Vom Töten infiziert

Piep. Piep. Piep. Das Klingeln hallte immer und immer wieder durch den hohen Raum. Obwohl ich hellwach war, stand ich nicht auf. Das ging jetzt schon seit zwei Wochen so. Viermal am Tag, meistens zu denselben Uhrzeiten, versuchte sie mich zu erreichen und dass Tag für Tag für Tag.
Es ging mir nicht auf die Nerven, aber ich musste bei meiner Arbeit äußerst vorsichtig sein. Ich hatte mein Handy zwar auf lautlos gestellt, aber es fiel langsam auf, dass ich des Öfteren auf mein Handy sah. Dabei entdeckte ich ausnahmslos Hollys Nummer. Doch so gerne ich auch rangegangen wäre, ich konnte es momentan nicht. Ich hatte viel zu viel mit neuen Aufträgen zu tun. Meistens kam ich erst mitten in der Nacht wieder: blutbespritzt, verschwitzt und mit dem Geruch des Todes an mir.
In diesem Zustand konnte und wollte ich weder mit Holly reden, noch sie sehen. Ich hatte ihr schon einiges zugemutet, was sie kaum verkraften konnte, da musste es nicht noch mehr werden. Nun gut, es war ja auch meine eigene Schuld. Rückblickend gesehen hätte ich ihr niemals erzählen dürfen, dass ich ein Auftragskiller war. Damit hatte ich mir ins eigene Fleisch geschnitten, denn sie würde mir immer misstrauen und Angst vor mir haben.
Außerdem hatte ich sie und auch mich selbst in Gefahr gebracht, doch im Gegensatz zu ihr konnte ich mich im Notfall selbst verteidigen. Ich kannte meine Kollegen und ihre Vorgehensweisen, schließlich hatte ich sie jahrelang beim Töten beobachtet.
Wenn jemals einer von ihnen dahinter kam, dass ich Holly alles gebeichtet hatte, dann hätte sie nicht den Hauch einer Chance. Mit der Leichtigkeit, mit der man eine lästige Fliege, die einem um den Kopf schwirrte, verscheuchte, würden sie Holly töten.
Es kam also bloß auf mich und meine Verschleierungstaktik an. Falls ich nur ein falsches Wort sagte oder mir etwas herausrutschte, dann war unser beider Schicksal besiegelt. Wenn Holly, ich wagte gar nicht daran zu denken, sterben würde, dann wäre mein Leben, welches sie nach dem Tod meiner Eltern erst wieder lebenswert gemacht hatte, mit einem Schlag vorbei.
Mein Dasein war bis zu unserer ersten Begegnung trostlos gewesen. Mein Körper war eine leere Hülle, welche ohne Sinn und Verstand mechanisch alles ausgeführt hatte und ihren Pflichten nachgegangen war. Ich hätte niemals daran geglaubt, dass eine kleine, auf den ersten Blick, unscheinbare Person mein bisheriges Leben durcheinander bringen würde; im positiven Sinne.
Als ich Holly spontan in die Nische gezerrt hatte, hatte ich ihr überraschtes und verängstigtes Gesicht gesehen. Sie hatte etwas Besonderes an sich gehabt. Ich konnte es mir damals nicht erklären und jetzt auch nicht. Wie ein Blitz war Holly in meinen Verstand und erstaunlicherweise auch in mein Herz eingeschlagen. Dabei war es ein großer Fehler sie zu lieben. Möglicherweise sogar ein Fehler mit tödlichem Ausgang, denn in meinem Beruf gab es nicht Schlimmeres, als eine engere Bindung mit einem Außenstehenden einzugehen. Natürlich hatte ich stets darüber gelacht, schließlich war ich mir sicher gewesen, dass ich mich nie verlieben würde, aber das Schicksal hatte mir einen Strich durch die Rechnung gemacht.
Ich schaute nach rechts. Mein digitaler Wecker strahlte ein unheimliches grünliches Licht aus, welches in der Dunkelheit doppelt so hell leuchtete, als normalerweise.
Es war 1.00 Uhr. Verdammt, ich war spät dran. Schwermütig erhob ich mich aus dem Bett und durchquerte das Zimmer in völliger Dunkelheit. Ich hatte keinerlei Probleme mich im Dunkeln zu bewegen. In der Küche schaltete ich die Deckenlampe ein.
Das kalte Licht flackerte auf, bis es seine vollständige Leistung entfaltet hatte. Ich holte mir ein Glas aus dem Schrank und füllte es mit Leitungswasser. Mit drei großen Schlucken hatte ich es bereits geleert. Das musste als Frühstück reichen. Ich stellte das Glas in die Spülmaschine und ging ins Bad. Die Kacheln waren pechschwarz und alle Armaturen waren auf Hochglanz poliert.
Für fünf Minuten stellte ich mich unter die Dusche und versuchte, so schnell und so gut wie möglich, den Rest des kurzen Schlafes aus meinem Gesicht zu waschen.
