Von Hochmut und dem tiefen Fall *Ria*

Ria verbarg sich in den Schatten der Mauer an die sie sich gelehnt hatte. Niemand bemerkte sie, alle gingen an ihr vorbei, vertieft in ihre eigenen Gedanken. Seemänner, die nach Pech rochen, Händler, die die Verladung ihrer Waren akribisch überwachten und Frauen, eingehüllt in feine Stoffe, die sich Tücher vor Mund und Nase hielten, um dem salzigen Geruch des Hafens zu entgehen. Ria konnte über diese armen Geschöpfe nur mitleidig lächeln. Diese Frauen waren an die Arme ihrer Männer gekettet, ohne die sie das Haus nicht verlassen konnten, beschäftigt mit dem Gedanken welche Sauciere zu ihrem guten Silberbesteck passt oder damit bei wem die nächste Teerunde stattfinden wird. Ria konnte sich glücklich schätzen, dass sie dank dieser Organisation nicht zu dieser Sorte zu gehörte. Sie konnte sich nicht vorstellen ein anderes Leben zu führen und ihre Freiheiten aufzugeben. Aus diesem Grund war es auch unumgänglich, dass sie die Schatten nutze, um sich zu verbergen, denn eine Frau ohne Begleitung wäre aufgefallen, zumal viele der Händler die sich am Hafen aufhielten, am Hof von Senion ein und aus gingen, und die sie kannte. Sicher hätte einer von ihnen sie früher oder später erkannt.
Ria wartete jetzt schon seit Stunden auf das Schiff von Ukoon nach Nahnhafen, aber obwohl es schon seit langem im Hafen trieb, wurden noch immer Kisten und Fässer herunter gerollt und auf verschiedene Wagen verladen. Händler wuselten zwischen umher und ihr Gezeter vermischte sich mit dem Möwengeschrei zu einer wahren Kakophonie, die in den Ohren schmerzte. Ria entwich ein entnervter Seufzer, verschränkte die Arme vor der Brust und sah auf ihre Füße. Sie war bemüht so unauffällig wie möglich zu reisen und trug deswegen ein schlichtes unauffälliges Kleid, mit einem dünnen Umhang, um ihr Gesicht zu verbergen. Nach einer gefühlten Ewigkeit, erklang das Leuten der Schiffsglocke, dass Ria endlich aus ihrem Versteck rief. Sich in Schatten zu hüllen, war nicht so einfach wie es schien, auf Dauer verkrampften die Muskeln, aber ohne die nötige Konzentration konnte einen die Dunkelheit übermannen und man erblindete.
Die Fahrt nach Nahnhafen verlief ruhig und ereignislos, zumal sich Ria im Frachtraum versteckt hielt, nur ein Mal bemerkte man sie, nach seinem Aussehen zu urteilen ein blinder Passagier, doch war diese Unannehmlichkeit mit ein paar gezielten Handgriffen erledigt. Sie schleifte ihn hinter die Fracht, wo er erst entdeckt werden würde, wenn sie schon längst verschwunden war. Die großen Holzkisten knarrten während der Überfahrt wie das Schiff selbst und drohten die dicken Stricke, die sie an Ort und Stelle hielten zu zerreißen. Kurz überlegte sie ihn wo anders hinzuschleppen, im Moment lebte er noch und erst in einiger Zeit würde er wieder erwachen, vorausgesetzt, dass ihn nicht eine der Kisten vorher erschlug.
Eine Welle schlug gegen die Schiffswand und die Seile ächzten und spannten sich noch weiter. An Deck wurden Glocken geläutet und das Gemurmel der Händler und Passagiere verstärkte sich, das Ende ihrer Reise war nicht mehr weit. Von oben hörte Ria, wie die Segel eingezogen wurden, wie der Steuermann Befehle brüllte und sie hörte bereits den typischen Lärm einer belebten Stadt. Im Nebenraum wurden Stühle verschoben, die Leute standen auf, um an Deck zu gehen, jedenfalls die, die nicht ohnehin oben geblieben waren, und sich die halbe Überfahrt die Seele aus dem Leib gekotzt hatten. Noch ein Mal warf sie einen schnellen Blick auf den blinden Passagier, der mittlerweile zwischen der Wand und einer Kiste eingeklemmt war. Das er kein Geld hatte war offensichtlich, auch bezweifelte sie, dass er Familie hatte oder sonst jemanden, den es scherte ob er am Leben war oder nicht. Traurig für ihn, gut für Ria. Es sollte sie nicht scheren, was mit ihm passierte, zum Wohl aller mussten manchmal wenige geopfert werden und wenn er den falschen Leuten in irgendeiner der Baracken, die die Menschen naiver Weise Wirtshäuser nannten, in denen das Steak aus Rattenfleisch und der Wein zur Hälfte aus Wasser bestand, von seiner Begegnung mit der Frau im Frachtraum erzählte, konnte es der Gesellschaft nur schaden. Solche Menschen waren wie Unkraut oder Schimmel, niemand brauchte sie wirklich und sie mussten bekämpft und entfernt werden. Lautlos wie die Schatten die ihr bei jedem Schritt folgten, ging sie zur Tür ohne sich umzudrehen, nicht einmal als das Schiff zum stehen kam und ein gewaltiger Ruck die Stricke reißen lies und die Fracht nach hinten geschleudert wurde.
