unglückliche Begebenheiten

Schlagartig bin ich wieder wach. Ich stolpere aus meinem Bett und sehe mich verwundert um.

In meinem Zimmer ist niemand, während ich mich umziehe und nach unten stolpere, bin ich ständig auf der Hut.

Aber mich greift niemand an, vielleicht kämpfen ja gerade zwei andere. Das wäre mal etwas anderes.

Ich laufe automatisch dem klingeln nach, doch als es mich nach draußen bringt, bleibe ich verwundert stehen.

Das Klingeln kommt aus Richtung Wald.

Ich hoffe nur es ist nicht der graue Engel.

Unsicher setzte ich einen Fuß vor den Anderen. Es ist, als würde ich von dem Klingeln magisch angezogen.

Als ich weitergehe, beginnt der Mond aus voller Kraft zu scheinen und in seinem Licht fühle ich mich geborgen und sicher.

Das Licht gibt mir Kraft und als ich immer weiter in die Nähe der Bäume komme, beschleicht mich die Ahnung, dass ich dieses Mal gar nicht kämpfen soll. Nicht ich bin dran.

Aber wer dann?

Ich renne los.

Immer weiter zwischen den Bäumen entlang.

Als das Klingeln aufhört, stehe ich auf einer Lichtung.

Aber ich bin nicht alleine.

Über mir kämpfen zwei Engel.

Ich kenne keinen von beiden.

Aber ich kann regelrecht spüren, was es für Engel sind.

Ein etwas kleineres Mädchen ist anscheinend ein Feuerengel, während das größere Mädchen ein Luftengel sein muss.

Während ich die Beiden beobachte, bekomme ich es langsam mit der Panik zu tun.

Die Beiden versuchen sich gegenseitig zu töten. Sie machen ernst.

Eine von Beiden wird heute Nacht sterben, wenn ich nichts unternehme.

Als mich endlich die Ahnung beschlich, dass ich bei dem Versuch den Kampf zu unterbinden selbst sterben könnte, ist es schon zu spät:

„HÖRT SOFORT AUF!!!!! BEIDE!!!“

Und tatsächlich hören Beide auf. Doch nur für einen Moment, dann fliegen beide auf mich zu. Eins ist klar, sie werden erst mich töten und dann weitermachen. Ich sehe schon wie sie mich in Stücke reißen und dann nicht weiter um mich kümmern. Wie ich da liege auf dem Boden, wie ich daliege, dabei zu sterben, zu verbluten, mich vor Qualen krümmend, niemand der mich jemals finden wird.

Ich schreie, ich schreie so laut ich nur kann.

Ich schreie, bis ich nicht lauter kann und mein ganzer Körper mit meinen Stimmbändern im Einklang zittert.

Ich spüre, wie meine Kraft mir entfließt und mich umschlingt.

Und etwas in mir zerbricht.

Es ist wie ein Schutzschild der fällt, wie ein Selbstschutz der ausgelöst wird.

Wie etwas in meiner Seele, dass sich weigert zu sterben.

Aber warum jetzt, warum nicht schon auf dem Dach oder in dem Irrenhaus?

Was ist heute anders?

Ich spüre es ohne es zu wollen. Ich werde zum Engel. Ich spüre wie mir Flügel wachsen und ich emporsteige, hoch in den Himmel.

Es ist komisch. Ich fühle mich frei und eingesperrt zugleich. Als würde ein Licht aus meinem Inneren kommen.

Als wollte etwas raus aus mir.

Ich weiß nicht mehr was ich tue und ich kann auch nichts mehr sehen. Ich habe das Gefühl auf dem Boden zu liegen und mich nicht mehr zu bewegen, es nicht zu können.

Aber gleichzeitig merke ich, wie ich mich bewege, kämpfe und ich höre Schreie.

Jemand ist verletzt

Aber wer.

Nicht ich, so viel weiß ich zumindest.

Was passiert hier?!

Ich spüre wie ich falle, wie ich in die Tiefe stürze, was ist nur los mit mir?

Warum kann ich mich nicht bewegen und nichts sehen?

Ich schlage hart auf dem Boden auf und verliere komplett das Bewusstsein.

Allerdings nicht für lange.

Ich wache wieder auf, als mich jemand hochhebt.

Erst denke ich es ist Nolan, aber als ich die Augen öffne, und endlich wiedersehen kann, sehe ich eine mir unbekannte Person.

Es ist ein Junge, er kommt mir bekannt vor, aber ich kann mich nicht erinnern woher.

