Hallo, ihr Lieben!

Nach meinem Gedicht "Das Beste habt ihr doch noch vor euch" möchte ich noch diesen kleinen Sachtext folgen lassen. 

In letzter Zeit summieren sich hier Texte, in denen es um Selbstverletzung, Suizid und ähnliches geht. Versteht mich bitte nicht falsch, ich bin froh, dass wir hier keine Zensur haben und jeder über alles schreiben kann, aber es muss Grenzen geben. 
Viele von euch kennen mich schon länger und wissen, dass ich immer bereit bin, zuzuhören, zu trösten und Hilfestellungen zu geben. Bei einem von uns hab ich sogar praktisch eingegriffen, ihn zu mir genommen und dafür gesorgt, dass er eine Therapie macht. Ob es was genützt hat? Ich weiß es nicht. Vielleicht ein bisschen, für kurze Zeit...
Ich habe selbst kein leichtes Leben hinter mir. Meine Adoptiveltern haben mich misshandelt, ich wurde in der Schule gemobbt, meine Lebensgefährten haben mich geschlagen und einer hat sich sogar an meiner kleinen Tochter vergangen. Ich habe 3 Ausbildungen abgebrochen. Ich hatte Depressionen, Panikattacken und war tablettenabhängig. Ich war in der Psychiatrie, in jahrelanger ambulanter Therapie und gerade als ich glaubte, dass ich das alles verarbeitet habe, wurde ich vergewaltigt und alles begann von vorne... 
Ich weiß also, wie das ist, wenns einem so richtig scheiße geht. Ich kann all die Probleme und Sorgen hier nachvollziehen, weil ich die zum Teil am eigenen Leib erfahren habe. Und ich hab hier selbst so einige verzweifelte Texte veröffentlicht. Ich weiß, wie gut es tut, seinen Seelenmüll schriftlich auszudrücken. Das ist auch schon ein bisschen Therapie. 
Aber wir müssen uns hier alle bewusst sein, Autoren wie Leser, dass wir hier keine Selbsthilfegruppe sind! Wir können nicht immer helfen. Wir können euch zuhören, ja, und euch trösten, und wir können euch Anlaufstellen nennen, an die ihr euch wenden könnt, um professionelle Hilfe zu erhalten. Ihr könnt uns jederzeit ansprechen und um Hilfe bitten, aber unsere Mittel sind beschränkt. Letztendlich könnt ihr euch nur selber helfen - indem ihr euch die professionelle Hilfe holt, die ihr braucht. Das kostet viel Überwindung und Kraft, aber es lohnt sich. Ihr habt nur dieses eine Leben, werft es nicht zu früh weg. Auch wenn es manchmal nicht so aussieht: es geht weiter! Es wird besser! Aber ihr müsst das selbst wollen und auch was dafür tun. Das bedeutet auch, sich eventuell von Menschen zu lösen, die einem nicht gut tun. Und wenn es die eigenen Eltern sind. Oder vermeintlich beste Freunde. Oft ist gerade der Druck, der von nahe stehenden Menschen auf uns ausgeübt wird, so groß, dass wir daran zu zerbrechen drohen. Da muss man ein tolles Abi bauen, das Studium im ersten Anlauf und mit Bestnoten absolvieren, die Familie finanziell unterstützen schon in jungen Jahren, immer lieb und gehorsam sein, nie Ärger machen, keine eigenen Probleme haben - wer soll das tragen können? Es gibt eine Geschichte, die dieses Thema ziemlich gut wiedergibt. Ich erzähl hier mal die Kurzfassung. 
Ein Holzfäller belädt seinen Karren mit geschlagenem Holz. Bei jeden Scheit, den er dazu legt, sagt er zu seinen Pferd, das vor den Karren gespannt ist: "Wenn du das ziehen konntest, dann kannst du das hier auch noch ziehen." So geht das solange weiter, bis der Karren so schwer ist, dass das Pferd ihn eben nicht mehr ziehen kann, vom Holzfäller für sein Versagen ausgepeitscht wird und schließlich stirbt... 
Lasst es nicht so weit kommen! Löst euch rechtzeitig von Menschen und Verhaltensweisen, die euch schaden. Sich zu ritzen oder  zu hungern, mag zwar kurzzeitig helfen, aber das löst doch die eigentlichen Probleme nicht. Natürlich ist es schwer, sich einzugestehen, dass einem die eigenen Eltern nicht gut tun, und es ist auch nicht leicht, sich von ihnen zu lösen, aber manchmal geht es eben nicht anders. Ihr müsst tun, was für EUCH das Beste ist! Und um das mal ganz klar zu sagen: Suizid ist definitiv für niemanden das Beste!!!

Auch, wenn ihr euch selbst total scheiße findet und der Meinung seid, die ganze Welt wäre ohne euch doch viel besser dran und euch würde doch eh keiner vermissen - ihr irrt euch! Ihr seid unglaublich wertvolle Menschen, jeder einzelne von euch! Die Welt wäre soviel ärmer, wenn es auch nur einen von euch nicht mehr geben würde! Sich selbst zu lieben, kann man lernen, auch ich musste das. Es war ein schwerer Weg, aber er hat sich gelohnt! Ich bin nicht stärker als ihr. Was ich geschafft habe, das könnt ihr auch schaffen. Und wir unterstützen euch gerne dabei, so gut wir können, das wichtigste ist aber, dass ihr selbst es wollt!

