Es ist das Jahr 1999, als Shawn Fanning und Jean Parker am 1. Juni die Musikindustrie auf den Kopf stellten. Mit ihrer neuen Website "Napster", einer File-Sharing Plattform für Musik, erschufen sie eine der größten Tauschbörsen für Musik. Musik, die durch das Urheberrecht geschützt ist. Napster war nicht die erste Plattform, die einen kostenlosen Tausch von Musikdateien anbot, doch mit 80 Millionen Nutzern war es die bis dato größte ihrer Art. [1]

In diesem schicksalhaften Jahr 1999 begann für die Musikindustrie der Abstiegskampf. Trotz erfolgreicher Klagen gegen Napster und die nachfolgenden File-Sharing Websites sank der Umsatz der Branche um 47%. Allein zwischen 2004 und 2009 wurden 30 Milliarden Songs illegal herunter geladen, was einem finanziellen Schaden von ca. 12,5 Milliarden Dollar entspricht. Tendenz steigend. [2]

Im Jahr 2011 schließlich waren 95% aller online getätigten Downloads illegal oder zumindest in einer rechtlichen Grauzone. Aufgrund des daraus entstehenden Schadens waren 1,2 Millionen Arbeitsplätze, die mit der Produktion und dem Vertrieb von Musik zu tun hatten, akut bedroht. Die Produktion von Spartenmusik wurde immer weniger rentabel, das Unterstützen lokaler Musiker zu einem finanziellen Risiko. Die Vielfalt der populären Musik begann zu leiden. [3]

Als Reaktion auf die sinkende Bereitschaft für Musik als Kunstprodukt zu zahlen, entstanden neue Formen des Vertriebs - Streamingdienste, die für einen Flatrate-Preis als Ersatz für illegale Downloads dienen sollen. Diese erfreuen sich einer stetig wachsenden Beliebtheit, denn sie sind einerseits billig, manchmal sogar kostenlos, wenn man bereit ist Werbung in Kauf zu nehmen, und andererseits absolut legal, was das Gewissen der Nutzer beruhigt. Es erscheint wie eine Win-Win Situation. Doch dabei vernachlässigt man die dritte Partei, die in dieses Geschäft involviert ist. Denn neben den Konsumenten und den Vertreibern gibt es auch noch die Produzenten, die Musiker, die sich monatelang in ein Studio einschließen und sich die Finger und Münder wund spielen um ein gutes Album abzuliefern. Wie viel Geld kommt also ganz unten, am Ende der Nahrungskette an?

Eine Antwort darauf liefert Zoë Keating, eine amerikanische Cellistin und hauptberufliche Musikerin, die weltweit Konzerte spielt und ihr Debüt-Album 45.000 Mal verkaufte. Ihre Musikstücke wurden auf Spotify zwischen 2011 und 2012 in einem Zeitraum von 6 Monaten 72.800 Mal geklickt. Dafür erhielt sie eine Summe von umgerechnet 246€ ausgezahlt. 246€ in einem halben Jahr. [4]

Musik ist von einem Kunstprodukt zur Massenware, zum Konsumgut geworden. Die Ansprüche, die heute an Musik gestellt werden, sind vor allem quantitativ statt qualitativ. Musik soll in großen Mengen und schnell verfügbar sein, als Hintergrundbeschallung, die trotz Eintönigkeit nicht langweilig wird. Um das zu gewährleisten wird sie immer billiger, oder gleich kostenlos aus dem Internet gesaugt. Den Gedanken, welche Konsequenzen dieses Konsumverhalten für die Beschäftigten in der Musikbranche und nicht zuletzt die Musiker hat, stellen viele hinten an. Und so setzt sich der Niedergang der Musikindustrie fort.

