Schwarzbunte Tage

Schwarzbunte Tage

 

 

Die Menschen schunkelten im Takt. Alle mit einander. Jeder mit jedem. Egal woher er kam, von wo er kommt. Alle haben sich in den Armen.

„Ich ben Lokalpatriot

Met stolzer Bross ming Fahn schwing rud un wieß

Alle wolle noh Berlin, erus en de große Welt

Doch mich kriss de hee nit fott

Ich kann nit sage, wat mich hee häld!“

Die Stimmung war atemberaubend. Das Becken war kräftig in der Einleitung, doch dann wurde es ruhig. Die Übermütige, aufdringliche – im positiven Sinne – unternehmunsfreudige Musik wurde ruhig. Und der Sänger von Cat Balou bezauberte mit seiner Stimme die Menschen. Die Bühne war gelb erleuchtet. Man sah nur die Hinterköpfe der Menschen als schwarze Siluetten. In der Ersten Reihe sah man zwei Pfauenfedern gen Decke reichen.

Dann setzte die Musik aus. Nur die E-gitarre spielte leise weiter. Alle Klatschten und machten so den Rhythmus. Alle aus der Band sangen zusammen.

„Et jitt kei Wood, dat sage künnt,

Wat ich föhl, wenn ich an Kölle denk

Wenn ich an ming Heimat denk!

Et jitt kei Wood, dat sage künnt,

Wat ich föhl, wenn ich an Kölle denk

Wenn ich an ming Heimat denk!“

 

Dann entbrannte tosender Applaus in der Menge. Alle schrien. Die Band wiederholte den Refrain noch mal und wurde von den Zuschauern begleitet, welche mal schrien, mal klatschten. Dann wurde es leise. Die Band verließ die Bühne und ein Dj kam und machte das nächste Lied an. Es war ein Klassiker. Sieben Mal wurde das untere C gespielt. Dann setzten die Sänger ein. Die Menge feierte hier noch mehr ab. Alle sangen mit und waren ausgelassen fröhlich. Sie bekamen nichts mit. Auch er nicht, der eigentlich dafür bekannt war, vieles wahrzunehmen. Doch auch er sang mit.

„Echte Fründe ston zesamme, ston zesamme su wie eine Jott un Pott. Do has Jlock, Erfolg un küß so Jeld, dich dennt he op einmol Jott un alle Welt. – Minsche, die dich vörhor nit jekannt, kumme us de locher an jerannt., und sin janz plötzlich all met dir verwandt!“

Dann kamen wieder die sieben Cs und der Refrain setzte ein. Er und seine Freundin waren diesen Nachmittag auf dem Alten Markt. Alle sangen zusammen und hatten Spaß und jeder lachte. Der Alkohol floss in Strömen. Nachdem die Schule endlich nach der neunten Stunde vorüber war, und er um halb fünf plötzlich durch den unerwarteten Ausfall der Theater-AG Zeit hatte, beschloss er mit seiner Freundin richtig abzufeiern. Man gönnt sich ja so wenig etwas. Und die Freundin blieb in letzter Zeit ja auch etwas auf der Strecke. Gerade nahmen sich Miguel und Livia in den Arm und wollten das nächste gemeinsam mitschmettern, als plötzlich Geschrei ertönte. Die Musik hörte abrupt auf und es wurde hell. Die Menge strömte auseinander. Und von überall kamen Personen, welche unnatürlich breit aussahen. Alle waren in schwarz. Die Visiere leicht nach unten geklappt. Den Schlagstock griffbereit. Um die zehn Personen umzingelte die Menschenmenge, welche in eine leichte Panik verfiel. Einige schrien. Die anderen Zehn rannten durch die Menge und stießen die Kostümierten grob zur Seite. So Kreisten sie eine Person ein. Diese wurde sofort auf den Boden Gerissen und dort fixiert wurde. Dann wurde ihr die Acht angelegt und sie wurde aus der Menge gezogen. Doch sie wehrte sich und schrie vor Schmerzen.

 

 


Kommentare

  • Author Portrait

    Hey! Erstmal möchte ich anmerken, dass mir der Titel deiner Geschichte sehr gut gefällt. Ich bin ein Freund von Kontrasten, die trotz ihrer gegenseitigen Widersprüchlichkeit zusammen harmonieren. Bisher scheint mir die Betitelung auch ziemlich passend; Auf der einen Seite stehen die bunt kostümierten Massen der Gruppe in Schwarz gegenüber, aber auf der anderen Seite stehen natürlich auch Trauer und Ausgelassenheit im Konflikt miteinander. Was mich auch durchweg überzeugt hat war der Einstieg in deine Story. Der Leser wird direkt in das (noch friedliche) Geschehen geworfen. Vor allem wie du den Dialekt des Liedtextes miteingebracht hast, war in meinen Augen ein großer Pluspunkt für die Atmosphäre. Das Auftreten der Gruppe in Schwarz hätte ich persönlich mir allerdings etwas ausführlicher gewünscht, sodass diese Schlüsselszene einen tieferen Eindruck beim Leser hinterlässt. So wirkte das Ganze zumindest auf mich noch recht flach. Das zweite Kapitel war recht gemütlich zu lesen und hat mir im Großen und Ganzen recht gut gefallen. Allerdings hatte ich auch hier das Gefühl, dass das Geschehen auf emotionaler Ebene zu schnell abflacht. Zu Beginn wirkten die beiden ja noch recht aufgewühlt, das scheint aber recht schnell zu vergehen. Wäre vor meinen Augen gerade jemand von einer Gruppe Maskierten davongeschleift worden, würde mich das wahrscheinlich mehr mitnehmen als die beiden Protagonisten. Ansonsten sind mir beim Lesen ein paar kleiner Satzbau- und Grammatikfehler aufgefallen. – Zusammenfassend scheinen mir persönlich also die emotionalen Eindrücke etwas zu flach. Dies ändert allerdings nichts daran, dass mir bisher der inhaltliche Aspekt sehr gut gefällt. Ich möchte unbedingt erfahren, was das alles zu bedeuten hat und wie die beiden Protagonisten sich noch darin verstricken werden. Ich werde also auf jeden Fall weiterlesen!

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