Als ich danach in den Spiegel blickte, sah ich, dass meine Haut blass war. Vermutlich lag das am grellen Licht. Die dunkelbraunen Haare klebten mir als dicke Strähnen nass am Kopf. Graue Augen starrten mir entgegen, mein Markenzeichen. Sie wurden von meinen Opfern gefürchtet, von Holly komischerweise geliebt.
Sie waren kalt und die meiste Zeit gefühllos. Vielen Menschen machte ich damit Angst, ein ziemlicher Vorteil in meinem Beruf. Meine Augenfarbe hatte ich von meinem Vater. Ich konnte mich nicht mehr genau an meine Eltern erinnern. Es war nicht so, dass ich zu jung gewesen war, sondern der Schock, den ich erlitten hatte, war Schuld an meinen Gedächtnislücken. Eines der wenigen Merkmale, an das ich mich jedoch erinnern konnte, war das eiskalte Grau der Augen meines Vaters.
Stolz hatte mich immer erfüllt, wenn mir jemand sagte, wie ähnlich ich meinem Vater sähe. Er war mein Vorbild gewesen. Nur leider wusste ich nicht mehr, wie er als Mensch, geschweige denn als Vater gewesen war.
Ich schüttelte den Kopf. In letzter Zeit ließ ich mich häufiger von solchen Gedanken ablenken, obwohl ich für meine Aufträge einen freien Kopf benötigte. Dabei fiel mir die Ermordung meiner Zielpersonen zunehmend schwerer. Nach Hollys berechtigten Einwänden gegen meine Tätigkeit hatte ich das erste Mal selbst das Töten in Frage gestellt. Sollte ich tatsächlich aufhören? Schließlich hatte sie mich darum gebeten, aber es war viel zu gefährlich, wie ich Holly erklärt hatte.
Außerdem hatte ich die vergangenen Jahre nichts anderes getan, als in Häuser zu stürmen und fremde Menschen abzuknallen.
Und ich liebte es, auch, wenn es für den Großteil der Bevölkerung grausam und unverständlich war. Ich liebte die Aufregung, die Hektik, die Präzision, ja selbst den frischen Geruch des süßlichen Blutes. Es verstand sich wohl von selbst, dass ich dies Holly niemals erzählen würde.
Wie so oft kleidete ich mich ganz in schwarz. Meine silberne Uhr zeigte halb zwei. Um diese Uhrzeit hätte ich bereits am verabredeten Treffpunkt sein sollen. Mickey wird mir die Hölle heiß machen.
Heute Nacht hatte ich einen der sehr seltenen Aufträge gemeinsam mit einem Kollegen. Mir war Mickey Suffert zugeteilt worden. Er war verrückt, durchgeknallt und sadistisch. Ich hasste ihn.
Bevor ich meine Wohnung verließ, steckte ich mein Handy in die Hosentasche. Im Flur schnappte ich mir meinen Helm. Dann eilte ich die Treppe hinab, trat nach draußen und ging rechts um die Ecke. Meine Suzuki blitzte im hellen Mondlicht.
Der Himmel war wolkenlos und klar. Frische, kühle Luft wehte mir um die Nase. Mit einem kräftigen Hieb meiner Ferse klappte ich den Standfuß hoch. Ich rollte das Motorrad über flache, glänzende Steine auf die Straße. In Windeseile zog ich den Helm auf, schwang mich auf die Maschine und raste los. Sekundenschnell beschleunigte ich auf 120 km/h. Es waren bloß 50 erlaubt, aber es war mir scheißegal. Ich konnte mir keine weitere Zeitverzögerung leisten.
Auf den Straßen war nichts los, daher konnte ich nach Lust und Laune in Schlangenlinien fahren. Ich liebte die Geschwindigkeit und das damit verbundene Gefühl der Schwerelosigkeit. Ich war auf dem Weg zu einer alten Fabrik auf der anderen Seite der Stadt. Dank meines beherzten Gebrauchs des Gaspedals dauerte die Fahrt bloß zehn Minuten.
Am Straßenrand, angelehnt an eine Straßenlaterne, stand eine mickrige und äußerst schlanke Gestalt. Es reichte ein Blick aus, um zu wissen, dass es sich um Mickey Suffert handelte. Hinter ihm erkannte ich die Umrisse eines massiven und großen Gebäudes. Das war die Fabrik. Einst hatte sie einen übel riechenden Klebstoff produziert, dann war sie in eine der Nachbarstädte expandiert. Seitdem war das Gebäude leer. Langsam bremste ich ab und hielt direkt neben ihm an.
„Du bist spät dran“, knurrte er mürrisch und stieß sich von der Laterne ab. Seine eng stehenden Augen waren zu Schlitzen verengt. Der Kopf war quadratisch. Geziert wurde er von kurzen roten Haaren und stark abstehenden Ohren. Mickey trug eine locker sitzende Jeans und eins seiner quietschbunten Hawaiihemden.
