Sprechende Katzen

Finn prallte rückwärts auf den Boden, Allison schrie auf und Allister riss Vanessa zurück, die Finn zur Hilfe eilen wollte.
"Ihr wagt es meinen Wald zu betreten?", grollte die eine geisterhafte Erscheinung mit unmenschlicher Stimme hinter Finn und der Kreatur.
Die Gestalt schien aus einem schwarzen Umhang zu bestehen, kein Gesicht war unter der riesigen Kapuze auszumachen.
Das Ding, welches Finn angefallen und umgestoßen hatte, verströmte einen widerlichen Gestank nach Verwesung und erinnerte an ein verrottetes Pferd.
Ein Wiehern, als es von Finn abließ und sich zu seinem Herrn zurück bewegte,  bestätigte diese Theorie schnell.
Die Gestalt schwang sich auf sein Ross und preschte auf Allister zu, bremste aber knapp vor ihm: "Du denkst du kannst dich gegen das Schicksal stellen, Elf! Du hast keine Ahnung was dich erwartet und in was du geraten bist! Der Dunkle wird auch dir alles nehmeb was du liebst!", knurrte das Wesen, "Du willst deinem Freund helfen, dem verwirrten Königsspross aus Elensar, und vor allem deine Lieben schützen. Um den dunklen Wanderer zu finden müsst ihr durch die Pforte unter dem Baum gehen, aber was euch dort erwartet wird jenseits von allem erlebten liegen! Osilia wird euch vernichten!"
Allister sah nur zaghaft vor Furcht zu dem Wesen auf: "Öffne uns die Pforte, alter Wächter!"
"Das ist mit einem Opfer verbunden, einer von euch geht durch, ein anderer wird in den Händen des Feindes landen, ein zweiter folgt ihm, ein zweiter wird geopfert!", das Wesen lachte leise "wer soll es sein?"
"Ich opfere mich!", Vanessa trat vor das abscheuliche Wesen. "Vergiss es!" fauchte Allister sie an, "Ich werde mich opfern, du und Finn, ihr seid zu wertvoll für diese Aufgabe!"
Die düstere Gestalt lies ein Pergament erscheinen, dazu einen alten Federkiel: "Unterschreibe Vanessa, Aspekt der Luft, dein Opfer wird reichen um die anderen sicher durch die Pforte bringen!" Vanessa packte den Federkiel und kritzelte ihren Namen auf das alte Stück Papier. 
Der Boden schien sich unter den Beinen der Vier aufzutun, sie fielen. Sie konnten die Schreie der anderen hören. Es wurde schwarz um sie, Farben schienen vor ihren Augen zu explodieren.

Vanessa öffnete die Augen, es war verdammt hell um sie herum. Sie sah zuerst nur den blauen Himmel über sich, drei Wolken, Baumkronen und ein paar goldbraune Augen. Sie blinzelte und sah genauer hin, goldbraune Augen, schwarzes langes Haar und spitze Ohren, Allister.
"Was tust du hier?", fragte sie verwundert.
"Ich schätze wir wurden von diesem widerlichen Ding rein gelegt!", erklärte er, "Ich habe sicher schon ein paar Stunden nach Finn und Allison gesucht, sie sind nicht hier angekommen! Trink erst einmal was, ich habe Wasser gefunden!" 
"Danke! Ich würde hier wohl auf der Stelle drauf gehen!", Vanessa sah sich um, nur Natur um sie herum.
"Nicht auf der Stelle!", Allister lachte, "Aber spätestens nach 5 Minuten!" Vanessa boxte ihm in die Rippen und erhob sich langsam: "Wo sollen wir hin?"
Die hügelige Landschaft schien sich bis zum Horizont zu erstrecken. "Hinter dem Hügel ist ein Dorf, dort finden wir vielleicht Antworten!", Allister deutete Richtung Süden, "wir müssen herausfinden wo wir hier gelandet sind!"
In dem fast schon mittelalterlich wirkenden Dorf herrschte reges Treiben, alle rannten wie aufgeschreckte Hühner davon als sie Vanessa und Allister erblickten.
"Wartet!", schrie Vanessa, "Wir werden euch nichts tun!"
Eine Frau kam aus der Menge auf sie zu, ihre zerzausten hellbraunen Haare hingen ihr bis zu den Schultern, ihre grauen Augen musterten sie verwirrt: "Ihr müsst hier verschwinden, wenn der Dunkle sieht, dass Fremde in unserem Dorf sind wird er denken das wir um Hilfe gerufen haben!"
"Sagt uns nur wo wir sind, dann verschwinden wir!", bat Allister sie. Vanessa musterte sie verwirrt, warum hatten alle hier Angst vor ihrem bereits besiegten Vater?
Die Frau starrte die beiden Fremden verwirrt an: "Ihr seid in der Nähe des schwarzen Throns, wisst ihr das nicht?"
Verwirrt verließen Allister und Vanessa das Dorf damit wieder Ruhe einkehren konnte. Was hatten gewöhnliche Menschen im Limbus zu suchen? Warum lebten sie hier in solchen fast schon erbärmlichen Umständen und welchen Meister fürchteten sie?
"Der schwarze Thron liegt laut Finn hinter einem Berg, hier gibt es viele Hügel, aber nur einen Berg!", stellte Vanessa fest.
Allister blickte nachdenklich vor sich, das Gebirge lag beinah vor ihren Füßen. Er sah den teilweise mit Schnee bedeckten Gipfel, die dunklen Waldränder, die sich den Hang entlang schlängelte und die Wolken, die am Gipfel entlang schrammten.
"Bist du sicher, dass du das probieren willst?", wandte er sich an Vanessa, aber die schien sich ihrer Sache gewiss. 
"Wir sollten die Schneegebiete meiden und nur über den Pass gehen!", meinte sie nach genauerer Betrachtung des Bergs, "Finn und Allison werden hier irgendwo gefangen gehalten, Müssen über den Berg um zu sehen ob wir tatsächlich in Elensar sind!" 

