Sehnsucht nach dem Licht

(Káilanba)
"Catpa! Bitte wach auf!" schluchzend rang ich nach Luft. War er tot? Hatte ich ihm zu viel Macht auferlegt? Im Tränen verschwommenen Bild sah ich Béilo auf meinen Stiefvater zugehen. Als er sich niederkniete und ganz ruhig den Körper auf Lebenszeichen überprüfte blieb mir für eine schreckliche Sekunde das Herz stehen.

"Er lebt noch." lächelte mein Artgenosse.

"Na, Firom sei Dank, sonst hätten wir zu allem übel noch eine Leiche am Hals." maulte Marselion erleichtert.

"Was heißt hier 'noch eine'?!" Entsetzt kamen Chase und Funny zu uns gelaufen.

"Flash ist doch nicht etwa...?"

"Nein, noch nicht." beruhigte Simon sie. "Aber Gevatter Tod streckt seine langen Finger bereits nach ihm aus."

"Wir werden ihn tragen." boten sich Karsten und Torsten an. "Und Cenishenta auch."

"Den Boss nehmen wir auf die Schultern." erklärten sich die Zwerge Eray und Emre bereit.

"Gut und wohin wollt ihr sie bitte bringen?" stellte Marselion die einfache Frage, die uns alle innerlich auffraß.

"Diesmal kann ich euch nicht führen," eröffnete der Gaukler uns. "Denn um den richtigen Weg zu finden, braucht man das richtige Ziel..."

"Du meinst Licht, nicht wahr, weiser Freund." Riko trat zu uns. "Oje, Simon, bei all dem Monsterblut auf meinen Kleidern, werden Fremde uns bald nicht mehr unterscheiden können." lachte er.

"Monsterblut? Ich sehe nichts, wie könnt ihr Elben in dieser Dunkelheit noch Farben erkennen?" wollte Chase wissen. Die Unterhaltung führte weiter weg von unserem Plan diesen Ort zu verlassen, ich hörte nicht mehr zu, ich konnte es gar nicht. Es gab da etwas, dass einem Snift eigentlich nicht passieren kann, aber mir ist es passiert...

"Ich habe Angst..." murmelte ich unvermittelt in mich hinein.

"Was? Wovor?" Erschrocken über diese Antwort, drehte ich mich zur Seite. Béilo musste sich neben mich gesetzt haben, während die anderen über die Beschaffenheit von Licht und Dunkelheit diskutierten. Es lag kein Vorwurf in seiner Frage, nur Überraschung und dennoch zögerte ich lange, bis die Wahrheit herauskam:

"Vor der Finsternis, vor dem Nichts!" gestand ich ihm nun von Schauern geschüttelt, da selbiges um uns herum lag. Eine plötzliche Stille trat ein, als der Gaukler verrückt geworden zu sein schien:

"Aber das ist ja wunderbar!!!" schrie er von Sinnen.

"Wie bitte?" entrüstete sich Béilo.

"Versteh mich nicht falsch, aber in ihr haben wir unsere perfekte Führerin gefunden." Verständnislos wandten sich alle dem durch geknallten Blinden zu. Den Sternen sei Dank, dann konnte nur er mich noch gehört haben mit seinen riesigen Ohren.

"Habt ihr denn das Prinzip der Wegfindung in dieser Welt noch immer nicht verstanden? Es ist die Sehnsucht!" Stille.

"Bedeutet das dann also, derjenige der sich am Stärksten nach Licht und Leben sehnt, wird den Weg finden?" erkundigte sich Chase.

"Ein Wunder, er hat es kapiert!" klatschte der Gaukler in die Hände. Plötzlich starrten mich alle an, als könnte ich zaubern. Nur Béilo verstand meine Pein. Er half mir auf die Beine und gab mir zu verstehen, dass es in Ordnung war. Funny reichte mir einen Fetzen von ihrer ohnehin zerschlissenen Kleidung.

"Hier. Binde es um deine Augen und stell dir vor wo du sein möchtest."

'Bei Béilo.' zuckte es mir durch den Kopf und ich erschrak vor mir selbst.

"Führ uns bitte hier raus und tu es um Flashs und Cenishentas Willen schnell!" flehte mich die Frau an. Der Snift neben mir ergriff den Stoff und legte ihn mir zärtlich über die Augen.

"Du bist nicht allein." Er nahm meine Hand. Die Finsternis schwand und wich einem kleinen Lichtfleck in weiter Ferne.

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