Anderthalb Wochen vor Weihnachten hatten Riley und Eric das Haus bezogen, das sie von Ryes Schwester gemietet hatten. Es war noch einiges zu tun gewesen, um es wohnlich zu gestalten, denn es hatte eine ganze Weile leer gestanden. Aber schließlich war alles so weit gemacht, dass es nun ausgesprochen gemütlich war.

Ein paar Tage vor Heiligabend hatten die Jungs dann alles noch zusätzlich mit Tannenzweigen, Kerzen und Lichterketten dekoriert und so war es jetzt perfekt.


Zum Einzug hatte Rileys Schwester den beiden außerdem ein neues, dunkelgraues Ecksofa geschenkt, damit, laut Lilys Aussage, der Raum nicht so leer erschien. 

Rye hatte das Geschenk erfreut angenommen, während Eric es erst mal mit einem Brummen quittierte, da er keine »Almosen« wollte. Nachdem Lily ihm dann aber gesagt hatte, dass sie das Sofa ja im Haus stehen lassen könnten, sollten sie irgendwann mal wegziehen, war er einigermaßen besänftigt gewesen.

»Was machen wir denn jetzt eigentlich an den Feiertagen? Beziehungsweise: Was machst du? Ich werde wohl arbeiten.« Der Blonde ließ sich mit einer Tasse Tee auf besagtes Sofa fallen.
»Also an Heiligabend wollte Lysander herkommen. Für den ersten Weihnachtstag hat uns doch Johanna eingeladen - ist aber kein Zwang, sagte sie - und für den zweiten hatte Lily gefragt, ob sie mal vorbeischauen darf. Aber nur, wenn uns das nicht zu viel ist. Vor allem, weil du ja auch arbeiten willst. Ich hab frei, mir ist es egal.« Riley, der in der Kochecke stand und gerade das letzte Blech mit Plätzchen in den Ofen geschoben hatte, drehte sich um, lehnte sich auf die Küchenbar und musterte seinen Kollegen.

»Lysander, hmm?«, Eric schaute auf seine Tasse, »seid ihr zwei eigentlich ... zusammen?«
Rye schwieg einen Moment lang, denn das war eine gute Frage. Waren sie zusammen? Lysander und er? »Ja, irgendwie schon … Denke ich.«

Den Blick hebend, sagte Eric mit einem Grinsen: »Du … denkst? Wenn man euch zusammen sieht, dann erkennt sogar ein Blinder, dass da die Luft brennt. Das Knistern kann man förmlich spüren.« Der Blonde musterte Riley einen Augenblick und fuhr dann fort: »Was treibt ihr denn, wenn ihr euch trefft? Haltet ihr Händchen oder läuft da auch schon mal was?«
»Na ja, wir reden viel und ja ...«, der Angesprochene errötete leicht und druckste herum.Was ging es Eric überhaupt an? Warum interessierte der sich dafür, was er, Riley, mit Lysander tat oder auch nicht?
»Ist das nicht völlig egal, was wir machen, wenn wir alleine sind? Ich frag dich ja auch nicht nach deinem Sexleben.«

»Na, da gäbe es auch nicht viel zu erzählen, nämlich genau genommen gar nichts«, recht unsanft stellte Eric seine Tasse auf den Tisch und stand auf, »Aber bohr noch drin rum. Ich geh weiterarbeiten.«

Damit drehte der Blonde sich um und stapfte hinüber in seine kleine Werkstatt im Anbau des Hauses, wo er Sättel und Zaumzeuge reparierte und allerlei Zubehör wie zum Beispiel Satteltaschen herstellte. Rye sah ihm hinterher und murmelte »Gut gemacht, Riley!« während er die Plätzchen aus dem Ofen holte. Die Themen Liebe und Beziehung waren für seinen Mitbewohner immer noch sehr schwierig, weil die Wunde, die sein Exfreund verursacht hatte, noch nicht verheilt war. Und obwohl Riley das wusste, passierte es schon mal, dass er da ins Fettnäpfchen trat. Seufzend stellte er das Blech auf die Anrichte und fing schon einmal an, die Küche aufzuräumen.

Eine Stunde später war alles wieder blitzblank und die Kekse in die dafür vorgesehenen Dosen verteilt. Mit einer Tasse Cappuccino setzte Rye sich auf das Sofa und legte die Beine hoch. Er hatte sich zwar ein paar Tage frei genommen, aber heute musste er noch mal kurz runter zu seinem Arbeitsplatz, dem Jorvik Stall, um seiner Chefin dabei zu helfen, die Pferde von den Ausläufen zu holen. Riley gähnte. Irgendwie kam er heute nicht in die Gänge. Die Müdigkeit klebte wie Pech an ihm. Dementsprechend zuckte er zusammen, als sein Handy piepste. Sich die Augen reibend, fummelte er das Telefon aus seiner Hosentasche und las die eingegangene SMS:


Na, mein Schatz, alles in Ordnung bei dir? Ich hab mir gerade so überlegt, dass ich morgen schon rüber kommen könnte und über Nacht bleiben?! Was hältst du davon?