Wenn man ihn sah, dann musste man augenblicklich grinsen. Mir war die Lust über ihn zu lachen aber bereits seit Jahren vergangen, denn man sollte sich von seinem Erscheinungsbild nicht täuschen lassen. Ich hatte ihn dabei beobachten dürfen, wie er einem älteren Herren die Zunge herausgeschnitten und ihm jeden einzelnen Finger genüsslich gebrochen hatte. Mit einem diabolischen Grinsen und vor Begeisterung funkelnden Augen hatte er sich an den Schmerzen des Mannes erfreut, bevor er ihn mit einem Kopfschuss von seinen Schmerzen erlöst hatte. Seitdem hatte ich gesunden Respekt vor ihm. Ich zog mir den Helm vom Kopf und grinste ihn herausfordernd an.
„Ich weiß.“
„Ich warte schon seit geschlagenen dreißig Minuten auf dich. Du weißt ganz genau, dass wir nur wenig Zeit haben. Hast du zumindest einen triftigen Grund für deine Verspätung?“ Leichtfüßig hüpfte ich vor ihn.
„Nein, habe ich nicht und wenn ich einen Grund hätte, dann würde ich ihn dir auch nicht verraten.“ Böse schaute ich Mickey an. Er sollte nicht auf die Idee kommen mich weiter voll zu quatschen.
„Dann eben nicht.“ Er murmelte etwas Unverständliches.
„Kannst du aufhören mit dir selbst zu reden? Verrate mir lieber, wie unser heutiger Auftrag aussieht und warum zur Hölle Jericho uns das gemeinsam erledigen lässt. Er weiß ganz genau, dass wir uns nur im Weg stehen. Es funktioniert einfach nicht.“
Obwohl Mickey noch halbwegs erträglich war, war ich dennoch sauer. Am Liebsten arbeitete ich allein, ohne einen nervigen Kollegen, der meinte, den Auftrag im Alleingang erledigen zu dürfen. Wir alle waren nun mal egoistisch und selbstsüchtig.
Ich würde mich mit Sicherheit bei Jericho beschweren. Er war nichts weiter als ein niederträchtiger, hinterhältiger Mistkerl. Wieso musste ausgerechnet er mein Boss sein? Mickey schlich derweil um die Straßenlaterne herum.
„Ist dir langweilig oder was ist los?“ Ruckartig wandte er sich zu mir.
„Halt deine Klappe. Ich darf tun und lassen was ich will.“ Er rotzte auf die Straße. Seine widerliche Spucke glitzerte im Mondlicht.
„Was ist denn nun mit unserem Auftrag?“ Er strapazierte meine Nerven bereits jetzt schon. Ich massierte meine Schläfen. In letzter Zeit hatte ich definitiv zu wenig Schlaf bekommen. Mickey kam zu mir geschlendert, die Hände in den Hosentaschen.
„Heute Nacht ist ein gewisser Jonathan King an der Reihe. Er schuldet Jericho ´ne Menge Geld.“
„Sollen wir ihm einen Denkzettel verpassen oder eine Kugel durchs Hirn jagen?“
Plötzlich durchzuckte mich ein Schauer. Meine eigene Wortwahl erschreckte mich. Ich konnte es nicht mehr abstreiten, Holly hatte mein Denken und Handeln beeinflusst. Sie hatte es geschafft das schlechte Gewissen, welches ich in den vergangenen Jahren zwischen all den Morden verloren hatte, wieder auferstehen zu lassen.
„Was ist los mit dir?“ Mickey starrte mich mit seinen grünen Augen skeptisch an. Scheiße, ich musste vorsichtig sein. Ich musste auf meine Gefühle; auf meinen Gesichtsausdruck achten.
„In den letzten Wochen warst du total seltsam drauf. Beschäftigt dich irgendwas?“
„Nein.“ Hoffentlich hatte ich nicht zu schnell geantwortet. Er nickte bloß, doch die Skepsis blieb.
„Und wo finden wir diesen Jonathan King?“ Ich musste ihn auf andere Gedanken bringen. Ein merkwürdiges Grinsen schlich sich auf seine Lippen.
„In der Kirche.“ Ich war überrascht.
„Ist das dein Ernst? In der Kirche?“
„Japp, aber es wird noch besser. Er ist Reverend.“
„Reverend? Sieht so aus, als ob man sich heut zu Tage nicht einmal auf die Geistlichen verlassen könnte.“ Mickey lachte sich neben mir kaputt. Sein Lachen klang wie das einer Hyäne.
„Ansch…ansch…“ Er bekam kein einziges vernünftiges Wort heraus. Ich gab ihm einen heftigen Schlag auf den Hinterkopf.
„Reiß dich zusammen, Suffert.“
In meinen Händen und Finger kribbelte es. Ich brauchte Action. Ich hätte jetzt auch meinen Kollegen zusammenschlagen und töten können. Meine Mordlust machte da keinen Unterschied. Auf der Stelle brauchte ich jemanden den ich schlagen, würgen oder erschießen konnte. Mickey hielt mich nur auf. Er selbst hatte mich eben blöd angemacht, weil ich zu spät gekommen war und nun verschwendete er meine, genauer gesagt unsere kostbare Zeit.
