Tanz der Toten

Der Veranstaltungssaal war nicht wieder zu erkennen. Schwarze Vorhänge verhüllten die Wände, ein roter Teppich gab dem Boden den letzen Schliff. Kronleuchter hingen von der Decke und spendeten ein gedämpftes Licht. Perfekt gekleidete, weiß maskierte Kellner servierten auf silbernen Tabletts Sekt und Knabbereien. Fast die ganze Stadt war gekommen, manche erkannte man an Statur oder Haaren, manche konnte man nur vermuten. Die Kostüme waren bunt, pompös und brachten einen Hauch Venedig aufs Festland. Die Masken waren von klassisch bis zu grotesken Teufelsbildern unterschiedlich, auffällig und glamourös.
Die Menschen tanzten ausgelassen, die Musik spielte und die Stimmung war grandios. 

"'Ich dachte du wärst bereit Ruhe zu geben wenn ich verschwinde", flüstert die spitze Stimme einer Frau mit weißer Maske ins Ohr eines Mannes mit schwarzer Marke. Sie tanzen irgendwo im Schutz der Menge. Der Mann zieht sie näher an sich heran: "Du hättest mich sterben lassen können, aber du hast mich gerettet!" 
Ihre roten Lippen nähern sich den seinen, im letzten Moment drehte sie den Kopf weg: "Das war ein Fehler!" Der Mann packt die Frau an der Kehle: "Es gibt Dinge die man nicht trennen kann! Nicht einmal der Tod kann das!", zischt er in ihr Ohr. Sie lacht, scheint nicht nach Luft zu ringen: "Das habe ich bereits gemerkt!" Er lässt von ihrer Kehle ab, zieht sie wieder zu sich: "Wir könnten einfach weglaufen, irgendwohin wo wir keine Masken brauchen!" Sie küsst ihn leidenschaftlich, reist sich aber wieder los: "Nein, wir können nicht zusammen sein, du musst aufhören das zu verlangen!" Er will sie festhalten: "Ich kann nicht ohne dich leben! Ich sterbe in jeder Sekunde die wir getrennt sind! Ich werde nicht aufhören die Teufel zu jagen bis du es einsiehst!" Sie stößt in trotzdem weiter weg: "Ich muss dich aufhalten wenn du das tust!", sie küsst ihn ein letztes mal und verschwindet in der Menge.