Unauffällig mischte sie sich unter die Passagiere, größtenteils Händler, und kletterte die steile Treppe hinauf. Die Sonne hatte ihren höchsten Punkt gerade erst überschritten und blendete die meisten, als sie aus dem dunklen Bauch des Schiffes kletterten. Viele hielten sich die Hand vor die Augen, um sich vor dem grellen Licht zu schützen. Ria dagegen sah sich wie immer instinktiv um, um sich zurechtzufinden. Ihr jahrelanges Training hatte sie dazu gebracht in jeder Situation zuerst nach Flucht-oder Angriffsmöglichkeiten Ausschau zu halten. Die Schönheit des glitzernden Meeres, oder der salzig -frische Geruch der Luft blieben unbeachtet, anders als die Menschen in ihrer Umgebung. Jeder einzelne wurde binnen eines Augenblickes gemustert und eingeschätzt. Die Seeleute waren ungefährlich, sie sicherten das Schiff, auch die Menschen die an der Reling standen und irgendjemandem im Hafen winkten waren kein Problem. Sorge machten ihr nur die Händler die schon nach wenigen Augenblicken an der frischen Luft wieder nach unten gingen um ihre Waren zu überprüfen und die Matrosen bei jedem Handgriff zu kritisieren. Wenn sie den Mann unten im Frachtraum fanden, würden keiner eine Träne vergießen oder nur auf die Idee kommen eine Wache zu rufen, eher würde man ihn einfach über Bord werfen oder ihn irgendwie anders loswerden, doch auf das Geschrei des Händlers der ihn fand konnte Ria verzichten.
Sie reihte sich in den Strom der Menschen ein, die das Schiff dankbar verließen, die meisten von ihnen waren noch immer grün im Gesicht und konnten es nicht erwarten auf festen Boden zu stehen. Für Ria war es auch aufregend, sobald sie den Hafen betrat, würde ihr Auftrag beginnen, ihr erster richtiger Auftrag, bei dem sie nicht bei einem größenwahnsinnigen Fürsten leben musste.
Es herrschte ein großes Gedränge am Hafen, viele Schiffe lagen vor Anker und dementsprechend ging es auch zu. Ria hatte Mühe alles im Auge zu behalten, die Lage war einfach zu unübersichtlich. Der Beobachter, Taju so die offizielle Bezeichnung, würde sie finden, da war sie sich sicher. Unauffällig blieb sie immer in der Nähe von größeren Frauengruppen oder Männern die gerade in eine Unterhaltung vertieft waren, so konnte sie den Anschein erwecken zu ihnen zu gehören, denn eine Frau, ohne Begleitung, noch dazu am Hafen...
„Es ist mir schleierhaft, weshalb man eine solche Sache ihnen überlassen hat.“
Ria drehte sich gelassen zu dem Mann um, der sich ihr genähert hatte. Innerlich war sie vor Schreck zusammengezuckt, doch würde sie nie im Leben zugeben überrascht worden zu sein. Für gewöhnlich war das auch unmöglich, sie konnte die Schritte einer Person auf eine Entfernung hören, in der es anderen schon schwer fiel ein Nebelhorn zu erahnen, doch irgendwie hatte es dieser Mann geschafft. Ein Schauder lief ihr über den Rücken, als sie ihren Gegenüber musterte. Es war nicht so als hätte er eine außergewöhnliche Ausstrahlung, sicherlich konnte man allein an seinem Haarschnitt, seiner Überheblichkeit und an seinen Schuhen seine volle Börse erkennen, doch hätte sie, auch ohne zu wissen wer er war, sofort erkannt, dass er anders war, als alle anderen im Hafen. Er war wie sie, ein Makeii, das verriet nicht nur sein Blick, der alles gleichzeitig wahrzunehmen schien, sonder es war wie eine Art Instinkt.
