es keine große Prügelei gab. Es ist schön, wie dein Bruder auf dich acht gibt.“

„Ja, einfach toll.“, erwiderte ich sarkastisch. „Ganz besonders, wenn ich zwei Brüder für den Preis von einem bekomme.“

Es schien, das meine Theorie auf dem Kopf gestellt wurde. Matt war nicht sauer, weil er nichts von der Trennung wusste, er war sauer, weil er es durch Getratsche herausgefunden hatte. Und Jack war nicht schuldig, weil er selbst was getan hatte, er war schuldig, weil er wusste, das Matt eine Szene gemacht hatte und er es mir nicht gesagt hatte. Nimm das Dawson's Creek.

„Aber der eigentliche Grund weshalb ich anrufe, ist, um dir zu sagen, das Brad mich vor zehn Minuten angerufen hat.“, sagte Simone plötzlich und meine Augen weiteten sich vor Überraschung.

„Wirklich?“, fragte ich. „Was wollte der Drecksack? Warte, woher hat er deine Nummer?“

„Er wollte sich entschuldigen und er hat meine Nummer von Piet, erinnerst du dich, ich war Anfang des Jahres eine weile mit ihm zusammen. Na ja, jedenfalls, er sagte er könnte dich nicht direkt anrufen, weil du einfach auflegen würdest, aber er wollte sich dafür entschuldigen das er mit anderen geschlafen hat und dich dann bei seinen Freunden schlecht gemacht hat.“ sagte sie schnell, weil sie die Nachricht offensichtlich so schnell wie möglich loswerden wollte.

Simone ist unheimlich süß, es war durchaus möglich, das sie seiner Entschuldigung glaubte. Ihre Nettigkeit trieb mich manchmal in den Wahnsinn, vermutlich hat sie das Lügenmaul noch getröstet.

„Oh ja.“, sagte ich in einem kühlen Ton „Und was hast du gesagt?“

„Ich hab ihn gesagt das niemand so mit meiner besten Freundin umgeht und wenn er jemals, eine andere Frau wieder so behandeln sollte, ich dich dazu bringen würde den gesamten Campus zu erzählen, dass der einzige Grund warum du nicht mit ihm geschlafen hast, der ist, das du nicht mit Idioten schläfst, die größere Schwänze auf den Kopf, als irgendwo anders haben.“

Ich jubelte auf ihre Antwort. Manchmal kommt Simone mit diesen kleinen, herrlichen und herablassenden Bemerkungen, und sie liefert sie mit der Geschwindigkeit und schärfe eines Peitschenknalls. Oh, habe ich nicht erwähnt, das Simone unter all den Schichten aus Nettigkeit, ein Rückgrat besitzt? Ja, nun, das tut sie.

„Oh, zu schade.“, rief ich. „Das habe ich bereits. Hey, willst du her kommen Simmy? Die Jungs sind hier und ich denke, ich werde heute Abend ein wenig weibliche Unterstützung brauchen.“

„Sie sind alle da? Oh, du ärmste.“ sie klang sehr empört, was ein Schatz.

„So wie du das sagst, klingt es, als wäre jemand gestorben.“ kicherte ich. „Also, sehe ich dich gleich?“

„Auf jeden Fall.“

Mein Handy stopfte ich, nachdem ich es zu geklappt hatte, wieder in meine Tasche, atmete einmal tief durch und stand dann vom Stuhl auf. Ich schlich an Matt vorbei, der damit beschäftigt war, sich aus dem Gespräch mit meiner Mutter zu befreien und in Jacks Zimmer.

Ich schloss die Tür hinter mir und stemmte die Hände in meine Hüften.

„Du hättest es mir sagen können, Jack.“, sagte ich ohne jegliche Um-schweife vorwurfsvoll. Er schaute mich überrascht an und schloss dann langsam das Textbuch, durch das er geblättert hatte.

„Was genau?“, fragte er und drehte sich langsam mit seinem Schreibtisch Stuhl, um mich besser ansehen zu können.