Die Art wie er mich trägt und schützend an sich drückt, während er an den Bäumen vorbei jagt. Es hat etwas Vertrautes.

Ich kenne ihn, da bin ich mir sicher.

Er sieht mich nicht an, egal wie lange ich sein Gesicht anstarre, er sieht mich nicht.

Er trägt mich, aber er beachtet mich nicht.

Der Junge bringt mich auf direktem Wege in mein Zimmer und legt mich ins Bett.

Also war er schon mal hier.

Als er ein paar Schritte zurück tritt, kann ich ihn das erst Mal ganz sehen.

Er hat schwarze Haare, von silbernen Strähnen durchzogen.

Er trägt einen Art Mantel, einen sehr speziellen Mantel, aus Leder und mi lauter Taschen und silbernen Verzierungen, Er hat sich eine Art Waffe über die Schulter gehängt und schaut zu Boden.

Aber warum sieht er mich nicht an?!

Es stört mich.

Doch bevor ich auch nur ein Wort an ihn richten kann, springt er mit einem Satz aus meinem Schlafzimmerfenster.

Ich versuche zum Fenster zu stürmen,

kann aber nicht einmal mein Bein heben.

Ohne es zu wollen falle ich in einen tiefen Schlaf.

Ich träume von einem tiefen, schwarzen Wald. Ich irre umher und rufe verzweifelt nach meiner Mutter.

Ich schreie immer lauter, bis ich endlich eine Antwort bekomme.

Aber nicht von ihr.

Von meinem Stiefvater.

Er lacht mich aus, verhöhnt mich.

Ich versuche ihn zu schlagen, aber er weicht mir immer wieder aus, wie Nebel kann ich ihn nicht fassen.

Er lacht, warum lacht er nur so schrecklich?!

Ohne seinen Blick von mir zu wenden flüstert er:

Von weißen Flügeln Tausendschön…

... das Blut des Abendmondes rinnt.

Ich wollt ich könnt´ dich sterben seh´n...

.... mein heißgeliebtes Teufelskind.

 

Was für ein schrecklicher Albtraum, als ich endlich aufwache, bin ich schweißüberströmt und habe einen total kratzigen Hals.

Anscheinend habe ich wirklich geschrien. Hoffentlich hat mich niemand gehört.

Als ich versuche aufzustehen klappt es wunderbar, als wäre das gestern nicht passiert.

Ich wünsche es mir so sehr, aber ich weiß, dass es passiert ist.

Meine Beine und Arme zittern und ich habe am ganzen Körper kleine Wunden.

Ich stehe gerade unter der Dusche, als ich in meinem Wohnzimmer aufgebrachte Stimmen höre.

Am Anfang machte ich mir darum keine Gedanken, aber als die Stimmen immer lauter werden, beginne ich mir Sorgen zu machen.

Was geht da vor?

Ich wasche mir schnell das Shampoo aus den Harren und ziehe mir dann eine gemütliche Jeans und ein bequemes Top an.

Schon bevor ich die Tür öffne, höre ich gleich zwei Stimmen aus dem Streit heraus.

Und die eine jagt mir mehr Schauer über den Rücken als die Andere.

Marry ist hier.

Und sie ist nicht alleine.

Hinter ihr stehen die Schwester, ein paar Männer und... und... einer der Engel von gestern.

Ich erinnere mich an gestern Abend. Ich erinnere mich an Dinge die ich nicht gesehen habe.

Ich habe das Mädchen, den Luftengel, sich verwandeln und dann weglaufen sehen.

Und ihr Name, ich weiß noch genau, dass sie ihn mir zugerufen hat.

Wie ist er noch gleich.

Irgendetwas mit E... E...ich glaube sie heißt Ella oder, nein sie heißt Elefa. Genau, dass ist ihr Name.  

Elefa.  

Und als würde sie mich hören richtet sie ihren Blick stur auf mich und runzelt leicht die Stirn.

Ich wende mich an Marry und frage aufgebracht:

„Was zum Teufel wollen sie hier?! Sagen sie mir jetzt bitte nicht, sie sind gekommen um mich zurück zu bringen!“  

Sie sieht von Nolan weg und auf einmal stehen die Männer in deren Begleitung sie immer zu mir gekommen war, um mich herum und halten mich fest.

Vergebens versuche ich ihre Hände abzuschütteln.

