V.8 - In seinen Fängen

Nervös saß Hermine in dem abgelegenen Klassenraum tief in den Kerkern von Hogwarts. Die Tatsache, dass Riddle ihre neueste Lernstunde in diese kühle Umgebung verlegt hatte, gab ihr die Hoffnung, dass nicht erneut etwas ... Intimes zwischen ihnen vorfallen würde. Auf der anderen Seite war sie sich nur zu bewusst, dass hier nicht nur Zaubersprüche, sondern auch die Lage des Raums selbst dazu beitragen würden, dass niemand etwas von ihrem Tun mitbekam. Das wiederum bereitete ihr Sorge.

Reuevoll dachte sie an den kleinen Knuddelmuff zurück. Gegen ihren Willen war sie von dem Ritual fasziniert gewesen und nachdem sie es erfolgreich durchgeführt hatte, war tatsächlich ihr Mitleid geschwunden. Ihr graute bei dem Gedanken, erneut irgendetwas in dieser Richtung tun zu müssen. Sie war ein bescheidener Mensch, sie hatte keinen Spaß daran, andere ihre Überlegenheit spüren zu lassen oder ihnen Schmerzen zuzufügen. Dass sie sich so gut gefühlt hatte während des Rituals, war vermutlich ein von Riddle beabsichtigter Nebeneffekt. Oder vielleicht ging es bei dem Ritual tatsächlich gar nicht um das zu beherrschende Wesen, sondern um den Zauberer, der es ausführte. Vielleicht war dieses ungesunde Machtgefühl der eigentliche Sinn des Rituals.

Sie wusste es nicht. Egal, in welchen Büchern sie auf der Suche nach Antworten geblättert hatte, schwarzmagische Rituale waren nirgends erfasst. Vermutlich war es aber auch nicht verwunderlich, dass Hogwarts selbst in der verbotenen Abteilung keinerlei Aufzeichnungen über die wirklich dunklen Seiten der Magie hatte.

Leise Stimmen unterbrachen Hermines Gedanken. Sie war sich sicher, dass eine der beiden Stimmen zu Tom gehörte. Unterhielt er sich mit jemandem? Brachte er etwa einen weiteren Schüler mit? Etwa einen seiner treuen Todesser? Schweiß brach auf ihrer Stirn aus. Tom gegenüber konnte sie sich, so paradox es auch klang, viel natürlicher geben, in Gegenwart eines anderen Schülers aber musste sie sich zusammenreißen und ihre Maske aufrechterhalten. Sie wusste nicht, ob sie unter solcher Anstrengung eine Lernstunde heil überstehen würde.

Die Stimmen kamen näher und plötzlich erstarrte Hermine. Sie wusste, wen Tom da mitbrachte. Panik stieg in ihr auf, als sie augenblicklich begriff, was der Inhalt der Lernstunde sein würde. Und warum es dazu notwendig war, fernab aller anderen Lebewesen zu sein. Hatte sie eine Wahl? Hatte sie irgendeinen Ausweg aus dieser Situation, konnte sie es irgendwie umgehen? Rechtfertigte ihre geheime Mission tatsächlich, was sie vermutlich gleich würde tun müssen?

„Nach Ihnen, Miss Bargeworthy", hörte sie seine sanfte Stimme von draußen, während langsam die Tür zum Klassenraum aufging. Verzweifelt bemühte Hermine sich darum, ihre Panik aus ihren Gesichtszügen fernzuhalten.

„Guten Abend, Hermine", richtete Tom das Wort an sie, kaum war er hinter Augusta in den Raum getreten: „Ich muss dich ja nicht mit der guten Miss Bargeworthy bekanntmachen, nicht wahr? Ich lief ihr zufällig gerade über den Weg und da kam mir spontan die Idee, sie zu unserer Lernstunde einzuladen. Immerhin scheint sie eine mindestens ebenso aufgeweckte junge Frau zu sein wie du, und Neugier sollte man niemals zügeln, meinst du nicht?"