„Das Matt, Brad angegriffen hat! Und warum hast du ihn nicht aufgehalten? Warst du da?“

Seine Stirn kräuselte sich, als wäre er wegen etwas verwirrt und dann nickte er langsam. „Ja, ich war da.“, sagte er vorsichtig, als ob er sich nicht ganz sicher über diese Tatsache war. „Aber ich hab es nicht aufgehalten, weil Brad es verdient hatte.“

„Nun ja, wenigstens hat er ihn nicht geschlagen.“, sagte ich und versuchte die positive Seite daran zu sehen.

„Ja, zum Glück.“ stimmte Jack zu, aber er sah nicht besonders glücklich darüber aus.

Irgendwas stimmte hier ganz und gar nicht. Jack sah schon fast lächerlich unruhig aus und ich könnte schwören, das er irgendwas verbarg. Er rutschte unruhig hin und her, etwas was er normalerweise nur tat, wenn er sich wirklich unbehaglich fühlte. Ich wollte ihn gerade fragen, was los war, aber just in diesen Moment wurde dir Tür aufgerissen und Matt erschien, immer noch mit dem Telefon in der Hand.

„Du bist dran Hammer und frag sie um Gottes willen nicht nach Professor Clarence, ich hasse den Mann bereits jetzt schon.“

Jack grinste und nahm das Telefon. „Mrs. D.! Wie geht es ihnen.“ begann er, seine Stimme triefte förmlich vor Zuneigung. Sein Gesicht hatte sich komplett von einem sorgenvollen Ausdruck zu einem mit totalen Glück verwandelt. Ihn so fröhlich zu sehen ließ ein wenig von der Anspannung in meinen Körper dahin schmelzen und mich liebevoll lächeln, während er dem Geschwätz meiner Mutter, auf einer Art wie ich es bei noch niemanden anderen gesehen hatte, lauschte, und aus dem Zimmer wanderte.

Ich wurde ruckartig zurück in die Realität geholt, als mein Bruder zur Vorbereitung einer Konfrontation, Jacks Tür schloss.

„Gibt es irgendwas das du mir erzählen möchtest, Natalia?“, fragte er höhnisch und ich seufzte laut.

„Nenne mich nicht so! Aber ja, ich hab gestern mit Brad Schluss gemacht. Und es tut mir leid das du es so herausfinden musstest, aber wenn du dich hinsetzt und dich brav benimmst, werde ich dir alles darüber erzählen.“

Er verdrehte die Augen und ich konnte sehen, dass er nicht wirklich wütend war, sondern nur ein wenig verletzt. Natürlich konnte er das, aufgrund des männlichen Stolzes, nicht wirklich ausdrücken.

„Es tut mir leid, das ich es dir nicht gleich gesagt habe.“, sagte ich zerknirscht. „Aber ernsthaft, es war einfach keine Zeit.“

Er strich sich eine Haarsträhne von der Stirn und funkelte mich an. „Ich werde die Geschichte nicht besonders mögen, oder?“, fragte er sehr scharfsinnig.

Kopfschüttelnd führte ich ihn zum Bett, wo wir uns dann beide setzten und ich damit fort fuhr, ihm alles was am Tag zuvor passiert war zu erzählen. Eigentlich, vergesst das! Ich hab ihn nicht alles erzählt. Das Stück, wo ich seinen besten Freund dazu gezwungen hatte, meinen Lehrer was das körperliche betrifft zu werden, ließ ich aus ersichtlichen Gründen aus. Ich spürte wie sich ein kleiner, harter Knoten in meinen Magen formte, während ich ihn wegen weglassen bestimmter Teile der Geschichte an log. Verdammt sei die nähe zu meinen Bruder! Viele Leute die ich kenne, haben überhaupt keine Skrupel, ihre Geschwister wie gedruckt an zu lügen.

