In der elften Klasse stand ein leerer Tisch.
Kam man hinein, dann sah man ihn nicht.
Der Tisch stand ganz hinten und alleine.
Und hatte wohl nur noch drei Beine.

An diesem Tisch steht still eine Kerze.
Neben Gekritzel, Schimpfwörtern und Eddingschwärze.
Und erinnert uns alle voll Schmerzen daran,
was vor genau einem Jahr im Winter begann.

Er war damals Sechzehn, sein Name war Jan.
Er trug gerne dunkel und malte sich, mit Kajal seiner Mutter, die Augenlider schwarz an.
Das war ihm nicht peinlich, er war ein Rebell.
Aber unter den Stacheln war sehr weiches Fell.

Das wussten die andren aus seiner Klasse.
Und fingen daraufhin an ihn zu hassen.
Sie stahlen den Rucksack, kippten ihn aus.
Mal kam er mit blauem Auge nachhaus.

Beschmierten den Spind mit Worten wie 'Schwulette'.
Malten fiese Beschimpfungen in die Jungentoilette.
Sie stießen sein neues Fahrrad vor einen Bus
und folgten ihm auch noch nach Schulschluss.

Die Lehrer scherten sich nicht darum.
Sie sagten: 'Vergiss die andern. Die sind dumm.'
Das half nur nicht so wirklich viel,
denn weiter ging das Horrorspiel.

Sie sind ja alle von Computern besessen
und die nächste Attacke hatte mehr als gesessen.
Jemand hatte einfach Jans Rechner gehackt
und in der Webcam einen bösen Trojaner versteckt.

Es dauert auch keine paar Stunden,
da war Jans Reststolz vollkommen verschwunden.
Denn auf Facebook machte sich zur besten Sendezeit,
ein Video von seinem besten Stücke breit.

Wie sollte er jetzt noch zur Schule gehen?
All seine Mitschüler hatten ihn nackt gesehen.
Jan konnte nicht mehr, die Kraft war fort.
Er setzte sich abends in Papas alten Ford.

In Eile schloss er das große Garagentor.
Und holte vom Rücksitz den Schlauch hervor.
Es ging recht schnell und ohne Schmerz.
Ein paar Mal hustete er, dann stoppte das Herz.

Der Vater erlitt eine Panikattacke,
als er seinen Jungen gefunden hatte.
Er schrieb einen Brief an die Schulverwaltung
und verlangte eine Trauerveranstaltung.

Als die Schüler erfuhren was Jan getan hat,
wurden die Gesichter blass und die Haut matt.
Sie hatten es geschafft ihn zu besiegen.
Und alles, was sie taten... nun. Sie schwiegen.

Kommentare

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    Menschen sind grausam. Nicht nur Erwachsene, auch die Kinder von denen. Berührender Text, so realistisch und traurig, und auch leider die Wahrheit :(

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    Dein Gedicht hat mich unglaublich erschüttert und berührt, weil sich ähnliches leider auch an meiner Schule abgespielt hat und ich mich auch sehr an die Zeit des ausgerenzt-seins erinnert gefühlt habe. Ich hoffe so sehr, dass die Menschen, die so grausam sind, dass sie andere auf diese Weise bis in den Tod treiben, sich dein Gedicht zu Herzen nehmen und ihr Handeln ganz schnell ändern!

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    Ich bin sprachlos Maschinenfuchs! Das ist nicht nur ein grandioser Text, es ist eine Botschaft an die jenigen die mobben oder noch Vorhaben zu mobben oder zu diskriminieren. Dieser Text rettet Leben..Hut ab...LG. Carmen

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    Ein sehr erschütterndes Thema! Sehr gut auf den Punkt gebracht. Mobbing ist wahrlich etwas Schreckliches! Erfuhr das einst am eigenen Leib!

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    Mega traurig... und schockierend. Aber wie immer toll geschrieben.

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    Schlimm ... hat mich sehr berührt :/

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    Das klingt echt so realistisch, als hättest du genau das in deiner Umgebung selbst erfahren...

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    Du bist echt ein Meister darin, andern die Augen zu öffnen und den Blick gekonnt dorthin zu lenken, wo niemand gerne hinsieht. Es ist soo wichtig, über Mobbing zu sprechen und zu schreiben, die Leute zu sensibilisieren! Danke!

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    Puh...harte Realität, wie sie heute immer noch vertreten ist und alle sehen weg und schweigen...Und wenn es zu spät ist, fassen sich alle an den Kopf....

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    Leider viel zu wahr :(

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