„Was soll der Scheiß?“ Verärgert rieb er sich den Hinterkopf.
„Hör mit dem dämlichen Lachen auf. Schon vergessen, wir haben einen Auftrag. Ohne dich hätte ich den Typen schon vor zehn Minuten kalt gemacht.“ Ich wurde zunehmend wütender. Mickeys Augen fixierten mich. Schnell überwand er den Abstand zwischen uns und stellte sich mir gegenüber.
„Ach, das meinst du, ja?“ Seine Stimme klang bedrohlich. Er versuchte sich so groß und breit wie möglich zu machen. Er wollte mich einschüchtern, aber viel Wirkung hatte es nicht, da er einen ganzen Kopf kleiner war.
„Da kannst du dir sicher sein“, flüsterte ich.
Minutenlang starrten wir uns, ohne zu blinzeln, an. Ich verspürte das Verlangen ihm eine gehörige Tracht Prügel zu verpassen, aber dann würde ich Schwierigkeiten mit Jericho kriegen.  
Meine Hände ballten sich zu Fäusten. Ich war kurz davor ihm seine Schneidezähne rauszuschlagen, doch es siegte meine Vernunft, warum auch immer. Ich zwang mich die Hände zu entspannen und mich abzuwenden. Überlegen und selbstgefällig grinste Mickey. Es machte ihn noch hässlicher. Dieses Grinsen entfachte meine Wut erneut. Er hatte das Machtspiel zwischen uns gewonnen, weil ich aufgegeben hatte. Mir fiel dazu bloß das Wort Schwächling ein.
„Du gibst wohl immer so schnell auf, was Roddick?“
„Halt dein Maul.“ Er lachte noch immer. Sein dämliches Grinsen ging mir auf die Nerven.
„Lass uns endlich losfahren, schließlich wartet Jonathan King auf uns.“
Mickey ging an mir vorbei zu seinem silbernen Porsche 911 Targa 4S. Er war sein absoluter Stolz. Wenn es etwas gab, was Mickey liebte, dann war es sein Auto. Er hegte und pflegte es wie ein Kind. Den meisten Teil seines verdienten Geldes gab er aus, um seinen Porsche mit dem neusten technischen Schnickschnack aufzumotzen. Seine Begeisterung für das Auto war abnormal. Bevor ich mir meinen Helm überstreifte, rief ich ihn zurück.
„Und was ist nun, Leben oder Tod?“ Er drehte sich um. Ein Schatten lag auf seinem Gesicht, dennoch konnte ich ein Funkeln in seinen Augen erkennen.
„Was glaubst du?“ Ich nickte. Mickey stieg ins Auto und startete den Motor. Ich zog den Helm an und schwang mich auf meine Suzuki. Er fuhr los und ich folgte ihm.
Ich wusste ganz genau, was den Reverend erwartete. Nichts anderes, als den Tod. Unentwegt fragte ich mich, wie ein Mann Gottes in solch zwielichtige und gefährliche Kreise geraten konnte. Wenn er Geldprobleme hatte, dann hätte er doch die Gemeinde um Hilfe bitten können, anstatt zu einem dubiosen Geschäftsmann wie Jericho zu gehen.
Verständnislos schüttelte ich meinen, vom Helm, schweren Kopf. Immer Öfters dachte ich über meine Opfer und deren Lebensgeschichten nach. Da ich dies vorher niemals getan hatte, schob ich es ebenfalls auf Holly. Sie hatte eine stärkere Wirkung auf mich, als gedacht. Ich wurde unkonzentriert und wäre beinahe in die Heckfront von Mickeys Porsche gebrettert. Schnell zog ich das Lenkrad herum und fuhr neben ihm weiter.
Mein Manöver kommentierte er mit lauten Gehupe. Ich durfte mich nicht mehr ablenken lassen, sonst wäre ich schneller tot, als ich gucken konnte. Mit gedrosselter Geschwindigkeit folgte ich Mickey wie ein Schatten.
Trotzdem kam ich mir langsam vor. Ich hatte das Gefühl nicht vom Fleck zu kommen. Ich war gereizt. Ein leises Knurren entfloh meiner Kehle. Wenn ich gewusst hätte, wo sich die Kirche befand, dann wäre ich an ihm vorbeigeheizt und wäre nicht auf sein lahmes Gefährt zur Orientierung angewiesen gewesen.
Es war kein Mensch unterwegs.
Der Himmel war nicht mehr klar, sondern zog sich zu. Es würde bald Regen geben, da war ich mir absolut sicher. Auf der Fahrt hielt ich Ausschau nach einem Kirchturm, den konnte man schließlich nicht übersehen. Leider sah ich aber nur kleine Häuser mit flachen oder spitzen Dächern. Es gab keine Anzeichen für eine Kirche. Ich war wohl oder übel von Mickey Suffert abhängig und dass gefiel mir nicht.