Riley schmunzelte. Für ihn war das gar keine Frage. Natürlich wollte er Lysander über Nacht bei sich haben. Aber da Eric ja nun mal auch hier wohnte, wollte er diesen nicht übergehen und zumindest informieren.
Mit einem Seufzen schrieb er eine Antwort


Mir gehts gut! Ich muss das mit meinem Mitbewohner abklären.Wegen mir könntest du heute schon kommen, das weißt du. Ich meld mich, sobald ich mit Eric geredet hab!


Nachdem Lysander ihm ein »Ok« zurück geschickt hatte, machte er sich auf den Weg zu Eric. Dieser würde bestimmt nichts dagegen haben, aber außen vor lassen wollte er ihn auch nicht ... zumal Lysander über Nacht bleiben wollte und mit Sicherheit sein »Mädchen für alles«, Louis, mitbringen würde. Wegen eines normalen Besuchs, wäre keinerlei Absprache nötig gewesen.

Riley klopfte an die Tür, welche vom Wohnzimmer in die kleine Werkstatt seines Mitbewohners führte und nachdem dieser ein »Herein« gebrummt hatte, betrat der Zweiundzwanzigjährige den Raum.

»Was gibts?« Eric sah kurz von seiner Arbeit auf.

»Lysander würde gerne schon morgen kommen und über Nacht bleiben. Ist das okay für dich?«
Sich an seine Werkbank lehnend, musterte der Blonde sein Gegenüber einen Augenblick, dann antwortete er: »Mach, wie du meinst. Mir solls egal sein. Ist ja genug Platz hier.« Damit drehte er sich wieder um und fuhr fort, ein Stück Leder zu bearbeiten.

Mehr hatte Eric zu dem Thema nicht zu sagen, denn eigentlich war es ihm egal. Warum sollte er sich auch querstellen? Lysander schien Rye sehr zu mögen und dieser erwiderte das. Wozu dagegen arbeiten?
Seufzend verließ Riley die Werkstatt wieder. Das war so eine typische Eric-Antwort gewesen.

»Aus dir werde ich wohl niemals schlau werden«, brummte Rye, während er ins Wohnzimmer zurückkehrte, sich wieder aufs Sofa setzte und Lysander anrief, um ihn über Erics Zustimmung in Kenntnis zu setzen.

Anschließend machte Riley sich auf den Weg zu seiner Arbeitsstätte, um mit Johanna die Pferde zu versorgen ...


Am nächsten Tag waren die beiden jungen Männer noch mit einigen Vorbereitungen beschäftigt.

Eric machte sich nach dem Frühstück mit seinem Pferd auf den Weg zum Jorvik Stall, um sich das Auto seiner Chefin zu holen, damit er den Weihnachtsbaum transportieren konnte. Diesen hatte er schon vor einer Woche vorbestellt, aber da er ihn schlecht auf dem Pferd mitnehmen konnte, hatte er Johanna gebeten, sich ihr Auto leihen zu dürfen.
Riley hatte derweil angefangen, noch einmal durch die Bude zu saugen, und schließlich noch zwei Bleche Plätzchen gebacken. Als Eric gegen Mittag mit dem Baum zurück war, war das Häuschen blitzblank und duftete nach dem Weihnachtsgebäck, was der Blonde mit einem »Riecht das guuut hier« kommentierte.

»Na, das hoffe ich doch.« Riley sah kurz auf und lächelte.


Als das letzte Blech zum Abkühlen auf der Anrichte stand, stellten die Jungs gemeinsam den Baum auf. Das Radio im Hintergrund dudelte leise verschiedene Weihnachtslieder.

»Ich hab hier zwei unterschiedliche Farbkombinationen für die Baum-Deko: Rot-Gold oder Blau-Silber! Welche möchtest du?« Riley schaute seinen Mitbewohner fragend an.

»Rot-Gold.«
»Na, dann sind wir uns ja einig«, gab Rye zurück und stellte die Kiste mit den goldenen und roten Kugeln, dem goldenen Lametta und der ebenfalls goldenen Spitze neben den Baum. Eine Stunde später stand derselbe fix und fertig geschmückt in der Wohnstube und die beiden jungen Männer betrachteten ihn zufrieden.

»Fein, dann werd ich mal Kaffee aufsetzen. Unser Besuch müsste ja bald hier sein.«
»Uns... Dein Besuch, Riley. Ich bring jetzt das Auto weg und dann werd ich noch ein bisschen arbeiten. Sollte Lysander schon da sein, wenn ich wieder zurück bin, dann trinke ich gerne nen Kaffee mit euch. So viel Zeit werde ich wohl entbehren können. Bis nachher.« Damit zog Eric sich seine Jacke über und verschwand nach draußen in die Kälte. Leicht irritiert sah Riley ihm hinterher.

Was zum Henker war denn los mit ihm? Er war doch sonst nicht so zickig in puncto Besuch. Kopfschüttelnd setzte Rye sich auf das Sofa und schloss einen Moment die Augen. Wie würde Eric wohl reagieren, wenn er merkte, dass Lysander nicht alleine kam, sondern Louis im Schlepptau hatte?