Das war es jedoch nicht, was sie beunruhigte, im Gegenteil, es war angenehm auf Menschen zu treffen, vor denen man sich nicht verstellen musste, es war das Wissen, dass er ein Beobachter war, dass sie erschreckte. Sie erlebte es jedes Mal wenn sie so jemanden traf. Er hatte diesen bestimmten Blick, der einen zu durchdringen schien, der einen dazu brachte, die geheimsten Gedanken auszusprechen und dieses spöttische Lächeln, welches einen zu verhöhnen schien. Einen Taju konnte man nicht anlügen, sie merkten es sofort, und hatten eine, selbst für Makeii außergewöhnlich starke Menschenkenntnis. Ein einziges Gespräch genügte bei manchen, um zu erkennen ob jemand eine Bedrohung war, und sie waren begabt darin andere zu überzeugen, wie es die Institution höflich nannte, eigentlich zwang man jemandem seinen Willen auf, manchmal bis er brach und nur noch eine leere Hülle zurückblieb. Das Gedächtnis eines Beobachters war unfehlbar und ihnen entging nie eine Kleinigkeit. Der einzige Trost für Ria war, dass sie nicht andere Makeii beeinflussen konnten und nicht einmal annähernd über ihre Reflexe, Sinne oder Schnelligkeit verfügten. In diesen Dingen war sie überlegen, außerdem war sie sich fast sicher, dass ihr Gegenüber, das Licht und die Schatten nur in minimalem Maße beeinflussen konnte, anders als sie.
Der Mann nahm ihre Hand und gab ihr einen Handkuss, bevor er ihr seinen Arm anbot. Diese Höflichkeit stand jedoch im Gegensatz zu dem kalten berechnetem Blick. Ria spielte sein Spiel mit, und ergriff seinen Arm mit einem Lächeln. Er führte sie weg vom Hafen und hinein in eins der wohlhabenden Stadtvierteln, es war keine Überraschung, dass er hier wohnte.
„Ihr habt keinerlei Konzentartion. Wahrscheinlich hätte sich auch eine Streitmacht an euch anschleichen können.Weshalb der Schattenmeister jemanden wie euch schickt ist mir ein Rätsel.“
„Zweifelt ihr etwa an dem Schattenmeister?“ Ria sah in von der Seite herausfordernd an. Egal was er auch sagen würde, provozieren ließ sie sich nicht.
Er schnaubte nur belustigt, „Niemals. Aber man hätte eine solche Aufgabe nicht einer so... jungen Person anvertrauen sollen.“
„Jung?“ Jetzt war es an Ria aufzulachen, „Ihr seht nicht viel älter aus als ich. Wie alt seid ihr? Mitte zwanzig? Findet ihr diesen Unterschied so gravierend?“
„Mein Alter ist unbedeutend, mein Talent zählt. Etwas, das ihr nicht zu besitzen scheint.“
Rias Hand bebte bei dieser Beleidigung. Woher sollte dieser Kerl denn wissen, was sie konnte und was nicht, am liebsten hätte sie ihm wenigstens den Arm gebrochen, aber sie atmete tief durch. Eine Dame brach ihrem Begleiter nicht in aller Öffentlichkeit seine Gliedmaßen, sie war sicher, dass das unerwünschte Aufmerksamkeit erregt hätte.
„Wie heißt ihr?“
„Auch das ist unbedeutend.“
„Nein, ich brauche euren Namen für das Grab, in dem ihr bald liegen werdet, wenn ihr mich weiter beleidigt.“
Der Beobachter lachte auf. „Ich heiße Leander. Eine spitze Zunge wird den Auftrag aber nicht erfüllen. Wenn ihr versagt werde ich euren Namen auf einem Grab sehen, Ria. Ich habe mich über euch informiert. Ihr seid momentan bei dem Fürsten von Grüneneb. Verständlich, wenn man euer Aussehen betrachtet und die Vorlieben der meisten Fürsten. Ein schönes Gesicht wird aber euch aber auch nicht helfen. Ich bin gespannt ob ihr auch zu etwas anderem fähig seid, als schöne Kleider zu tragen und alten Männern schöne Augen zu machen.“
Rias Hände bebten noch stärker. Wenn sie ihn in eine Gasse zerrte könnte sie ihm vielleicht auch noch was anderes brechen... Beruhige dich. Lass dich nicht von einem eingebildeten Idioten reizen. Wieder atmete sie tief ein und aus bevor sie antwortete.
