Elias saß vor seinem Laptop und las sich die zuletzt geschriebenen Zeilen durch. Es war schon spät am Abend, aber das störte ihn nicht. Er war Schriftsteller von Beruf und konnte deshalb arbeiten, wann er wollte. Und wenn ihn erst einmal eine Idee gepackt hatte, konnte er Stunden mit einer zufriedenstellenden Formulierung des Gedanken verbringen. Seine Frau Melanie störte das manchmal. Sie hatte einen geregelten Tagesablauf und feste Arbeitszeiten. Deshalb ging sie auch für gewöhnlich eher ins Bett.

Elias hörte das Tapsen nackter Füße, die durch die Tür in sein Arbeitszimmer kamen. Also war Mel, wie er seine Frau auch nannte, noch wach. Kurz darauf schob sich ihr Kopf über seine rechte Schulter.

„Na, immer noch am arbeiten?“, fragte sie.

„Du weißt doch, wie das mit mir und meiner Arbeit ist. Manchmal fällt mir spät noch etwas ein, was ich unbedingt aufschreiben muss. Aber jetzt bin ich gleich fertig“, antwortete Elias ihr, „Ich komme gleich mit schlafen.“

„Das ist schön. Es ist ja schon länger her, dass du mit mir ins Bett gegangen bist. In letzter Zeit hast du oftmals noch geschrieben.“

Elias speicherte das Dokument und klappte dann den Laptop zu. Mel hatte ihren Kopf schon wieder von seiner Schulter genommen, sodass er sich jetzt vorbeugen und die Schreibtischlampe ausknipsen konnte. Dann stand er auf und nahm Melanie in den Arm.

„Du musst jetzt wirklich mal schlafen gehen“, flüsterte er ihr ins Ohr.

„Aber nur, wenn du mitkommst“, kam gleich darauf die Antwort zurück.

Elias entließ sie aus der Umarmung und ging, einen Arm um Mel gelegt, mit ihr in die Richtung des Schlafzimmers. Auf dem Weg dahin kamen sie durch das warme Wohnzimmer, in dessen Kamin die letzte Glut nun langsam erlosch.

Im Schlafzimmer angekommen zog er sich um, während Mel schon ihr Nachtgewand angezogen hatte und sich gleich ins Bett legte. Kurz darauf legte sich Elias neben sie.

„Gute Nacht!“, sagte er, nachdem er ihr einen Kuss gegeben hatte, „Schlaf gut!“

„Du hast gesagt, dass du mindestens zwei Kinder haben möchtest“, sagte sie unvermittelt. „Bis jetzt ist noch keines unterwegs und wir werden alt“, setzte sie fort und schmunzelte.

Beide waren 25 Jahre alt. Und sie würden weder sich noch den anderen als alt bezeichnen. Außerdem lag in diesem Alter noch ein Großteil des Lebens vor ihnen.

„Und du denkst, dass heute Abend der beste Zeitpunkt ist, damit anzufangen?“, fragte Elias. „Es ist schon ziemlich spät.“

„Ach wirklich?“, entgegnete Mel. „Ich denke, daran sollten wir uns nicht stören.“ Und sie schmiegte sich auffordernd an ihren Mann.

Dieser war der Idee nicht abgeneigt, aber er hatte das Wohl seiner Frau im Kopf. Und die musste am nächsten Tag arbeiten. Deshalb antwortete er: „Weißt du, eigentlich hätte ich nichts dagegen. Aber du musst doch morgen zeitig aufstehen und zur Arbeit gehen. Deshalb fände ich es besser, wenn wir jetzt einfach schlafen.“

„Wer sagt denn, dass ich morgen arbeiten muss? Falls du es noch nicht mitbekommen hast: Morgen ist Samstag, da muss ich nicht arbeiten.“ Mel fand es nicht schlimm, dass ihr Mann das vergessen hatte. Sie konnte das verstehen. Als Autor war man fast ungebunden, was den Wochenablauf anging. Und so konnte er einen Samstag leicht mit einem Donnerstag verwechseln.

„Oh“, stellte Elias verwundert fest und errötete leicht. Dann musste er gähnen und gab seiner Frau damit die Vorlage für ein gutes Argument.

„Du bist aber müde“, stellte diese fest und fuhr liebevoll fort: „Dann geht das natürlich nicht. Du musst dringend schlafen, mein Liebster. Gute Nacht!“ Sie drückte ihm noch einen Kuss auf die Lippen, um sich anschließend zur Seite zu drehen und einzuschlafen.

Kommentare

  • Author Portrait

    Zuerst mal herzlich Willkommen! Schöne Geschichte, von der ich am liebsten noch eine Fortsetzung lesen würde, weil mir die beiden Protagonisten total sympathisch sind. Weiter so =)

  • Author Portrait

    Ach wer kennt das nicht, dieses Gefühl nur noch eine Zeile schreiben zu wollen, und dann noch eine..? Man blickt immer wieder auf die Uhr, es wird immer später... Und irgendwann um 4:00 kippt man dann glücklich und erschöpft ins Bett ;) Schöner Einstand und ganz herzlich willkommen bei uns! LG, Meg

beta
Feenstaub

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