Tamas & Lars

"Weißt du, ich liebe dich", murmelte Lars im Halbschlaf. "Ich sah diesen Jungen und dachte mir 'Der ist es. Den muss ich haben.' Und dann bin ich zu dir rübergegangen, weil ich ja sowieso nichts zu verlieren hatte. Mein Gott, warst du schön an dem Tag. Du hattest diesen blauen Strickpulli an und deine Haare standen komisch zur Seite ab. Als wärst du gerade erst aufgestanden..."

Lars gestikulierte mit seinen Armen und versuchte sich das Bild noch einmal ins Gedächtnis zu rufen, als er und Tamas sich zum ersten Mal tatsächlich begegnet waren. Nicht auf dem Flur aneinander vorbeigelaufen, wie sonst.
"Du", flüsterte Tamas lächelnd zurück. Sie lagen auf einer Matratze, zusammengekuschelt in zig Kissen und völlig übernächtigt. Lars hatte bei ihm übernachtet. Eine Sensation, wenn man bedachte, was für einen Aufwand er hatte betreiben müssen, um seine Eltern umzustimmen, sodass sie es überhaupt erlaubten. Zwei Wochen lang jeden Tag Geschirr spülen und mindestens eine Zwei in der Mathematikklausur. Nur, damit er einmal neben der Person einschlafen durfte, die er liebte. Das fand er nicht fair.

"Ja?", entgegnete Lars irritiert. "Ich kenne die Geschichte. Die hast du schon drei Mal erzählt. Gestern", Tamas legte seine Hand auf den Kopf des jungen Mannes. Auf die hellblonden Haare, unter denen schimmernd grüne Augen hervorlugten, die sich kaum offen halten konnten. Lars ließ die Arme zurück auf die Matratze sinken und schaute Tamas mit ernstem Blick an. "Ich liebe dich", sagte er nur und Tamas konnte ein Schmunzeln nicht unterdrücken. Daraufhin küsste er ihn, erst auf die warme, weiche Wange und dann auf seine zierlichen Lippen, die ihn ein bisschen an die einer Frau erinnerten. Beide Jungen stießen ein leises, zufriedenes Lachen aus und fielen sich gegenseitig in die Arme.
Der Blondhaarige schmiegte sein Gesicht an Tamas Brust und lauschte den schnellen, aber regelmäßgen Schlägen seines Herzens.
Es war das erste Mal für Tamas, dass er verliebt war und auch Lars fühlte sich noch nie zuvor einem anderen Menschen so nah.

Der einzige Haken an der Sache - so sah Tamas das - waren seine Eltern.
Sie duldeten seinen Freund, setzten ihr zuckersüßestes Lächeln auf, sobald er das Haus betrat und grüßten ihn auf ihrem besten Deutsch (denn sie kamen gebürtig aus Ungarn). Doch tief in ihrem Inneren wollten sie ihn am liebsten für immer von ihrem Grundstück verbannen. Denn er war nun einmal kein Mädchen...

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    Der Einstieg in dieses Werk ist dir geglückt. Gerne begleite ich Tamas auf seinem Weg und hoffe natürlich, dass sich alles zum respektvollen Guten wendet!

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Feenstaub

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