Während Riley auf dem Sofa einschlief, brachte Eric das Auto zu Johanna zurück. Er ärgerte sich über sich selbst, weil er so bockig reagiert hatte. Er wusste nicht einmal warum, denn eigentlich freute er sich für seinen Kollegen. Rye hatte es verdient, glücklich zu sein und doch: Irgendetwas gefiel dem Neunzehnjährigen an der ganzen Sache nicht. Und es war keine Eifersucht, die er verspürte. Nein, es war etwas, dass Eric nicht erklären, nicht fassen konnte. Der Blonde seufzte leise, während er das Auto auf dem Hof des Jorvik Stalls abstellte, den Schlüssel, wie mit seiner Chefin vereinbart, in den Briefkasten warf, und dann sein Pferd aus dem Stall holte.

Kurz darauf war Eric wieder auf dem Weg nach Hause. Im gemütlichen Schritt, denn er hatte es nicht eilig. Es war schon fast dunkel und feine Flocken fielen aus grauen Wolken. Es hatte einige Tage nicht geschneit und stellenweise war das Weiß nur noch eine schmutzig graue Masse - zumindest da, wo die Wege regelmäßig genutzt wurden. Umso schöner war es jetzt zu sehen, wie der frisch fallende Schnee die Landschaft wieder in ein strahlendes Winter Wonderland verwandelte ... pünktlich zu Weihnachten.

»Na, dann lass uns mal ein bisschen Gas geben, Dicker«, sagte Eric zu seinem Wallach und trieb ihn in einen leichten Galopp.


Das Klingeln seines Handys riss Riley aus dem Schlaf.

Mit einem gebrummten »Hm?« nahm der junge Mann das Gespräch an, während er versuchte, wach zu werden.

»Hab ich dich geweckt, Kleiner?« Lysanders Lachen brachte Rye vollends in die Realität zurück. Er schwang die Beine über die Sofakante und setzte sich.
»Lässt du uns rein, oder müssen wir hier draußen erfrieren?«
»Tut mir leid. Bin sofort da«, erwiderte Riley und sprang auf. Er lief zur Haustür und öffnete diese. Lysander musterte ihn amüsiert aus seinen heterochromen Augen.

»Ich bin wohl auf der Couch eingeschlafen, sorry«, verlegen strich sich Rye durch die Haare, »kommt rein.«

»Sieht man. Du bist ganz zerstrubbelt«, schmunzelte Lysander und betrat dann das Haus, gefolgt von Louis. Riley nahm den beiden ihre Jacken ab, hängte diese an die Garderobe und führte seinen Besuch dann ins Wohnzimmer.

»Setzt euch! Kaffee, Tee, Cappuccino oder irgendetwas anderes?«

Während Louis sich setzte und den Blick durch den Raum schweifen ließ, folgte Lysander Riley, der hinüber in die Kochecke gegangen war, um den Wasserkocher einzuschalten.

»Mir ist alles recht. Also tu, was immer du möchtest«, die Stimme des Vampirs an seinem Ohr ließ den jungen Mann erschaudern. Lysander stand unmittelbar hinter ihm und Rye hatte nicht einmal bemerkt, dass dieser sich ihm genähert hatte. Eine Tatsache, die Riley immer etwas unheimlich fand. Der Vampir lehnte sich an den Rücken des Jüngeren und legte den Kopf auf dessen Schulter. Eine Gänsehaut breitete sich auf Ryes Körper aus, als Lysanders Lippen nun für eine Sekunde seinen Hals berührten.

»Wie geht es dir? Ich hoffe, die Idee mit der Übernachtung überfordert dich nicht! Und deinen Mitbewohner auch nicht.«

Langsam drehte Riley sich um und sah in die Augen seines Gegenübers.

»Alles bestens. Und nein, warum sollte es? Ich bin ja froh, dass du hier bist. Eric ... der war etwas bockig, aber das kann auch andere Gründe haben. Er ist manchmal ein bisschen schwierig.«

»Gut, ich möchte nämlich nicht für irgendein Chaos verantwortlich sein oder gar einen Streit zwischen euch auslösen«, der Vampir strich dem Jüngeren durch die dunklen Haare. Dieser schloss für einen Moment die Augen und seufzte leise, was Lysander zum Lächeln brachte.
»Ich störe ja ungern euer kleines tête-à-tête, aber hattest du nicht was von Tee oder Ähnlichem gesagt, Riley?« Louis stand auf die Anrichte der kleinen Bar gelehnt, die das Wohnzimmer von der Kochecke trennte, und grinste.
Der Angesprochene wandte den Blick Lysanders Begleiter zu und nickte.

»Ja ... ja klar. Das Wasser kocht. Was möchtest du denn?«
»Alles außer Kamillentee«, erwiderte Louis, »aber ich denke, wir sollten noch auf deinen Mitbewohner warten. Der ist gerade über den Hof geritten. Ich schau mal, ob ich ihm helfen kann. Wollte mir sowieso mal den Stall ansehen. Dieses Offenstall-Konzept, was ihr hier habt, gefällt mir nämlich. Bis gleich.« Damit zwinkerte er Riley zu, drehte sich um und verschwand in Richtung Haustür.