Sie hatten beinahe den restlichen Tag gebraucht um den Fuß des Bergs zu erreichen, durch das hügelige Gelände war schon die für das Auge kurze Distanz zu einer Herausforderung geworden. Aus allen Richtungen des Walds, der vor ihnen begann, drangen Geräusche. "Ich will ja nicht ängstlich klingen, aber denkst du schaffen wir es über die Baumgrenze bevor es vollkommen dunkel ist?" , fragte Vanessa.
"Aber klar, außer du kriechst weiter so dahin, während du jeden Versuch eines Gesprächs abblockst!", stänkerte Allister.
Wie sehr er sich bei dieser Einschätzung getäuscht hatte merkten sie als sie im Dunklen versuchten die Orientierung zu wahren.
Der Wald schien kein Ende zu nehmen, müde und erschöpft folgten sie dem Geräusch eines plätschernden Gewässers, wie groß dieses genau war, oder woher er kam, konnten sie nicht feststellen.
Die Dunkelheit schien die ganze Umgebung zu verschlingen.
"Wir müssen schlafen!", Allister suchte sich am Boden einen Platz an dem er nicht unbedingt einen Ast oder Stein im Rücke  hatte, "Du kannst gerne weiter deinen Meter Sicherheitsabstand zu mir halten, leider habe ich kein Lineal dabei, mit dem du es ausmessen kannst!"
Vanessa warf sich entnervt neben ihm auf den Boden: "Tu mir einfach nur einen Gefallen, halt die Klappe und fass mich bloß nicht an!" 
Allister schnaubte: "Keine Sorge, schnarch bitte nicht zu laut!"