„Das Vertrauen, dass ihr in mich setzt rührt mich, aber seid sicher, ich werde den Schattenmeister nicht enttäuschen. Vielleicht wäre es jetzt an der Zeit, mich über alles zu informieren, ich würde das ganze gerne so schnell und leise wie möglich durchführen. Außerdem sind die Straßen von Nahnhafen sind nicht der beste Ort um das zu besprechen.“
Leander schmunzelte noch immer, es machte ihm wohl Spaß sie zu reizen, widersprach ihr aber nicht mehr, während er sie durch die Stadt führte, die, wie Ria zugeben musste, ihren Reiz hatte. Auf den meisten Balkonen wuchsen Blumen, die Straßen waren frei von zwielichtigem Volk und die Häuser erstrahlten in den verschiedensten Farben. Einen Moment gestattete Ria sich die Vorstellung eines Lebens in Nahnhafen, in dem sie keine Makeii war und nicht für die Institution arbeiten musste. Vielleicht hätte sie in dieser Straße hier gelebt oder am Hafen gearbeitet. Genug mit den sinnlosen Tagträumen. Konzentriere dich.

Das Haus in das sie am Ende eintraten, war weder das Kleinste noch das Größte, es war weder ärmlich oder schlicht, noch von Prunk und Verzierung übersät, es war durch und durch unauffällig. Perfekt für jemanden wie Leander, der unter all den Reichen und Schönen unsichtbar und gleichzeitig immer präsent sein wollte. Natürlich hatte er auch ein Dienstmädchen, dass ihr schnell den Umhang und ihrem Herren den Mantel abnahm. Ria hatte schon bei Fürst Senion nicht viel übrig für solche Dinge, wie Dienstboten oder Mosaikböden, aber bei einem „einfachen Bürger“ wie Leander, wirkte das alles noch übertriebener. Die mit Goldfäden durchwebte Weste unter seinem teurem Mantel und dem Seidenschal unterstrichen ihren Eindruck. Bei einem Fürsten konnte sie es noch verstehen, auch noch bei Adeligen oder reichen und normalen Menschen, aber Leander hatte fast die selbe Ausbildung wie sie durchlebt und nie jemanden gehabt der das Essen zubereitet oder ähnliches. Sicher gehörte das alles zu seiner Aufgabe sich einzugliedern, aber er schien das alles viel zu selbstverständlich zu betrachten und hatte sich daran gewöhnt. Was er wohl machen würde wenn man ihm einen anderen Auftrag geben würde, zum Beispiel als Bergarbeiter an der Nordgrenze?
„Ich vermute, das ihr nicht an einer Hausführung interessiert seid?“ fragte Leander spöttisch und führte sie, nachdem sie ihn abschätzig gemustert hatte, in sein Arbeitszimmer.
„Setzten.“ Seine Höflichkeit und sein Lächeln verschwanden in dem Augenblick als er die Tür schloss und sie allein waren.
Ria lachte belustigt auf: „Übernehmt euch nicht Leander, so viel Freundlichkeit ist doch nicht nötig.“
Leander fuhr zu ihr herum und funkelte sie an, wenn Ria nicht gewusst hätte, dass sie einen Kampf ohne Mühe gewinnen würde, hätte er ihr Angst gemacht.
„Ihr sollt euch setzten, weil ich euch einiges erklären werde, und ich nicht möchte, dass ihr überfordert seid, wenn ihr gleichzeitig zuhören und stehen müsst.“
„Aber vielleicht ist es genau so kompliziert wenn ich zuhören und sitzen muss.“ Sie amüsierte sich noch immer über seine Wesensänderung, als ob er sie einschüchtern konnte. Auf dem Weg hier her, musste sie still und wenigstens ein bisschen freundlich sein, aber jetzt wo er sie in diesem Ton zurechtwies? Nun war sie ihm überlegen, selbst wenn sie noch Informationen von ihm brauchte.
„Lasst die dummen Witze. Wir haben keine Zeit dafür, jetzt setzt euch und hört zu.“
Ria setzte sich großzügigerweise auf einen der Stühle mit hoher Lehne die um einen Tisch herum standen, Leander nahm ihr gegenüber Platz.