»Hmm ... okay. Bis gleich«, murmelte dieser und sah Louis hinterher.

»Du darfst ihn nicht so ernst nehmen. Er kann manchmal ein richtiger Arsch sein, aber eigentlich ist er schwer in Ordnung. Glaub mir, ich kenne ihn lange genug.«
Sich wieder Lysander zuwendend erwiderte Rye: »Ich kann ihn halt nicht einschätzen. Ich kenn ihn ja kaum.«
»Na, er wird dich schon nicht beißen. Louis ist harmlos.«

»Da bin ich aber beruhigt«, der Jüngere grinste schief, »mir kommt es manchmal so vor, als ob er auf dich aufpasst.«

Ein Lächeln huschte über Lysanders Gesicht. »Das tut er auch ... irgendwie. Schwer zu erklären. Wir kennen uns schon eine Weile und das hat sich so eingespielt. Er hat was von einem großen Bruder.«
»Hast du eigentlich Geschwister? Ich meine ... richtige Geschwister!«

Einen scheinbar endlos langen Moment schwieg Lysander, sah Riley die Augen, dann nickte er: »Ja, ich hatte eine Schwester.« Der Vampir ging hinüber zum Küchenfenster und sah hinaus in die Dunkelheit. »Sie ist vor ein paar Jahren gestorben ... hatte einen tragischen Unfall, den sie leider nicht überlebt hat.«
»Das ... das tut mir leid. Ich wollte nicht ... Ich wollte keine Wunden aufreißen.« Rye lehnte sich an die Spüle und starrte auf den Boden. Für einen Augenblick kamen die Erinnerungen an Tylers Unfall zurück und er musste schlucken.

Lysander drehte sich wieder um und ging zurück zu dem Jüngeren. Er legte einen Finger unter dessen Kinn und hob dieses an: »Alles gut, Baby. Mach dir mal keine Gedanken. Es ist, wie gesagt, schon eine Weile her. Ich bin es nur nicht gewöhnt, darüber zu reden. Überhaupt ... über persönliche Dinge zu reden, außer mit Louis. Aber das ist in Ordnung, denn ich kann dich ja nicht die ganze Zeit anschweigen.« Damit zog er Rye in seine Arme. Eine ganze Weile standen sie so da, ohne ein Wort zu sagen, bis Lysander das Schweigen brach: »Und jetzt sollten wir uns nen Tee oder Cappuccino schnappen und uns rüber aufs Sofa setzen.«
»Gute Idee«, kam es aus Richtung Haustür, »es ist saukalt draußen und was Heißes zu trinken wäre perfekt.« Eric betrat das Wohnzimmer, gefolgt von Louis, der hinüber zur Sofaecke ging und sich setzte.

»Habt ihr die Pferde versorgt?« Riley befreite sich aus der Umarmung und wandte sich seinem Mitbewohner zu.

Nickend schob der ihn zur Seite: »Jap, alles erledigt. Ich hatte ja Hilfe, da ging das schnell«, der Blonde schaute in Richtung Louis, »danke noch mal.«
»Kein Problem! Ich sitze nicht gerne nutzlos rum. Da konnte ich dir besser zur Hand gehen.«

Eric machte zwei Tassen schwarzen Tee fertig, ging damit hinüber zu Louis, stellte diesem einen Becher hin und ließ sich dann auf einen Sessel fallen.

»Ihr zwei könnt euch euren Tee oder was auch immer ja selbst machen, oder?« fragte er grinsend in Richtung der anderen beiden.

»Ja, das bekommen wir noch gerade so hin, denke ich«, erwiderte der Vampir mit einem Schmunzeln, während Riley kaum merklich und leicht genervt den Kopf schüttelte und sich dann an Lysander wandte: »Eigentlich könnte ich dir eben noch den Rest des Hauses zeigen, bevor wir uns auf dem Sofa breit machen. Dann findest du dich später auch ohne mich zurecht.«

»Gut, dann lass uns das tun«, gab dieser zurück und die zwei verließen die Kochecke in Richtung der schmalen Holztreppe, die in den oberen Teil des Gebäudes führte.
»Aber das Wiederkommen nicht vergessen«, sagte Louis und nippte an seinem Tee. Lysander sah ihn daraufhin an und zog eine Augenbraue hoch, verkniff sich aber eine Antwort. Sein Gesichtsausdruck allerdings sprach Bände.

Eric kicherte leise. Vielleicht würde das Ganze ja doch noch amüsanter als erwartet.

Mit einem Kopfschütteln folgte der Vampir Riley die Treppe hinauf.

Oben angekommen, öffnete dieser die erste Tür und betrat den Raum.