Als ich neben dem Beifahrerfenster war, sah ich in seinen Wagen. Der Fahrersitz war ziemlich tief eingestellt. Mickey lag beinahe vor dem Lenkrad. Ich wusste nicht, was ihm das nützen sollte. Sollte es bloß bequem sein oder wollte er cool wirken? Auf mich wirkte es eher lächerlich und infantil.
Die Technomusik, die er ausschließlich hörte und mit der er seine Mitmenschen quälte, war so laut aufgedreht, dass sogar die Beats bis hier draußen vibrierten. Drinnen musste es ohrenbetäubend laut sein. Mit der rechten Hand klopfte er den Rhythmus der Musik auf dem Armaturenbrett nach.
Was für ein Spinner. Mickey war so abgelenkt und in seiner eigenen kleinen Welt gefangen, die aus dem ledernen Innenraum seines Porsches bestand, dass er nicht bemerkte, dass ich ein Stück vor ihm fuhr. Ohne erkennbaren Grund beschleunigte er und steuerte mit der rechten Seite seines Wagens direkt auf mich zu. Sein Blick war nach links gerichtet und nicht nach vorne, wie es sein sollte.
Blitzschnell bremste ich ab. Die Reifen bedankten sich mit einem hohen Quietschen. Ich riss das Lenkrad ruckartig nach rechts. Trotz meiner unmenschlich guten Reaktionszeit erwischte er meinen hinteren Reifen. Mein Motorrad wurde mit einem lauten Krachen nach vorne geschoben. Durch die Stoßkraft geriet die Maschine ins Schleudern und ich verlor die Kontrolle.  Mitsamt dem Motorrad stürzte ich auf den harten Asphalt. Das schwarze Motorrad schlitterte weiter über die Straße.
Ich schlug mit der rechten Schulter zuerst auf. Der Schmerz war unbeschreiblich. Mein Kopf, der Gott sei Dank vom Helm geschützt wurde, prallte mehrmals auf. Ich rollte über die Straße, bis ich liegen blieb. Meine Haut brannte überall wie Feuer. Mir war schwindlig und schlecht.
Alles drehte sich vor meinen Augen. Die Verletzungen wären nicht so schlimm gewesen, wenn ich Schutzkleidung getragen hätte, aber das tat ich niemals. Warmes Blut floss mir in den Mund. Die Hitze unter dem Helm war unerträglich. Ich konnte kaum atmen.
Mit zittrigen Händen setzte ich meinen Kopfschutz ab. Er war ziemlich lädiert, denn er zeigte einige Dellen. Ich schmetterte ihn zur Seite, wo er mit einem lauten Rumpfs aufkam. Das Blut in meinem Mund spuckte ich zur Seite. Vorsichtig führte ich eine Hand zu meinem Gesicht und betastete meine Nase.
Sie schmerzte im Vergleich zu meinem restlichen Körperteilen nur sehr wenig, doch aus den Nasenlöchern floss eine beträchtliche Menge Blut, von da aus war es in meinen Mund gelangt. Mit dem rechten Handrücken drückte ich gegen meine Nase, um den Fluss zu stoppen. Nutzlos und geschwächt lag ich auf dem Asphalt.
Mit meiner verbliebenen Kraft versuchte ich mich aufzurichten. Meine beiden Hände waren mit tiefen Kratzern und Blut übersäht. Zum Glück hatte ich noch die Geschwindigkeit gedrosselt, sonst wäre der Unfall um einiges schlimmer für mich ausgegangen.
Auf allen Vieren kroch ich zum Straßenrand. Ich fühlte mich wie ein dreckiger, wertloser Straßenköter. Ich setzte mich hin. Mein Schädel dröhnte und war unendlich schwer. Ich tippte auf eine Gehirnerschütterung. In diesem Augenblick hätte ich alles dafür gegeben in meinem Bett zu liegen und Holly in meinen Armen zu halten.
Ein Stöhnen kam über meine Lippen. Ich war erschöpft und müde. Als ich die Straße hinauf sah, erkannte ich meine Suzuki, die auf der Seite lag. Ich wagte es nicht mir die Schäden an der Maschine anzusehen. Mickeys Porsche konnte ich weit und breit nicht entdecken.
Wo war er hin? Er konnte mir nicht erzählen, dass er nichts mitbekommen hatte. Wenn ich ihn erwischte, dann würde ich ihn erwürgen. Ganz sicher. Er war wahnsinniger, als ich geglaubt hatte. Wieso hatte er das getan? War es etwa Absicht gewesen?
Nein, vermutlich hatte er bloß aus Lust und Laune nicht auf die Straße gesehen. Für viele Dinge, die meine Kollegen und ich taten, gab es keine Begründung. Aber dieses unvorsichtige Manöver war lebensgefährlich gewesen, genauer gesagt hatte es mein Leben gefährdet. Mickey war dem Tode geweiht. Ich ballte die Hände zu Fäusten, sodass die weißen Handknöchel hervortraten.
