willkommen Zuhause

Es dauert fast vier Stunden mit dem Auto, bis wir dort sind. Dass Haus ist echt riesig. Es sieht fast schon wie ein Schloss aus, wunderschön. Es ist nicht das schäbige Haus, in dem ich früher gewohnt habe. Langsam fährt er vor und hält genau vor der riesigen Eingangstür.

Nolan erzählt: „In diesem Haus gibt es insgesamt nicht mehr als zehn Angestellte, also werden sie nicht immer von Personal umgeben sein.“

„Warum auch... er ist ja nicht hier. Ich werde sicherlich niemanden brauchen, der ständig hinter mir herrennt. Und wer sollte sonst hier sein. Ich meine er hat wohl kaum zwanzig Kinder adoptiert, oder?“

„Nein, nicht ganz.“

„Wie nicht ganz?“

„Es sind nur zehn.“

„NUR?!“

„Ja.“

„Er hat zehn Kinder adoptiert und du sagst einfach nur ja?!“

„Warum nicht? Er hat seine Kinder gerne um sich, deshalb sind Sie ja auch jetzt hier. Ohne ihn wären sie noch dort. Warum waren sie dort überhaupt?“

„Was?“

„Warum waren sie in der Klinik?“

„Er hat es dir nicht erzählt?“

„Nein, ich gehöre nicht zur Familie. Ich bin Teil des Personals.“

Soll ich es ihm sagen? Ja, dass sollte ich, ich habe schon einmal eine Gelegenheit verpasst es jemanden zu sagen. Und wenn Bob es ihm nicht gesagt hat, dann könnte er auf meiner Seite sein.

Aber noch bevor ich es ihm sagen kann, kommt ein seltsam angezogenes Mädchen aus dem Haus auf uns zu gelaufen und schreit:

„Nolan! Ich brauche deine Hilfe! Sie tut es schon wieder!“

Nolan springt förmlich aus dem Wagen, rennt auf sie zu und fragt:

„Wo ist sie?“

„In ihrem Zimmer!“

Alles geht sehr schnell und als die beiden im Haus verschwinden, renne ich fast schon automatisch hinterher.

Als ich das Haus betrete, bin ich als erstes ziemlich geschockt. Im ganzen Haus scheint es nur so von Glamour und Luxus zu wimmeln. Die Wände haben lauter goldene Verzierungen und der Boden ist wahrscheinlich aus teurem Marmor. Ich reiße mich aber schnell wieder zusammen, denn Nolan und das Mädchen, sind schon fast um eine Ecke verschwunden. Das Mädchen scheint Nala zu heißen, zumindest hat Nolan sie so genannt.

Als ich sie endlich eingeholt habe, stehen wir in einem großen, schmuckvoll eingerichteten Schlafzimmer.

Nolan steht wie angewurzelt in der Tür und starrt auf ein braunhaariges Mädchen, dass irgendeine Art Lichtball in den Händen hält. Als sie uns bemerkt, sieht sie mich direkt an. Von dem Ball gehen komische Blitze ab und sie gibt komische wimmernde Laute von sich. Am liebsten wäre ich sofort gegangen, aber ich kann nicht anders, als in ihre Augen zu sehen. Diese ganze Situation kommt mir nicht richtig vor. Was ist das dort in ihren Händen?

Bevor ich weiß was geschieht, krache ich gegen den Türrahmen. Mein Kopf platzt fast vor Schmerz, als mein Kopf gegen die Wand kracht. Nolan schreit Nala zu, sie solle mich rausbringen. Aber ich denke gar nicht daran, ich will wissen, was hier los ist. Ich stehe auf und als der nächste Blitz in meine Richtung kommt, stößt Nolan mich zur Seite.

Bevor das Mädchen noch einen weiteren Blitz abfeuern kann, zerrt mich Nala grob aus dem Raum und schließt die Tür hinter sich.

Ich kann genau hören, wie hinter ihr immer wieder Blitze gegen die Tür prallen. Ich bin erstaunt, dass die Tür immer noch steht. Mehrmals frage ich Nala, was hier vor sich geht, aber sie weicht meinem Blick aus. Als sie mir nicht antwortet, laufe ich weg, wieder hinaus zu dem Wagen.

Oder auch nicht?