»So, hier haben wir mein Schlafzimmer, daneben ist das Bad und ganz am Ende des Gangs Erics Bude und gegenüber ein kleines Gästezimmer. Komm rein. Ich trete dir mein Zimmer zur Übernachtung ab und schlafe dann unten auf dem Sofa. Louis kann das Gästezimmer haben.«

Ein erstaunter Blick Lysanders traf Rye, dann sagte der Vampir mit einem Lächeln: »Na ja, Louis könnte auch auf der Couch schlafen. Oder meinst du nicht?«

»Mir wäre das auch lieber, aber ... Nein, er als mein Gast muss nicht auf dem Sofa schlafen.«
»Du könntest natürlich auch in deinem Bett schlafen ... mit mir.«

Mit einem Lächeln nahm Riley die Antwort zur Kenntnis. Der Gedanke, mal wieder in Lysanders Armen zu liegen und einzuschlafen,war schon sehr reizvoll. Seine Nähe zu spüren, seinen Duft einzuatmen, sich einfach sicher und geborgen zu fühlen ...

Leise seufzte der junge Mann: »Wir werden sehen.«
Nickend trat der Vampir einen Schritt an Riley heran und hauchte ihm einen Kuss auf die Stirn: »Ja, das werden wir.«


Nachdem Rye dem Älteren alle Räumlichkeiten im oberen Geschoss des Hauses gezeigt hatte, kehrten sie wieder ins Wohnzimmer zurück, wo Eric und Louis sich angeregt unterhielten. Der Vampir setzte sich zu den beiden, während Riley hinüber in die Küche ging, um ihnen etwas zu trinken zu holen.

»In Anbetracht der Uhrzeit könnten wir auch ein Glas Wein trinken. Was denkst du?«
»Ja, das könnten wir durchaus. Keine schlechte Idee«, stimmte Lysander zu.

»Ich könnte uns ein paar Brote machen, wenn ihr wollt«, meinte Eric und warf einen Blick in die Runde. Louis nickte zustimmend.

»Kannst du gerne machen, wenn du das möchtest. Ich hab zwar keinen Hunger, aber das spielt ja keine Rolle«, Lysander nahm das Glas Wein, das ihm Riley brachte und deutete diesem dann an, sich zu setzen.

»Gut. Ich mach dann mal was. Wer Hunger hat, kann sich ja was nehmen und wer nicht ...«, Eric zuckte mit den Schultern, stand auf und verschwand in Richtung Küche.


Die nächsten Stunden vergingen wie im Flug. Sie aßen, leerten drei Flaschen Wein und redeten über Gott und alle Welt.
Als die Turmuhr von Jarlaheim Mitternacht schlug, streckte Eric sich gähnend in seinem Sessel. »Also, Leute, seid mir nicht böse, aber ich bin ziemlich kaputt. Ich würd gern schlafen gehen.«

Riley, der, mit dem Kopf auf Lysanders Bein, längs auf dem Sofa lag, sah seinen Mitbewohner an.

»Na, dann mach das doch. Oder muss dich jemand ins Bett bringen?«

Der Zweiundzwanzigjährige war selbst ziemlich erledigt und dazu kam die Wirkung des Weins.

»Werd ich auch und nein, ich brauch niemanden, der mich ins Bett bringt. Das schaff ich noch ganz gut alleine.« Eric stand auf und mit einem gebrummten »Gute Nacht« ging er Richtung Treppe, »ich geh noch eben duschen ... Nur zur Info.«

Als Riley daraufhin kichern musste, drehte Eric sich noch mal um und warf ihm einen genervten Blick zu. »Und du solltest vielleicht weniger saufen.«

»Ich werde es mir durch den Kopf gehen lassen. Sonst noch was? Nein? Dann: Viel Spaß beim Duschen.«
Eric öffnete den Mund und ... schloss ihn wieder, schüttelte mit dem Kopf und stieg die Treppe hinauf.

Louis sah ihm hinterher und grinste: »Nettes Kerlchen. Nur ein wenig gereizt. Hat auch einiges an schlechten Erfahrungen gemacht, hm?«
Sich an Lysander kuschelnd, erwiderte Rye: »Ich weiß nur von einer, aber die war heftig. Er wird darüber hinwegkommen. Früher oder später. Jeder macht doch mal Scheiße mit im Leben.« Er musterte Louis. »Ihr scheint euch ja ganz gut zu verstehen, Eric und du.«
»Ja, die Chemie stimmt schon. Mal schauen ...«, Lysanders Stallmeister streckte sich, »vielleicht sollte ich auch schlafen gehen und euch zwei Turteltäubchen alleine lassen!« Sein Blick traf den von Riley.

»Nun, dann müsste ich eben rauf gehen und dein Bett noch beziehen. Dann kann ich auch direkt meins noch fertig machen«, er schob Lysanders Arm von seinem Bauch, wuchtete sich in die Senkrechte und sofort wurde ihm ein bisschen schwindelig.

Als er dann aufstand, schwankte er wie ein Schiff auf hoher See.

»Na, ich glaube, das mit dem Bett mach ich lieber selbst. Du musst mir nur sagen, wo du die Bezüge hast.«

»In der Kommode im Gästezimmer, aber ...«, versuchte Riley zu protestieren, doch Lysander zog ihn zurück, neben sich aufs Sofa, während Louis aufstand und nach oben verschwand.

