Versprechen

Die Theorie war, dass die Persönlichkeit eines Menschen durch elektrische Impulse und Hormone gesteuert wurde. Nichts, was die Natur kreierte, konnte nicht auch durch die Technik abgebildet werden. Nicht, wenn er derjenige war, der das Spiegelbild erschuf.

Er verlegte seinen temporären Arbeitsplatz in einen der Testquartiere für unerprobte Innovationen im Keller der KC.

»Arroganter Bastard«, knurrte Welling und funkelte ihn an. »Was zur Hölle machst du hier?«

Er verriet dem Köter nicht, dass mit einem Partyhütchen auf dem Kopf die intendierte Wirkung verpuffte.

»Ich arbeite.«

»Laber nicht rum«, zischte er. »Heute war deine Geburtstagsparty, Geldsack! Und du bist nicht hingegangen!«

Es hätte ihn fast amüsiert, dass Welling mehr an seinem Geburtstag lag als ihm selbst. Das war schon immer sein Problem gewesen, er schaffte es nicht, seine Prioritäten zu ordnen.

»Ich hatte keine Zeit.«

Vor seinen Augen verschwammen ständig die Zahlen auf den Bildschirmen.

»Maximilian wird gleich hier auftauchen, bis dahin hast du besser eine bessere Erklärung für – dafür

Welling gestikulierte wild in Richtung der Computer und der Kapsel, die ursprünglich für ein virtuelles Spiel geplant war. Schläuche und Kabel quollen aus den Geräten und überzogen die Fliesen wie Adern eine Hand.

»Ich hatte es versprochen. Damit wird es möglich sein. Und ich bin Maximilian keine Rechenschaft schuldig«, erwiderte er.

»Du hängst immer noch an dem Versprechen«, seufzte Welling und blies eine seiner Strähnen aus der Stirn.

»Die Details werde ich noch konfigurieren. Es wird keinen Unterschied zu der realen Welt geben. Ich werde dafür sorgen, dass alles perfekt wird.«

Welling verdrehte die Augen.

»Du kannst nicht ewig davor abhauen, Kaiser.«

Jonas Welling hatte schon immer seinen eigenen Standards auf andere projiziert.

»Irgendwann musst du dir eingestehen, dass du es verkackt hast. Aber –«

Er hackte auf die Tastatur ein, überprüfte die Schaltung der VirtualCapsule und ignorierte Wellings vorwurfsvolle Blicke. Anders als Welling, konnte er seine Prioritäten angemessen setzen. Vielleicht zu spät.

»Ich entscheide das«, knurrte er. »Auch, wenn dein inkompetenter Verstand, das nicht begreifen kann. Ich werde mich nicht mit dieser Realität zufriedengeben!«

Dann hörte er Schritte. Er zuckte zusammen, wie ein unartiger Junge, der bei einem Streich ertappt wurde, ehe er das Gefühl abschüttelte und Wellings amüsiertes Schnaufen ignorierte.

»Silas?«

Er hob den Kopf und musterte seinen kleinen Bruder, der in der Tür stand. Manchmal irritierte ihn, dass die Vorstellung von ihm und die Realität nicht übereinstimmten. In seinen Gedanken ging ihm Maximilian immer noch nur knapp bis an die Schultern.

Maximilian schlenderte auf ihn zu, musterte ihn, dann glitt sein Blick weiter nach hinten, blieb offensichtlich an den Geräten hängen.

»An welchem Projekt arbeitest du?«

»Ich habe alles unter Kontrolle«, brummte er.

Maximilian seufzte.

»Silas, ich weiß, dass es –«


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