Ich wusste nicht, was ich in meiner Situation tun sollte. Mein Motorrad war Schrott, also konnte ich hier nicht weg. Das Beste wäre auf Mickey zu warten. Irgendwann musste ihm ja auffallen, dass ich nicht mehr da war, oder?
Wenn er weiterhin nur auf seine Musik konzentriert war, dann hatte ich keine große Hoffnung, dass er mich vermisste. Er würde garantiert nicht umkehren und mich suchen. Ich traute ihm sogar zu, dass er den Reverend ohne mich erledigte. Verdammter Mistkerl. Sollte ich ihn anrufen?
Nein, ich würde auf keinen Fall darum betteln, dass er mich abholte. Es blieb mir nichts anderes übrig, als hier zu bleiben. Ich sog die Luft gierig ein. Vielleicht ging es mir dann besser.
Meine Haut tat noch immer höllisch war. Ich krempelte die Ärmel meines Hemdes nach oben. Der Stoff war durch die Reibung sehr dünn geworden. An manchen Stellen waren sogar Löcher zu sehen.
Na Klasse, jetzt ist mein Hemd auch noch ruiniert. Mir blieb auch nichts erspart. Die Haut an meinen Armen war aufgerissen und gerötet. An viel zu vielen Stellen war die erste Hautschicht abgetragen. Wie Schleifpapier hatte der Asphalt die Haut abgeschmirgelt. Dreck klebte am Blut und in den Wunden.
Mit einem Finger versuchte ich den Dreck zu entfernen, doch durch die Wärme schmerzten die Wunden bloß noch mehr und ich ließ es bleiben.
In der Ferne hörte ich plötzlich ein Stille durchbrechendes Dröhnen. Mit grellen Scheinwerfern kam ein Auto um die nächste Ecke geschossen. Es war ein silberfarbener Porsche. Mickey.
Er hielt an, den Motor ließ er laufen. Er stieg aus und guckte sich um. Mickey suchte mich. Mein Zorn stieg an, als ich seine hässliche Visage sah. Ich richtete mich auf. In der Dunkelheit schien er mich nicht zu entdecken. Meine Schmerzen waren augenblicklich vergessen. Ich hatte nur Augen für Mickey Suffert. Den Rest blendete ich aus. Wild schnaubte ich, wie ein Stier in der Arena.
Mit voller Geschwindigkeit stürmte ich ungebremst auf ihn zu. Alle Sicherungen brannten bei mir durch. Als er mich kommen sah, riss er die Augen weit auf. Er wollte noch nach rechts ausweichen und sich retten, doch es war bereits zu spät.
Ich grinste schadenfroh. Tja, Mickey, nicht jeder kann so gute Reflexe besitzen, wie ich. Gewaltsam packte ich ihn am Kragen und beförderte ihn auf die Motorhaube seines geliebten Autos. Er wand sich wie ein Wurm in meinem stahlharten Griff.
„Was ist denn mit dir los?“ Er sah immer noch überrascht aus.
„Du fragst allen Ernstes, was mit mir los ist?“ Ich zog ihn am Kragen hoch, nur, um ihn mit aller Wucht wieder zurück auf die Motorhaube zu befördern.
„AHHHHH.“ Schmerzvoll verzog Mickey das Gesicht.
„Du hättest mich beinahe umgebracht“, brüllte ich ihm entgegen.
„Was zur Hölle meinst du?“ Er versuchte ahnungslos zu klingen, aber das leichte Zucken seines linken Mundwinkels verriet ihn.
„Dass weißt du ganz genau. Du bist mir hinten drauf gefahren. Wegen dir ist mein Motorrad hin, du niederträchtiges Arschloch.“ Ich legte meine Hände um seinen Hals und drückte zu.
Ich raste vor Wut. Mickey packte meine Handgelenke und versuchte meine Hände wegzuziehen. Er sagte etwas, doch es kam nur Krächzen heraus. Überlegen grinste ich. Es machte mir Freude ihn hilflos zu sehen. Da er meiner Meinung nach noch nicht genügend gelitten hatte, löste ich die rechte Hand um seinen Hals und schlug ihm mitten ins Gesicht.
Aus seiner dünnen Nase schoss das Blut und hinterließ rote Flecken auf seiner Kleidung und in meinem Gesicht. Es lief seine Wangen entlang, direkt auf die Motorhaube. Das Blut roch köstlich. Ich wollte mehr davon. Viel mehr.
Mickey wehrte sich kaum. Seine Fluchtversuche waren lächerlich. Er konnte mir nicht entkommen. Wenn ich mir einmal mein Opfer geschnappt hatte, dann ließ ich es nicht mehr los, bis es tot war.
