Kaum ist die Tür hinter mir ins Schloss gefallen, breche ich im Flur zusammen. Tränen laufen über mein Gesicht, ein unvorstellbarer Schmerz durchsticht meinen Körper. Jede Bewegung fühlt sich an, wie wenn tausend Messer mich durchbohren würden. Reglos bleibe ich liegen, bis die ersten Sonnenstrahlen durch das Mosaikmuster der Tür bunte schatten auf das helle Parkett. Mein Handy klingelt. Ich richte mich auf und greife mit zitternden Händen danach. «Hallo?»sage ich mit bebender Stimme. «Frau Pinetti hier spricht Doktor Zander, vom städtischen Krankenhaus. Ich muss ihnen leider mitteilen, das ihre Tochter Laura vor 10 Minuten verstorben ist. Es tut mir sehr leid.»sagt die Frau sanft. Ich lege auf. Mein Körper bebt, tränen laufen über mein Gesicht. Ich rapple mich auf und verlasse das Haus, ohne die Türe abzuschliessen. Ich rase ins Krankenhaus, die Strasse sehe ich nur verschwommen durch all die Tränen. Beim Krankenhaus angekommen erspare ich mir die mühe einen Parkplatz zu suchen, ich stelle mein Auto einfach neben dem Eingang ab. Ich renne zum Lift, drücke ungeduldig auf den aufwärtsknopf und verfluche den langsamen Lift. Ungeduldig schaue ich auf meine Uhr. 15 Sekunden, 20 Sekunden, 25 Sekunden, ein Blick auf die Liftanzeige sagt mir, das der Aufzug sich im 5 Stock befindet und der 2 Aufzug ausser Betrieb ist. Es dauert mir zu lange. Ich nehme die Treppe neben den Aufzügen. Ich renne und ignoriere das stechen in den Seiten. Ich habe nur einen Gedanken. Ich möchte zu meiner Tochter. Auf der Station angekommem werde ich schon von einer Schwester erwartet, die mich merkwürdig anschaut, als ich schweratmend vor ihr stehen bleiben. «Wo ist sie?»frage ich keuchend, bevor sie irgendetwas sagen kann. «Im Zimmer 431. »antwortet die Schwester.  Im Laufschritt gehe ich zum Zimmer. Vor der Tür bleibe ich stehen und versuche mich zu beruhigen.Langsam und vorsichtig öffne ich die Tür.
Tränen laufen mir beim anblick meiner Tochter über die Wangen. Regungslos liegt sie in einem viel zu grossen Bett. Um ihren Kopf ist ein dicker Verband gewickelt. Ihre sonst rosigen Wangen sind blass, ihre Augen, die immer vor freude glänzten sind geschlossen.  Ihre Hand ist eiskalt.«Ich liebe dich mein Engel.»flüstere ich und drücke den kalten steifen Körper meiner Tochter fest an mich.
Ich habe meine ganze Familie verloren, gestern verstarben mein Mann und meine jüngste Tochter Emily, die heute 1 Jahr alt geworden wäre.
Verloren, wegen eines Mannes der betrunken war und nicht mehr fähig war zu fahren es aber trotzdem tat.  Wegen diesem Mann werde ich nie wieder meine Kinder lachen hören, ich kann ihnen nie wieder eine gutenacht Geschichte vorlesen, ich werde nie wieder gemütlich mit meinem Mann und den Kindern vor dem Kamin sitzen, aneinandergekuschelt, mit einer grossen Tasse heisser Schokolade.  Emily konnte nicht einmal ihren ersten Geburtstag feiern. 
Ich habe alles was mir wichtig ist verloren und das Loch wird kaum wieder gefüllt werden können.

Kommentare

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    Wohl die schlimmsten Gefühle, die ein Mensch haben kann... -.- Toll geschrieben!

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    manche Menschen sind solch rücksichtslose Idioten - wie kann man nur so doof und verantwortungslos sein betrunken ein Auto in Betrieb zu nehmen ... D: ... ich könnte so schreien ... fühle so mit dir ... schreibe mich an wenn du reden willst :-) ... ich bin da für dich sei stark und fühl dich gedrückt ... Du bist nicht allein !

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    Unglaublich traurig! Sehr mitreißend beschrieben! Man leidet beim Lesen! Ich schreibe gern und viel, aber ich könnte sowas nicht schreiben, ich brächte es einfach nicht über mich... 5/5

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Feenstaub

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