Vertrauen

"Entschuldigung, bin grade voll erschrocken!" Selina, die sich an meinen Oberarm geklammert hatte, war fertig mit der Welt. Die letzten Tage hatten ihr Leben auf den Kopf gestellt. "Jetzt bin ich sicher, dass Papas Tod kein Unfall war..." - "Das fürchte ich auch."
Eine Pause entstand, in der wir beide keine Worte mehr fanden und still auf den Bildschirm starrten. Ich schaltete auf normales Fernsehprogramm um und machte den Bildschirm schließlich aus. "Hunger?" fragte ich wie beiläufig. "Ehrlich gesagt ja. Ich hab, glaub ich gestern Abend das letzte mal gegessen." - "Was bin ich nur für ein schlechter Gastgeber! Ich mach uns schnell was, ok?" - "Nein, nicht ok! Ich mach uns was, wenn ich darf." - "Aber gern! ich bin sowieso kein guter Koch, aber wenn sie solchen Hunger haben, hätten sie es vielleicht nicht bemerkt." scherzte ich und hoffte dass wir uns etwas beruhigen würden, denn wir waren beide emotional wirklich aufgewühlt.
Während sie hinter der Küchenbar verschwand, schlichtete ich ein paar Scheite in den Kamin. Das offene Feuer hinter dem Sicherheitsglas hatte für mich schon immer etwas Gemütliches, Beruhigendes. Nachdem ich das Feuer entfacht hatte, ging ich ins Bad und stellte meine Toilettsachen auf. "Ich hab auch eine Zahnbürste für sie mit!" rief ich in Richtung Küche. Als ich zurückkam, sah ich sie das erste Mal lächeln. "Wie aufmerksam!" ein hinreißendes Lächeln war das...
"Essen ist fertig!" Aus begrenzt  vorhandenen Zutaten hatte Selina ein durchaus respektables Abendessen gezaubert und wir plauderten fast unbefangen neben der Mahlzeit dahin. Obwohl die Ereignisse der jüngsten Vergangenheit unser Zusammensein überschatteten war Der Abend, nein es war mittlerweile weit nach Mitternacht, doch noch wesentlich angenehmer geworden als erwartet. "Tja , da wär noch etwas... Ich hab bei unserer Abreise ein paar Sportsachen, Pyjamas und T-Shirts mitgenommen. Ich weiß, dass ich etwa doppelt so schwer bin wie sie, aber ich war leider nicht auf Damenbesuch vorbereitet. Sie müssen eben die Ärmel und Hosenbeine hochkrempeln...! Und da wär dann noch die Tatsache, dass die Couch auf der wir hier sitzen das einzige Schlafmöbel weit und breit ist. Das heißt, ich könnte auch im Boot schlafen, wenn es ihnen unangenehm ist, mit mir in einem Raum zu schlafen. Aber da draußen im Boot ist es kalt!" - "Na hörn sie mal! Ich hab ihnen gesagt, das ich nicht mehr weiter als 5 Meter von ihnen abrücke! Wir sind doch erwachsene Leute. Wir können wohl beide auf der ausgezogenen Couch schlafen. Glauben sie ich hab kein Vertrauen zu ihnen?" - "Dann ist ja alles geklärt. Ich denke, wir sollten uns eine kräftige Mütze voll Schlaf gönnen, solange wir noch unentdeckt sind." - "Glauben sie, dass Viktor uns hier findet?" - "Das nicht, aber wir können uns nicht ewig verstecken..."
Nach dem Abwasch, den wir gemeinsam bestritten, ging ich ins Bad. Danach legte ich noch ein paar Scheite in den Kamin und legte mich ins bereits gemachte Bett. Als Selina aus dem Bad kam trug sie nur eines meiner T-Shirts und ich drehte mich brav um. Sie lachte leise und meinte: "Sie schauen in die falsche Richtung Michael! Vielleicht versäumen sie was!" - "Ich wollte ihnen nur suggerieren, dass ich mich im Griff habe." - "Und was mein lieber Michael, wenn ich mich nicht im Griff habe...?"

Kommentare

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    Er wird noch weicher...

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    huii, da kommt mal eine andere Seite von Michael zur Geltung.

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    oho dürfen wir bad einen neuen erotikautoren in unserer mitte begrüßen?

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    O.o.o. die Spannung steigt in jeder Hinsicht! ;-) Wieder toll geschrieben!

beta
Feenstaub

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