Mir ist klar, dass wir nicht allen helfen können. Wer fest entschlossen ist, sich das Leben zu nehmen, der wird es auch tun, da können wir uns den Mund noch so fusselig reden. Ich hoffe aber, dass es Belletristica erspart bleibt, einen unserer User auf diese Art und Weise zu verlieren. 
Ihr seid keine Versager, weil ihr das Abi nicht schafft, weil das Studium zu schwer ist, weil ihr eure Ausbildung abbrecht, weil ihr nicht so seid, wie andere es von euch erwarten.  Hört nicht auf Leute, die euch einreden wollen, dass ihr nicht gut seid, so wie ihr seid. Denn diese Menschen haben Unrecht! So wie ihr seid, mit all euren Stärken und Schwächen, mit euren Träumen, Wünschen und Hoffnungen - so seid ihr perfekt. Weil das IHR seid! 

Und wenn mal wieder alles total ausweglos erscheint, wenn ihr dasteht, mit der Rasierklinge in der Hand oder auf der Autobahnbrücke oder mit der Überdosis Tabletten im Glas, dann macht euch bitte folgendes bewusst:

NUR WER AUFGIBT, HAT VERLOREN!

Das Leben ist immer einen Versuch wert. Aber wenn ihr auf die Leute hört, wenn ihr ihnen glaubt, wenn sie euch sagen, dass ihr nichts wert seid, wenn ihr von vornherein die Hände in den Schoß legt, euch aufgebt und gar nichts versucht, dann haben all diese Leute gewonnen. Wollt ihr denen diesen billigen Triumph wirklich gönnen??? Natürlich, nicht jeder Versuch klappt sofort. Nicht jeder schafft es auf Anhieb. Aber es nicht zu versuchen, weil man denkt, ach, das wird ja eh nix, das ist die falsche Einstellung! Es ist nicht wichtig, ob und wie schnell man es schafft, seine Probleme zu bewältigen, sich zu verändern - es ist nur wichtig, dass man es versucht!!!

PS: Nach einigem Nachdenken möchte ich noch etwas hinzufügen:
Bitte bedenkt alle, dass wir alle eine Verantwortung den anderen gegenüber haben. Macht euch bewusst, dass es viele labile Leser gibt, ob nun von außen oder als angemeldete User. Wenn diese labilen Menschen nun auf suizidverherrlichende Texte stoßen wenn ihnen in Gedichten oder anderen Texten erzählt wird, wie toll es doch ist, sich zu ritzen, weil es den Schmerz nimmt, dann kann das fatale Folgen haben. Und bedenkt bitte auch, dass keiner von uns unbegrenzt belastbar ist. Viele unserer sensiblen User nehmen eure Texte sehr ernst, nehmen sie sich sehr zu Herzen und leiden... Das endet nicht, sobald man den PC oder das Handy ausstellt. Ich selbst, die ich hier auch so manchen verzweifelten Text veröffentlicht habe, kann solche harten Texte zur Zeit einfach nicht lesen, weil sie mich so runter ziehen. Ich habe da auch eine Eigenverantwortung. Und wer weiß, wie vielen anderen es auch so geht. Aber "don´t like it, don´t read it" kann und darf keine allgemeine Lösung sein, das wäre ein kollektives Wegsehen! 
Bitte fragt euch vor dem Veröffentlichen solcher Texte, ob ihr eventuell anderen damit schadet - und fragt euch, ob ihr diese Verantwortung übernehmen könnt und wollt!



Kommentare

  • Author Portrait

    Genau wie bei dienem Gedicht, bin ich auch hier von deinem Text beeindruckt und danke dir, dass du ihn veröffentlicht hast. Zu erkennen, dass man ein Problem hat und vor allem sich Hilfe zu holen ist sehr schwierig und ich hoffe wirklich, dass du vielleicht dem einen oder anderen hierbei geholfen hast. Außerdem hab ich einen riesigen Respekt davor, dass du dir trotz allem, was du erleben müsstest, eine so positive Lebenseinstellung bewahrt hast. Zum letzten Teil des Textes möchte ich noch sagen, dass hier eventuell die Einführung von Trigger-Warnungen umindest in geringem Maße helfen könnte, damit Leser, die in dieser Richtung gefährdet sind, eventuell Abstand von Texten halten können, die sie triggern könnten.

  • Author Portrait

    Ich bin in fast allen Punkten deiner Meinung, und hoffe der Text schafft es, den ein oder anderen von so einer Entscheidung abzubringen. Tut mir außerdem sehr leid, dass du so eine schwere Vergangenheit hattest, ich wünsche dir für die Zukunft das Beste! Ich kann nur leider absolut nicht zustimmen, alle armen Seelen die in ihrem Leben so unvorstellbar viel Leid ertragen mussten, dass es sie in den Selbstmord getrieben hat, posthum dann noch als Looser zu beschimpfen :( Hoffentlich liest das niemand, der einen geliebten Menschen auf solche Weise verlieren musste. Ich verstehe natürlich, dass der Text mehr an jene gerichtet ist, die überlegen diesen Schritt zu tun, und weniger an die, die es getan haben. Ich weiß, dass deine Absicht in jedem Fall eine gute ist.

  • Author Portrait

    Mit diesem Sachtext triffst du voll ins Schwarze! Du hast auch meiner Meinung nach vollkommen recht, dass jeder der aufgibt ein Looser ist. Ich wurde früher ebenfalls aufs Übelste gemobbt und habe dadurch den Entschluss gefasst, mir das Leben zu nehmen, damit ich das alles nicht mehr hören und lesen muss. Doch ich habe mich nicht geritzt und mi auch nichts schlimmeres angetan, da ich (so feige es auch klingen mag) zu viel Angst vor den Schmerzen hatte. Und mittlerweile bin ich auch froh, es nicht getan zu haben. In meiner Klasse habe ich den viert besten Schnitt im Zeugnis gehabt, habe einen tollen Ausbildungsplatz bekommen und die

  • Author Portrait

    Dieser Text kam von Herzen! Ich stimme dir voll zu, Joy!

beta
Feenstaub

Navigation

Sprachen

Social Media