Der Wasserfall, vor dem Vanessa erwachte, war beeindruckend. Das Wasser war hellblau und schoss einen Hang hinab, die Gegend glänzte und erinnerte wohl an die schönsten Träume, die ein Mensch haben konnte.
Die Felsen vor der Steilwand, die den Berg hinauf ragte, waren hellgrau und schimmerten in der Sonne.
Vanessa starrte gebannt um sich herum, sie sah in den blauen Himmel, wo vereinzelt ein paar weiße Wölkchen hingen.
"Was ist das hier?", fragte Allister begeistert und setzte sich auf. Vanessa blickte den Wasserfall hinab: "Witzig das wir immer an einem Wasserfall landen!"
Allister fuhr sich, sichtlich verlegen, durch die Haare, doch bevor er etwas erwidern konnte deutete Vanessa auf den Wald: "Wir müssen wieder hinunter, den Steilhang schaffen wir nicht, vielleicht können wir es an einer anderen Stelle versuchen!" Allister war genervt von ihrer Taktik jedes Gespräch, jeden Funken der etwas mit ihrer schwierigen Beziehung zueinander zu tun hatte sofort im Keim zu ersticken.
Er sagte nun mit übertrieben geschwollener Stimme: "Nun, holde Maid, schreitet mit meiner Hilfe den Berg hinunter!"
Dann packte er Vanessa an der Hand und zog sie mit sich in den Wald. Sie konnte nicht anders als in schallendes Gelächter auszubrechen: "Hör auf, wer viel lacht bekommt hässliche Falten!"
Allister war erleichtert, das sie sich endlich wieder entspannte: "Da ist doch bei dir eh alles verloren!"
Den Wald bergab hinter sich zu lassen kostete weit nicht so viel Zeig wie der Aufstieg in der Dämmerung am Vortag. 
Der Wald lichtete sich, doch wo gestern noch eine saftig grüne Hügellandschaft war, erstreckte sich nur noch schwarzer verbrannter Boden, der Himmel hatte sich verdüstert und war unter grauem Nebel verschwunden.
Überall lagen Waffen und Reste von toten Kriegern, welche sicher seit mehreren Wochen dort lagen.
"Was ist hier passiert?", Vanessa sah sich um.
Wie konnte sich die Umgebung in so kurzer Zeit so massiv verändern?
Allister lies seinen Blick über die zahlreichen Toten schweifen: "Wer tut so etwas? Und wo sind wir? Wir müssen nach einem Schwert, einem Wappen, irgendetwas suchen das uns einen Hinweis geben kann!" 
Nach Stunden gaben sie die Suche auf dem verbrannten Fels auf, Allister hatte aus Ästen und Gestrüpp, welches er aus dem Wald geholt hatte, eine kleine Feuerstelle errichtet.
Die Stimmung zwischen den beiden war durch die eigenartige Situation wieder angespannter, man konnte förmlich das Zündeln ihrer immer wieder bissigen Kommentare sehen.
"Ich gehe mich noch einmal umsehen!", erklärte Vanessa und sprang auf.
Allister warf genervt den Kopf zurück, diese Frau war das schlimmste was ihm je widerfahren war.
Was erwartete sie? Sollte er auf die Knie fallen und weinend um Verzeihung betteln?
Eine kleine Katze lief aus dem Wald auf ihn zu. Ein Kätzchen, schneeweiß mit pechschwarzen Pfoten, Ohren und Schweif. Die türkisen Augen des Tiers musterten ihn interessiert.
"Ein Kätzchen!", Allister lachte "kannst du mir helfen diese Situation zu verstehen?" Die kleine Katze legte den Kopf schief und miaute.
"Na toll, ich sitze also irgendwo und bin so verzweifelt, dass ich versuche mich mit einer Katze zu unterhalten! Wie kommst du nur an so einen Ort, verschwinde lieber wieder!", Allister versuchte das Kätzchen zu verscheuchen und wurde darauf hin in die Hand gebissen und angefaucht.
Er sprang auf und starrte das eigenartige Tier an: "Was willst du? Kann es sein das, sobald ich meine Heimat verlasse, mir jeder auf den Kopf scheißt?" 
Das Kätzchen kicherte: "Das ist aber eine ziemlich groteske Ausdrucksweise für einen Elf!"
Allister fasste sich an die Stirn, hatte er Fieber, oder gab es eine andere Erklärung, die nicht lautete das er dem Wahnsinn verfallen was?
"Okay, ich habe noch nie mit einer Katze gesprochen, also verzeih den derben Ausdruck, ich verbringe wohl zu viel Zeit mit den Teufeln!", er setzte sich wieder, eigentlich war ihm auch egal wer mit ihm auf diesen Feldern des Todes redete, eine Katze war besser als gar nichts.
"Kein Problem!", das Kätzchen sprach schon wieder, "Ich bin eigentlich auch gar keine Katze, mir ist wie immer ein Zauber misslungen!"
Allister lachte, auf diese Idee hätte er auch kommen können: "Das kann jedem mal passieren, also was machst du hier und wer bist du eigentlich?"
Das Kätzchen rannte nervös auf und ab: "Naja ich habe eigentlich Vanessa gesucht und vielleicht bin ich meinem Bruder gefolgt, weil ich auch endlich mal ein Abenteuer mit ihm erleben wollte. Aber egal, im Endeffekt bin ich jetzt eine Katze, Vanessa wurde vorher von Soldaten entführt und du bist der einzige der jetzt noch übrig bleibt um mir zu helfen!"
Allister musterte das Kätzchen: "Du bist Shanora? Finns Schwester? Warte.. Was? Wo ist Vanessa?"

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