»Lass ihn das mal machen. Du brauchst hier für niemanden zu springen. Das verlangt keiner.«

»Ja, aber ...«, versuchte Rye einen weiteren Einwand anzubringen, doch der Vampir schüttelte den Kopf, legte ihm den Zeigefinger auf die Lippen und sagte: »Nein, das ist schon in Ordnung. Wir könnten dann auch gleich schlafen gehen, wenn du willst. Ich würde allerdings gerne noch eure Dusche benutzen. Wäre das möglich?«
»Klar, das untere Bad ist ja frei.«

Mit einem Blick in die bernsteinfarbenen Augen seines Gegenübers sagte der Blonde: »Ich hätte dich ja gefragt, ob du mitgehst, aber du bist todmüde, richtig?« und als Riley nickte, fuhr er fort, »Dann leg dich so lange hier hin. Ich wecke dich, wenn ich fertig bin.«

Damit verschwand Lysander im Bad. Ihm noch einen Moment hinterher schauend, nahm Rye sich eine Wolldecke und machte es sich auf dem Sofa bequem. Er lauschte dem Geräusch des Wassers aus dem angrenzenden Badezimmer und schloss die Augen. Gerne wäre er zu dem Vampir in die Dusche gestiegen, aber erstens war er, Riley, angetrunken und zweitens todmüde. Und so stark wie die Anziehung zwischen Lysander und ihm war, würde es wohl nicht beim Duschen bleiben. Sie hatten bisher zweimal miteinander geschlafen, aber sie kannten sich ja auch erst seit zweieinhalb Wochen. Seit Tylers Tod war Lysander der erste Mann, dem Rye gestattete, sich ihm überhaupt zu nähern, ihn zu berühren und er genoss jede Sekunde, die sie zusammen waren. Dennoch wollte er, dass sich das Ganze langsam entwickelte und es nicht bei jeder Gelegenheit nur auf Sex hinauslief.
Lysander gab ihm diese Zeit, denn er wusste von Rileys Verlust vor ein paar Monaten und drängte ihn zu nichts.

Mit einem Seufzen drehte der junge Mann sich auf die Seite und war kurz darauf eingeschlafen.


Als Lysander einige Zeit später aus dem Badezimmer kam, schlief Riley tief und fest.

Schmunzelnd zog der Vampir die Decke richtig über den Schlafenden und strich ihm sanft über die Wange.

»Ich wollte dich zwar eigentlich wecken und mit rauf nehmen, aber ... Ich werd dich schlafen lassen.«

Damit richtete Lysander sich wieder auf, drehte sich um, legte noch ein paar Scheite Holz auf das Kaminfeuer und löschte dann die Lichter. Mit einem letzten Blick auf Riley stieg er die Treppe hinauf und verschwand in dessen Schlafzimmer.

»Ich dachte mir schon, dass er nicht alt wird, so müde wie er war. Darum hab ich mir erlaubt, dein Bett zu beziehen, damit du das nicht selbst machen musst«, die Stimme seines Stallmeisters ließ Lysander aufsehen.

»Das ist nett, danke. Ja, der Kleine schlief so friedlich, dass ich es nicht übers Herz gebracht habe, ihn zu wecken. Und nun: Raus hier! Ich will schlafen und das solltest du auch tun. Gute Nacht.«

Mit einem Grinsen schob sich Louis an seinem Boss vorbei.

»Gute Nacht und angenehme Träume!«

Lysander schloss die Tür hinter ihm und legte sich dann auf das Bett. So wirklich gefielen ihm die Gegebenheiten nicht. Dass Riley nun auf dem Sofa lag, passte dem Vampir nicht, aber wenn er jetzt selbst nach unten gehen würde, dann würde er Rye mit Sicherheit wecken und das wollte er vermeiden, denn dann hätte er ihn auch mit rauf nehmen können.

Seufzend schloss Lysander die Augen und versuchte seinerseits, etwas Schlaf zu bekommen.

Aber irgendwie wollte das nicht so richtig klappen, denn anstatt Ruhe zu finden, wälzte der Vampir sich von einer Seite auf die andere, bis er es schließlich leid war und aufstand.

Er ging hinüber zum Fenster und sah hinaus. Von hier aus konnte er einen Teil der Stadtmauer Jarlaheims sehen, ansonsten blickte man auf die Wiesen und Felder der Familie Sunfield, sowie die Gebäude, die zu ihrer Farm gehörten. Lysander beobachtete das Schneetreiben draußen, das alles bereits in ein dichtes, weißes Kleid gehüllt hatte.

Der Anblick einer Winterlandschaft faszinierte den jungen Mann immer wieder. Vom Knurren seines Magens wurde er wieder in die Realität zurück geholt. Langsam löste er sich von dem perfekten Bild vor dem Fenster, ging durch das Zimmer und verschwand dann in dem dunklen Flur.

