SALLY

                                               KAPITEL  6  - RÜCKBLICK


Chris war einige Zeit zu Fuß unterwegs gewesen. Er hatte fast drei Stunden gebraucht um nach Hause zu kommen, aber das war ihm in diesem Moment ganz gleich. Er brauchte diese Zeit um nachzudenken zu können.  Die kühle Nachtluft tat ihm gut und somit konnte er wenigstens einige klare Gedanken fassen. 
Doch er hatte Angst davor, seinen älteren Bruder wieder zu sehen, zumal das Verhältnis zwischen ihnen beiden alles andre als Brüderlichwar, man konnte es nicht einmal ansatzweise als gut bezeichnen.
Beide hassten sich regelrecht, zuviel war geschehen und zwischen ihnen kaputt gegangen, und Chris hatte keine Lust mehr, ständig im Schatten seines  Bruders zu stehen. Doch da waren auch noch seine Gefühle zu Sally. Diese Frau hatte ihm vollkommen den Kopf verdreht, seit dem ersten Augenblick als er sie gesehen hatte. Sie hatte so einsam und frierend auf der Strasse gestanden und Chris hatte sie schon eine geraume Zeit beobachtet, als er plötzlich ein Anruf von Clara bekam und diese ihn beauftragte ihre Freundin  zu suchen und auf sie acht zu geben, bis sie selbst an Ort und Stelle war.  Er hatte zu diesem Zeitpunkt keine Ahnung, dass es sich bei der schönen fremden Frau, die er die ganze Zeit schon beobachtet hatte, um eben diese Freundin handeln würde.
Wenn es Liebe auf den ersten Blick gab, dann musste es in diesem Falle so gewesen sein. Es hatte Chris sofort erwischt, wie ein Blitzschlag und später als er sie in seinen Armen gehalten und sie geküsst hatte...... Verdammt! Am liebsten wäre  er sofort zurück gerannt.  Zurück zu Sally!
Er würde sie  in seine Arme nehmen und sie nie wieder los lassen.

Chris blieb plötzlich stehen und seine Hände waren zu Fäusten geballt. Wie Schlag traf es ihn, als er sich daran erinnerte, wie sehr er sich daneben benommen hatte, als er Hals über Kopf das Haus verließ.  Er hatte Sally sich nicht einmal von ihr verabschiedet oder sie zumindest angesehen. Was musste sie wohl jetzt von ihm denken!?  Sally  musste sich doch komplett verarscht von ihm vorkommen! Erst hatte er sie geküsst und war dann einfach so Knall auf Fall verschwunden! Kein Wort der Erklärung, Nichts! Nach diesem Auftritt würde sie den Teufel tun und ihn wieder sehen wollen.  Er hatte seine Chance vertan, dessen war er sich sicher. Bevor er Sally für sich hatte gewinnen können, war sie ihm schon wieder verloren gegangen. 
Zu Hause angekommen schloss Chris die Haustüre auf und ging ohne Licht zu machen, die Stufen zur Wohnung hinauf in der er und sein Vater lebten.
Doch schon an der Wohnungstür hörte er das Lachen seines Vaters, das er so schon seit vielen Jahren nicht mehr gehört hatte. Dennoch konnte er sich sehr genau an diese Lachen erinnern. Sein Vater hatte immer so gelacht wenn Raven in seiner Nähe gewesen war.
Chris biss die Zähne zusammen und schloss die Wohnungstür auf. Er ging ins Wohnzimmer und blieb wie versteinert stehen. RAVEN!
Da saß sein Bruder, neben Vater auf dem Sofa und beide mit einer Flasche Bier in der Hand und einem Glas Sekt auf dem Tisch. Man hatte schon angestoßen und die Rückkehr der verlorenen Sohnes gefeiert. 
Chris sah seinen Bruder an und wäre am liebsten auf ihn zugestürmt um ihm an die Gurgel zu gehen.
"Freut mich auch dich wieder zu sehen Brüderlein!" Raven´s dunkle Stimme war riss ihn aus seinen finsteren Gedanken. Raven sah verdammt gut aus. Er war einen ganzen Kopf größer als Chris und hatte breite Schultern. Trotz Kleidung, konnte man deutlich erkennen das er ziemlich durchtrainiert war, und einen recht ansehnlichen Körperbau hatte, nicht so drahtig wie Chris.
Raven hatte auch viel längeres Haar als er, welches  ihm bis zu den Hüften reichte. Aber es war ebenso schwarz wie das seines Bruders und auch seine Augen waren eisblau und geheimnisvoll, wenn nicht sogar noch heller.
Sein Blick war eitel und überheblich. Raven strotzte nur so vor Selbstbewusstsein. und er wusste  verdammt gut, das er die überhand  gegenüber seinem jüngeren Bruder hatte!
Grinsend stand er auf  und kam er auf Chris zu. Er reichte ihm die Hand, doch Chris blieb regungslos an der Zimmertür stehen und schaute seinen Bruder eiskalt und hasserfüllt entgegen.  Sein Blick glitt hinab auf Raven´s ausgestreckte Hand und bemerkte die seltsamen Tätowierungen auf dessen Hand und Fingern. Er konnte die Buchstaben H.A.S.S  erkennen und auf dem Handrücken einen blutenden Totenschädel.
"Willst du deinem Bruder nicht die Hand reichen Junge?!" Chris hörte die Stimme seines Vater.  "Doch, natürlich.....warum auch nicht Paps! Ist ja immerhin mein Bruder, nicht wahr!" die Ironie in seinen Worten war nicht zu überhören. Dennoch gab er seinem Bruder die Hand, ließ diese aber sogleich wieder los.
"Wie geht es dir Brüderlein, was macht die Kunst des Lebens!?" Raven´s Überheblichkeit ließ in Chris Übelkeit und grenzenlosen Zorn aufkommen.
"Wie soll es mir schon gehen? Ich lebe noch wie du sehen kannst!" Chris ließ auf seine Worte Blicke folgen, die Raven unmissverständlich zu verstehen gaben, wie unerwünscht er hier  war.
Chris drehte sich um und ging in sein Zimmer. Er schloss die Tür ab, drehte laut die Musik auf und ließ sich aufs Bett fallen. Die Arme hinter seinem Kopf verschränkt sah er an die Zimmerdecke hinauf und war in Gedanken. Er schloss seine Augen und sah Sallys Gesicht vor seinem geistigen Auge. Ihr zauberhaftes Lächeln, ihre wunderschönen sinnlichen Lippen und ihre dunklen, geheimnisvollen, aber auch traurigen Augen, die einen gleich in ihren Bann zogen, egal ob man wollte oder nicht.
Mit diesem Bild von ihr in seinen Gedanken, schlief er ein.





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