Am Ende der Geschichte hatte er seine Fäuste geballt, genauso wie Jacks, als ich mit ihm darüber gesprochen hatte, und ich war plötzlich dankbar, dass ich es ihm nicht eher erzählt hatte, weil er wahrscheinlich dann nicht aufgehört hätte, nachdem er Brad gegen die Wand geschubst hatte.

„Du hättest es mir gleich als du es wusstest erzählen sollen.“, sagte er streng, ich gab ihn eine kurze, einarmige Umarmung als Entschuldigung und sprang dann vom Bett.

„Komm schon, lass uns zu den anderen gehen.“, sagte ich, um ihn von seinem Ärger abzulenken. Es schien zu funktionieren, denn er folgte mir, ohne zu murren ins Wohnzimmer.

Jack telefonierte immer noch drüben in der Küche. Micky, Tommo und Sammsa lagen wie zuvor bequem auf der Couch und den Sesseln ausgebreitet, total ahnungslos über den emotionalen Aufruhr, der um sie herum passierte.

Tommo war seit der achten Klasse mit Jack und Matt befreundet und die drei haben die Zwillinge Micky und Sammsa im ersten Jahr auf der Uni kennengelernt.

Tommo war mein Favorit von den Jungs, er war immer sehr nett zu mir und in der 10 Klasse war ich ca. sechs Monate lang total in ihm verknallt. Zum Glück, kam ich drüber hinweg und niemand außer Simone wusste davon. Seht ihr, manchmal ist es ganz gut, das Jungs so blind sind. Tom ist Maori und obwohl er hier in Australien geboren wurde, machte es Spaß ihm wegen des schwachen neuseeländischen Akzent, den er von seinen Eltern geerbt hatte, zu ärgern. Er hat den Kopf kahl rasiert, er schwört darauf das es ihn einen aerodynamischen Vorteil auf den Football Oval verleiht, dunkelbraune Augen und eine Vorliebe für Tattoos. Maori Symbole umkreisen seinen Oberarm und laufen über seine Schulter-blätter, in dieser grünlichen Tinte, die so gut auf gebräunter Haut aussah. Oh, aufgepasst, es sieht so aus, als wäre ich noch nicht ganz über die körperliche Anziehung meiner Schwärmerei hinweg.

Micky und Sammsa sind Zwillinge, aber keine eineiigen. Micky hasst mich und das Gefühl beruht auf totaler Gegenseitigkeit. Ich denke, der Hauptgrund weshalb er gleich so eine Abneigung gegen mich hatte, war, weil die restlichen Jungs mich gleich so ohne weiteres akzeptiert hatten. Er sagte mir einmal, dass wenn sie abhingen, sie keine 'verdammten Hühner' bräuchten die dabei waren. Er ist ein bisschen Frauenfeindlich, schätze ich.

Trotz seiner fiesen Persönlichkeit spielt Micky wunderschön Gitarre, was ziemlich unfair ist, aber selbst ich kann nicht leugnen das er ein paar schöne herzzerreißende Melodien auf seiner alten Akustik Gitarre spielen kann. Er hatte blond gefärbte Haare und grüne Augen und er und Sammsa waren beide kleiner als die anderen drei. Sie sind keineswegs winzig, sie sind immer noch viel größer als ich, aber sie sind einfach nicht auf die Hals-reckend-Hoch Art groß.

Sam ist in vielerlei Hinsicht wie sein Bruder, aber seine Witze sind nicht boshaft und er hat auch überhaupt keinerlei Problem mit Frauen, soweit ich das sehen konnte. Jedenfalls ist er in der Regel viel zu beschäftigt über Sport zu Reden, um zu bemerken mit wem er sich Unterhält, Männlein oder Weiblein. Er ist der Kapitän des Uni-Football-Teams, wo er und sein Bruder auch Tom, Jack und Matt kennengelernt hatten. Dadurch, dass er seine Haare nicht wie sein Bruder färbte, hatte er dunkel blonde Haare. Ich habe immer gedacht, das er und Simone ein gutes Paar abgeben würden, aber es gab bis jetzt noch keinerlei Anzeichen dafür, dass das jemals passieren würde.