Leise, um niemanden zu wecken, schlich Lysander die Treppe hinunter und holte sich erst einmal ein Glas Wasser in der Küche. Dann legte er noch Holz auf die restliche Glut und entfachte so das Feuer im Kamin neu. Eine Weile stand er da, sah in die Flammen und wärmte seine kalten Hände, bis ein Laut aus Richtung des Sofas seine Aufmerksamkeit einforderte.

Langsam drehte er sich um und durchquerte lautlos den Raum.

Nachdem Lysander die Kerzen auf dem Wohnzimmertisch angezündet hatte, setzte er sich auf den Rand der Couch, neben Riley. Der Blick des Vampirs glitt über das Gesicht des Schlafenden. Dieses Gesicht, das ihm mittlerweile schon so vertraut war, nach dieser kurzen Zeit. Er hob eine Hand, strich vorsichtig eine Strähne aus Rileys Stirn, dann fuhr er sanft mit dem Finger über die Lippen des jungen Mannes. Und wie jedes Mal, wenn er den Jüngeren berührte, breitete sich ein Kribbeln im Körper des Vampirs aus. In seinem Leben hatte das bisher nur einer außer Rye geschafft, denn mit Gefühlen tat sich Lysander schwer. Sie verunsicherten den sonst so selbstbewussten Unsterblichen.

Leise seufzte er. Ja, er hatte sein Herz an den jungen Kerl vor sich auf dem Sofa verloren und vielleicht war es an der Zeit, seine Ängste über Bord zu werfen und es ihm einfach zu sagen. Was hatte er zu verlieren?

Rileys Schlaf war nicht besonders tief, so wie eigentlich nie. Dazu kam, dass er in dieser Nacht eine Menge wirres Zeug träumte. Er hatte immer die Menschen beneidet, die sich ins Bett legten, einschliefen und erst nach Stunden wieder wach wurden, egal, was um sie herum geschah. Zu diesen Glücklichen gehörte er nicht und seit Tylers Tod war es noch schlimmer geworden. Auch jetzt störte, außer dem Mist den er träumte, irgendetwas seinen Schlaf. Langsam öffnete der junge Mann die Augen und nahm erstaunt zur Kenntnis, dass Lysander neben ihm saß.

»Was machst du da? Beobachtest du mich?«, murmelte er verschlafen.

Statt einer Antwort strich der Vampir ihm durch die Haare, ließ seine Finger über Rileys Wange und dessen Hals gleiten.

Sein Gegenüber nicht aus den Augen lassend, blieb Rye ruhig liegen und wartete ab, was der Ältere vor hatte.

»Du bist süß, wenn du schläfst. Hat dir das schon mal jemand gesagt?«, schmunzelnd brach der Vampir nach ein paar Minuten das Schweigen.
»Nein, bisher noch nicht«, der Angesprochene merkte, wie er rot wurde und um vom Thema abzulenken, sagte er: »Also ... warum sitzt du da anstatt im Bett zu liegen?«

Lysander stand auf und ging hinüber zum Fenster. »Na ja ... Ich war ja im Bett, konnte aber nicht schlafen.«

»Und dann meintest du, du könntest ja wieder runter gehen und mich beim Schlafen beobachten?«
»Hört sich irgendwie nach nem Spanner an«, erwiderte der Ältere, ohne sich umzudrehen, »aber nein, so habe ich natürlich nicht gedacht. Allerdings ich hatte das Bedürfnis nach deiner Nähe, ja.«

Langsam setzte sich Rye auf und erhob sich dann von der Couch, um sich etwas zu trinken aus der Küche zu holen.

Nachdem er das Glas Wasser in einem Zug geleert hatte, steckte er sich einen Kaugummi in den Mund und ging ebenfalls hinüber zum Fenster. Sich halb vor Lysander stellend, schaute er hinaus in die Nacht, wo der Wind dicke Flocken durch die Luft wirbeln ließ.

»In England hatten wir die letzten beiden Jahre kein Glück mit Schnee. Es schneit dort ja sowieso nicht so stark, aber gar nicht war für mich schon frustrierend«, einen Moment hielt Riley inne, dann fuhr er fort, »ist schon komisch, wieder hier zu sein. Ich hatte schon fast vergessen, wie schön es im Winter ist. Das hat mir schon ein wenig gefehlt.«

»Dann bist du in der ganzen Zeit nicht einmal hier gewesen? Nicht mal, um deine Schwester zu besuchen?« Lysander hatte sich ganz dicht hinter ihn gestellt und die Arme um ihn gelegt, ihn so nah wie möglich an sich gezogen.

Der Dunkelhaarige schüttelte den Kopf und seufzte leise. »Nein! Ich wollte vermeiden, vielleicht zufällig meinen Eltern, vor allem meinem Vater, über den Weg zu laufen.«

Der Vampir beugte sich leicht nach unten und küsste den Nacken des Jüngeren. Riley hatte ihm vor ein paar Tagen die ganze Geschichte des Zerwürfnisses mit seiner Familie wegen seiner Beziehung mit Tyler erzählt. Und auch den Unfall, der seinem Exfreund zugestoßen war, hatte er nicht ausgelassen.