Ich war mir ganz sicher, dass ich ihn ermorden würde, doch ich hatte nicht mit seinen eigenen Erfahrungen in diesem Metier gerechnet. Ehrlich gesagt hätte ich damit gerechnet, wenn ich den Tunnelblick nicht gehabt und unvorsichtig gewesen wäre. Mit seinem linken Bein trat er mir schmerzhaft gegen mein Knie.
„Umpfh.“ Ich knickte ein.
Einen winzigen Augenblick lockerte ich meinen Griff. Ein Fehler. Mickey umfasste ein weiteres Mal meine Handgelenke und diesmal schaffte er es mich wegzustoßen. Ich stolperte nach hinten. Er rappelte sich auf und kam ohne Umschweife auf mich zu. Er war stinksauer, dass sah man ihm an. In seinen grünen Augen flammte der Wahnsinn.
„Du wolltest mich also töten, ja?“ Er stieß mich zu Boden. Beim Aufprall durchfuhren mich erneut die Schmerzen meines vorangegangenen Sturzes. Sie vernebelten meinen Verstand. Ich war nicht mehr im Stande klar zu denken. Diesen Moment nutzte Mickey aus. Er trat mir in den Magen. Meine Übelkeit stieg drastisch an.
„Dass ich dich erwischt hab, war bloß ein Versehen, okay?“ Obwohl ich in keiner guten Position war, brüllte ich ihn an.
„Wenn´s ein Versehen war, warum bist du einfach abgehauen? Du hättest mich mitnehmen können.“ Hatte er nur dämliche Ausreden parat?
Er hielt inne und sah mich abschätzig an. Ich hätte ihn glatt noch einmal angreifen können, aber meine Vernunft siegte. Er und ich hatten einen Auftrag zu erledigen. Er stand an erster Stelle, obwohl ich keine Ahnung hatte, wie ich ihn nach meinem Unfall bewältigen sollte. Wir konnten uns immerhin später noch weiter streiten. Dass schien auch Mickey zu wissen, denn er hielt mir seine rechte Hand entgegen. Mit Widerwillen packte ich zu. Mit einem Ruck zog er mich nach oben. Ich klopfte mir erst den Dreck von den Klamotten und wischte mir den Schweiß von der Stirn, ehe ich an ihm vorbeiging.
„Wo willst du hin?“ Er klang verärgert.
„Ich muss mein Motorrad von der Straße schieben“, antwortete ich bissig.
„Ich warte im Wagen. Beeil dich.“ Er kehrte zum Porsche zurück. Vor der Motorhaube blieb er wie angewurzelt stehen. Sein eigenes Blut klebte am silbernen Lack, der normalerweise glänzte. Er grummelte vor sich hin. Ich wandte mich ab und ging zu der Stelle, an der meine Suzuki lag.
Das schwarze Gefährt lag auf der rechten Seite. Die Linke war unbeschadet und sah aus, wie vor dem Unfall. Ich griff mir das Lenkrad, stemmte die Maschine nach oben und stellte sie auf die Räder. Bevor ich mir die beschädigte Seite ansah, klappte ich den Standfuß aus.
Mich traf der Schlag. Das Gehäuse war eingedrückt und total unförmig. Der vorher makellose, pechschwarze Lack war zerkratzt. Das würde ich ihm heimzahlen. Vielleicht sollte ich seinem Porsche mal eine Generalüberholung verpassen. Mir gefiel die Idee.
Nichts würde Mickey mehr weh tun, als ein verunstaltetes Auto. Langsam schob ich die Suzuki von der Straße. Ich suchte einen Ort, an dem sie auf Anhieb Niemand finden würde. Ein Stückchen weiter entdeckte ich ein hohes, wild wucherndes Gebüsch. Perfekt.
Ich eilte hinüber und stellte die Maschine hinter dem Gebüsch ab, so, dass sie auch von der Straße aus nicht zu sehen war. Nach einem letzten Blick auf die Maschine ging ich zum Porsche. Die Blutspritzer waren entfernt worden. Natürlich.
Ich stieg ein und nahm neben Mickey Platz. Ich hatte mich nicht mal angeschnallt, als er losraste. Zum Glück war die Musik ausgeschaltet.
„Willst du über die Sache von vorhin reden oder lassen wir dass unter den Tisch fallen?“ Er beobachtete mich aus den Augenwinkeln. Für mich gab es nichts mehr zu besprechen. Es nutze mir sowieso nichts.
Ihm tat es nicht leid, dass er mich fast überfahren hätte und mir tat es nicht leid, dass ich vorgehabt hatte ihn zu töten. Wir waren sozusagen quitt. Außerdem konnte ich mir dann sicher sein, dass er den Vorfall nicht Jericho meldete. Na gut, er würde sich damit ins eigene Fleisch schneiden, schließlich hatte er mich angefahren. Aber ich traute Mickey auch durchaus zu, dass er ihm den Vorfall als Versehen verkaufen und mich als einzigen Schuldigen darstellen würde.