Apropos Simone, als Matt und ich zurück ins Wohnzimmer traten und uns vor dem Fernseher nieder ließen, welcher aus unerfindlichen Gründen, scheinbar einen italienischen Film ohne Untertitel abspielte, klopfte es leise an der Tür.

„Komm rein.“, schrie ich und fragte mich, warum Simone nicht einfach hereinkam, wie sie es sonst auch immer tat. Jedoch als ein Kopf mit mausbraunen Haaren hinter der offenen Tür erschien, anstatt Simones rot-blonde Locken, erkannte ich, dass das nicht meine beste Freundin war.

Ich unterdrückte ein Stöhnen, als ich sah, das es viel mehr Haley war, die mit ihrer älteren Tante unten lebte. Als ich hier eingezogen war, hab ich so sehr versucht sie zu mögen, aber es war so verdammt schwierig.

Sie ignorierte mich immer vollständig und konzentrierte sich immer sofort auf die Jungs. Wenn sie jemals herüber kam und sie waren nicht zu Hause, ging sie sofort wieder. Aber wenn sie da waren, tat sie immer so, als wären wir die besten Freunde, als Ausrede für ihre weiteren Besuche. Ich konnte nicht glauben das Jack und Matt nicht geradewegs durch ihre Oberflächlichkeit sehen konnten, aber sie waren voll auf sie hereingefallen.

Ich persönlich glaube ja nicht, dass sie besonders anziehend aussah, sie hatte allerdings das große, blaue Augen und rosa Lippen Ding auf ihrer Seite, obwohl jedes Mädchen nach einen Blick sofort erkennen konnte, das dies durch geschickte Anwendung von Make-up erreicht wurde, um das ganze natürlich aussehen zu lassen. Ihr hellbraunes Haar, war in einen losen Zopf zurück geflochten und sie trug einen kleinen, weißen Faltenrock mit einem lockeren, blauen Chiffon Top und weißen Sandalen.

„Hallo.“, sagte sie und lächelte schüchtern (total gefaked, da bin ich mir sicher) zu den Jungs um mich herum.

„Hiya Haley.“ Grinste Matt und schubste Tom mit seinem Fuß von einem unserer weichen, mit flicken besetzten Sesseln, um für sie Platz zu machen.

Tom stand auf, kippte prompt den Stuhl von meinen Bruder so, dass er runter fiel und setzte sich auf den freigewordenen Platz. Wie ihr vielleicht bereits erraten habt, sind angesichts der Menge an Leuten, die hier waren, nie genug Sitzgelegenheiten da. Ich sah wie Matt meinen Sitzsack beäugte und hielt ihn entschlossen fest.

„Denk nicht mal dran.“, warnte ich ihn und Haley lachte hübsch, als hätte ich gerade etwas unglaublich witziges gesagt. Man die nervte vielleicht.

Genau in diesen Moment öffnete sich die Tür erneut und Simone hüpfte ins Zimmer, ihre grauen Augen funkelten. Als sie mich entdeckte, sprang sie zu mir hinüber und warf sich neben mir auf den Sitzsack.

„Hi zusammen.“ grinste sie und die Jungs grunzen als Antwort, wie sie es bei mir auch getan hatten. Sie kannten sie so lange, wie sie mich kannten, mit Ausnahme von Jack und Matt, die sie bereits kannten, seit ich sie in der vierten Klasse kennengelernt hatte.

Jack beendete das Telefongespräch, setzte sich neben Matt auf den Boden und vervollständigte unsere Gruppe somit. Da waren wir also, wir acht formten einen kunterbunten Freundschaftshaufen. Meiner Meinung nach gehörte Haley nicht wirklich dazu, aber die Jungs haben sie irgendwie adoptiert, also steckten wir mit ihr fest.

