Totenflecke (Livores mortes)

Nach eintreten des Todes bilden sich Hautverfärbungen die sog. Totenflecke. Mit dem Ausbleiben der Herztätigkeit kommt es zum Stillstand des Blutkreislaufes. Das Blut, nun nicht mehr zirkulierend, sinkt durch Einwirkung der Schwerkraft in die tiefer gelegenen Körperabschnitte. Es kommt zur Senkungsblutfülle der Gefäße (Hypostase). Die durch das herabgesunkene Blut nun prall gefüllten Blutgefäße werden durch die Haut als grau-violette Hautverfärbungen sichtbar. Diese Verfärbungen sind die Totenflecke, die zu Beginn der Leichenveränderung kleinfleckig auftreten und später in größeren Flächen erkennbar sind. An jenen Stellen, wo der Körper aufliegt, werden die Hautblutgefäße zusammengedrückt und sind dadurch blutarm bis blutleer. In der Konsequenz dieses Umstandes bleiben die Aufliegestellen einer Leiche von Aufliegestellen frei und damit blass.

Die Totenflecke entsteht immer in der Körperregion, die dem Boden am nächsten ist. Liegt eine Leiche auf dem Rücken finden sich die Totenflecken am Hinterkopf, Nacken, auf dem Rücken und den seitlichen Partien von Rumpf und Gliedmaßen. Ohne Flecken bleiben der obere Rücken, was als Schmetterlingsfigur bezeichnet wird, dass Gesäß, die Waden, Fersen und die Aufliegestellen der Arme.
Liegt die Leiche auf dem Bauch, bilden sich die Totenflecke in der Gesichtsregion und an den Vorderseiten von Rumpf und Gliedmaßen aus. Die aufliegenden Stellen sind wie bereits erwähnt blass und ohne Flecken.
Bei einer hängenden Leiche wiederum, entstehen die Totenflecke im Zuge der Schwerkraft in der unteren Körperhälfte des Körpers. Die Totenflecke liegen ringförmig um den Bauch herum und wandern mit der Zeit Richtung Beine, man spricht vom Strumpfhosen-Phänomen. Zusätzlich zu den stark verfärbten Beinen sind auch die Hände starker Totenfleckebildung unterlegen. Durch Kopftieflage tritt außerdem eine Totfleckbildung im Kopf- und Hals-Bereich auf.

Bei Menschen mit schwarzer Hautfarbe sind die Totenflecke nicht sichtbar.

Eng anliegende Kleidungsstücke, wie ein Gürtel, führen oft zu Aussparungen der Totenflecke. Das Prinzip ist dasselbe wie beim Aufliegen einer Leiche. Ein festsitzender Kragen ist in der Lage eine Strangmarke vorzutäuschen. Textilmuster können zuweilen auch in Totenflecke abgezeichnet vorliegen. Gleiches gilt für unebenen Untergrund wie eine Wiese, was Rückschlüsse auf den Fundort der Leiche erlauben kann.

Ist der Druck in den Blutgefäßen, welche der Senkungsblutfülle unterliegen, zu groß, platzen diese. Dadurch entstehen dunkelrote, meist rundlich, punktartige bis linsengroße Flecke der Haut. Diese Form des Blutaustritts wird als Vibex (pl. Vibices) bezeichnet, was für den Laien verwirrend seien kann, da Dehnungsstreifen gleichsam bezeichnet werden. Wie auch das Aufkommen der Totenflecke, ist das Auftreten der Vibices abhängig von der Lage der Leiche. Bei Rückenlage kann es zu Blutaustritten im Bereich von Schultern und Rücken kommen. Bei einer Tieflage des Kopfes im Gesicht, in den Augen unter der Kopfhaut und in den Halsweichteilen. Bei hängenden Leichen finden sich solche Blutungen an den Unterschenkeln und Füßen.