Hermine schluckte, ehe sie antworten konnte: „Wahrlich ein lobenswerter Gedanke, Tom. Aber denkst du nicht, dass unsere Studien zu ... fortgeschritten sind für sie?"

„Aber nein, sie hat ein ganz außergewöhnliches Talent."

„Nun übertreiben Sie nicht, Mr. Riddle", wehrte Augusta ab, doch Hermine konnte sehen, dass sie sich geschmeichelt fühlte. Ihr war unbegreiflich, wie sie Tom hatte ins Netz gehen können – waren ihre Warnungen nicht genug gewesen? Hatte Augusta nicht selbst Misstrauen gegen ihn gehegt?

„Ich konnte mir diese Gelegenheit einfach schlecht entgehen lassen, Miss Dumbledore", erklärte Augusta, als habe sie Hermines fragenden Blick korrekt interpretiert: „Die beiden besten Schüler in Hogwarts ganz unter sich, ich musste einfach wissen, woran Sie arbeiten!"

Das verschwörerische Blinzeln, dass Augusta an sie richtete, ließ Hermine innerlich aufstöhnen. Dachte dieses Mädchen wirklich, dass sie irgendetwas herausfinden, irgendetwas erreichen würde, wenn sie sich so direkt einmischte? Erkannte sie eine Falle nicht, wenn sie vor ihr war? Ernst richtete sie den Blick auf Tom, der Augusta gerade einen Stuhl zurechtrückte. Er bemerkte ihren Ausdruck und erwiderte den Blick mit einem hinterhältigen Lächeln. Die Falle war zugeschnappt, es gab kein Entkommen mehr.

„Miss Bargeworthy", ergriff Tom mit seinem charmantesten Lächeln das Wort: „Sie haben mich hierher begleitet, ohne überhaupt zu wissen, was unsere abendlichen Studien beinhalten. Das ist natürlich mehr als unfair von mir und es ist Ihnen hochanzurechnen, dass Sie mich dennoch begleitet haben. Es zeigt beispielhaft Ihre überragende Neugier und Ihren Wissensdurst, ich gratuliere Ihnen zu diesen beiden bemerkenswerten Eigenschaften. Und weil Sie so freundlich zu uns waren, erlauben Sie mir, dass ich Sie nun erhelle."

Hermine schloss die Augen. Das stolze Leuchten in Augustas Augen zeigte ihr mehr als deutlich, dass das arme Mädchen noch immer keine Ahnung hatte, was hier geschehen würde. Sie konnte es einfach nicht mitansehen.

„Meine liebe Hermine hier", fuhr Tom fort und sie konnte seine Belustigung ob ihres Widerstrebens deutlich hören, „stagniert gerade ein wenig in ihrem Lernprozess. Gute Fortschritte zu Beginn, doch nun ging es nicht weiter. Ich habe lange nachgedacht, was ich tun kann, um ihr aus diesem Loch zu helfen – und da sind Sie erschienen. Sie sind der Schlüssel, damit Hermine endlich den nächsten Schritt tun kann."

Langsam atmete Hermine aus und öffnete die Augen wieder. Er hatte tatsächlich vor, was sie befürchtet hatte. Mit rauer Stimme fiel sie ihm ins Wort: „Du musst mich nicht so bloßstellen. Ich komme auch ganz gut ohne Miss Bargeworthy zurecht, wir können auf sie verzichten."

Ein verletzter Ausdruck erschien auf Augustas Gesicht, doch ehe sie protestieren konnte, widersprach Tom: „Ach, Hermine. Deine Motivation in Ehren, aber noch bin ich hier der Lehrmeister. Und ich weiß besser als du, was du brauchst. Es wird Zeit, dass du das anerkennst."

