Wings (Kapitel 11 Teil 2)

Alex unterhielt sich in der Küche mit meinen Eltern, während ich die engen Jeans und das längere, weiße Top mit tausend funkelnden Steinchen auf der Vorderseite anzog. Ich legte eine dünne Jacke über meine Schulter, um später nicht zu frieren. Meine Augen betonte ich dezent mit einem schwarzem Eyeliner, mehr Make-up brauchte ich nicht. Der süße Duft, den Alex so sehr liebte, durfte auch nicht fehlen – ich sprühte von meinem Lieblingsparfüm auf meinen Hals und Dekolleté.
Lucas half mir, den schweren Koffer runterzutragen. Ich eilte in die Küche, wo Alex meine Anwesenheit sofort bemerkte und mir sein schönstes Lächeln schenkte. Er knabberte gerade an einem Stück Kuchen und trank dazu Orangensaft. Meine Eltern, vor allem meine Mutter, hatten ihm Löcher in den Bauch gefragt. Schließlich studierte Alex Rechtswissenschaften und meine Mutter war verrückt danach. Ich setzte mich an den freien Platz am Tisch, nahm ein Stück vom Kuchen und beobachtete, wie Alex mit meinen Eltern kommuniziert. Er kam mit meinen Eltern gut klar. Das Gespräch zog sich in die Länge und ich wurde langsam ungeduldig. Ich wollte mit Alex tanzen und ihm ganz nahe sein. Als wir endlich das Haus verließen, bemerkte mein Vater leise, was für einen attraktiven, netten Freund ich hatte.
»Hast du alles eingepackt?« wollte meine Mutter wissen. »Morgen ist es schon zu spät, wenn dir noch einfällt, dass du etwas daheim hast liegen lassen.«
»Ich habe alles« beruhigte ich sie. »Und sonst rufe ich euch an.«
»Wenn du weg bist, werde ich dir nicht helfen können.«
»Ich weiß. Aber jetzt müssen wir gehen, sonst verpassen wir die Eröffnung!«
»Du wirst uns fehlen. Viel Spaß bei der Party! Du musst uns nicht jeden Tag anrufen« sagte sie. »Aber denke ab und zu an uns.«
»Klar« stöhnte ich in der Hoffnung, dass sie uns endlich gehen lassen würden.
Meine Mutter machte sich zu große Sorgen, als würde sie mich die nächsten zehn Jahre nicht sehen. Ihr Besorgnis war unbegründet, schließlich dauerte das Klassenlager nur ein paar Tage. Außerdem würde ich Alex die nächsten paar Tage auch nicht sehen, deshalb musste ich jeden Moment unseres Zusammenseins genießen.
»Es war uns eine Freude, dich endlich kennenlernen zu dürfen, Alex« sagte mein Vater und streckte meinem Freund die Hand entgegen.
»Ganz meinerseits« Alex reichte ihm ebenfalls die Hand.
»Pass auf unsere Tochter auf. Wir haben nur eine.«
»Ich werde auf Blanka aufpassen« versprach er und drückte mich noch fester zu sich.
Lucas meinte als Abschied, dass ich nicht herumfliegen sollte, weil es auffällt. Nur ich und Alex wussten seinen Humor zu schätzen. Meine Eltern küssten mich auf die Wange, dann führte mich Alex samt Gepäck zum Wagen. Ich stieg ein, während er meine Sachen im Kofferraum verstaute.
»Du bist wunderschön« flüsterte er, nachdem er ebenfalls einstieg. Er schaute mich nicht an, sein Blick war auf das Lenkrad gerichtet.
»Du schaust auch nicht schlecht aus« mir fiel nichts anderes ein. Alex war verdammt attraktiv. Auf der Party werde ich aufpassen müssen, dass ihn mir keine andere wegnimmt.
Ich wartete auf eine Antwort, aber es kam nichts. Meine Eltern waren schon wieder im Haus, wir waren ganz alleine. Ich streichelte mit der freien Hand über seinen Handrücken. Keine Reaktion.
»Alex?« fragte ich vorsichtig. »Ist was?« Ich hob sein Kinn, um ihm in die Augen sehen zu können. Als er aufschaute, liefen Tränen über sein Gesicht. Ich wischte sie mit den Fingern weg und küsste ihn.