„Wir haben auch keine Zeit, für euer Verhalten. Erzählt einfach, um den Rest kümmere ich mich schon.“
Leander seufzte entnervt und ballte die Hände zu Fäusten, „Ihr versteht nicht, dieser Auftrag und sein Verlauf sind für mich wichtiger als für euch. Ich habe die Institution als erstes über Zerian von Abal unterrichtet. Man sagte mir, das sie der Sache nachgehen würden, und auf weitere Hinweise warten. Sie haben mir zuerst nicht geglaubt, doch nun tun sie es, und wenn du meine Chance ruinierst, dass mein Wort Bedeutung hat, dann werde ich dich töten, das schwöre ich.“
„Mich töten? Wie willst du das anstellen Leander? Willst du versuchen mich zu Tode zu beleidigen oder mich mit Blicken töten? Das wäre sicher interessant.“ Ria stand auf und ging kopfschüttelnd durch den Raum. Leander war schon viel zu lange von allen anderen Makeii abgeschnitten, wenn er schon glaubte, dass ein Taju eine Aniji besiegen konnte. Er stand nun ebenfalls auf und sah sie wütend an, „Ich würde mich an deiner Stelle nicht provozieren.“ Er machte einen Satz auf sie zu und griff nach ihrer Kehle. Für jede normale Person wären seine Bewegungen schnell gewesen, wahrscheinlich glaubte er sogar selbst, dass er ungeheuer schnell war, doch für Ria schienen seine Bewegungen so langsam zu sein, als wären sie unter Wasser. Sofort wusste sie, was er vor hatte. Und es überraschte sie sogar wie undurchdacht und plump er handelte. Dämlicher Idiot. Jemand musste Leander eine Lektion erteilen.
Sie bewegte sich blitzschnell zur Seite, so schnell, dass Leander nicht einmal die Möglichkeit hatte seine Richtung zu ändern, sodass er ins Leere griff. Abwartend stand sie nun hinter ihm und wartete, dass er endlich begriff und sich umdrehte. Mit einem Aufschrei sprang er schließlich noch einmal auf sie zu, nun wollte er ihr ins Gesicht schlagen. Sie stoppte seine Faust noch in der Luft und drehte sein Handgelenk kraftvoll um, wobei sie aber darauf achtete nicht mehr als seinen Stolz zu verletzen. Seine andere Hand die jetzt versuchte ihren Arm wegzustoßen, umfasste sie ebenfalls und obwohl er seine ganzen Kräfte einsetzte und sich wand, stand sie am Schluss hinter ihm, zwang ihn auf die Knie und hielt ihn bewegungslos. Er versuchte sich zu befreien, und schien nicht aufgeben zu wollen.
„Wenn du dich beruhigst lass ich los“, sagte Ria und bereitete sich schon darauf vor, doch entgegen ihrer Vermutung wehrte er sich noch mehr und schaffte es sogar fast sich ihrem Griff zu entwinden. Sie seufzte entnervt, wenn er es jetzt noch nicht eingesehen hatte, musste sie wohl zu härteren Mitteln greifen. Und eigentlich wollte ich dich gar nicht verletzten...jedenfalls nicht in den letzten Augenblicken, aber wer nicht hört muss fühlen.
Noch bevor, er bemerkte, dass einer seiner Arme frei war, schlang Ria ihm ihren Arm um den Hals und drückte zu, natürlich versuchte Leander zuerst sie mit seinem freien Arm zu verletzten, doch nach wenigen Sekunden, setzte sein Selbsterhaltungstrieb ein und er versuchte nur noch ihren Arm von seinem Hals zu bekommen, doch da schlossen sich schon seine Augen und er war bewusstlos.
Sanft legte sie seinen Kopf auf den Boden und achtete darauf, dass er noch Luft bekam. Sie verabscheute zwar seine überhebliche Art und Weise und fand es lächerlich, dass er glaubte gegen sie zu gewinnen, doch dass er nicht aufgab als seine Niederlage schon gewiss war, verdiente ihre Anerkennung, auch wenn es dennoch unglaublich dämlich gewesen war. Sie strich die Falten ihres Kleides glatt und lauschte, ob das Dienstmädchen vielleicht von dem Schrei alarmiert worden war, doch sie war noch immer dabei in der Küche Geschirr zu waschen und das gleichmäßige Schnarchen ein Stockwerk über ihr verriet ihr, dass Leanders zweiter Dienstbote ein Schläfchen während der Arbeitszeit hielt.

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