Sein Grinsen war, wenn möglich, noch breiter geworden. Mit zusammengebissenen Zähnen ließ Hermine sich zurück in ihren Stuhl sinken. Es war hoffnungslos. Wenn sie geahnt hätte, dass ihr harmloses Gespräch mit Mr. Prewett über ihre vergessenen Dokumente aus dem Geschichtsunterricht solche Auswirkungen nach sich ziehen würden, sie hätte ihm niemals so herzlich gedankt. Wäre sie nicht ihrer Natur erlegen und hätte sich nicht begeistert über seine freundlichen Worte, seine eventuelle Verwandtschaft mit Ron und generell sein so einnehmendes Wesen gezeigt, niemals hätte sie sein Interesse oder gar seine Sorge geweckt. Und dann wären weder er noch Augusta in diese Sache mit reingezogen worden. Verdammte Neugier der Gryffindors!

„Kommen wir also zu Ihrer Rolle", richtete Tom das Wort wieder an Augusta. Er zückte mit einer bedächtigen Bewegung seinen Zauberstab und richtete ihn auf sie: „Ich muss ob der jetzt folgenden Ereignisse leider sicherstellen, dass Sie nicht zwischendrin der Mut verlässt, nehmen Sie mir das nicht übel, bitte?"

Und ehe das arme Mädchen begriffen hatte, was ihr geschah, hatten sich unsichtbare Fesseln um sie gelegt. Mit einem weiteren Schwenk seines Stabes brachte Tom ihren Zauberstab in seine Gewalt und legte ihn gut sichtbar auf einen Tisch vor ihr ab.

Jetzt war von Augustas Begeisterung nichts mehr übrig: „Was soll das?"

„Oh, aber das habe ich doch gerade erklärt?", gab Tom unschuldig zurück: „Hermine kommt in ihren Studien nicht weiter und ich brauchte ein neues Objekt, an dem sie üben kann. Und da Ihre Neugier keine Grenzen kennt, Miss Bargeworthy", fügte er hinzu und nun war nichts mehr von seiner Freundlichkeit übrig, „sind Sie das perfekte Übungsobjekt."

Die eisige Kälte in seiner Stimme und der abgrundtiefe Hass, mit dem Tom sie betrachtete, schien Augusta endgültig aus ihrer falschen Vorstellung über diese Lernstunde zu holen. Wut, aber vor allem offene Panik klangen mit, als sie zu wissen verlangte: „Was haben Sie vor?"

Mit ruhigen Bewegungen öffnete Tom die Tasche, die er bei sich geführt hatte, und holte eine Hermine nur zu bekannte Schüssel hervor. Entsetzt sog sie die Luft ein – sie hatte geahnt, dass er von ihr verlangen würde, Augusta etwas anzutun, aber dass sie das Ritual an ihr ausführen sollte, verschlug ihr die Sprache.

„Das kann nicht dein Ernst sein, Tom."

„Wovor hast du Angst?", erkundigte er sich mit einem Lächeln, das seine Augen nicht erreichte: „Du hast dieses Ritual schon einmal erfolgreich durchgeführt. Es ist doch nur logisch, es nun an einem Objekt mit höherem magischen Widerstand auszuprobieren. Eine richtige Probe für deinen Willen."

„Miss Dumbledore ..."

Das von Panik erstickte Flehen versetzte Hermine einen Stich ins Herz. Es war offensichtlich, dass Augusta nicht glauben konnte, was sich vor ihren Augen abspielte, dass sie nicht begreifen konnte, dass Hermine plötzlich als willige Gespielin von Tom Riddle erschien.

Es ist für die gute Sache, Hermine!, sagte sie sich selbst, während sie wie an Fäden gezogen aufstand, zu Tom hinüber ging, und das Messer ergriff: Du hast sie gewarnt, sehr deutlich sogar. Und du kannst nicht riskieren, dass deine Mission scheitert. Was auch immer du tust, es ist für eine gute Sache. Für Harry! Für Dumbledore! Vielleicht ist das hier der entscheidende Schritt, um Toms Vertrauen zu gewinnen! Das hier ist größer als das Wohl von einer Schülerin. Es geht um ein größeres Wohl, um das Wohl der ganzen zukünftigen Zaubererwelt!