»Ich liebe dich« wisperte Alex und umarmte mich. »Ich werde dich immer lieben, egal was passiert. Hast du mich verstanden?«
Sein Anblick machte mir Angst, ich hatte Alex noch nie in einem annähernd ähnlichen Zustand gesehen.
»Warum sagst du das? Du erschreckst mich« Ich hatte keine Ahnung, was mit ihm los war. Ich hätte es so gerne erfahren, aber ich traute mich nicht, nachzufragen. Vielleicht aus Angst vor einer Enttäuschung. Denn vorhin hatte er noch gelacht. Und es war das erste Mal, dass er mir seine Liebe gestand. »Was auch immer passiert, nichts kann uns trennen« versprach ich. »Nichts.«
Alex atmete aus und starrte kopfschüttelnd auf die leere Straße vor uns. Ich wollte nicht, dass er traurig war. Es stand noch eine tolle Party und eine wundervolle Nacht zu zweit bevor. Ich lächelte ihn mit dem schönsten Lächeln meines Daseins an und war er erleichtert, als er es sanft erwiderte.
»Los geht’s« sagte er dann und fuhr los.

Die Fahrt war kurz, jedoch lang genug, um festzustellen, wie bequem die weichen Sitze des Sportwagens sind. Alex ließ die Klimaanlage laufen und ich fühlte mich wie in einer Limousine. Nachdem er das Auto in der Nähe des Schulgebäudes abstellte, gingen wir den kurzen Weg zu Fuß. Stella erblickte uns, sobald wir in ihren Blickwinkel traten.
»Blanka!« rief sie aufgeregt.
Bekannte und unbekannte Gesichter drehten sich um und musterten mich und Alex. Meine Freundin lief zu mir und klammerte sich an meinem Hals fest.
»Hi« lachte ich. Ich freute mich auch, Stella zu sehen.
»Du duftest so gut« stellte sie fest. »Nach Blanka… Irgendwie. Und wie hübsch du bist!«
»Danke. Du schaust auch sehr hübsch aus, hast du Schokolade genascht?« scherzte ich.
Stella stieß mir mit dem Ellenbogen spielerisch in die Rippen.
»Nur Schoko« sie wandte sich zu Alex. »Sag, wie schaffst du es, dich zurückzuhalten? Selbst mir als Frau fällt es schwer, ihr zu widerstehen. Sie ist sooo verführerisch…« zwinkerte sie.
Alex lachte.
»Schwer« gestand er und drückte meine Hand.
»Kommt« Stella nahm meine andere Hand und riss uns zum Eingang, wo wir die Eintrittskarten kauften.
Ich eilte zur Mädchentoilette, um einen Blick auf meine Frisur und Outfit zu werfen. Ich hörte die Musik und mein Puls stieg an. Drinnen traf ich einige Bekannte, die ebenfalls ihre Frisuren richteten. Ferienstimmung lag in der Luft, jeder war gut drauf und freute sich auf die Sommermonate. Ich versuchte, ein wenig zu entspannen und mich auf die Party zu konzentrieren. Wie immer, warf ich auch diesmal meinem Spiegelbild ein Lächeln zu und verließ den Raum.
Alex stand angespannt neben meiner ungeduldigen Freundin. Seine Spannung löste sich, sobald ich wieder bei ihm war.
»Geht ruhig tanzen« sagte er. »Ich schau mich derweil um. Wir treffen uns später auf der Tanzfläche, okay?«
»Okay« nickte ich unbekümmert.
»Ruf mich an, wenn dich jemand anmacht.«
»Klar« versicherte ich ihm kopfschüttelnd. Wer würde mich denn schon anmachen?
Alex streichelte über mein Gesicht und verschwand. Wenn er sich seiner Ausstrahlung bewusst wäre… Ich spürte die neidischen Blicke meiner Mitschüler.
Ein wenig mit Stella zu tanzen tat mir sicherlich gut. Die Tanzfläche war der aufgeschmückte Veranstaltungssaal unserer Schule. Von der Decke hingen zahlreiche glitzernde Kugeln, Pappstreifen verzierten die Wände. Stella zog mich in das Meer der Discolichter.