Ich habe mich völlig verlaufen. Dabei bin ich mir sicher, dass ich zuerst nach links und dann dreimal nach rechts musste. Oder ist es doch zweimal nach rechts und zweimal nach links?

Nun stehe ich allerdings vor einer Eisentür mit der Aufschrift `Laboratorium`. Interessant. Was Bob hier wohl versteckt?

Die Tür steht offen, das ist nicht unbedingt gut, aber ein kurzer Blick kann ja nicht schaden.

Schließlich ist das kein Weltuntergang. Außerdem behaupten ja auch immer alle, Bob würde sich als mein Vater ausgeben. Und welcher gute Vater hat vor seiner Tochter schon Geheimnisse?

Gerade als ich durch die Tür treten will, steht Nolan neben mir und drückt sie langsam, aber entschlossen wieder zu.

„Dort hat niemand außer ihrem Vater zutritt.“

„Und warum war die Tür dann bitte auf? Ich dachte er ist nicht hier?“ Gereizt zuckt Nolan mit den Schultern. „Das geht uns beide nichts an. Und nun gehen wir zurück!“

Er scheint wirklich sauer auf mich zu sein.

Und das wiederrum macht mich sauer: „Warum?! Du bist nicht mein Boss! Ich werde mich hier jawohl umsehen dürfen!“

„Nein dürfen sie nicht! Und ich bin ihr Boss, wenn sie es so wollen. Ihr Vater hat mir die Verantwortung für sie übertragen. Schließlich wurden sie gerade erst entlassen!“ „Nenn ihn nicht immer wieder meinen Vater!“

Darauf geht er gar nicht erst ein, es scheint es ihm nicht wert zu sein.

„Was wolltest du da drin?“

„Das geht dich gar nichts an!“

„Und ob!“

„Ich war einfach neugierig okay?!“

Er gibt mir mit einem Kopfschütteln zu verstehen, dass das gar nicht okay ist. Nolan ruft kurz angebunden nach Nala und als sie da ist, sehe ich sie mir das erste Mal genauer an. Sie sieht Nolan ziemlich ähnlich, aber sie hält ihren Kopf demütig gesenkt. Sie sieht mit ihrem komischen Spielzeug in der Hand aus, wie eine Hexe und dann erst dieses Cape, wer ist sie `Superwomen´? Anscheinend hat Bob hier nur Freaks hergebracht. Dann werde ich hier ja super hineinpassen. Sie scheint meinen skeptischen Blick zu bemerken und schaut schnell weg.

Bevor Nolan jedoch weiter herumkommandieren kann, frage ich: „Was hat sie da getan?“

Nolan richtet seinen Blick auf mich und sagt:

„Das wirst du bald erklärt bekommen. Nala wird dir jetzt dein Zimmer zeigen.“

„Und meine Sachen?“

„Ich werde sie dir auf dein Zimmer bringen lassen.“

Nala sieht mich fragend an und macht einen ersten zögerlichen Schritt, als ich ihr zunicke, dreht sie sich um und geht immer geradeaus. Als nächstes gehen wir in den zweiten Stock. Am Ende stehen wir vor einer steilen Treppe. Ich deute auf die Stufen und frage entsetzt:

„Ich wohne auf dem Dachboden?!“ Sie nickt und bedeutet mir nach oben zu gehen. Mir fällt auf, dass ich sie nur einmal sprechen gehört habe und da war sie außer sich vor Panik.

Warum also spricht sie nicht mit mir? Vielleicht werde ich ja auch einfach nur paranoid, aber seit ich die Anstalt verlassen habe, sehe ich hinter allem eine Verschwörung. Etwas musste mit Nala nicht stimmen.

„Warum sprichst du nicht mit mir?“

Ohne etwas zu sagen schüttelt sie den Kopf, dreht sich um und geht weg.

Mir bleibt nichts Anderes übrig als hoch zu gehen, wenn ich versuchen würde ihr nachzulaufen würde ich mich bloß wieder verlaufen.

Als ich endlich oben bin, scheint es mir so als ob ich Tausende von Stufen hochgegangen bin.

Ich stolpere außer Atem in mein Zimmer oder bessergesagt in meine Wohnung. Als ich mich richtig umsehe, stelle ich mit schrecken fest, dass der ganze Dachboden aussieht wie das Wohnzimmer und mein Schlafzimmer zuhause.