Entschlossen atmete Hermine durch und trat auf Augusta zu: „Es tut mir leid, Miss Bargeworthy. Ich habe Ihnen gesagt, dass Ihre Neugier deplatziert ist. Es war Ihre Entscheidung, die Sie hierher geführt hat."

Mit einer schnellen Bewegung schnitt Hermine sich in ihre linke Handfläche und ließ einige Tropfen Blut in die Runenschale fallen. Wie schon beim ersten Mal leuchteten die Runen kurz auf, als sie das magische Blut erkannten.

Ein kurzer Blick zu Tom, der ihr bestätigend zunickte, dann griff Hermine nach der linken Hand von Augusta und setzte die Klinge an. Ein kurzer Schnitt und schon floss das Blut in ein Glas, das Tom darunter hielt. Krampfhaft schaute Hermine an dem Gesicht der jungen Gryffindor vorbei. Ihr schnellerAtem, das Zittern ihres Armes und die hektischen roten Flecken an ihrem Hals sprachen eine deutliche Sprache: Augusta hatte Angst.

"Du bist heute so fügsam, meine Gute", kam es neckend von Tom. Mit kalter Übelkeit im Magen zwang Hermine sich zu einem Lächeln: "Da siehst du mal. Wenn man mir etwas von Interesse bietet, kann sogar ich brav sein."

Konzentriert nahm sie ihm das Glas ab und stellte es vorläufig auf das Lehrerpult. Ihr war nur zu bewusst, dass die Wahrscheinlichkeit, dass das Ritual auch diesmal gelang, sehr gering war. Der magische Widerstand einer Hexe war einfach etwas ganz anderes. Sie wusste nicht, ob sie hoffte oder befürchtete, dass es misslang.

"Soll das eine Herausforderung sein?"

Toms Tonfall war noch immer neckend, doch Hermine war sich sicher, in seinem Gesicht einen gänzlich unpassenden Ernst lesen zu können. Er schaute sie mit einer Intensität an, die ihr einen Schauer über den Rücken trieb. Was würde er ihr noch alles zeigen, wenn sie jetzt die richtige Antwort gab? Nervös leckte sie sich über die Lippen: "Möglich. Bisher haben wir ja nur ... gespielt. Das hier ist das erste Mal, dass du wirklich mein Interesse weckst."

"Nur gespielt, mh?", gab Tom schnaubend zurück: "Hast du deswegen beinahe geweint, als ich dir den Knuddelmuff präsentiert hatte? Weil es nur ein Spiel war?"

Wütend ballte Hermine die Fäuste. Ihre Reaktion auf den Knuddelmuff war echt gewesen, das konnte sie nicht leugnen. Und auch jetzt war ihr eher zum Heulen zu Mute, doch wenn sich dieses Verbrechen lohnen sollte, durfte sie das Tom nicht zeigen. Erneut leckte sie sich über die Lippen: "Ich halte nichts davon, unwissende und unschuldige Kreaturen zu quälen. Welchen Sinn hat es, ein Wesen zu foltern, das nicht einmal versteht, dass es absichtlich Schmerzen erfährt?"

Wieder blickte Tom sie nur lange an, als versuche er zu erkennen, ob sie ihn anlog oder ob sie ihre Worte ernst meinte. Mit langsamen Schritten trat er wieder auf Augusta zu und stellte sich hinter sie, um beide Hände auf ihren Schultern abzulegen: "Miss Bargeworthy hier ist also nicht unwissend und unschuldig?"

"Nimm deine dreckigen Finger von mir, Riddle!", fauchte Augusta ihn verängstigt an, doch das entlockte ihm nur ein Lachen: "Achten Sie auf Ihren Ausdruck, meine Liebe, so benimmt sich eine Dame nicht."

"Du bist es nicht wert, mit Anstand behandelt zu werden!", schnappte Augusta, ehe sie sich an Hermine wandte: "Und du? Du bist keinen Deut besser als er! Was sollte das in der Bibliothek? Macht es dir Spaß, die Jungfrau in Nöten zu spielen?"