Wir tanzten rhythmisch zur Musik und hatten großen Spaß dabei. Stella zog die Jungs wie ein Magnet an, sie war wirklich hübsch. Mit ihren knallroten Highheels und engen Jeans übertraf sie die Erwartungen der Männerwelt. Ihr schwarzes Top bildete einen starken Kontrast zu ihrer gebügelten, blonden Mähne, und wie ich riechen konnte, trug sie zusätzlich ein Parfüm, das ich noch nicht kannte.
Wir entschieden uns, vom Tempo zurückzunehmen, als auch ich Zielpunkt des anderen Geschlechts wurde. Schließlich hatte ich Alex und konnte es kaum erwarten, mit ihm zu tanzen. Ich stellte mir vor, wie wir uns zur Musik bewegen würden, als mich plötzlich jemand von hinten umarmte. Erst dachte ich, es sei Alex und lächelte zufrieden, doch irgendetwas stimmte nicht. Alex würde sich anders anfühlen und ich würde seinen Duft und Wärme spüren. Stellas Gesichtsausdruck deutete auch nichts Gutes an. Ich drehte mich um, damit ich sehen konnte, wer mich begrapschte.
Es war Tom. Ich wich zurück, aber er ließ mich nicht los.
»Hallo Blanka!« grinste er blöd.
»Hi« sagte ich kaltherzig. Desillusionierender Vollidiot. »Was suchst du hier?« Wieso überraschte es mich nicht, ihn hier anzutreffen? Wie oft musste ich ihm denn noch beibringen, dass aus uns nichts wird?
»Ich bin gekommen, um zu tanzen. Hast du Lust?« fragte er.
»Du kannst gar nicht tanzen« sagte ich.
»Doch. Ich zeig’s dir!« er trat näher zu mir und kreiste mit seiner Hüfte wie ein betrunkener Affe.
Sein tollpatschiger Fruchtbarkeitstanz war mir peinlich. So peinlich, dass ich den Drang verspürte, ihm zu zeigen wie man richtig tanzt. Sobald ich mich bewegte, ließ er seine Hände auf meiner Taille nieder. Mein Korsett fiel ihm nach wie vor nicht auf, dafür war er zu meinem Gunsten zu unaufmerksam. Es war trotzdem ein unangenehmes Gefühl, denn nur eine Person durfte mir so nahe kommen wie er es in dem Moment tat. Noch ein Zentimeter und mein Knie würde sein bestes Stück treffen.
Tom gab nicht auf, obwohl ich mich immer weiter zurückzog.
»Blanka, ich will wieder mit dir zusammensein. Bitte gib mir noch eine Chance« flehte er mich an.
»Nein!« stieß aus mir heraus. »Bist du verrückt?!«
»Blanka, bitte, ich flehe dich an. Sag mir nur einen Grund, warum wir es nicht noch eimal versuchen sollten.«
»Lass mich in Ruhe, Tom« ich versuchte, den Zorn in mir zu unterdrücken und möglichst unauffällig zu bleiben.
»Ich weiß, dass du mich noch liebst. Ich kann es fühlen!« Er ließ nicht nach.
War es wirklich das, was ich ihm vermittelte? Dass ich ihn lieben würde? Ich lachte herzhaft.
»Sei doch nicht so albern!«
»Unsere gemeinsamen Bilder hängen noch immer in meinem Zimmer und meine Mutter vermisst dich auch« teilte er mir mit.
Das war das bescheuertste Argument, das ich je von einem Jungen gehört hatte.
»Tom, du bildest dir was ein. Schau, wieso suchst du dir keine Freundin? Diese Party ist eine tolle Möglichkeit.«
»Weil ich dich liebe, Blanka« er kam näher und versuchte, mich zu küssen.
Erst dachte ich, ich würde es verhindern können, doch als ich merkte, wie fest er mich an den Armen hielt, geriet ich in Panik. Ich rief laut nach Alex, doch selbst das schreckte Tom nicht ab. Mein Knie juckte immer stärker.
»Lass sofort meine Freundin los!« befahl eine tiefe Stimme hinter meinem Rücken.

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