»Ich kann das schon verstehen. Darauf hätte ich auch keine Lust, denn so was artet meistens nur in Stress aus.«

»Ja, vermutlich würde es das.«

Einige Minuten standen sie schweigend da, dann drehte Riley sich in Lysanders Armen um und sah ihn an: »Lass uns rauf gehen. Ich hätte Lust auf eine Massage.«

»Willst du eine haben oder mir eine anbieten?«

Sich aus der Umarmung befreiend, erwiderte Rye: »Ich hätte gerne eine. Ich bin nämlich total verspannt. Komm mit.«

Schmunzelnd folgte der Vampir ihm nach oben ins Schlafzimmer. Dort zog Riley sich sein T-Shirt aus und ließ sich auf das Bett fallen. »Massageöl ist da drüben, auf dem kleinen Tisch.«

Lysander holte sich die besagte Flasche, entledigte sich dann ebenfalls seines Shirts und kletterte zu Riley, der sich auf der Matratze ausgestreckt hatte. Als die Hände des Vampirs mit sanftem Druck über seine Schultern und seinen Rücken wanderten, seufzte Rye leise. Er war sich bewusst, dass diese Massage ein Spiel mit dem Feuer war, aber er wollte Lysanders Nähe ... Mehr denn je.

Nach einer Weile beugte der Ältere sich über Riley und küsste seinen Nacken. »Dreh dich um.«

Leise kichernd tat der Jüngere, was Lysander gesagt hatte, drehte sich auf den Rücken und bevor Rye noch etwas sagen konnte, saß der Vampir auf ihm und massierte ihm die Schultern. Dann beugte er sich zu ihm hinunter und küsste ihn.

Als ihre Lippen sich berührten, spürte Rye, wie die Hitze in ihm hochstieg und er schlang die Arme um Lysander, streichelte ihm über den Rücken.

Nach einer Weile löste der Blonde den Kuss und seine Lippen wanderten an der Wange des Jüngeren entlang bis zu dessen Hals. Riley merkte, wie der Vampir an seiner Haut knabberte und saugte, so, als ob er ihm einen Knutschfleck machen wollte. Im nächsten Augenblick durchfuhr den Zweiundzwanzigjährigen allerdings ein heftiger, wenn auch nur kurzer Schmerz. So fühlte es sich an, wenn man sich geschnitten hatte. Was zum Teufel trieb Lysander da? Einen Moment später war der Schmerz vorbei und Riley konnte die Zunge des Anderen auf seinem Hals fühlen. Mit einem leisen Keuchen fragte Rye: »Was tust du da?«
Sich ein Stück aufrichtend, erwiderte der Vampir: »Ich hab wohl versehentlich etwas zu feste an dir geknabbert. Tut mir leid.« Er sah seinem Gegenüber tief in die Augen.

»Nun, ich sagte nicht, dass es schlecht oder sehr schlimm war. Ich wollte nur wissen, was du da machst. Es fühlte sich an, als ob du mich ... angeritzt hast.«

Ohne den Blickkontakt zu unterbrechen, nickte Lysander. »Das habe ich getan, ja. Es ist wohl ein bisschen mit mir durchgegangen. Ich vergesse schon mal ... Noch einmal: Es tut mir leid.«

Leicht verwirrt versuchte Riley den Sinn in diesen Worten zu sehen, aber irgendwie wollte ihm das nicht gelingen.

Dass Lysander anders war, das war ihm schon bewusst, aber inwiefern? Er, Riley, war auf einer Insel geboren, auf der es allerlei Seltsames gab... Und eine seiner Freundinnen in London war eine Hexe. Er war also nicht ganz so unbedarft wie die meisten Menschen, aber ...

Nun, Lysander würde ihm wohl irgendwann sagen, was mit ihm los war.

»Egal, mach mit mir was du willst. Ich mag mich nicht gegen alles sträuben und mich damit vielleicht selbst bestrafen.«

Riley konnte Unsicherheit im Blick seines Gegenübers erkennen und fügte hinzu: »Du weißt, was ich durch hab, aber ich mag nicht mehr auf Sparflamme laufen. Wir kennen uns zwar noch nicht so lange, aber ich glaube, dass du der Richtige für mich bist. Ich habe mich schon bei unserem ersten Treffen auf dem Marktplatz zu dir hingezogen gefühlt. Ich bin gerne in deiner Nähe, der Sex mit dir ist … überwältigend ... Ich bin nicht gut in solchen Dingen, aber: Ich hab mich in dich verliebt, das sollst du wissen.«

Einen Moment verharrte Lysander in seiner Position über Rye, schwieg, sah dem Jüngeren aber weiter in die Augen, dann beugte er sich langsam zu ihm herunter.

»Und ich liebe dich.«

Bevor dieser noch etwas erwidern konnte, verschloss der Vampir die Lippen des Jüngeren mit einem langen, fordernden Kuss ...


ENDE!


Kommentare

beta
Feenstaub

Navigation

Sprachen

Social Media