Eine Welle von Schamgefühl stieg in Hermine hoch, doch sie zwang sich, in ihrer Rolle zu bleiben: "Ich habe dich nie angelogen. Ich habe versucht, dir deutlich zu machen, dass du deine Nase nicht in meine Angelegenheiten stecken solltest und dass du dich von Tom fernhalten solltest. Wenn du das so interpretierst, dass ich in Schwierigkeiten stecke und gerettet werden muss ... tut mir leid für dich, aber dann steckt da nur das übertriebene Retter-Syndrom der Gryffindors hinter."

Mit offenen Mund starrte Augusta sie an. Noch nie im Leben hatte Hermine sich so scheußlich gefühlt, selbst damals nicht, als sie Umbridge den Zentauren ausgeliefert hatte. Augusta und Ignatius hatten ihr helfen wollen, genauso wie sie zusammen mit Ron und Harry stets hatte helfen wollen. Sie hatte nichts von dem hier verdient, schon gar nicht ihre harten Worte. Doch der Ausdruck grimmiger Zufriedenheit auf Toms Gesicht zeigte Hermine, dass sie gut daran getan hatte, sich so herablassend zu geben.

"Glaub bloß nicht, dass ich das hier schweigend mit mir machen lasse. Schulleiter Dippet wird davon erfahren!", fuhr Augusta sie zornig an. Hermines Augen schnellten zu Tom hoch - daran hatte sie tatsächlich noch gar nicht gedacht! Wie wollten sie verhindern, dass die Lehrer von dieser Lernstunde Wind bekamen? Der Schulsprecher jedoch blieb gelassen und lächelte ihr nur entspannt zu, so dass sie beschloss, das Thema vorläufig auf sich beruhen zu lassen. Selbst wenn es bekannt würde, sie hatte Dumbledores Aussage sicher.

"Viel Glück", sagte sie schließlich schulternzuckend: "Ich bin gespannt, was die Schulleitung darüber denkt, wenn du die Nichte von Professor Dumbledore und den engagierten Schulsprecher anklagst."

Ohne sich weiter um Augustas wütende Ausbrüche zu kümmern, drehte Hermine sich zu der Schüssel um. Es hatte keinen Sinn, irgendetwas noch weiter hinaus zu zögern. Sie ergriff das Glas mit Augustas Blut und ließ exakt drei Tropfen in die Runenschüssel fallen. Wie zuvor leuchteten die Runen ein zweites Mal auf, dann verfärbten sie sich schwarz.

Diesmal konnte sie die Worte des Rituals ohne die Hilfe von Tom aufsagen. Während sie voller Konzentration die Magie wirkte, verstummte auch Augusta endlich. Tom stand noch immer hinter ihr, seine Hände jetzt voller Anspannung in ihre Schultern verkrampft. Aufmerksam beobachtete Hermine, wie die Tropfen aufstiegen und Ringe bildeten, größer diesmal als beim Knuddelmuff, groß genug, sich um einen Menschen zu legen. Wieder spürte Hermine die Welle an Energie, doch diesmal war da auch etwas anderes. Als wäre sie von einem plötzlichen Windstoß erfasst, stolperte sie vorwärts und griff haltsuchend nach der Tischkante. Schweiß trat ihr auf die Stirn, während sie die Ringe auf Augusta zu zwang.

"Was wird das?", flüsterte diese und die Panik war deutlich zu hören: "Was ... was für ein Ritual ist das?"

"Schweig still, meine Schöne", raunte Tom ihr zu, ohne selbst seine Augen von den Ringen zu nehmen: "Du willst doch ihre Konzentration nicht stören. Es könnte für dich übel enden, wenn jetzt etwas schief geht."

Hermine atmete inzwischen hektisch. Die Ringe hatten aufgehört sich zu bewegen und sie ahnte, dass sie es nicht schaffen würde. Der magische Widerstand einer anderen Hexe war zu viel für sie, all ihre Energie floss ungehemmt in das Ritual und schon jetzt spürte sie, dass sie ihre Kräfte über die Maßen erschöpfte.

