Staatsgeheimnisse

Lautes klirren von Glas und wütendes Geschrei war allgegenwärtig. Jeder der an diesem Abend den Palast nahe der Hauptstadt betreten durfte oder musste wurde davon empfangen. Palast ist im Übrigen ein Wort, welches für den kleinen Herrschersitz kaum würdig ist. Aus dem ehemaligen stolzen Herrenhaus, ist ein mithilfe grober Anbauten und hässlichen, protzigen Staturen  lediglich eine Karikatur eines Herrschersitzes geworden. Böse Stimmen sagen, der Kaiser habe einfach einen schlechten Geschmack, doch die Wahrheit ist einfach: es fehlt an Geld. Noch vor einigen Jahren, war das Land Teil eines anderen größeren Königreichs. Bis der heutige Herrscher Abas Kiron einen Krieg vom Zaun brach um endlich selbst eine Krone zu tragen. Sein Charme und sein Geld machten es möglich und irgendwann gab der König auf. Die Gerüchteküche besagt, er habe diesen unbedeutenden Landstrich am Fuß der Berge nicht für wichtig genug gehalten um weitere Leben in einem sinnlosen Krieg zu vergeuden. Und so wurde aus einem reichen Adligen, der große Kaiser Abas Kiron.

In den folgenden Jahren bastelte er sich seinen eigenen Traum zusammen. Eigene Gesetze, eine eigene Währung, die er aber bald wieder fallen ließ. Es erwies sich als geschäftsschädigend immer wieder tauschen und rechnen zu müssen. Natürlich gehörte zu einem Herrn und Meister auch ein entsprechendes Gebäude. Architekten wurden eingeladen und Pläne geschmiedet, doch nichts schien ihm zu gefallen. Nichts konnte seinen Wünschen genügen und so musste er sich mit dem herrschaftlichsten Haus begnügen das zu finden war. Aus einem Provisorium wurde etwas Alltägliches und so begann er einfach hier mehr Platz zu schaffen. Das Ergebnis ist unbeschreiblich hässlich, auch wenn niemand wagen würde dies offen auszusprechen.


Plötzlich herrschte Stille, gespenstische Stille abgesehen von den Schritten eines Mannes auf dem Marmor des Ganges. Er ist ganz in rot gekleidet und  trägt ein Schwert an der Seite, ein gepflegter schwarzer Bart und genauso dunkle mittellange Haare runden das Bild des Söldners ab. "Was war es heute Malik?" Die weibliche Stimme scheint aus keiner bestimmten Ecke zu kommen, aber es bewirkt dass der Mann stehen bleibt, mit der Hand am Schwert. "Das geht dich nichts an, versteckst du dich und lauscht wie immer Halbblut?" Ein helles Lachen ist zu hören und ein Schatten huscht hinter ihm vorbei. "Ach komm schon, was hat er heute wieder gehabt. Waren du und deine Männer wieder einmal nicht fähig seinen Wünschen nachzukommen?" Der Hohn in der weiblichen Stimme ist nicht zu überhören. "Keona... lass diese Spiele dafür bist du zu alt und ich habe nicht die Geduld. Dieser Mann ist verrückt und du weißt es. Dazu ist er noch selbst schuld daran. Er hat ihn umgebracht mit seiner Gier und seinen Wünschen, wie soll ich so schnell einen Ersatz auftreiben?" Das Seufzen des stattlichen Mannes wird nur von dem Lachen der Frau gestört. "Schnell? Schnell? Du bist zu komisch, seit einem Jahren suchst du nun schon. Es wird Zeit das ich meinem erlauchtesten Herrscher meine Dienste anbiete! Findest du nicht auch alter Mann?" Wieder ein schnaufen. "Du bist eine Halbelfe... er wird dir nur in den Hintern treten, aber bitte. Such ruhig nach ihnen wenn du meinst du kannst es besser." Schweigen, kein Lachen ist mehr zu hören. "Keona? Dieses elfische Miststück... wird mir wieder ins Handwerk fuschen wie üblich." Malik bleibt noch einen Moment stehen, streicht sich über das raue Gesicht mit den dunklen Augen und atmet tief durch. "Langsam vergeht mir die Lust, ich glaube ich bin auch zu alt für sowas."

Keona, im Schatten verborgen sieht ihm nach. Nachdenklich spielt sie mit einer Kette, die sie um den schlanken Hals trägt. Selbst für Dumme ist sie sofort als Halbelfe zu erkennen. Der schlanke, sehnige Körperbau. Die leicht spitzen Ohren, welche nicht die Größe ihrer reinblütigen Verwandten erreicht haben und das blonde Haar, welches es bei Menschen kaum gibt, sind deutliche Zeichen. Sie betrachtet den Anhänger aus Glas in dem eine schwarze Haarlocke sicher aufbewahrt ist. "Alter Mann du suchst an der falschen Stelle. Sie sind nicht mehr dort, sie sind unter uns." Noch ein Lächeln, dann ist sie verschwunden.


Kommentare

beta
Feenstaub

Navigation

Sprachen

Social Media