Mein Beine schmerzen vom Sport, meine Hände brennen und sind etwas wund.
Meine Oberarme fühlen sich völlig überlastet an, jeder Muskel in meinem Körper fühlt sich an, als wäre er gerissen. Doch es fühlt sich gut an.
Ich schaue in den Spiegel. Mein Gesicht überspringe ich, denn ich finde es nicht besonders schön.
Es sieht einfach nicht so schön aus. Aber es stört mich nicht wirklich, schließlich muss ich es nicht jeden Tag sehen.
Mein Blick wandert weiter nach unten, ich betrachte meinen Oberkörper.
Was ich dort sehe, erschreckt mich.
Wenn jemand anderes einen solchen Oberkörper hätte, wäre ich sehr neidisch.
Klar ich mache gerne Sport und gehe dabei gerne an meine persönliche Grenze, aber dass ich so einen gut durchtrainierten Oberkörper habe, ist mir bisher noch nie aufgefallen.
Ich betrachte mich weiter im Spiegel, drehe mich herum, um mich besser sehen zu können.
Wieso sah ich plötzlich so gut aus? Es war als wäre ich im Körper einer fremden Person gelandet, nur das Gesicht war das selbe.
Doch ich war jetzt auch eine andere Person. Ich fühlte mich plötzlich ganz anders als vorher, viel stärker und selbstbewusster.

Während das Wasser an mir herunterprasselte, dachte ich weiter nach.
Wieso machte ein Sixpack aus mir eine andere Person?
Ich bin eigentlich genau die gleiche Person wie vorher und trotzdem jemand anderes.
Und warum bedeutete es mir überhaupt so viel ein Sixpack zu haben? War es nicht eigentlich egal wie ich aussehe? Ich habe mir Gedanken um mein Aussehen gemacht, mein Gesicht sieht einfach nicht so schön aus.
Doch warum war es mir plötzlich so wichtig?

Ich wollte immer irgendwie dazugehören, den Idealen entsprechen.
Doch warum?
Bin ich jetzt von anderen eher akzeptiert, nur weil ich ein Sixpack habe?
Selbst wenn, warum ist das mir so wichtig?

Warum jage ich den Idealen anderer hinterher und vergesse dabei meine eigenen?
Ich mache mein Leben von den anderen abhängig, nur um dazuzugehören. Ich muss perfekt sein, darf keine Gefühle zeigen, muss immer stark und perfekt sein, darf keine Fehler zeigen, denn dann wird man aussortiert, als Sündenbock umfunktioniert.
Dass ich dabei immer mehr von mir selbst verliere ist mir egal, dass ich immer nur andere nachmache, meine Identität verliere und irgendwann zerbrechen werde ist völlig egal. Schließlich gibt es dann immer noch genug Menschen, die das Gleiche versuchen. Wenn ich dann nicht mehr dort bin, kann ich ganz einfach ersetzt werden.
Ist es das wert?

Es ist als wäre ich ein Auto. Ich werde ständig benutzt, damit die Fahrer es möglichst bequem haben. Ich muss besonders leistungsfähig und schnell sein, sonst werde ich irgendwann aussortiert und lande auf dem Schrottplatz.
Ich werde rücksichtslos benutzt, Hauptsache nach außen hin sehe ich heil aus. Wie ich von innen aussehe ist egal.
Falls ich so sehr beschädigt bin, dass es meine Funktion beeinträchtigt, werde ich aussortiert und lande auf dem Friedhof, dem Schrottplatz und werde gegen ein besseres Modell ausgetauscht.

Ich bin immer auf der Suche nach neuen Idealen, muss immer perfekter sein.
Die Zukunft macht mir Angst, ich denke die ganze Zeit darüber nach was morgen sein wird. So sehr, dass ich heute verpasse.

