Unsere Geschichte beginnt (3)

Nerre tat sich anfangs sehr schwer, schritt zu halten, denn die Behes waren viel größer als er, mindestens 3 Köpfe, wodurch ihre Schritte länger waren und sie besser vorankamen. Doch nach einer Zeit hatten sich die Behes und er an eine Geschwindigkeit angepasst, die zwar etwas langsamer für die Behes war, aber angenehm zu laufen für beide. „Nur noch ein wenig, sobald wir aus Niteka raus sind, machen wir unsere erste Rast. Schon mal den Wald verlassen?“ fragte der Behe neugierig. „Nein, noch nie. So was machen wir Balasiken ja auch nicht. Niteka beschützt uns, die Waldgeister wachen über uns.“ Man hörte deutlich die Anstrengung in Nerres Stimme. „Waldgeister.“ Stutzte der Behe. „Wir dachten immer, das wäre ein Märchen. Oder eine gut ausgeschmückte Sage.“ „Nein.“ Nerre klang grimmig. Balasiken mochten es nicht, wenn man ihre Waldgeister beleidigte. „Sie helfen nur nicht jedem. Nur Freunde der Balasiken. Und Feinde halten sie ab. Man kann sich Tage in Niteka verirren, wenn man nicht aufpasst. Doch die Waldgeister helfen dir, insofern die Balasiken dich mögen. Wenn nicht, dann musst du alleine durch kommen. Sie sind gütig, schenken uns Holz und Pflanzen. Können zu Feinden aber auch wild sein, gesehen hab ich das aber noch nie.“ „Soso.“ Stutzte der Behe.

„Sag mal“ Nerre schaute fragend zu ihm hin und versuchte vom Thema abzulenken: „hast du einen Namen?“ „Natürlich.“ Lachte der Behe. „Vedimir, Vedimir van Neusen. Ich komme aus gutem Hause, habe mich schon immer für fremde Länder und Völker interessiert. Daher bin ich Händler, man kommt gut rum.“ Nerre schaute ihn erstaunt an: „Warst du auch schon mal bei den anderen Völkern?“ „Tatsächlich nur bei den Ferriten, im Königreich Pugno, im weißen Norden. Früher, als ich noch in Mamorie lebte und die Bünde noch nicht gebrochen waren, ging ich dort ein uns aus. Wunderschöne Schätze haben die Feriten. Sieh selbst.“ Vedimir griff unter sein Gewand und holte seine Kette hervor. Die Kette glänzte in einem wunderschönen Gold, während der Anhänger nur leicht mit Gold verziert war. Es war ein kleiner Ovaler Anhänger, in der Mitte ein kleiner Diamant eingearbeitet, welche funkelte wie die Augen eines Balasiken. „Man nennt sie auch Auge des Balasik. Ich denke du versteht warum.“ Nerre nickte nur, so vertieft war er in dem Anblick der Kette. Fast wäre er über einen Ast gestolpert, doch Vedimir machte ihn drauf aufmerksam. Danach packte er die Kette wieder unter sein Gewand und schaute nach vorne die Straße entlang. Nerre tat ihm gleich. Sie liefen eine weile, ohne dass ihr Weg Schwierigkeiten erbrachte.

Plötzlich ertönte ein lautes kreischen, welches so schrecklich in den Ohren brannte, dass die Behes und Nerre sich instinktiv die Ohren mit den Händen zuhielten. „Was war das?“ flüsterte Nerre, doch Vedimir wusste keine Antwort, selbst er, der diesen Weg so oft beschritt, kannte dieses Geräusch nicht. Angst machte sich breit. Man spürte die Anspannung jedes einzelnen. Die Luft wurde immer wärmer und ein zweiter schrei ließ die Wanderer zusammen zucken. Es wurde immer lauter. „Es kommt auf und zu.“ Flüsterte Nerre. „Was sollen wir tun?“ fragte ein Behe von weiter weg. „Verstecken!“ schrie Vedimir, als plötzlich ein Wesen vor ihnen stand, was einen Hund ähnelte. Er war größer als ein Behe und so wie es aussah, alleine. Sein Kopf war riesig, genauso wie seine Schnauze. Riesige, von Speichel triefende Zähne stachen beim fletschen hervor. Seine schwarzen Augen glänzten vor Zorn und Jagdlust. Sein Fell, so schwarz wie die Nacht ohne Sterne, wirbelte umher, als Luft es durch spielte. Die Klauen an seinen Pfoten waren rot und drückten eine wärme umher die unerträglich war. Sie sahen so aus als würden sie glühen, doch ganz erkennen, konnte man es nicht.

Alle waren still und hielten den Atem an. Auch das Wesen rührte sich nicht. Doch dann, ein knacken im Wald löste den Sprung des Wesen aus und es machte einen großen Satz auf die Wanderer zu. Diese schrien und legten die Hände schützend vor sich. Stoßgebete wurden heraus gebrüllt und kurz bevor das Wesen auch nur nah genug an sie gekommen wäre, um sie zu berühren, schossen Ranken aus den Seiten des Weges hervor und errichteten eine Mauer, welche, sobald das Wesen diese berührt ihn umklammerten und wieder dahin verschwand, wo es her kam. Man hörte einen letzten Schrei, als das Wesen in die Tiefen des Waldes gezogen wurde. Und die Behe schauten verdutzt hinterher. „Den Waldgöttern sei Dank!“ Jubelte Nerre erleichtert. „Gut, dass sie keine Sage sind, richtig?“ er schaute neckend zu Vedimir rüber, dessen Gesicht blasser als sonst war. Er brauchte eine Zeit, so wie die anderen, um wieder Worte zu finden: „Den Waldgöttern sei Dank. Aber warum haben sie uns geholfen? Wegen die Nerre?“ „Ich weiß nicht.“ Sagte Nerre nachdenklich. „Kann sein, aber ich denke eher, weil ihr nur gutes den Balasiken wollt. Sie spüren es.“ Vedimir schaute sich um, Niemand war verletzt, ein paar nur sehr geschockt. „Wir sollten dir danken, junger Nerre. Dank dir und deinen Waldgöttern können wir leben. Auch den Waldgöttern danken wir. Ab jetzt werden wir bei jeder Reise hier durch den Wald gaben ablegen für Sie.“ „Beten reicht. Ich werde dich unser Gebet lehren.“ Nerre kramte einen Zettel raus und fing an die Worte aufzuschreiben.