„Sprechen wir nicht weiter darüber.“ Er nickte. Schweigend fuhren wir weiter. Wie weit war diese Kirche denn entfernt?
„Du solltest deine Verletzungen, so weit, wie möglich, verdecken. Wenn wir Jonathan King begegnen, dürfen wir nicht auffallen, bis wir allein mit ihm sind.“
Du Mistkerl. Du bist doch der Grund für meine Verletzungen und außerdem siehst du nicht besser aus.
„Glaubst du wirklich, dass noch eine Menschenseele um diese Uhrzeit in der Kirche hockt?“ Mickey schmunzelte.
„Man kann nie wissen. Irgendjemand braucht immer göttlichen Beistand.“ Er brach wieder in schallendes Gelächter aus.
„Hör auf zu lachen. Konzentrier dich lieber auf die Straße.“ Ich zeigte nach vorne.
„Spielverderber.“
Mickey wusste anscheinend nie, wann Schluss war. In mir brodelte es. Um mich abzulenken schob ich die Hemdärmel wieder über meine Arme und knöpfte sie zu. Meine Wunden an den Händen konnte ich jedoch nicht verbergen. Ich klappte den Sonnenschutz herunter, der einen kleinen Spiegel beherbergte.
Meine Haare standen unordentlich vom Kopf ab. Unter der Nase klebte verkrustetes Blut. Eigentlich benötigte ich Wasser, aber ich vermutete, dass Mickey keine Flasche dabei hatte. Mit den Händen fuhr ich mir durch die Haare, um sie provisorisch zu kämmen.
„Hast du zufälligerweise etwas im Auto, womit ich mir das Gesicht waschen kann?“ Zur Antwort zeigte er mir den Vogel.
„Danke“, sagte ich sarkastisch. Er zuckte mit den Achseln.
„Vielleicht findest du etwas, wenn wir da sind.“
„Na klar, ich könnte ja das Weihwasser benutzen.“ Mickey lachte schrill. Das hätte ich ahnen müssen.
Leise kichernd fuhr er weiter. In einer etwas unbewohnteren Gegend hielt er an. Zwischen mehreren Häusern streckte sich ein Kirchturm in den Himmel.
„Wir sind da. Nimm die Waffe aus dem Handschuhfach mit.“ Mickey stieg aus.
Ich öffnete das Fach und packte hinein. Zwischen einer Bierflasche und einem cremefarbenen Handtuch fand ich eine Waffe. Ich steckte sie in den Hosenbund und verließ ebenfalls das Auto. Wie gebannt starrte ich den Kirchturm an. Der Himmel war bewölkt. Es würde sicher nicht mehr lange dauern, bis es regnete.
Wir standen in einer Seitenstraße. Den restlichen Weg gingen wir zu Fuß. Der Porsche würde vor der Kirche bloß unnötig auffallen. Per Zentralverriegelung sicherte er den Wagen.
„Wie gehen wir vor?“
„Keine Ahnung, ich hab keinen Plan ausgearbeitet. Es ist viel lustiger, wenn wir spontan arbeiten.“
„Du verwechselst lustig wohl mit chaotisch“, sagte ich ernst. Mein Kollege boxte mir gegen die Schulter.
„Mach dich locker, dass wird sicher klasse. Du brauchst also nicht so ein Gesicht zu ziehen.“ Ich setzte ein gekünsteltes Lächeln auf.
„Schon besser.“
„Und was mache ich jetzt mit meinem Gesicht?“ Mickey betrachtete mich eingehend.
„Moment.“ Er kramte in seinen Hosentaschen. Dann zog er ein Taschentuch hervor.
„Hier.“ Er drückte es mir in die Hand.
„Ist das benutzt?“ Angewidert hob ich es in die Höhe.
„Ja, aber dass ist kein Problem.“
„Kein Problem?“
„Stell dich nicht so an. Du hast schon Schlimmeres erlebt, als ein gebrauchtes Taschentuch.“
Ich hatte keine andere Wahl. Mein Inneres sträubte sich gegen die Nutzung dieses Taschentuchs, doch der Auftrag war wichtiger. Ich durfte nicht auffallen, also faltete ich es auseinander und rieb mir damit über die Haut unter meiner Nase. Zufrieden grinste Mickey und ging vor. Das trockene Tuch scheuerte über meine Haut. Ohne Wasser half das Tuch nicht viel.
„Sieht´s besser aus?“ Mickey wirbelte herum und schaute mich an. Rückwärts laufend ging er weiter. Er gluckste und ähnelte dabei einem Kobold.
„Das Blut ist zumindest weg. Nur jetzt siehst du aus, als ob du schlimmen Schnupfen hättest.“
„Wirklich witzig, Suffert.“ Ich warf das Taschentuch erbost auf den Asphalt. „Willst du dein Gesicht nicht auch säubern?“
„Oh, dass haben wir gleich.“ Mit der rechten Hand rieb er sich das Blut weg. „Schon erledigt.“

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