Warum tue ich mir das an und lasse mich freiwillig so sehr zerstören?
Weil es im ersten Moment leichter scheint mit dem Strom zu schwimmen, als gegen den Strom.
Aber der Weg mit dem Strom ist deutlich länger und die Strömung dreht sich nach kurzer Zeit um, so stark das man gar nicht mehr voran kommt, sondern nur noch rückwärts. Falls man dann doch mal voran kommt, verletzt man sich an den scharfen Steinen. Ein Ziel ist nicht erreichbar, denn der Weg führt immer im Kreis. Solange bis man aufgibt.

Der Weg gegen die Strömung dagegen scheint schwerer. Das ist er am Anfang auch. Der Weg verlangt alles von dir, will testen wie stark du bist.
Aber wenn du Fehler machst, dann ist es hier nicht so schlimm. Denn der Weg passt sich dir an. Der Weg ist so gemacht, dass du ihn perfekt gehen kannst, wenn du willst und dich anstrengst. Es wird schwer, du wirst alles geben müssen, aber du wirst lernen, du wirst an den Hindernissen wachsen.

Danach wirst du glücklich sein. Und das ist das Ziel. Denn bei dem vermeintlich einfachen Weg, wirst du kein dauerhaftes Glück erreichen.
Außerdem kannst du viel mehr erreichen, als du dir erträumen kannst.

Das einzige was du dafür tun musst, ich auch, ist du selbst zu sein bzw. ich muss ich selbst sein.
Lass Fehler zu, doch lerne daraus. Halte dich nicht so sehr an die Gesellschaft, sondern halte dich an dich selbst. Mach was dich glücklich macht, sei was du willst.
Achte nicht darauf, was die Gesellschaft sagt, denn sie finden immer etwas zu meckern, gerade wenn sie neidisch sind.

Reflektiere dich selbst, sieh dein Leben aus einer anderen Ebene.

Stell dir vor du bist der Autor deines Lebens.

Du hast einen Charakter erschaffen. Du schreibst die Geschichte deines Charakters nieder. Wäre sie nur positiv, wäre es schön, aber jeder Autor würde dir raten es nicht so zu tun. Denn es wird sonst langweilig.

Deshalb wirst du es deinem Charakter möglichst schwer machen.
Ich als Autor liebe es meine Charaktere zu quälen, sie an ihr Ende zu bringen, ihnen alles abzuverlangen.
Damit sie daraus lernen und die Hindernisse überwinden, es als Chance ansehen und nicht mehr als Strafe.
Wenn die Charaktere sich entwickeln und stärker werden, glücklich werden, dann habe ich mein Ziel erreicht.
Wenn sie am Ende glücklich und zufrieden sind.

Glaubt ihr an Gott oder einen anderen Schöpfer?
Warum sollte dieser es anders machen als wir Autoren?
Und falls die Evolution schuld an unserem Leben ist, warum sollten nicht auch die glücklich sein, die sie selbst sind, ihre Fehler zugegen, sich selbst reflektieren können und nicht perfekt sind, weil sie gar nicht perfekt sein wollen, da sie auch so zufrieden sind?

Es ist nicht so schwer, eher einfacher als der andere Weg. Ihr müsst euch nur für diesen Weg entscheiden und bereit sein ihn zu gehen.
Ich bin sicher, dass es sich lohnt.
Es ist euer Leben, deshalb ist es euere Entscheidung, welchen Weg ihr geht.
Aber ihr müsst mit dieser Entscheidung leben und darauf euer Leben aufbauen können.

Wofür entscheidet ihr euch?

Kommentare

  • Author Portrait

    Hier, ich! Schwerer Weg! Der vermeintlich leichte hat mich irgendwann mit nem Strudel in die Tiefe gerissen, seitdem find ich den Schrottplatz (nicht den Friedhof) viel attraktiver als den reissenden (Main)Strom. Dort kann ich wenigstens machen und sein was ich will. Danke für diesen Text! Schöne Metaphern und ich bin ganz deiner Meinung. Entscheiden muss man sich und tut es auch jeden Tag.

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Feenstaub

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