Saphira strich den samtigen Stoff ihres Kleides glatt. Ihre Maske war schwarz und verdeckte die Hälfte ihres Gesichtes, verschnörkelt und mit blauen Steinen besetzt. Celles Maske passte zu ihren Haaren, rot und in der Form von Feuer mit gelben Steinen. Janina hatte sich für ein weißes Kleid entschieden, passend dazu eine weiße Maske mit silbernen Steinen. "Wonach suchen wir?'", fragte Celles nervös "und wie sollen wir hier etwas finden?" Janina blickte sich um. Etwas stimmte nicht in der Menge. Verschiedene Masken, nur ein paar gleiche, die der Kellner und... "Vier schwarze Masken, ohne Schnörkel oder Steine, vier Männer!", sprach Saphira Janinas Gedanken aus "wir brauchen einen Lockvogel!" 
Janina beschloss diesen Part zu übernehmen. Sie brauchte nicht lange um Anny in der Menge zu finden. Ihr Kleid war in einem fast schon widerlichen Kaugummirosa, passend dazu die Maske und der Lippenstift.
"Ich hätte weiß nehmen sollen, das fällt viel mehr auf!", stellte sie neidisch fest. Janina versuchte herauszufinden mit wem sie hier war. Sie machte ein Geheimnis daraus. "Du wirst es nicht glauben!", kreischte sie immer wieder. Janina störte etwas besonders an ihrer Freundin "Anny was für ein Parfüm trägst du da?", fragte sie gespannt. Anny zog es aus der Tasche. 
Das Fläschchen hatte die Form eines Totenkopfs und leuchtete in einem tiefen violett. "Anny woher hast du das?", schrie Janina sie an. "Das hat mir meine Begleitung geschenkt, ganz schön teuer, man bekommt es nur in 3 Läden im ganzen Land, hier in unserem Kaff kommt man nicht an sowas, ist doch toll, oder?", Anny schien ihren Ausraster nicht zu verstehen.
"Das war Vanessas Parfüm!", sagte Janina leise, ihr dämmerte wer Annys Begleitung war. 
"Schatz können wir vielleicht an einen ruhigeren Ort ge...", Luis stand vor den beiden Frauen. "Ich denke das wäre jetzt unhöfflich Schatz!", kicherte Anny.
Janina stand immer noch der Mund offen, sie konnte weder Luis dreisten Versuch eine Kopie von Vanessa zu erschaffen, noch Annys Dummheit fassen.
Jetzt erst wurde ihr bewusst das Anny sich blonde Strähnen in ihr sonst kupferfarbenes Haar färben hatte lassen. Sie trug die Haare jetzt lockig, wie Vanessa. "Du Schwein!", stammelte Janina "du krankes Schwein!" Luis nahm die schwarze Maske ab: "Aber Janina, wir versuchen doch alle nur in dieser Situation das Blut im Körper zu behalten!" Er lachte: "Anny Schatz, lass uns doch mit Janina raus gehen, ich brauche frische Luft. Meine Freunde begleiten uns!" 
Janina wurde von zwei Männern gepackt und lies sich mitzehren. 
Vor der Halle war nicht viel los, einige Raucher, aber im Grunde nur Paare die für sich sein wollten. Die Männer zerrten Janina in den Park der direkt neben der Veranstaltungshalle lag. Luis lächelte Anny an, die langsam aber sicher an Selbstsicherheit verlor: "Anny, dumme kleine Anny, dachtest du ein paar blonde Strähnen, Lockenwickler und ein Parfum würden Vanessa aus dir machen? Du bist wie ein Schwein, bereit geschlachtet zu werden!" 
Er zog ein Messer aus seiner Tasche, packte Anny an den Haaren, riss ihren Kopf zurück und Schnitt ihr die Kehle durch. Janina schrie, konnte sich aber nicht aus dem Griff der beiden Männer befreien. Luis leckte genüsslich das Blut vom Messer und warf Annys Leiche beiseite: "Jetzt bis du dran Teufel!"
"Das würde ich lassen!", Saphira und Celles hatten die kleine Gruppe erreicht.
Celles Augen funkelten: "Geh noch einen Schnitt näher an sie und ich röste sich!" 
Die zwei maskierten Männer, welche Janina festhielten warfen ihrem frei stehenden Freund einen vielsagenden Blick zu. Dieser zog eine Waffe und zielte auf Saphira. Der Mann zu Janinas linken zog ein Messer und hielt es ihr an die Kehle. Celles schaute zwischen den Männern hin und her. Sie waren in der Unterzahl. Sie würden nicht schnell genug sein um Janina zu retten und die vier Männer zu töten.
"Lass die Waffe fallen!", wie ein Blitz traf die helle Stimme auf die Gruppe. Der Mann mit der Pistole starrte hinter Saphira. 
Blitzschnell drehte sich die Waffe, auf einmal in der Hand der Frau der die Stimme gehörte. Ein rotes Kleid, rote Lippen und eine weiße Maske. 
Ein knall ertönte und der Mann ging zu Boden.
Janina konnte sich wieder bewegen, sie rannte zu Saphira und Celles. 
Als sie sich umdrehte sah sie das die beiden Männer, die sie festgehalten hatten am Boden lagen, einem wurde das Genick gebrochen, dem anderen steckte das Messer, welches Janina noch vor Sekunden an der Kehle hatte im Kopf. 
Eine Strähne ihres grauen Haars fiel ihr ins Gesicht, als sie schließlich vor Luis stand. "Ich habe dich gewarnt!", sie nahm ihre Maske ab und warf sie zur Seite "du kannst mich nicht besiegen!" Saphira starrte entsetzt auf die Frau, Celles und Janina erkannten sie.
"Vanessa!", schrie Celles, immer noch ungläubig das ihre kleine Schwester, die sie vor einer Woche beerdigt hatte, vor ihnen stand. 
Sie hatte sich verändert. Ihr früher blondes volles Haar schimmerte grau und war dünn und strähnig. Sie war so dünn wie an dem Tag an dem sie starb und ihre Augen waren gelb, nicht mehr grün. 
"Ihr müsst verschwinden!", rief Vanessa ihnen zu und schien sich in der Dunkelheit aufzulösen. 
Die Schwestern und Janina drehten sich um und rannten zurück zur Halle.

Die Halle hatte sich nach dem Fund der vier Leichen im Park geleert. Die Lichter brannten noch, aber es spielte keine Musik mehr. 
Saphira saß auf der Tribüne auf der zuvor die Band gespielt hatte.
Celles hatte mit Janina den Ball schon vor einigen Minuten verlassen, um sie zurück zum Haus der Schwestern zu bringen. Janina hatte nun auch die letzte ihrer Freundinnen sterben sehen müssen, genau wie sie und Celles die eigenartige Auferstehung von Vanessa.
"Darf ich um diesen Tanz bitten?", Saphira erschrak, als ihr plötzlich jemand die Hand hinstreckte. Church trug keine Maske, nur einen Anzug aus dem selben Stoff wie Saphiras Kleid. Saphira nahm seine Hand und stand auf: "Ich weiß nicht ob mir noch nach tanzen zu mute ist!" 
Church nahm ihr die Maske ab und warf sie zur Seite: "Heute sind die Schleier gelüftet worden, ein Stück Wahrheit ist ans Licht gekommen, und drei der vier Engeln die ihre Existenz verraten haben sind Tod. Wann ist der Zeitpunkt besser um den Moment zu genießen?"
"Was hat das zu bedeuten? Was machen wir hier?", fragte Saphira. 
Church lachte: "Wir tanzen. Wir tanzen den Tanz der Toten!"

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