Mein Schlafzimmer besteht aus einem Himmelbett, einem Schrank und einem Spiegel. Der Boden besteht aus Holzboden und an der Wand hängt die mir so wundervoll vertraute Tapete.

Im Wohnzimmer steht ein Hochmoderner Plasma- Fernseher und eine kuschelige Couch. An der Wand hängen unzählige Bilder von mir bei meiner Einschulung und meinen Geburtstagen.

Und Bilder von ihr... meiner Mutter. Was um alles in der Welt hat Bob damit vor? Was will er?

Er weiß ganz genau, dass ich es nicht ertragen würde mich zu erinnern.

Aber ich muss. Es scheint nicht so, als würde ich eine Gelegenheit bekommen, von hier zu verschwinden. Genauer betrachtet bin ich mir sogar sicher. Dies hier ist kein Zuhause, es ist nur ein weiteres Gefängnis. Ich muss es solange ertragen, bis ich weiß, was hier vor sich geht. Dieses Mädchen, wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen…

Es sah fast aus wie... wie... ja, es sah fast aus wie Magie. Aber selbst ich weiß das es keine Magie gibt.

Kaum habe ich einige Fragen geklärt, ergeben sich auch schon die Nächsten zehn Tausend.

Es ist zum Verzweifeln. Nun als erstes muss ich aus meinen Sachen aus dem Irrenhaus raus und dann brauche ich noch eine Karte von diesem Haus.

Ansonsten werde ich nicht einmal den Kühlschrank finden können und elendig verhungern.

Kaum bin ich im Badezimmer, da springe ich auch schon für die nächste halbe Stunde unter die Dusche. Als ich fertig bin ist der Spiegel beschlagen und von der Wand laufen Wassertropfen hinunter. Meine Gedanken wollen sich einfach nicht beruhigen und ich entpuppe die verrücktesten Theorien.

Ich schnappe mir ein Handtuch und hoffe nur, das mein Schrank voller Klamotten ist. Bob ist wirklich alles zuzutrauen, denn tatsächlich sind in meinem Schrank lauter Klamotten. Sogar Unterwäsche. Alles passend in meiner Größe. Gruselig.

Als ich fertig angezogen bin, schnappe ich mir einen Föhn und trockne mir die Haare. Danach fahre ich mir mit meiner Bürste solange durch die Haare bis diese so glatt wie Seide sind. Es ist wirklich lange her, dass ich so gepflegt aussah.

Ich sehe mich noch etwas um und blicke auf meinem Wecker. Die Zeit ist wie im Flug vergangen und es ist schon fast sechs.

Höchst Zeit etwas zu essen. Schließlich habe ich heute den ganzen Tag noch nichts Richtiges bekommen. Auf dem Weg zum Kühlschrank verirre ich mich natürlich so an die Hundert mal und ende immer wieder in Sackgassen.

Als ich dann doch endlich am Kühlschrank ankomme ist schon fast wieder eine Stunde rum.

Die Küche an sich ist eher klein und schlicht. Ehrlich gesagt hat sie große Ähnlichkeit mit einer Gruft. Es gibt einen Herd und ein paar Ablageflächen zum Kochen, was hier wohl nicht oft getan wird. Zumindest sieht es nicht danach aus. Natürlich gibt es auch einen Kühlschrank. Zielstrebig gehe ich darauf zu.

Als ich kurz davor bin ihn zu öffnen, sagt eine Stimme hinter mir:

„Das Abendessen ist bereits vorbei!“

Ich drehe mich erschrocken um und sehe in die Augen von einem Mädchen, mit braunen Haaren

und ein etwas älteres Mädchen mit bläulichen Haar. Beide schauen mich strafend an, als ob dies die oberste Regel sei. Ungläubig starre ich die Beiden an.

Das Mädchen mit den bläulichen Haaren scheint wie das Mädchen von vorhin zu sein. Über ihrer rechten Hand scheint eine Karte zu schweben. Mit ihrer anderen Hand, hält sie die Hand eines Jungen umklammert, welcher mich verstört ansieht.

Also echt, die ganze Situation ist mir doch ein wenig zu viel. Wer sind die?! Bevor ich weiß wie mir geschieht, liege ich schon wieder auf dem Boden.

