Warum hab ich nie Nein gesagt

Zu Hause tobte mein Vater, als meine Mutter ihm berichtete, wie man uns Daniela weggenommen hatte. Ich konnte vor Trauer keinen Ton mehr von mir geben, und zog mich auf mein Zimmer zurück wo mich die wenigen Spielsachen, die herumlagen erbarmungslos an Daniela erinnerten. Endlich saß ich wenige Tage später meinem Rechtsanwalt gegenüber, auf dem ich meine ganze Hoffnung setzte. Nachdem er sich den Schriftsatz durchgelesen hatte, schaute er mich Ernst über seinen Brillenrand hinweg an. " Tja", das wird nicht so einfach für uns, ihr Mann hat den Vorteil, erst einmal das vorläufige Sorgerecht mindestens bis zur Gerichtsverhandlung ausüben zu können, und die hier aufgeführten Gründe warum Ihnen mit sofortiger Wirkung das Sorgerecht entzogen worden ist, und zwar das führen eines unsoliden Lebenswandel wodurch es ihrer Tochter an die Notwendige Zuwendung und Sorgfaltspflicht die ein Kind nun mal braucht in jeder Hinsicht fehlte, ihr Mann hingegen alles nur erdenkliche zum Wohle des Kindes tun will, was letztendlich bei Gericht und Jugendamt zählt. Es liegt nun bei Ihnen ob sie die Anschuldigungen die ihr Mann gegen sie erhebt hinnehmen, was für sie bedeutet auf ihre Tochter verzichten zu müssen, aber wir nehmen den Kampf auf, das heißt: " Einspruch gegen diesen vorläufigen Beschluss zu erheben, und bis zu Verhandlung Beweise zu sammeln die dem Familienrichter zu der Überzeugung kommen läßt letztendlich Ihnen das Sorgerecht zuzusprechen. Ich entschied mich natürlich zu kämpfen für meine Tochter. Der Anwalt ließ sich von mir die Prozessvollmacht und den Antrag auf Armenrecht unterschreiben. Beim hinausgehen fragte ich kleinlaut, wann ich meine Tochter Wiedersehen könnte? " Wir werden Besuchsrecht beantragen"! War seine Antwort. Es folgten Tage und Wochen des Wartens auf eine Nachricht vom Anwalt. Werner meldete sich immer, entweder telefonisch oder schriftlich um sich dann zu überzeugen, das es das beste wäre für mich zu ihm zurück zukommen, ansonsten so drohte er, würde ich Daniela nie Wiedersehen außerdem müßte ich für alle gemeinsamen Schulden zu Hälfte aufkommen und Unterhaltszahlungen für Daniela würde er auch gelten machen. Der erste Brief vom Anwalt kam nach drei Wochen, er teilte mir Datum und Uhrzeit der Gerichtsverhandlung in zwei Monaten mit, und wies mich auf die Notwendigkeit meines Erscheinens hin, mehr hätte er bislang nicht für mich erreichen können. Es dauerte alles so lange, die Sehnsucht nach Daniela wuchs von Tag zu Tag. Beim Mittagessen sagte mein Vater, das ich so schnell wie möglich Arbeit finden müßte, damit ich Geld verdiene. Gegen Nachmittag kam unser ehemaliger Vermieter, meine Eltern besuchen. Mein Vater fragte ihm, ob er wüßte wo ich arbeiten könnte. Begeistert sprang er auf und forderte mich auf mitzukommen, erst heute morgen hätte ihm der Wirt aus der Gaststätte Waldesruh sein Leid geklagt, das er dringend eine Bedienung braucht. Also fuhr ich mit ihm und meinem Vater zu der Gaststätte die nur zwei Kilometer entfernt vom Dorf meiner entfernt, idyllisch am Waldrand gelegen war. Die Gaststätte an sich war ein altes Fachwerkhaus aus Ende des vorigen Jahrhundert wie die eingeschnitzte Jahreszahl über die Eingangstür verriet. Wir gingen hinein! Das Lokal war bis zum letzten Tisch besetzt, an der Theke standen die Leute dicht gedrängt und aus der Musikbox ertönten Karnevalslieder. Wir zwängten uns vorbei, in einem angrenzenden kleinen Saal wo gerade drei Plätze frei wurden. Unser ehemaliger Vermieter sagte dem jungen Mann der uns bediente, das er dem Wirt ausrichten soll:" Die neue Bedienung sei da!" Die bestellten Getränke brachte der Wirt