Vergebene Chance

Meine Stimmung ist beim Nullpunkt, so wie jedes mal wenn ich vor dem heruntergekommenen Hochhaus parkiere. Die Farbe schon längst den unschönen Grafitis gewichenen, die Fenster von einer Schmutzkruste überzogen, die Briefkästen zieren viele Dellen von den unzähligen Randalen die keinen besseren Zeitvertreib fanden.
Seufzend steige ich aus.
 Die schmutzige Eingangstür ist offen so wie immer. Ich gehe hoch in den dritten Stock, auf einen Fahrstuhl hofft man hier vergeblich.
Als ich vor der Haustüre mit dem lieblos aufhängten Wilkommenschild stehe atme ich tief durch. Ich hoffe so sehr das sie es endlich gepackt hat und in den 3 Tagen an denen ich nicht hier war keine Katastrophe passiert ist. Ich drehe den Schlüssel im Schloss und stosse die Haustür auf. 
Der gestank nach Zigaretten, Alkohol, schweiss und Gras steigt in meine Nase. Nur mit mühe kann ich einen Würgereiz unterdrücken, der zurückkehrt als ich das leise wimmern aus dem linken Zimmer höre. 
Ella.
Ich renne zum Bettchen meiner Nichte und als ich sie so liegen sehen kann ich es nicht mehr zurückhalten.
Ich beuge mich so weit es geht von Ella weg und übergebe mich. Als mein gesamter Mageninhalt sich zu dem schmutzigen Boden gesellt hat wende ich mich wieder Ella zu.
Ella liegt da, im selben Body den ich ihr vor 3 Tagen gemeinsam mit meiner Schwester angezogen habe. Sie stinkt nach Kot und Urin, ich bin überzeugt das ihre Windel zum letzen mal vor 3 Tagen gewechselt wurde.
Ellas Augen sind glasig, sie wirkt plötzlich apathisch. "Scheisse."fluche ich und fasse einen Entschluss.
Ich reisse die Kleiderkommode auf und werfe ein paar Kleider und Kuscheltiere in meine glücklicherweise grosse Handtasche. Als ich das nötigste zusammengepackt habe reisse ich ein Blatt aus meinem Notizbuch und kritzle hastig #Maria
Ich habe Ella mitgenommen und werde sie in ein Krankenhaus bringen. Ich werde das Jugendamt verständigen und dafür Sorgen das du sie nicht wieder siehst. Du hattest deine Chance.
Hanna#
Vorsichtig hebe ich Ella aus ihrem Bettchen, doch die kleine hat ihre Augen geschlossen und reagiert nicht mehr. 
Ich spüre wie ich immer panischer werde und ich versuche mich zu beruhigen. Panik nützt mir nichts ich muss einen kühlen Kopf bewahren. 
Ich mach Ella in ihrem Kindersitz fest, der immer im Flur steht und trage ihn runter zu meinem Auto.
Den Brief an meine Schwester habe ich achtlos fallengelassen, zugross ist die Sorge um Ella. 
Ich befestige den Sitz im Auto und steige ein.
Ich rase zum Krankenhaus und hoffe und bete das Ella überleben wird. 


Kommentare

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    Meine Güte! Eine schreckliche Geschichte! :-( Ist sie etwa wahr? Wenn ja, ich hoffe sehr, dass es Ella wieder besser geht, meine Güte!

beta
Feenstaub

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