Wiedersehen

Ich war bereit für den Kampf. Mit all meinen Waffen ausgestattet stand ich auf einer der Matten und wartete auf meinen Gegner. Ein paar Meter von mir entfernt bildeten meine und Yaros Gruppenmitglieder und einige andere interessierte Soldaten einen Kreis. Unter ihnen befand sich auch Vyras, der mir vorhin noch viel Glück gewünscht hatte, bevor er sich korrigierte und meinte, ich bräuchte kein Glück - ich würde meinen Gegner auch so fertig machen.
Und jetzt stand ich hier und harrte der Dinge die da kamen.
Meine Herz pochte ein wenig schneller als normalerweise - aber normalerweise diente einer meiner Kämpfe auch nicht der Anschauung, sondern um mein Leben zu verteidigen.
Kijan tauchte vor mir auf und ich erinnerte mich an die Gefühle, die sein Kuss in mir ausgelöst hatten und wie menschlich ich mich danach fühlte.
Doch nur wenige Sekunden später waren all diese Gefühle verschwunden und hatten einem einzigen Platz gemacht: Hass.
Ich erkannte den Gefangenen hinter ihm und die Tatsache, dass auch Kijan ganz genau wusste, wer er war. Yashar.
Wie versteinert stand ich da und fixierte ihn, wie er hinter Kijan stand, immer noch Herr seiner Sinne und nur ein wenig abgemagerter als zu dem Zeitpunkt, als ich ihn das letzte Mal gesehen hatte. Ich hasste ihn. Ich hasste ihn aus tiefstem Herzen und heute würde ich meine Rache bekommen - ich wusste es.
Er würde den heutigen Tag nicht überleben.
Er würde durch die Hand seiner eigenen Schwester sterben.
Ohne nachzudenken stürzte ich mich auf ihn, riss ihn zu Boden und schlug ihm mit meinen Fäusten ins Gesicht. Erst als man seine Nase laut knacken hörte, erwachte er aus seiner Starre und begann, sich zu verteidigen. Ich rappelte mich auf ging einige Schritte von ihm weg und zog meine beiden Zwillingsschwerter. Doch ich hatte mich zumindest so weit unter Kontrolle, dass ich nicht gleich wieder auf ihn losging, sondern erst wartete bis man ihm eine Waffe reichte. So schnell würde ich ihn nicht sterben lassen.
Er sollte leiden.
Er würde leiden.
Noch grinste er sein dreckiges hinterhältiges Lächeln, aber bald...
"Du hast dich kein bisschen verändert, Schwesterherz."
"Fick dich."
"Warum denn so feindselig?"
Er wollte doch nicht tatsächlich eine Antwort auf diese Frage. Doch als er mich fragend ansah, wurde mir klar, dass er wirklich keine Ahnung hatte, warum ich ihn so sehr hasste.
"Hmm, mal überlegen...vielleicht, weil du unseren Vater auf dem Gewissen hast, die Familie für ein Haus und deinen eigenen Reichtum verraten hast, dich dann hintenrum wieder einschleichen wolltest und jetzt hier vor mir stehst und so tust, als wäre nichts passiert." Ich holte tief Luft und versuchte meine Beherrschung nicht zu verlieren.
"Unser Vater war zu lieb für diese Welt. Er hat nicht erkannt, dass man manchmal Opfer für das höhere Wohl bringen muss. Ich dagegen schon. Er wollte mich aufhalten, doch das konnte ich nicht zulassen. Also blieb mir nichts anderes übrig, als ihn zu töten."
Das war genug. Mit gezückten Schwertern sprang ich auf ihn zu und eröffnete den Kampf. Scheinbar hatte er einen guten Lehrer gehabt, denn er war zu einem guten Kämpfer geworden. Hier und da gelangen uns beim anderen ein paar Treffer, doch keiner schaffte es, den anderen ernsthaft zu verletzen.
Mein Geduld schwand immer mehr und ich wurde risikobereit.
Ich ertrug sein Antlitz einfach nicht mehr. Sein Grinsen, seine ganze Art.
Der Hass schwappte über und ich wurde aggressiver. Es war mir egal, wer uns zusah und was man von meiner Technik hielt, ich schärte mich nicht um die anderen. Das Einzige, was im Moment zählte, war der Kampf.
Endlich landete ich ein paar schwerere Treffer und merkte, dass er sich nicht sehr verändert hatte. Schon als Kind konnte er keine Schmerzen ertragen und das konnte er ganz offensichtlich immer noch nicht.
Sein Gesicht schwoll allmählich zu und er hatte ein paar tiefe Schnitte an den Armen, aber im großen und ganzen hielt er sich besser als manch anderer Gegner, gegen den ich in meinem Leben schon gekämpft hatte.
Bis es mir endlich gelang, ihm einen langen Schnitt über die Brust zuzufügen. Blut quoll aus der Wunde und der Schmerz zeichnete sich deutlich auf seinem Gesicht ab. Ein diabloisches Lächeln schlich sich auf mein Gesicht, doch ich war für einen kleinen Moment davon abgelenkt und so schaffte Yashar es, auch mir einen langen Schnitt zu verpassen. Den Schmerzen nach ging er von meiner rechten Schulter über mein rechtes Schlüsselbein bis kurz über mein Brustpanzer. Er musste mindestens dreißig Zentimeter lang sein.
Durch das Adrenalin, welches durch meinen Körper gepumpt wurde, verschwanden die Schmerzen schnell wieder und ich ging erneut zum Angriff über. Diesmal waren meine Treffer weit besser und ich merkte, wie Yashar immer erschöpfter wurde. Seine Bewegungen wurden langsamer und sein Gesicht war vor Schmerzen zu einer grotesken Maske verzogen.
Er würde nicht mehr lange durchhalten.
Gerade, als ich zum tödlichen Schlag ausholen wollte, unterbrach Kijan den Kampf und ließ meinen Bruder wegbringen. Meinen Versuch ihm nachzulaufen um ihn zu töten verhinderte er, indem er mich festhielt und meine Bewegungen blockierte, mit denen ich versuchte mich irgendwie seinen Armen zu entziehen. Diese Arme, die mich vor nicht allzu langer Zeit noch umarmten, hielten mich jetzt von meiner Rache ab.
Ich hasste Kijan dafür. Er hatte mich benutzt. Er hatte mich verraten.
Ich hörte auf, mich zu wehren und er ließ mich endlich los. Ohne ihn eines Blickes zu würdigen drehte ich mich um und verließ die Höhle.
In meiner Höhle angekommen, riss ich mir meine Waffen und Panzer vom Leib, schmiss alles auf das Bett, schälte mich aus meinen restlichen Sachen, stellte mich in die Dusche und ließ eiskaltes Wasser auf mich niederrregnen. Es dämpfte meine Wut so, wie es dies immer tat und ich blieb solange, bis ich den Großteil meines Körpers nicht mehr spüren konnte. Dann erst stellte ich das Wasser ab und begutachtete meine Verletzungen. Der Schnitt über mein Schlüsselbein war tatsächlich ziemlich lang und ging an manchen Stellen bis auf den Knochen, aber ich hatte schon schlimmere Verletzungen gehabt und überlebt. Einzig eine Narbe würde bleiben. Doch ich musste es nähen. Ganz sicher würde ich nicht zu Kijan gehen und ihn nach dem Kleber fragen.
Also machte ich mich in meiner Höhle auf die Suche nach Nadel und Faden, wenn ich Glück hatte, fände ich vielleicht sogar etwas zum verbinden.

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