persönlich. Er war eine große korpulente Erscheinung ca Ende vierzig seine lichten Haare waren feuerrot im sein Gesicht war übersät mit Sommersprossen und einem drei Tage Bart. Er begrüßte mich lächelnd wobei seine Augen hinter einer altmodischen Brille mich interessiert musterten. Trotz der Hektik machte er einen gelassen Eindruck. "Wie Sie sehen ist hier der Teufel los, mir wäre es am liebsten wenn sie gleich morgen anfangen könnten." Als ich zustimmte, strahlte er übers ganze Gesicht. Wir einigten uns über den Arbeitsbeginn, da er das Lokal bereits ab zehn Uhr morgens durchgehend geöffnet hätte, fand er es angebracht, wenn ich um siebzehn Uhr anfangen würde zu arbeiten. Allerdings legte er Wert auf eine angemessene Kleidung, die sollte aus einer weißen Bluse einem schwarzen Rock einer Servierschürze und nicht zu vergessen daß Kellner Portemonnaie. Also kaufte ich mir am nächsten Tag von meinem letzten Geld die notwendige Kleidung. Als ich dann pünktlich um siebzehn Uhr in voller Montur erschien, pfiff mein Chef anerkennend durch die Zähne. Zum Glück war noch nicht viel los, geduldig erklärte er mir die Funktionen der Registrierkasse und die Preise von sämtlichen Getränken und Speisen. Um achtzehn Uhr kam seine Mutter, die in der Küche die Speisen zubereitete. Die alte Dame begrüßte mich freundlich, und hoffte auf eine gute Zusammenarbeit. Ich versprach mein bestes zu geben. Das Lokal füllte sich, ich brachte den Gästen die Speise und Getränke Karte, und nahm anschließend die Bestellungen auf. Die Getränkebestellungen gab ich meinem Chef der am Ausschank stand und die Essensbestellung brachte ich in die Küche zu der alten Dame. Ich bemühte mich, freundlich zu sein, und meine Arbeit sorgfältig zu machen. Im Laufe des Abend stellte mein Chef mich einige Stammgästen vor, und erklärte mir jeweils die bevorzugten Getränke jeden einzelnen. Überwiegend wurde das Lokal von männlichen nicht mehr ganz jungen meist gut situierten Herrn besucht. Einige musterten mich mit Wohlgefallen, andere fragten nach meinen Namen und wo ich herkomme, aber alle behandelten mich höflich und korrekt. Ich arbeitete mich schnell ein, und freute mich jeden Tag auf meine Arbeit, wo ich akzeptiert und respektiert wurde. Es waren weitere zwei Wochen vergangen, bis endlich ein Brief von meinem Rechtsanwalt kam, wo mir mitgeteilt wurde, das beim Familiengericht ein Anhörung Termin ums Sorgerecht anberaumt wurde. Der Termin sollte in einer Woche sein. Voller Hoffnung fieberten meine Eltern und ich den Tag der Verhandlung entgegen. Mein Optimismus ergab sich aus der Meinung: " Das ein Kind zu seine Mutter gehört." Zudem verdiente ich jetzt Geld, und während ich arbeite, würde meine Mutter die Aufsicht Danielas übernehmen. Zusammen mit meiner Mutter wartete ich im Flur vor der Tür zum Verhandlungsraum auf meinen Anwalt. Wir waren viel zu früh dran. Ich blickte den langen kahlen Flur entlang, auf einmal erblickte ich ein kleines Mädchen. " Es war Daniele! " Sie lief auf mich zu! " Mir schossen Tränen in den Augen. Mit ausgebreiteten Armen lief ich ihr entgegen um sie aufzufangen. Endlich konnte ich mein ein und alles fest an mich drücken. Jetzt wird alles gut, ich lasse dich nie mehr los, flüsterte ich meiner Tochter ins Ohr. Ich hielt so lange inne mit Daniela, bis Werners Stimme mich zum aufschauen zwang. Mit einem ironischen Lächeln, blickte er auf mich hinab und sagte: " Deine Muttergefühle kannst du dir sparen Carmen, ich werde dem Gericht schon klarmachen, das du nicht fähig bist ein Kind zu erziehen," ich werde dem Gericht schon klarmachen, das du nicht fähig bist ein Kind zu erziehen und wenn ich erst einmal das