Das kleine Mädchen, welches mich offensichtlich ermahnt hat, steht über mir und sagt giftig:

„Man ignoriert mich nicht so einfach, kapiert?!“

Ich kann nicht anders als auf die Kanone zu starren, die da über meinem Gesicht schwebt. Was um Himmels willen?! Hat Bob hier jeden mit Waffen ausgestattet!? Das kann doch nicht legal sein! Aber andererseits…

Hat Nolan nicht irgendwas davon gesagt, ich solle mich von ihnen fernhalten? Mittlerweile erscheint mir das doch ganz logisch. Als ich sie einfach so wortlos anstarre, rückt das Mädchen ihre Waffe noch ein wenig näher an mein Gesicht. Endlich meldet sich die mit den bläulichen Haaren zu Wort: „Franzi, hat anscheinend keine Ahnung! Lass sie lieber in Ruhe!“

Franzi überlegt kurz und nimmt dann endlich die Waffe runter. Sie murrt:

„Ich frage mich echt was er sich dabei gedacht hat, sie in einem Haus voller Engel rumlaufen zu lassen!“

Wie bitte!? Engel? In welchem Märchen bin ich denn jetzt gelandet?

„Was meinst du mit Engeln?“

 Sie grinst biestig:

„Das wirst du schon noch erfahren, aber bestimmt nicht von uns.“

Bei diesen Worten dreht sie sich kurzer Hand um und die anderen Beiden folgen ihr nach draußen. Der Junge dreht sich noch einmal zu mir um und lächelt mich unsicher an:

„Mein Name ist Blue, das Mädchen mit den Blauen Haaren ist Laila und die etwas Energischere ist Franzi. Und wie heißt du?“

„Ahm… Angel.“

Mit einem Mal ist sein Lächeln verschwunden, er sieht mich ängstlich an.     Dann rennt er wieder zu den Anderen.

Oh man, wenn das so weiter geht bin ich echt bald tot. Was hat das Samurai- Mädchen noch mal über die Engel gesagt? Irgendetwas in der Art davon, dass sie mich töten würden, wenn sie es nicht täte.

Oh shit, ich hätte vielleicht doch im Irrenhaus bleiben sollen.

Als ich mich von dem Schock erholt habe, stehe ich langsam auf und hole mir etwas zu essen aus dem Kühlschrank. Danach mache ich mich schnell auf den Weg zurück. Auf dem Weg gehe ich den Tag noch einmal durch.

Ich bin von einem Jungen namens Nolan abgeholt worden und habe darauf Nala kenngelernt.

Bin dreimal angegriffen worden und habe bereits vier meiner vermeintlichen Geschwister kennen gelernt. Fehlen noch sechs.

Bis ich in meinem Zimmer ankomme begegne ich zum Glück niemanden.

Im meinem Zimmer wartet allerdings schon Nolan auf mich.

Er ist immer noch sauer auf mich.

Er sieht mich an und sagt:

„Morgen ist Montag. Das heißt sie werden morgen anfangen wieder zur Schule zu gehen, verstanden?“

„Wird mich jemand wecken?“

Er nickt und sagt streng:

„Um sechs Uhr gibt es Frühstück. Um vier gibt es Mittag und um sechs gibt es Abendessen. Seien sie pünktlich sonst bekommen sie nichts!“ Damit deutet er auf das Essen in meiner Hand. „So etwas dulden wir hier nicht.

Ihre Schuluniform befindet sich bereits in ihrem Schrank. Denken sie daran das sie in der Schule nicht Angel heißen! Sondern als Magrit bekannt sind.

Und halten sie sich verdammt noch mal von ihren Geschwistern fern! Vorhin hatten sie verdammt noch mal viel Glück!“

„Netter Vortrag, also bis Morgen dann. Gute Nacht.“

Verdutzt weiß er nicht was er sagen soll und ich gehe schnell in mein Zimmer, bevor er sich erholt. Woher weiß er von dem Treffen? Wird hier etwa alles überwacht!?

Nach fünf Minuten höre ich, wie er wütend die Tür hinter sich zuknallt.

Langsam bin ich mir sicher, dass hier etwas ganz gewaltig nicht stimmt.

Passiert das jetzt auch mit mir?

Am besten ich Ruhe mich so gut es geht aus, was auch immer passieren mag. Schlaf werde ich sicherlich brauchen.

In dieser Nacht träume ich von Engeln die nur darauf warten, dass ich so werde wie sie.

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