Vertrauen

Lautlos schlich ich mich um die Baumgruppe herum, langsam, aber nicht zu langsam.
In der Hoffnung, dass der König das Gleiche tat, gab ich meine Deckung auf und ging in Angriffshaltung.
Keiner der Männer hatte mich bemerkt, sodass ich mich noch näher an sie heran schleichen konnte. Dabei versuchte ich den König zu entdecken, was mir nicht gelang.
Merkwürdig. Eigentlich sollten wir etwa gleichzeitig hier ankommen...
Dennoch konnte ich jetzt nicht einfach umdrehen - ich brauchte die Pferde.
Plötzlich hörte ich ein lautes Knacken und Rascheln von der anderen Seite der Baumgruppe - der Seite von der der König hätte kommen sollen.
Ich suchte mir schnell etwas, dass mir Deckung bieten konnte.
Hinter einem großen Grasbüschel und halb von ein paar tiefhängenden Ästen verdeckt beobachtete ich die Szene die sich mir bot.
Einer der jetzt sechs Männer hatte den König im Schlepptau, genauer gesagt stieß er ihn vor sich her und bedrohte ihn mit seinem eigenen Schwert, welches ich vorhin noch für seine Schärfe bewundert hatte.
Auf den ersten Blick hätte ich die Männer nie für so talentiert gehalten, den König als Geisel zu nehmen...was die ganze Situation ziemlich merkwürdig erscheinen ließ. Auch schien der Geiselnehmer sehr sanft mit ihm umzugehen. Die Spitze des Schwertes befand sich in nicht bedrohlichem Abstand zum Rücken.
In meinem Kopf machte sich eine Idee breit, die mir sehr realistisch erschien - die ich wahrscheinlich auch verwirklicht hätte.
Dennoch - ich war mir nicht vollends sicher ob meine Vermutung zutraf und für eine Vermutng wollte ich nicht unbedingt mein Leben lassen - machte ich mich an einen Plan, wie ich den König befreien könnte. Einfach in die Menge rennen und versuchen sie alle zu erschlagen war keine gute Idee - zumindest wenn die Männer wirklich so stark waren.
Ich brauchte einen durchdachteren Plan.
Zwei der Fünf hielten, so wie es aussah Wache, die anderen drei standen um ihre Geisel herum, wobei mir auffiel, dass einer der Männer scheinbar der Anführer der Gruppe war - man konnte die Unterwürfigkeit der anderen beiden erkennen.
"Wo ist denn deine hübsche Begleitung? Hat sie sich etwa verirrt?" Anführer hin oder her, sehr hell im Kopf war der wohl eher nicht, so laut wie der rumbrüllte.
"Ich habe keine Ahnung von wem ihr sprecht." Der König, mein König, wie ich jetzt feststellte, ließ keinerlei Angst erkennen. Genau das und nichts anderes, hatte ich von ihm erwartet.
Dennoch ließ mich mein Bauchgefühl nicht in Ruhe.
Leise bewegte ich mich, so gut es ging hinter irgendeiner Deckung zu einem der Wachen. Als ich mich in seiner unmittelbaren Nähe befand, fiel mir auf, dass der andere Wache direkt gegenüber stand und ich ihn somit einfach von hier aus mit einem Wurfmesser töten konnte.
Zuerst jedoch trat ich von hinten an den Mann heran hielt ihm blitzschnell den Mund zu, um jeden Schrei im Keim zu ersticken und durchtrennte im selben Moment seine Kehlen mit meinem Dolch. Blitzschnell griff ich nach einem Wurfmesser und schleuderte es gezielt in den Hals das anderen, wo es stecken blieb und er halb schreiend halb gurgelnd zusammen brach ,was ich aus meinem neuen Versteck beobachtet, in das ich mich vorsorglich zurückgezogen hatte, gleich nachdem das Wurfmesser meine Hand verlassen hatte.
Panisch drehten sich die verbliebenen Männer um, in der Hoffnung ihren Angreifer irgendwo lokalisieren zu können.
In dem Moment schlich sich ein Lächeln über das Gesicht des Königs, was ihn verriet.
Meine Vermutung war richtig. Mein Bauchgefühl hatte mich nicht getäuscht.
Die gesamte Szene war vom König inszeniert um mich zu testen. Er wollte sehen, was ich als seine neue Errungenschaft konnte und ob ich ihm ergeben war, ob ich ihn retten würde. Es war ein Vertrauenstest und ich hatte ihn definitiv bestanden.
Mit diesem Wissen und einem wissenden Lächeln trat ich aus meiner Deckung.

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