Sorgerecht habe, mußt du mir Unterhalt zahlen und mit für die Schulden aufkommen es sei denn, du kommst zu mir zurück. Ich gab ihm keine Antwort, der Gedanke zu ihm zurückzukehren war genauso unvorstellbar für mich, wie Daniela nicht zugesprochen zu bekommen. Mein Anwalt eilte hastig an mir vorbei und mahnte mit dem Finger zur Uhr, das es gleich soweit sein müßte. Da ging auch schon die Tür zum Sitzungssaal auf und unsere Namen wurden vom Gerichtsvorsteher aufgerufen. Daniela hatte es sich auf Omas Schoß bequem gemacht und winkte mir lachen zu, bevor ich den Sitzungssaal betrat. Der Richter las unsere Personalien vor, und eröffnete die Verhandlung. Die Gegenpartei wurde vom Richter aufgefordert, den Sachverhalt zum Antrag des Sorgerechts zu begründen. Werners Anwalt schlug daraufhin seine Akte auf, und erhob sich. Haßerfüllt sah er mich an streikte seinen Arm aus, und zeigte mit dem Finger auf mich. Diese Frau Herr Richter, ist nicht in der Lage für das Wohl ihrer Minderjährigen Tochter zu sorgen, sie setzte ihre eigenen Bedürfnisse immer in den Vordergrund und vernachlässigte dadurch ihre Tochter. Außerdem kann mein Mandant ihr häufig wechselnde Männerbekanntschaften nachweisen was zweifellos für die Entwicklung eines Kindes von Nachteil ist. Allein diese Tatsachen sprechen dafür, das Sorgerecht meinem Mandanten zu übertragen. Damit knallte er scheinbar wütend seine Akte zu, und nahm wieder neben Werner Platz. Der Richter fragte mich streng, was ich dazu zu sagen hätte. Ängstlich und eingeschüchtert brachte ich keinen zusammenhängenden Satz heraus und stammelte vor mich hin , bis der Richter mich ungeduldig aufforderte etwas lauter und präziser zu antworten. Hilfesuchend sah ich zu meinen Anwalt, der sich jetzt erhob und mit meiner Verteidigung begann. Meine Mandantin Herr Richter weist sämtliche Vorwürfe ab, und beantragt das Sorgerecht ihrer Tochter mit sofortiger Wirkung. " Ist das alles?" Fragte der Richter. " Ja " antwortete mein Anwalt und setzte sich wieder hin. Der Richter beriet sich flüsternd mit seinen Beisitzern. Die Stille im Saal empfand ich als Last, die ich allein zu tragen hatte. Ich fühlte mich schuldig, wußte aber nicht für was. Endlich erhob sich der Richter und verkündete, das beide Parteien das Endurteil schriftlich mitgeteilt bekommen. Damit schloß er die Sitzung. Beim hinausgehen grinste Werner mich frech an und meinte: " Schon verloren Carmen! " Draußen zog er Daniela vom Schoß meiner Mutter, nahm sie auf den Arm und ging hastig den langen Flur entlang in Richtung Ausgang. Daniela rief über seine Schulter hinweg: " Bei Mama bleiben! " Und riss dabei ihre Ärmchen in die Höh. Traurig sah ich ihr hinterher, und mußte schmerzhaft feststellen, das ich noch nicht einmal die Chance hatte, mich von ihr zu verabschieden. Mein Anwalt klopfte mir im vorbeigehen auf die Schulter, und sagte: " Warten wir das Urteil ab, ich bin sicher wir werden gewinnen." Es verging fast ein Monat, bis der Postbote den ersehnten Brief per Einschreiben brachte. Meine Hände zitterten als ich ihn öffnete. " Und? fragte mein Vater wann können wir Daniela abholen? " Moment bat ich, ich muß erst lesen. Das erste Blatt war eine Mitteilung von meinem Anwalt, mit der Bitte um Kenntnisnahme und eine Terminvereinbarung. Aufgeregt schlug ich die nächste Seite auf. Oben war in großer Druckschrift zu lesen: " Im Namen des Volkes", ich las weiter, und traute meinen Augen nicht. Da stand:" Dem Antragsteller wird mit sofortiger Wirkung das Sorgerecht für die minderjährige Tochter Daniela übertragen." Ich lies meine Arme samt Brief in den Schoß sinken.

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