"Du musst es wollen, Hermine", durchbrach da Toms Stimme ihre Gedanken. Leise, sanft, aber auch bestimmend flüsterte er ihr zu: "Du bist stärker als Miss Bargeworthy. Zeig mir, dass du es wirklich willst. Mach mich stolz. Zeig mir, wie mächtig du bist. Beweise dir selbst, dass du auf einer ganz anderen Stufe stehst als alle anderen Schüler hier in Hogwarts. Gib deine Bedenken auf und lass zu, dass du wirklich stark bist. Lass los, Hermine. Zeig deinen Willen."

Als hätten seine Worte einen Zauber über sie gelegt, ließ Hermine ihre Skrupel fallen und griff nach jedem Bisschen Kraft, das sie hatte. Sie würde ihm beweisen, dass sie nicht schwach war. Sie würde ihm beweisen, dass sie ihm ebenbürtig sein konnte. Dass sie eine Hexe war, die man fürchten sollte.

Endlich bewegten sich die Ringe wieder und begannen, sich um Augustas Körper zu schließen. Als der erste ihre Haut berührte, schrie sie schmerzerfüllt auf. Wieder und wieder stieß sie einen Schrei aus, bis ihre Stimme schließlich versagte und in ein verzweifeltes Wimmern überging. Hermine hörte davon nichts, zu sehr war sie auf ihre Aufgabe konzentriert. Und dann war es geschafft.

Als der letzte Ring Augustas Haut berührte, spürte Hermine ihre Anwesenheit plötzlich mit allen Sinnen. Wie beim Knuddelmuff wusste sie auch jetzt, dass Augustas Körper fortan ihr gehorchen würde. Wieder durchflutete eine Welle der Macht sie, ein Hochgefühl, das jenes vom ersten Ritual überstieg, denn jetzt hatte sie nicht ein niederes Wesen, sondern eine Hexe unterworfen.

"Hermine Dumbledore", flüsterte Tom ihr zu, während er sie fest in seine Arme schloss: "Du steckst voller Überraschungen. Noch nie in meinem Leben hat die Macht eines anderen Magiers so anziehend auf mich gewirkt. Du bist definitiv jede Sekunde meiner Aufmerksamkeit wert."

"Tom...", hauchte Hermine, doch ihre Stimme brach, ehe sie mehr herausbekam. Ihre Knie zitterten und plötzlich war sie dankbar, dass er sie hielt, denn sie wusste, sie wäre sonst gestürzt. Ein Flattern erfasste ihren Magen, als sie spürte, wie Tom ihr eine Hand auf die Wange legte und sie in einen langen, zärtlichen Kuss zog. Begierig erwiderte sie die Liebkosungen seiner Lippen, berauschte sich an dem Gefühl, hier als Tom Riddles Partnerin zu stehen, begehrt zu werden von einem so attraktiven Mann.

"Du brauchst jetzt Schlaf, Hermine. Kehre in dein Zimmer zurück, ich kümmere mich um Miss Bargeworthy."

Dankbar nickte sie und wankte mit unsicheren Schritten zum Ausgang des Klassenzimmers. Kurz noch blieb sie an der Tür stehen, um sich zu Tom umzudrehen. Da stand er, ein überhebliches Grinsen im Gesicht, schaute auf Augusta herunter, die Hände in den Hosentaschen vergraben, und strahlte. Egal, wie sehr Hermine es zuvor geleugnet hatte: Tom Riddle war unfassbar gut aussehend und in diesem Moment, da er so voller Selbstbewusstsein war, war er der schönste Mann auf Erden. Lächelnd wandte sie sich wieder um und verließ den Raum.

"Und wir beide", sagte Tom vergnügt zu Augusta, nachdem Hermine das Klassenzimmer verlassen hatte: "Wir beide unterhalten uns jetzt mal ganz in Ruhe."


Kommentare

beta
Feenstaub

Navigation

Sprachen

Social Media