--- Quellen ---

  1. https://en.wikipedia.org/wiki/Napster
  2. http://smallbusiness.chron.com/illegally-downloading-music-impact-music-industry-27748.html
  3. http://www.zeit.de/kultur/musik/2011-01/digital-music-report?page=1
  4. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/spotify-musiker-klagen-ueber-niedrige-streaming-erloese-a-841643.html

Kommentare

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    Hey Ric. Meine Erfahrung zu dem Thema ist, dass das Hör- & Kaufverhalten der Konsumenten eng mit deren Alter korreliert. Dieser maßlose und gedankenlose "Sammelwahn" von Musik nach dem Motto "ich will alles und noch mehr, aber bitte umsonst" ist vor allem ein Phänomen jüngerer Leute. Ich sag jetzt mal so U30, vll U40. Je älter man wird, dest anspruchsvoller wird man im Allgemeinen bzw. man begreift die von dir geschilderte Problematik. Ich selbst habe zu meinen Jugendzeiten die meiste Musik aus dem Netz geladen. Heute, 10-15 Jahre später, ist meine Musikauswahl vll überschaubarer geworden, aber dafür zu 90 % "echt". Ich war es irgendwann leid, immer den Rechner anmachen zu müssen und wollte wie beim Buch (never read an ebook!) etwas in der Hand halten. Eine richtige CD eben, keine selbst gebrannte. Die 10 % sind verbliebene Jugendsünden, die ich Stück für Stück nachkaufe (ein gutes CD-Sortiment macht genau so etwas her, wie ein gutes Bücherregal). Und ich kenne keinen Ü40 in meinem Umfeld, der noch streamt oder runterlädt. Das lässt man irgendwann hinter sich, hat keine Lust mehr auf die zahllosen neumodischen Möglichkeiten (und ihre Tücken, Macken und Falkstricke) und besinnt sich auf das Wahre, Echte, Bleibende. Die meisten jedenfalls. Es liegt an uns, mit unseren Kids die Trendwende zu schaffen.

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    Ric, ich bin ziemlich erschüttert. In deiner Abhandlung machst du den Lesern radikal deutlich, was für einen negativen Effekt das gegenwärtige Konsumverhalten auf die Musikbranche hat und wer der tatsächliche Verlierer ist: Künstler, Produzenten, wohl auch die Plattenfirmen. Ich habe mir zu diesem Thema zwar auch schon meine Gedanken gemacht, aber bei weitem nicht so ausführlich und schonungslos wie du. Aber das zeigt gut, dass man sich um Selbstverständliches wesentlich mehr Gedanken machen sollte! Und ich habe mich bei diesem Text sogar ein wenig selbst ertappt gefühlt. Größtenteils höre ich Musik auf YouTube, tatsächlich auch manchmal als Hintergrundkulisse. Runterladen tu ich mir die Musik allerdings nicht (mehr). Einmal aus moralischen Gründen und andererseits auch aus Bequemlichkeit. Wenn ich eine Band sehr, sehr gerne mag und schätze, was diese Band tut, dann kaufe ich mir auch die Alben auf CD. Meist sind es sogar Bands, die man nicht unbedingt zum Mainstream zählt. Dabei denke ich, dass man das viel öfter tun sollte, damit man Bands, die man sehr schätzt, dabei unterstützen kann, sich noch zu verbessern und ein breiteres Publikum zu erreichen. Musik muss wieder an Qualität gewinnen und nicht an Quantiät, wie du so schön schreibst. Dann gibt es auch keinen billigen Sound mehr, der aus dem Radio dröhnt. Der ewig selbe 0815-Pop ohne Botschaft und Tiefgang. Wir müssen Kunst fördern, nicht Konsum. :)

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    Das ist zweifellos ein großes Problem. Dowenloadprogramme für Youtube und Co. machen es aber auch bedenkenlos einfach, Musik ohne Kosten zu erhalten. Da ich bevorzugt Musik höre, die nicht so in den Mainstream passt (Pagan Folk, Mittelalter, Symphonic Metall etc.) und diese Bands meist nicht in Millionenhöhe verlegen, betrifft es meine "Idole" ganz besonders. Inzwischen versuche ich sogar, meine CD´s am besten vor Ort am Merch-Stand der Gruppen zu kaufen. Wenn mir Jenny von Omnia die CD selber in die Hand drückt, kann ich ganz sicher sein, dass sie auch den Gewinn davon erhält. Aber wir sollten alle beim download von Musik und auch von Ebooks nicht gedankenlos drauflos klicken. Das Brot beim Bäcker stecken wir ja schließlich auch nicht einfach ein, ohne eine Gegenleistung dafür zu geben. Wäre doch schade, wenn die Vielfalt der Songs und der Spaß am Musizieren plötzlich wegbliebe, weil die Künstler sich und ihre Familien nicht mehr von ihren Werken ernähren könnten.

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