Wir fielen in ein kameradschaftliches Schweigen, als wir uns alle den ausländischen Film ansahen und ich fand bald heraus, das wir ihn uns anschauten, weil die italienische Frau in den Film, scheinbar eine Abneigung gegen Kleidungsstücke hatte und sie sich bei jeder Gelegenheit vom Körper riss. Dennoch war es seltsam fesselnd, besonders nachdem die Zwillinge, ihre eigene Synchronisation hinzufügten und die Handlung anfing sich um eine Frau namens Hotchick und ihre Liebe zu den beiden attraktiven Männer namens Sam und Michael, zu drehen.

An einer Stelle im Film ergriff einer der beiden Hotchicks Hände und hielt sie fest, während die Kamera heranzoomte. Ich konnte nicht anders und schaute von der Seite zu Jack und als ob er meinen Blick auf sich spürte, drehte er sich ein wenig, um mich anzusehen. Seine Mundwinkel hoben sich ach so leicht zu einem kleinen lächeln und seine warmen Augen tanzten vor vergnügen.

Uh oh, da war dieses verdammte kribbeln wieder...

Ich spürte, wie meinen Wangen begannen sich zu erhitzen und stand schnell auf, nun zumindest so schnell, wie man von einem Sitzsack hoch kam und eilte in die Küche.

„Will jemand was zu trinken?“, rief ich und gab damit eine entschuldige für meine schnelle Flucht.

„Ja, ich hätte gern was danke, Talia.“, antwortete Tommo.

„Nein danke, Natalia. Aber es war nett von dir zu fragen.“ erwiderte Haley.

„Jup, Cheers!“, sagte Sam.

„Ich wusste es gab einen Grund dafür, das ich dir erlaubt habe, hier zu wohnen. Danke Talia.“ gab mein allerliebster Bruder zur Antwort.

Ein „Danke süße.“ kam von Simone.

„Du hättest früher fragen sollen, aber jetzt tut es auch.“ Michael.

„Ich werde dir zur Hand gehen.“ und Jack.

Oh Scheiße! Soviel dazu von ihm weg zu kommen.

Ich öffnete den Kühlschrank und holte ein Sechserpack heraus und fing an die Dosen von der Verpackung zu lösen. Ich öffnete eine Dose, um selbst was zu trinken, aber Jacks Hand schloss sich um die Dose und zog sie sanft von mir weg.

„Was?“ zischte ich sauer. „Ich darf ein Bier haben. Du Unterrichtest mich im Augenblick nicht, oder?“

„Tue ich das nicht?“, sagte er mit tiefer Stimme und packte ein paar der anderen Dosen. Etwas in seiner Stimme ließ mich leicht erschauern und ich lehnte mich zurück, gegen den Tresen um mich zu stützen. Da er ein aufmerksamer kleiner Bastard war, sah er das Ergebnis seiner Worte und grinste breit, und zeigte dabei seine weißen Zähne, in all ihrer Pracht.

„Lektion Nummer zwei, Tally.“, murmelte er. „Manchmal ist überhaupt keine Berührung notwendig.“

Darauf konnte ich erst antworten, nachdem ich einen Moment hatte um mich selbst zu sammeln. „Ja, sehr lehrreich, aber nicht genau der Punkt unserer Lektion.“

Er sah amüsiert aus und es schien, als ober er noch was sagen wollte, als plötzlich Mickys Stimme unseren kleinen Augenblick unterbrach.

„Oi! Denkt ihr, ihr zwei könntet da drüben aufhören zu flüstern und uns das verdammte Bier bringen?“

Gott sei Dank, hatte die italienische Frau ihr Oberteil wieder ausgezogen und sorgte somit für eine kleine Ablenkung, weil Jack und ich eindeutig Schuldig aussahen. Wir wandelten unsere Gesichtsausdrücke schnell in totale Unschuld um und brachten die Getränke zur Gruppe. Es wäre alles in Ordnung gewesen, wenn wir nur dran gedacht hätten, das nackte Brüste in allgemeinen nur Männer faszinierten...

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beta
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