Des Waldes Meister, Dank sei euer.

Auf ewig Wir euch achten,

auf ewig Wir an euch dachten.

Werden euch immer ehren,

euch unsere Hoffnung niemals verwehren.

Nahat da Niteka.

(Geheiligt sei Niteka)

Die letzten Worte des Gebetes waren eigen ab stämmige Worte der Balasiken, die sich im Laufe der Jahre verändert haben. Jedes Volk hat für bestimmte Begriffe, eigene Wörter. So sagen die Balasiken „Nahat da..“, während die Behes „Najakta da..“ für die gleichen Worte verwenden. Da sie einst die Sprache gemeinsam von den Harpen lernten, sprechen alle Völker die gleiche Sprache, so aber, durch die verschieden Orte die sie bewohnen entwickelten sich die Dialekte.

Als er die Worte niedergeschrieben hatte, sich die Behes einigermaßen erholt hatten und Nerre Vedimir den Zettel in die Hand drückte, da verbeugte sich Vedimir vor ihm. Verdutzt schaute Nerre ihn an. „Das musst du nicht tun!“ „Ich weiß. Aber ich will. Ah und hier, nimm die.“ Vedimir löste die Kette, die er vorhin Nerre zeigt, von seinem Hals und hielt sie ihm hin. „Das kann ich nicht annehmen!“ „Ich bitte drum. Und wenn du durch Glatal schreitest sag den Leuten ruhig, dass du ein Freund der Van Neusen bist. Man kennt uns und wird dir dann helfen. Bitte!“ Nerre nahm die Kette an, legte sie um und fühlte sich in dem Moment so glücklich und voller Freude, dass er eine kleine Träne fließen lies und ein „Danke!“ murmelte. „Nun sollten wir aber weiter, meine Freunde.“

Nerre überlegte kurz und fragte dann: „Was war das?“ Die ersten Behes waren schon auf den Weg. „Ich weiß es nicht. Aber es sah nicht freundlich aus. Hast du die Wärme gespürt die von seinen Klauen ausgingen? Das hab ich noch nie vorher gesehen.“ Vedimir schaute besorgt. „Hoffentlich war es das letzte Mal, dass wir dieses Wesen zu Gesicht bekommen.“ Schnaubte Nerre. „Das hoffe ich auch, junger Balasik.“ So fingen auch die beiden das laufen an und schon bald hatten sie das Ende des Waldes erreicht.

Sie entschieden sich Rast zu machen, suchten sich aber dafür Plätze unter den Bäumen, aus Angst, so ein Wesen könnte noch mal auftauchen. Nerre setzte sich auf einen Baumstumpf, direkt neben Vedimir, der bereits etwas aß. „Sei unser Gast.“ Sagte er und deutete mit seiner Hand auf die Speisen, die auf einen kleinen Ausklappbaren Tisch standen. Nerre ließ sich das nicht zweimal sagen, sein Magen schrie vor Hunger und grummelte ununterbrochen. Er schnappte sich selbst gebackenes Brot der Behe und Früchte, die sie von den Balasiken gekauft hatten. „Eure Früchte sind unglaublich. So gute Früchte gibt es bei uns nicht!“ bemerkte Vedimir. „Ich weiß, sie sind von den Göttern persönlich.“ „Das erklärt es.“ Vedimir grinste. „Probiere unser Brot, es wird die schmecken und macht gleich viel satter, als andere Dinge. Es ist extra für Reisen. Ein ganzen Brot reicht für sieben Tage.“ „Wow.“ Sagte Nerre und biss rein. Er merkte schon beim Kauen, dass sein Magen nachgab und zufrieden vor sich hin blubberte. „Nicht schlecht. Das stimmt!“ Nachdem sich alle verpflegt hatten, packten sie das Essen weg und breiteten Betten aus. Vedimir drehte sich zu Nerre: „Wir laufen Morgen weiter, es ist schon spät, die Sonne geht gleich unter und Nachts ist es noch unsicherer. Leg dich auf eins der Betten, du musst dich gut ausruhen.“ Nerre nickte, gähnte und schleppte seinen müden Körper zu einem Bett. Sobald er lag schlief er ein. Im Traum träumte er von Pugno und wie er es bereisen würde.

Am nächsten Morgen, noch bevor der Himmel nicht mehr rot schien, hatten die Behes alles gepackt und setzten ihre Reise fort. Nach zwei Stunden lauf Weg über große flache Wiesen kamen sie an den Fuß eines Berges, wo eine kleine Treppe in den Berg selber eingemeißelt war. Die Treppe wurde durch ein schmales, aus feinen Holz gezimmertes, Geländer begleitet. Nerre schaute den Berg hoch und sah nur Nebel. „Da hoch?“ „Genau. Es sind nur knapp 2000 Stufen. Das geht fix.“ Scherzte Vedimir. „Genau.“ Murrte Nerre und die Behes konnten sich ein kichern nicht verkneifen. Plötzlich wurde Nerre rot und stapfte los.

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