Sie lächelt schelmisch und antwortet ruhig:

„Ihr Vater sagte mir sie seien rückfällig geworden. Ich soll ihnen vorläufig jeden Tag ein Beruhigungsmittel verabreichen. Und das für die nächsten vier Wochen. Natürlich nur um sicherzugehen, dass sie niemanden schaden.“

Marry ist offensichtlich kurz davor laut loszulachen.

Aber vielleicht ist es ja besser wenn ich nichts mehr machen kann, wenn ich niemanden mehr verletzen kann. Ich bin mir fast schon sicher, dass das andere Mädchen gestern schwere Verletzungen davongetragen haben muss.

Aber was ist mit Helia?

Und was ist mit Nolan, Marco und meinen Anderen Freunden?

Nun es ist ja nur für vier Wochen oder?

Danach würde mir das nie wieder passieren und ich könnte das ganze Chaos für eine Weile vergessen. Helia würde mir helfen meine Kräfte zu kontrollieren.

„Wer wird sie mir geben?“

„NEIN! DAS DÜRFEN SIE NICHT!“

Ich drehe mich erschrocken zu Nolan um, er ist rasend vor Wut und seine Augen sprühen regelrecht vor Funken.

Ich versuche ihn zu beruhigen, aber er lässt es nicht zu.

Er stößt mich zur Seite und schreit Marry regelrecht an:

„Was fällt ihnen eigentlich ein?! Wie können sie so etwas nur tun wollen?! Sie hat doch nichts getan!“    

Wenn Nolan nicht damit aufhört kommen mir noch die Tränen, es scheint so, als kann er mich wirklich leiden. Trotz seinem vorherigem Verhalten. Es ist rührend, dass er sich so aufregt. Aber wenn ich mich die 4 Wochen nicht bewegen kann, ist wenigstens mein Knöchel vollständig verheilt.

Mein Entschluss ist schon gefallen.

Ich werde mir eine Auszeit nehmen. Irgendwie muss ich bei den Gedanken daran schmunzeln.

„Von Wegen sie hat nichts getan! Sie hat ein Mädchen schwer verletzt und Krankenhaus reif geprügelt!“

Ach du scheiße, also war es wirklich so schlimm gewesen, aber woher weiß sie das. Moment mal, ist Elefa deswegen hier?

„Was hast du ihr erzählt?“

Ich richte meine Frage direkt an Elefa, aber sie weicht nur meinem Blick aus und murmelt:

„Nur die Wahrheit oder?“

Marry stellt sich zwischen uns und sieht Elefa in die Augen sie fragt:

„Du kennst Angel? Ich meine natürlich Magrit?“

Als Elefa meinen Spitznamen hört, zuckt sie regelrecht zusammen und sieht mich dann vor lauter Furcht an.

Mit zitternder Stimme sagt sie:

„Ja, ich kenne sie und sie war es, die meine Freundin verletzt hat.“    

Ich will schon lautstark protestieren, aber Nolan kommt mir zuvor:

„Das ist unmöglich! Ich war gestern den gesamten Abend bei ihr!“

„Er lügt!“

„Tue ich nicht!“

„Doch tust du!“

Ich glaube so hätten die Beiden noch Stunden weitermachen können, aber Marry geht eiskalt dazwischen.

„Es ist mir egal ob es wahr ist oder nicht! Sie bekommt vier Wochen lang ein Beruhigungsmittel und Schluss! Wenn du damit ein Problem hast, kannst du das mit ihrem Vater besprechen! Er hat es schließlich angeordnet!“

Ich höre wie Nolan nach Luft schnappt, weiterhin aber still bleibt.

Ich hoffe das er mir endlich glaubt, er ist nicht der nette Mensch, für den Nolan ihn hält.

Bevor noch jemand etwas sagen kann frage ich:

„Wer wir mir die Spritze geben?“

Marry sieht mich wieder an und zeigt auf die Schwester.

„Sie wird es machen.“

Die Schwester sieht mich traurig an und zieht aus ihrer Tasche eine Spritze und ein Fläschchen mit einer klaren Flüssigkeit.

Oh wie ich diese Dinger verabscheue!

Aber es hilft nichts.

Da ich die Prozedur schon kenne halte ich ihr den rechten Arm hin.

Marry aber sagt:

„Die Spritze kommt nicht in deinen Arm! Sie wird dir in die Halsschlagader gegeben!“

Und noch bevor ich weiß wie mir geschieht drückt mir die Schwester schon die Spritze in den Hals.

Das Mittel ist stark und wirkt sofort, ich spüre nur noch wie ich von starken Händen aufgefangen werde und dann schlafe ich auch schon tief und fest.

Wie ich meinen Stiefvater verabscheue.

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