Solange das Blut innerhalb der Leiche noch beweglich ist, kann die Position der Totenflecke durch Umlagerung noch geändert werden. Dreht man eine Leiche von Bauch zu Rückenlage, verschwinden nach gewisser Zeit die Totenflecke am Bauch vollständig, während am Rücken sich neue Totenflecke bilden. Ebenso ist es möglich Totenflecke mit den Fingern oder einem Gegenstand im Nachhinein wegzudrücken. Mit zunehmender Zeit nach dem Tod geht die Fähigkeit der Umlagerung und des Wegdrückens von Totenflecke verloren. Da das Blut eindickt.

Die ersten Totenflecke treten ungefähr 20 bis 30 Minuten nach dem Tod bei Rückenlage der Leiche im Nacken und an den Halsseiten ein. Von einem schwach, kaum sichtbaren Fleck, wachsen diese schnell zu intensiv gefärbten Totenflecke heran. Diese fließen im fortlaufenden Entwicklungsprozess zusammen. Auch die inneren Organe entwickeln im Bereich der Senkungsblutfülle Totenflecke. Etwa 5 bis 6 Stunden nach eintreten des Todes nimmt die Intensivierung der Totenflecke nicht mehr zu. Nach 6 Stunden ist eine vollständige Umlagerung der Totenflecke nicht mehr möglich, dass heißt das wenn nun die Leiche von zum Beispiel dem Bauch auf den Rücken gewendet wird, sich am Rücken Totenflecke bilden, die Totenflecke am Bauch aber nicht mehr gänzlich verschwinden und sichtbar bleiben. Ist die Leiche nach der ersten Totenfleckebildung gewendet worden bilden sich im Zeitraum von 6 bis 12 Stunden erneut Totenflecke. Über die Wegdrückbarkeit der Totenflecke finden sich in der Literatur Angaben von 6 bis 36 Stunden, wobei mit zunehmender Zeitspanne das Wegdrücken der Totenflecke mit harten Instrumenten wie metallene Gegenstände oder ähnlichem realisiert wurde.

 

Aus der Farbe und deren Stärke können Totenflecke gelegentlich Anhaltspunkte für die Todesursache geben. Durch niedrige Temperaturen entstehen hellrote Totenflecke, sogenannte Kältetotenflecke. Diese können auch bei Leichen auftreten, welche in einer Pathologischen Einrichtung in einer Kühlzelle gelagert wurden. Dann sind die Totenflecke aber zweifarbig. Jene Flecke welche im Bereich der Aufliegestellen sich befinden sind in der Folge der Kälte Hellrot, der Rest grau-violett. Hellrote Totenflecke sind aber nicht nur ein Merkmal für Kältetod, sie finden sich auch bei Opfern von Kohlenmonoxid oder Blausäure wieder. Bei Nitrat-, Nitrit- und Chloratvergiftungen sind die Totenflecken schmutzig grau bis hin zu braun.

 

Sind selbst nach langem liegen kaum bis keine Totenflecken ausgebildet, so deutet dies auf Blutarmut infolge von Erkrankungen oder Verbluten von außen hin.

 

Zusammengefasst haben die Totenflecke folgende Bedeutung für die Kriminalistik:

- sie stellen ein sicheres Zeichen für den Tod eines Menschen da

- sie erlauben eine grobe Einschätzung der Todeszeit

- sie können einen Hinweis auf die Todesursache oder Todesart liefern

- sie können ggf. eine Lagerveränderung der Leiche dokumentieren

Kommentare

  • Author Portrait

    Sehr gut geschriebener Sachtext. Sehr gut zu lesen, da er weder zu schwer noch zu einfach gehalten ist. Gut finde ich das einstreuen von Fachbegriffen. Er stellt die Situation sehr gut da und erläutert das Thema gut. Die Wiederholungen sind sehr gut, da so das gelesene sich noch mal festsetzt bzw man es noch mal aus einer anderen Richtung erkärt bekommt. Dennoch sind sie zumindest zum Ende hin meiner Meinung nach ein wenig zu viel. Dennoch sehr gut.

beta
Feenstaub

Navigation

Sprachen

Social Media