The truth

Ich liege wach auf meinem Bett und starre an die Decke.
Es ist Vier Uhr Früh und ich kann nicht einschlafen.
Zu tief sitzen die Schuldgefühle, die ich hege.
Was habe ich mir bloß dabei gedacht, Bill zu küssen?!

Verdammter Alk!
Und Ash.
Oh, Ash!
Wieso weiß er, dass es nicht mehr wie früher werden könnte?
Ahnt er etwas?

Ich sollte ihm endlich sagen, was ich fühle.
Nein, ich MUSS es ihm sagen!
Noch heute.
Bei unserem letzten Konzert hier in New York.

Ich greife nach meinen Kopfhörern und stopfe sie mir in die Ohren.

Nothing to lose von Billy Talent.
Das Lied passt einfach zu meiner Stimmung:

"Need more friends with wings
All the angles I know put concrete in my veins
I'd always walked home alone
So I became lifeless just like my telephone"

Vielleicht bräuchte ich tatsächlich mehr Engel in meinem Leben.
Mehr Engel als Ash?
Nein.
Er ist der einzige Engel, den ich will.
Den ich brauche.

Oh Gott, es tut so weh, an den verletzten Ausdruck zu denken, der in seinen wunderschönen Augen lag.
In seinen Seelenspiegeln.

"There's nothing to lose
When no one knows your name
There's nothing to gain
But the days don't seem to change"

Alle kennen meinen Namen.
Schreien ihn in die Welt hinaus.
Alle glauben sie, mich zu kennen.
Wie wenig sie doch wissen.

"Never played truth or dare
I'd have to check my mirror to see if I'm still here
My parents had no clue
That I ate all my lunches alone in the bathroom"

Die Wahrheit- versteckt hinter einer makellosen Maske.
Jetzt beginnt sie langsam zu bröckeln.

Meine Eltern- nie hatten sie bemerkt, wie unglücklich ich war.
Mein einziger Trost- die Musik.
Und dann traf ich Ash.

"There's nothing to lose
When no one knows your name
There's nothing to gain
But the days don't seem to change

There's nothing to lose
My notebook will explain
There's nothing to gain
And I can't fight the pain"

Ich versuche meine Lage durch meine Texte zu erklären.
Aber alle denken- es sind ja bloß Texte.
Nichts von Bedeutung.

"Teacher said it's just a phase
When I grow up, my children will probably do the same
Kids just love to tease
Who'd know it put me underground at age 17"

Eine Phase, ja?!
Jetzt bin ich erwachsen.
Eine Zeit lang ging es mir auch besser.
Bis zu jenem verhängnisvolle Abend.

"There's nothing to lose
When no one knows your name
There's nothing to gain
But the days don' seem to change

There's nothing to lose
My notebook will explain
There's nothing to gain
And I can't fight the pain"

Langsam klingt der Song aus und ich nehme die Kopfhörer ab.
"Es gibt Nichts zu verlieren", hallt es in meinem Kopf nach.

Da klopft es an meine Zimmertüre.
Um Vier Uhr Früh.
Das muss man sich mal vorstellen.

"Es ist offen.", gebe ich tonlos von mir und starre weiter nach oben.

"Andy, wir müssen reden."

Jeremy setzt sich zu mir ans Bett und sieht mich an.
Ich spüre seine Blicke auf mir ruhen und setze mich langsam auf.

"Es ist Vier Uhr Früh. Wieso müssen wir jetzt reden?!", frage ich pampig.

Ich habe keine Lust auf ein Gespräch.

"Weil ich das Gefühl habe, dass du uns allen etwas verschweigst, das dich bedrückt. Und das lässt mir keine Ruhe."

Jeremys Blick liegt ruhig auf mir, aber hinter seinen Augen sehe ich die Gedanken rasen.

"Andy, bitte. Es geht so nicht weiter. Ash ist total fertig und niemand weiß warum- außer dir vielleicht."

"Wie... wie kommst du darauf?", stottere ich.

"Andy, ich mag vieles sein, aber blind bin ich sicher nicht."

"Wieso sagst du das?"

Ich kann die aufkommende Panik nicht unterdrücken.

Jeremy streich beruhigend über meine Hände und ein Schauer durchfährt mich.
Und das merkt er.
Er weiß es!
Ein Lächeln bildet sich auf seinen Lippen.

"Ist es das?", fragt er sanft.

Erschrocken schnappe ich nach Luft.

"Was?!", bringe ich keuchend hervor.

"Du liebst ihn."

Beschämt senke ich meinen Blick auf Jeremys Hände.

"Du liebst ihn doch, oder?"

Ganz leise verlässt das gehauchte "Ja" meine Lippen.
Dann breche ich in Tränen aus.
Heiß und feucht schießen sie aus meinen Augen hervor und strömen meine Wangen hinab, während ich mich inmitten der Kissen und Decken zusammenkauere.
Ganz klein mache.

Ein Teil von mir ist erleichtert, endlich gestanden zu haben.
Ein Teil von mir.
Der Andere hat vor allem Angst davor, es Ash zu sagen.

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Der Songtext stammt übrigens von einer meiner anderen Lieblingsgruppen- Billy Talent (Nothing to lose)

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