Der Mensch der modernen Zeit ist verdammt und verpflichtet dazu, seine eigenen Interessen zu verfolgen. Es suggeriert Freiheit, doch belastet uns die ständige Angst, falsche Entscheidungen für das Leben zu treffen. Am liebsten würden wir rufen: „Wir sind frei – Hilfe und nun?“

 

Was gibt uns noch Orientierung darin, welchen Lebensstrang wir verfolgen. Welchen wir stärken. Kann es sein, dass sich viele von uns zu schnell mit einer Antwort zufriedengeben? Der Biologielehrer in der Schule war wirklich ausgesprochen fähig, sympathisch, fair, witzig, und hat es geschafft unser Interesse an Bio zu erwecken. Das Biostudium ist dann schon ganz ok. Klar – viel Stress während der Klausuren aber ein Feierabendbier war meistens drin. Welches Studium ist schon perfekt? Der Bachelor ist ja eh nur Grundlage, die Sachen im Master sind dann sicher genau das, was ich mir immer vorgestellt habe (auch wenn nicht mal ich genau weiß, was ich damit eigentlich meine). Drei Semester vergehen wie im Flug. Masterarbeit. Zack – Bum – Peng und schon ist man auf Jobsuche. Findet dann auch was ganz Nettes („…ist ja nicht für Immer.“). Familienplanung geht los und ehe man sich versieht steckt man 10 Jahre in der Berufswelt. Dann ist es eh zu spät was anderes zu machen und „hey, ich finde es ja auch ganz interessant.“

 

Okay jetzt aber mal Perspektive wechseln: was wäre denn gewesen, wenn dein Biolehrer ein richtiger Reinfall gewesen ist. Dafür der Ethiklehrer ein Guru der Inspiration?

 

Manchmal wäre es wohl ratsam einen Schritt zurück zu gehen. Abstand zum eigenen Leben zu gewinnen um begreifen und bewerten zu können. Was mache ich da eigentlich gerade. Ist es wirklich das was ich machen möchte oder welche Einflüsse haben mich dazu bewogen es zu tun. Erst wenn man sich ausgiebig und immer wieder mit dieser Frage beschäftigt, ist es möglich zu Erkenntnis zu kommen und aktiv zu wählen: Was möchte ich mit meinem Leben anfangen.

 

Sicher, vielen scheint der Beruf, spätestens wenn die eigenen Familie wächst, nur noch zweitrangig. Ausreichend Geld verdienen, Zukunft sichern. Riesterrente abschließen. Für die Kleinen Sorgen. Ich möchte das an dieser Stelle unter keinen Umständen verurteilen. Kinder sind mit das sinnvollste was man im Leben so produzieren kann. Vielleicht sind sie auch der Lebenssinn schlechthin. Nach dem Motto: Ich erkenne den Lebenssinn nicht, aber die Hoffnung, dass meine Kinder und Kindeskinder klug genug sein werden ihn zu erkennen, gibt mir genau in der Zeugung dieser meinen eigenen Sinn.

 

Aber wenn wir heute an die Zukunft denken, gehen wir immer unterbewusst davon aus, dass alles ungefähr so sein wird wie bei unseren Eltern. Wie können wir es uns auch anders vorstellen? Unsere Blicke sind getrübt von Erfahrung. Wir täuschen uns. Nichts wird in 30 Jahren noch so sein wie heute. Und deshalb ist es heute wichtiger als je zuvor: übernimm Verantwortung: nur aus wahrer Leidenschaft kann Außergewöhnliches entstehen. Wenn sich beinahe alle Menschen damit zufrieden geben was sie tun, nur weil sie das Glück hatten damals einen guten Lehrer zu haben, wächst zu selten wahre Leidenschaft. Das Potential der Menschheit ist so viel größer als ihre Leistung. Jeder Mensch hat dieses eine Potential in sich. Ich bitte euch: sucht danach. Gebt euch nicht zufrieden bis ihr es gefunden habt.

 

Zu erwähnen ist hier, logisch, das Bildungssystem. Die oben genannte Forderung nach Leidenschaft wird systematisch unterdrückt. Es würde nun aber doch zu sehr in Richtung der Systemkritik leiten. Alle Lehrer müssten doch nur so gut wie der Biolehrer sein, dann könnte man auch tatsächlich entscheiden was man persönlich möchte. Logisch. Zu spät.

Also bleibt die Verantwortung von uns bereits geschädigten aber noch nicht gefesselten doch ganz bei uns und das ist in Ordnung. Mache was draus!

 

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Ich bitte um jede konstruktive Kritik! Danke 

Kommentare

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    Dein Text spricht mir aus dem Herzen, Zarathustra! Ich war selber Lehrerin und ich kann dir sagen, wie sehr ich darunter gelitten habe, meine Schüler einem solchen Druck ausliefern zu müssen. Ich gab ja meinesrseits den Druck von oben weiter... Bis heute bin ich zutiefst davon überzeugt, dass wir unser Schulsystem ändern müssen. Es ist sowas von ungerecht und entspricht nicht annähernd dem, was Kinder wirklich brauchen! Die Welt von heute braucht Menschen, die sich von innen heraus, mit Herzblut, für IHRE Sache einsetzen - was immer das dann auch ist! Ich bin dankbar für alle, die sich dafür einsetzen und den Mut haben, das System in Frage zu stellen bzw sogar daraus auszusteigen.

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    Hallo Zara. Ich bin ja sowas von bei dir! Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass sich aktiv selbst kennen zu lernen und zu entscheiden, was man wirklich will, glücklich macht. Sich dagegen treiben zu lassen, die wichtigen Entscheidungen immer wieder hinauszuschieben und am Ende vielleicht sogar anderen zu überlassen ist der größte Fehler, den man machen kann und stürzt einen ins Unglück. Mich hat es in die Depression getrieben. Ich habe mich aus eigener Kraft aber daraus befreien können, wofür ich noch heute dankbar bin. Himmel, wer weiß, was für Medikamente ich heute "fressen" müsste, wenn ich nicht die Kurve gekriegt hätte. Worauf ich hinaus will: Ja, wir sind eine verlorene Generation. Ja, unser Bildungssystem ist schlecht. Ich bin immer noch für mehr freie demokratische Schulen und weniger Regelschulen, damit, wie du es ausdrückst: jeder sein eigenes Potential finden kann. Die Verantwortung unserer Generation besteht also darin, die Voraussetzungen dafür zu schaffen: Freie, demokratische Schulen aufmachen und fördern. Den eigenen Kindern die Möglichkeit geben, diese zu besuchen und vor allem das Vertrauen in sie haben, dass sie sich dort richtig entwickeln werden. Sollte ich meine Bindungsängste jemals überwinden und einen Mann und Kinder haben, werde ich jedenfalls alles dafür tun, dass sie nicht auf einen Regelschule kommen, die ihnen durch Zwang jede Form von freiem Willen und Kreativität austreibt und sie somit in unglückliche Herdentiere und Zahnrädchen verwandelt. Sondern sie zu starken, selbstbewussten und freien Persönlichkeiten machen, indem ich sie von Anfang an mitentscheiden lasse, wie sie ihr Leben leben und gestalten wollen. Denn nur so werden sie lernen, Verantwortung für sich und ihre Mitmenschen zu entwickeln und wahr zu nehmen.

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